Frühling des Lebens (1945)
Film von Roy Rowland (1945)
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Frühling des Lebens (Originaltitel Our Vines Have Tender Grapes) ist ein US-amerikanisches Filmdrama unter Regie von Roy Rowland, mit Edward G. Robinson und Margaret O’Brien in den Hauptrollen als Vater-Tochter-Gespann. Der Film schildert das Aufwachsen der jungen Selma in einer Gemeinschaft skandinavischstämmiger Farmer im ländlichen Wisconsin. Er basiert auf dem gleichnamigen, 1940 veröffentlichten Roman von George Victor Martin (1900–1959).
| Film | |
| Titel | Frühling des Lebens |
|---|---|
| Originaltitel | Our Vines Have Tender Grapes |
| Produktionsland | Vereinigte Staaten |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1945 |
| Länge | 105 Minuten |
| Produktionsunternehmen | Metro-Goldwyn-Mayer |
| Stab | |
| Regie | Roy Rowland |
| Drehbuch | Dalton Trumbo |
| Produktion | Robert Sisk |
| Musik | Bronisław Kaper |
| Kamera | Robert Surtees |
| Schnitt | Ralph E. Winters |
| Besetzung | |
| |
Handlung
Die Handlung spielt innerhalb eines Jahres in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die siebenjährige Selma wächst in der kleinen Gemeinde Fuller Junction in Wisconsin auf, die hauptsächlich von norwegischen Einwandern und ihren Nachfahren bewohnt wird. Selma verbringt viel Zeit draußen mit ihrem fünfjährigen Cousin Arnold Hanson. Ihre Eltern Martinius und Bruna bewirtschaften eine kleine Farm, wie die meisten Menschen in Fuller Junction. Der gutmütige Martinius träumt davon, wie sein Nachbar Bjorn Bjornson einen großen, modernen Kuhstall zu bauen. Mutter Bruna sieht das skeptisch, hat Martinius doch mit der bisherigen Größe des Hofes eigentlich genug Arbeit.
Eines Sommertags lernt Selma ihre neue Lehrerin Viola Johnson kennen, die aus Milwaukee hergezogen ist. Miss Johnson möchte allerdings nur für ein Jahr in Fuller Junction bleiben, da sie dann genug Praxiszeit absolviert hätte, um ihren Ph.D. beginnen zu können. Das Leben in der abgelegenen Gemeinde stellt sich die moderne, kluge Frau eher primitiv vor. Nels Halverson, der Chefredakteur der lokalen Zeitung, möchte Violas Meinung ändern und macht der jungen Lehrerin zugleich den Hof. Viola versucht, die psychisch labile Jugendliche Ingeborg Jensen zum Schulbesuch zu bewegen. Über die wunderliche junge Frau wird im Dorf oft gespottet, aber Viola schafft es, einen zarten Draht zu ihr aufzubauen. Ingeborgs strenger Vater Kurt lehnt jedoch einen Schulbesuch für seine Tochter ab, da er sie auf der Farm behalten möchte.
Eines Tages bestraft Martinius Selma dafür, dass sie sich geweigert hat, ihre neuen Rollschuhe mit Arnold zu teilen, und schickt sie ohne Abendessen ins Bett. Später am Abend nimmt Martinius, der wegen der Bestrafung von Selma Schuldgefühle hat, sie mit zu einer Zirkustruppe, die gerade durch die Stadt zieht. Martinius steckt den Zirkusleuten fünf Pfund zu, damit Selma etwas Zeit mit einem Elefanten verbringen kann. Über das Jahr verteilt erlebt Selma viele Dinge: Sie hilft ihrem Vater bei der Ernte, darf an Weihnachten in der Kirche die Weihnachtsgeschichte vortragen – und bekommt an Weihnachten ihre Rollschuhe von Arnold als Geschenk zurück, weil dessen Vater Pete es ihm so aufgetragen hatte.
Gelegentlich passieren aber auch Ereignisse, welche das Dorf aufwühlen: Im Herbst stirbt Ingeborg Jensen, offenbar durch Suizid, und das ganze Dorf begleitet ihren Trauerzug. Die erschütterte Miss Johnson sieht darin aber nur einen weiteren Beleg für die Engstirnigkeit und das scheinheilige Verhalten der Dorfbewohner. Im Frühjahr, als große Regenfälle zu nassen Feldern und reißenden Bächen führen, fahren Selma und Arnold mit einer alten Badewanne über eine große Pfütze auf dem Hof der Familie Jacobson. Sie verlieren jedoch die Kontrolle und geraten schließlich mit der Badewanne in die Strömung eines Flusses, aus dem sie von den Dorfbewohnern gerettet werden müssen. Und schließlich brennt der von Martinius bewunderte neue Stall von Bjornson durch einen Blitzeinschlag ab. Der versteinert wirkende Bjornson wird von anderen Männern, darunter Martinius, aus dem Stall geführt. Die Tiere von Bjornson, die nicht mehr aus dem Feuer gerettet werden können, erschießt Martinius, um ihnen den Feuertod zu ersparen.
Danach begräbt Martinius seinen jahrelang gehegten Traum eines neuen Stalls für sich: Er sei mit seiner Frau, seiner Tochter und dem Hof glücklich, und es sei vielleicht nicht schlecht, wenn ein Traum auch unerfüllt bleiben könne. Bei einem Gottesdienst bittet Nels um Spenden, um den Bjornsons beim Wiederaufbau ihrer Scheune zu helfen. Die Dorfbewohner werfen zunächst wenig Geld in den Sammelbehälter, bis Selma großzügig ihr Kalb für Mr. Bjornson spendet. Ihre Spende inspiriert die Dorfbewohner dazu, mehr Geld zu geben, und veranlasst Viola Johnson, ihr hartes Urteil über das Dorf zu überdenken. Viola muss bemerken, dass sie nicht nur Nels liebt, sondern auch am Dorf Gefallen gefunden hat, und beschließt, entgegen ihrer ursprünglichen Pläne in Fuller Junction zu bleiben.
Produktionsgeschichte
Der Film wurde zwischen dem 16. Oktober und 27. Dezember 1944 gedreht, weitere Nachdrehs fanden ab April 1945 statt. Am 6. September 1945 feierte Our Vines Have Tender Grapes seine Premiere in New York.[1] Laut MGM-Unterlagen wie dem Eddie Mannix Ledger spielte der für rund 1,372 Millionen Dollar produzierte Film in den USA 2.770.000 Dollar und im Ausland 1.426.000 Dollar ein, was zu einem Gewinn von 1.407.000 Dollar führte.
Es handelt sich bei diesem Film um das letzte verfilmte Drehbuch von Dalton Trumbo, bevor er Ende der 1940er-Jahre auf die Schwarze Liste in Hollywood wurde, weil er sich weigerte, vor dem House Un-American Activities Committee über seine politischen Aktivitäten auszusagen. Margaret O’Brien vermutete später, dass der Film aufgrund des damit verbundenen Namens Trumbo jahrzehntelang weitgehend ignoriert worden sei.[2]
Titel
Der Filmtitel sowie der Titel der Buchvorlage Our Vines Have Tender Grapes beziehen sich auf eine Stelle im Alten Testament (Hoheslied 2,15): „Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben; denn unsere Weinberge haben Blüten bekommen“ (englisch: Take us the foxes, the little foxes, that spoil the vines: for our vines have tender grapes).
Der deutsche Filmtitel Frühling des Lebens lädt zu Verwechslungen ein: Zum einen mit dem sowjetischen Film Vesenniy potok aus dem Jahr 1941, der ebenfalls diesen Titel im Deutschen erhielt. Zum anderen mit dem Roman Frühling des Lebens (Originaltitel The Yearling), der ebenfalls das Aufwachsen eines jungen Menschen in einer ländlichen amerikanischen Gemeinschaft schildert und mehrfach verfilmt wurde (u. a. 1946 als Die Wildnis ruft).
Kritiken
In einer zeitgenössischen Kritik für die The New York Times nannte der Kritiker Thomas M. Pryor den Film „wunderschön gemacht“ und lobte seine Warmherzigkeit: „Dies ist ein eloquenter und berührend einfacher Erguss der Liebe aus dem Herz eines kleinen Mädchenherzens (...)“. Die Handlung sei mitunter melodramatisch und nicht ohne Pathos, aber Rowlands Regie und das immer wieder auch witzige Drehbuch von Dalton Trumbo wüssten übermäßige Sentimentalität zu verhindern. Pryor schloss seine Kritik mit den Worten: „Es ist nur bedauerlich, dass diese großartige Unterhaltung so kurz vor dem Ende der Schulferien in die Kinos kommen musste, denn die Kinder (und natürlich auch ihre Eltern) hätten sich nichts Besseres wünschen können.“[3]
Der Filmdienst urteilte hingegen eher kritisch. Es sei „Familienunterhaltung, gut gemeint, aber psychologisch mangelhaft und recht wirklichkeitsfern“.[4] In einer der wenigen modernen Kritiken vergab Rachel’s Review acht von zehn Sternen und beschrieb, dass der Film für einige Menschen vielleicht zu sentimental sei, aber äußerst herzerwärmend und mit sympathischen Figuren ausgestattet sei. Sie lobt verschiedene Schauspieler, darunter Agnes Moorehead, die hier anstatt ihrer sonst oft grantigen Figuren eine ganz andere Rolle spiele und eine gute Leinwandchemie mit ihrem Filmpartner Edward G. Robinson habe.[5]