Fähre Wannsee–Kladow

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Die Fähre Wannsee–Kladow ist eine Fährverbindung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf dem Großen Wannsee in Berlin. Sie trägt die Linienbezeichnung F10 und befindet sich in der VBB-Tarifzone Berlin B. Die Schiffsbesatzung und die Fahrgastschiffe, darunter die Fähre Wannsee, werden von der Stern und Kreisschiffahrt gestellt. Die Fährverbindung zwischen Wannsee im Bezirk Steglitz-Zehlendorf und Kladow im Bezirk Spandau reicht bis ins Jahr 1892 zurück.[1]

Schnelle Fakten Fährverbindung BVG-Fährlinie F10 Wannsee – Kladow, Stationen ...
Fährverbindung
BVG-Fährlinie F10 WannseeKladow
Gewässer Großer Wannsee (Untere Havel-Wasserstraße)
Distanz 4 km
Stationen
Anmerkungen
Betriebszeiten: 6–21 Uhr (je nach Wochentag und Jahreszeit)
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Geschichte

Beginn der BVG-Personenschifffahrt auf dem Wannsee

Die Personenschifffahrt der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wurde im Jahre 1944 ins Leben gerufen. Auf Grund von Treibstoff- und Reifenmangel im Krieg musste die Buslinie 34 (heute 134) von Pichelsberg nach Kladow eingestellt werden. Als Ersatzverkehr wurden am 26. Juni 1944 zwei Fährlinien (zum Bustarif) mit 16 von Reedereien angemieteten Schiffen eingerichtet: Die Linie 1 verkehrte von Kladow nach Wannsee (3,8 Kilometer) in 17 Minuten und die Linie 2 verkehrte von Kladow bis zur Stößenseebrücke/Heerstraße (9,1 Kilometer) in 65 Minuten. Ein paar Tage später, am 5. Juli, wurden die Linien 1 und 2 zusammengefasst. Die Fährlinie verkehrte jetzt von der Stößenseebrücke bis nach Wannsee mit den Anlegestellen Schildhorn, Akademie (später Gatow), Badewiese, Gatow (später Fliegerhorst), Kladow, Heckeshorn.

Die Fähren verkehrten alle 30 Minuten zwischen 5 und 22 Uhr. Im Oktober 1944 musste der Takt wegen Personalmangels auf 120 Minuten am Sonntag und auf einen Stundentakt unter der Woche ausgedünnt werden. Zwischen Weihnachten 1944 und dem 9. Februar 1945 musste der Verkehr auf den Fährlinien erstmals eingestellt werden, da die Havel zugefroren war. Wegen der schweren Kampfhandlungen in Berlin ruhte der Schiffsverkehr wieder zwischen dem 20. April und dem 31. Mai 1945. Vor Kriegsende verkehrten zuletzt 24 Schiffe, nach Kriegsende nur noch ein Drittel davon. Der Fahrpreis betrug 20 Pfennige.

Im Sommer 1945 wurde der Anleger Heckeshorn stillgelegt, da dort bei Kriegsende Munition versenkt worden war, im Februar 1946 wurde auch die Station Schildhorn mangels Fahrgästen eingestellt. Im Juli 1946 wurden zwei Schiffe beschlagnahmt, sodass kurzfristig der Verkehr zwischen Kladow und Heerstr. eingestellt werden musste, im Oktober 1946 wurde der Verkehr wieder aufgenommen, Anfang 1947 standen der BVG letztendlich nur noch fünf Schiffe zur Verfügung, sodass ein 90-Minuten-Takt gefahren werden konnte.

Entwicklung der heutigen BVG-Fähre Wannsee–Kladow

Während der Blockade 1948/49 gab es wieder zwei Linien, die getrennt zwischen Stößenseebrücke und der Gatower Badewiese sowie zwischen Kladow und Wannsee verkehrten. Zwischen Wannsee und Kladow verkehrte 1949 jede Stunde ein Schiff und zwischen Kladow und der Stößenseebrücke alle zwei Stunden.

Am 3. Oktober 1949 wurde der Abschnitt Stößenseebrücke-Kladow aufgegeben. Die Fähre Kladow-Wannsee verkehrt seit diesem Tage im Stundentakt bis heute. Im Mai 1956 wurde die Fährlinie von der Stern- und Kreisschiffahrt übernommen und wird im Auftrag der BVG sowohl mit Schiffen als auch mit nautischer Crew betrieben. Die Fähre trägt seit 2. Juni 1991 die Linienbezeichnung Fähre F10 und verkehrt tagsüber stündlich.

Seit dem 20. Januar 2014 wird ein neues 44,70 Meter langes und 8,02 Meter breites Fahrgastschiff mit dem Namen Wannsee mit Dieselmotor eingesetzt. Erbaut wurde es in der DIW Deutsche Industriewerke GmbH Werft in Berlin-Spandau. Der mittlere Tiefgang beträgt 1,20 Meter. Zugelassen ist das Schiff für 300 Personen inklusive nautischer Besatzung. Neben 152 Sitzplätzen stehen 60 Fahrradstellplätze auf der Wannsee zur Verfügung. Durch seine hydraulisch ausfahrbaren Rampen ist es im Gegensatz zu den vorher eingesetzten Schiffen Kohlhase (24 Meter lang, Baujahr 1954) und Lichterfelde (36 Meter lang, Baujahr 1896) barrierefrei.[2] Allerdings gibt es auf der neuen Fähre keine Außenplätze mehr. Als Ersatzfähre dient die Condor.

Die einst geplante Autofähre Wannsee–Kladow

1957 beantragte Karl Kittel (der spätere Betreiber der Fähre TegelortHakenfelde) die Einrichtung eine Autofähre von der Scabellstraße am Beelitzhof (Ortsteil Wannsee) nach Kladow. Er wollte dafür ein 160 m² großes Schiff für 12–14 Kfz oder 250–300 Passagiere für 100.000 DM bauen. Der Fährpreis sollte zwei DM pro PKW, eine DM für ein Moped und 30 Pfennig pro Person betragen. Da der Stauraum für die wartenden Autos zu klein war und der Fährbetrieb voraussichtlich unrentabel geworden wäre, änderte Kittel seinen Plan und wollte zwischen Kladow und der Schwanenwerderbrücke eine Fähre einrichten. Er hatte dafür ein Boot namens „Christa“ für 20 PKW vorgesehen, die Überfahrt sollte 1,50 DM kosten. Der Antrag wurde vom Bezirksamt abgelehnt, da die Fähren ein Landschaftsschutzgebiet hätten durchfahren müssen. 1967 und 1983 gab es erneut Anträge für eine solche Autofähre. 1986 plante der Tegeler Fährenbetreiber Wolfgang Burchadi die Einrichtung einer Wagenfähre nach Wannsee, dieses Projekt scheiterte ebenfalls.

Ticket

Die beiden ÖPNV-Haltestellen S Wannsee und Alt-Kladow befinden sich in der VBB-Tarifzone Berlin B. Die Fähre kann mit Fahrscheinen für den Tarifbereichs Berlin AB genutzt werden, der Kurzstreckentarif gilt allerdings nicht. Das Deutschlandticket gilt. Die unentgeltliche Beförderung für Schwerbehinderte ist – wie auch sonst im öffentlicher Personennahverkehr – auf dieser und auf den übrigen BVG-Fähren möglich.[3] An Bord ist ausschließlich die Barzahlung möglich; am Hafen Wannsee befindet sich ein Ticketautomat.

Fahrplan

Die Fähre verkehrt ganzjährig im 60-Minuten-Takt zwischen Wannsee und Kladow; in der Hochsaison zwischen 6 und 21 Uhr.[4] Zur vollen Stunde legt sie am Hafen Wannsee und zur halben Stunde am Hafen Kladow ab. Die Fahrtdauer für die rund 4 Kilometer lange Strecke beträgt etwa 20 Minuten. 10 Minuten sind für das An- und Ablegen sowie für den Ein- und Ausstieg der Fahrgäste vorgesehen.[5]

Auslastung

Nach Angaben der BVG nutzen – je nach Jahreszeit, Wochentag und Wetter – täglich 2.000 bis 5.000 Fahrgäste die Linie F10.[6] Allerdings liegen keine exakten Nutzungszahlen vor, da die Auslastung nur stichprobenartig erhoben wird. In der Hochsaison gibt es 30 Überfahrten pro Tag bei maximal je 298 Fahrgästen auf der Wannsee.

Barrierefreiheit

Sowohl das Fahrgastschiff Wannsee als auch die Zugänge am Hafen Wannsee und Kladow sind weitgehend barrierefrei.[2] Die Häfen bzw. Schiffsanleger sind ebenerdig zugänglich. Die Fähre hat außerdem hydraulisch ausfahrbare Rampen für den Übergang unabhängig des Wasserstands. Außerdem hat das Schiff eine barrierefreie Toilette. Die Condor, die z. B. ersatzweise bei turnusmäßigen Werftaufenthalten der Hauptfähre Wannsee oder zusätzlich bei sehr hoher Auslastung wie im Jahr 2021[7] ergänzend zum Einsatz kommt, ist hingegen nicht barrierefrei.

Fahrräder

An Bord der Wannsee gibt es 60 Stellplätze für Fahrräder. Für die Mitnahme eines Fahrrads ist ein gesonderter Fahrausweis erforderlich.[8] Der Havelradweg und der Berliner Mauerweg beziehen die Fähre in ihren Verlauf ein.

Trivia

  • Fahrgäste müssen das Schiff nach der Überfahrt stets verlassen. Wenn sie direkt danach zurückfahren wollen, müssen sie sich an der Warteschlange erneut anstellen. Dies führt regelmäßig zu Diskussionen zwischen Personal und den Fahrgästen, die die Fähre als günstige Ausflugsgelegenheit nutzen wollen.
  • Die 2013 gebaute Fähre Wannsee hat anders als vorherige Schiffe dieser Fährstrecke kein Oberdeck. Selbst das Vorschiff ist nicht zugänglich. Lediglich die Seitentüren für den Ein- und Ausstieg werden während der Fahrt ggf. geöffnet.
  • In der Hochsaison, bei gutem Wetter und insbesondere an Wochenenden und Feiertagen ist die Fähre stark ausgelastet, sodass öfters Fahrgäste nicht mitgenommen werden können. Die Schiffsbesatzung zählt an solchen Tagen am Eingang durch, da die Wannsee nur für 300 Menschen zugelassen ist.
  • Die Wannsee ist „eisverstärkt“[9], musste allerdings Anfang 2026 wegen der teils zugefrorenen Unteren Havel-Wasserstraße knapp zwei Monate pausieren.[10]
  • Das Fahrgastschiff Wannsee ist die größte Fähre auf den Berliner Gewässern.[9] Im Fährverkehr Berlin betreibt die BVG sechs Linien, weitere Fährverbindungen werden von privaten oder staatlichen Einrichtungen betrieben.

Bilder

Literatur

  • Karl-Heinz Schreck: Fähren im Bereich Berlin West. In: Berliner Verkehrsblätter, Jahrgang 1986, Ausgaben 4, 5, 6, 7
  • Wolfgang Kramer, Sigurd Hilkenbach: Typisch Berlin – Ein BVG-Porträt. Hrsg. von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), 1987.
  • Dieter und Helga Schubert: Fahrgastschifffahrt in Berlin, Sutton Verlag GmbH, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-120-2.
  • Manfred Bluhm: Von der Spree-Havel-Dampfschiffahrts Gesellschaft „Stern“ und der Kreisschiffahrt aus Teltow zur Stern und Kreisschiffahrt GmbH (1888-2023), Eigenverlag 2023, Herausgeber: Geschichtsforum Tegel / Michael Grimm
  • Bernd Schwarz und Manfred Bluhm: Berliner Fahrgastschiffe, Sutton Verlag GmbH, Tübingen 2024, ISBN 978-3-96303-465-7.

Einzelnachweise und Anmerkungen

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