G5 (Haubitze)
Feldhaubitze aus südafrikanischer Produktion
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Die G5 ist eine gezogene Kanonenhaubitze mit Kaliber 155 mm aus Südafrika. Die G5 gilt als eines der besten Artilleriesysteme ihrer Zeit.[2][3]
| G5 (Haubitze) | |
|---|---|
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| Allgemeine Angaben | |
| Militärische Bezeichnung | G5 |
| Entwickler/Hersteller | Lyttelton Engineering Works (LIW), Denel Land Systems |
| Entwicklungsjahr | 1977 |
| Produktionszeit | 1983 bis 2015 |
| Stückzahl | ~520[1] |
| Modellvarianten | G5 Mk.1/2/3, G5-52, G5-2000 |
| Waffenkategorie | Kanonenhaubitze |
| Mannschaft | 5–8 |
| Technische Daten | |
| Gesamtlänge | 9,50 m (in Marschkonfiguration) |
| Rohrlänge | 7,05 m |
| Kaliber | 155 mm |
| Kaliberlänge | L/45 |
| Anzahl Züge | 48 |
| Drall | 20 |
| Gewicht in Feuerstellung |
13.750 kg |
| Kadenz | 3 Schuss/min |
| Höhenrichtbereich | −3°–75 Winkelgrad |
| Seitenrichtbereich | ±41° |
| Ausstattung | |
| Verschlusstyp | Schraubenverschluss |
| Ladeprinzip | manuell |
| Munitionszufuhr | manuell |
| Antrieb | Diesel-Hilfsmotor mit 59 kW |
| Energieversorgung | Diesel-Hilfsmotor |
Entwicklung

Mitte der 1970er-Jahre waren einige der Südafrika umgebenden Nachbarländer mit sowjetischer Artillerie ausgerüstet, welche die eigene Artillerie hinsichtlich Schussweite und Schussfolge übertrafen.[2] Im Hinblick auf das südafrikanische Engagement der im Bürgerkrieg in Angola erachteten die South African Defence Force (SADF) die Beschaffung eines modernen Geschützes als unabdingbar.[4] Da Südafrika auf Grund seiner Apartheidspolitik mit einem UN-Waffenembargo (UN-Resolution 282 (1970) vom 23. Juli 1970) belegt war, konnte kein entsprechendes Geschütz auf dem internationalen Markt beschafft werden.[5] Unter Umgehung des Waffenembargos knüpfte das südafrikanische Staatsunternehmen Armscor 1975 Kontakte zur kanadischen Firma Space Research Corporation (SRC) von Gerald Bull.[1] Das von dieser Firma entwickelte Geschütz GC-45 sollte als Entwurfsbasis für das neue südafrikanische Geschütz dienen.[2] In Zusammenarbeit mit Lyttelton Engineering Works (heute Denel SOC Ltd.) begann Gerald Bull 1976 in Kanada mit der Weiterentwicklung der GC-45. Dazu wurde zuerst das Geschützrohr der GC-45 auf die M59-Lafette der 155 mm Gun M1 montiert.[3] Der so entstandene erste Entwurf wurde weiter verbessert und bekam u. a. ein modifiziertes Geschützrohr mit einer vergrößerten Wanddicke.[1] Ebenso mussten die Rohrbremsen, der Rohrvorholer, die Rohrwiege sowie die Mündungsbremse modifiziert und angepasst werden. Daneben wurde die Lafette angepasst und mit einem Hilfsmotor ausgerüstet. Somit entstand ein Geschütz, welches dem Ursprungsmuster kaum noch ähnelte.[6] Nachdem zwei Prototypen erstellt worden waren, wurden diese 1979 in Kanada und auf Antigua getestet.[7] Danach wurden die beiden Geschütze nach Südafrika verbracht und dienten dort als Modelle für die Serienproduktion bei Lyttelton Engineering Works (LIW).[6]
In den Produktionsstätten bei Pretoria entstanden daraufhin bis 1982 vier Vorserien-Geschütze, welche als G5 Mk.1 bezeichnet wurden.[6] Parallel produzierte die belgische Poudreries réunies de Belgique (PRB), in Zusammenarbeit mit der südafrikanischen Firma Naschem ein erstes Los von 30.000 reichweitegesteigerten Extended-Range-Full-Bore-Geschossen für das neue Geschütz. Auf einer internationalen Rüstungsmesse Defendory Expo '82 in Athen zeigte Südafrika im Oktober 1982 auf Einladung der damaligen griechischen Regierung verschiedene moderne Waffensysteme, darunter auch die G5-Kanonenhaubitze. Die Präsentation auf der Rüstungsmesse erregte große Aufmerksamkeit, auch wegen der sensiblen Lage in Hinblick auf das internationale Waffenembargo gegen Südafrika.[8][9]
Die Geschütze der Hauptserie, welche ab 1983 in die Produktion gingen, erfuhren nochmals weitere Anpassungen und wurden als G5 Mk.2 bezeichnet.[6] Die ersten drei Seriengeschütze wurden im Mai 1983 an die SADF ausgeliefert. Dort tragen sie seither die Bezeichnung G5 Luiperd.[3] Die Ausführung G5 mit 45 Kaliberlängen (L/45) wurde bis in die 1990er-Jahre für die heimischen Streitkräfte produziert sowie bis 2015 auf dem Exportmarkt angeboten. Im Jahr 2015 betrug der Preis für ein G5-Geschütz rund 576.700 US-Dollar.[1] Die Ausführung G5-52 mit 52 Kaliberlängen (L/52) wird nach wie vor für den Exportmarkt angeboten. Weiter wurde die G5-Kanonenhaubitze auch in den Selbstfahrlafetten G6 und T5 verbaut.
Varianten
- G5 Mk.1: Prototypen und Vorseriengeschütze aus dem Jahr 1982.
- G5 Mk.2: Abgeänderte Geschütze der Nullserie aus dem Jahr 1983.
- G5 Mk.3: Hauptserie mit Feuerleitsystem und v0-Messanlage zur Messung der Mündungsgeschwindigkeit.
- G5-52: Version aus dem Jahr 1992 mit L/52-Geschützrohr (L/52).[10]
- G5-52 ER (G5-2000): Prototyp aus dem Jahr 2002 mit L/52-Geschützrohr (L/52) und vergrößerter 25-Liter-Ladungskammer.[3][11]
Technik
Die G5 ist eine konventionelle Kanonenhaubitze mit Kraftzugsystem. Sie zeigt das übliche Muster einer vierrädrigen Spreizlafette mit einem Hilfsmotor zum kurzzeitigen Eigenantrieb. Die G5 wiegt in schussbereiter Stellung 13.750 kg. Die Länge der G5 variiert zwischen 9,50 m in gezogener und 12,20 m in schussbereiter Stellung. Die Höhe (durch das Geschützrohr bedingt) beträgt 2,50 m in der gezogenen Stellung, die Bodenfreiheit beträgt 300 mm und die Breite auf der Fahrbahn beträgt 2,50 m.[2][10]
Geschütz

Das Geschützrohr mit 45 Kaliberlängen (L/45) ist aus hochfestem Stahl gefertigt und ist durchgehend autofrettiert. Während die ersten Geschütze nur eine kurze Rohrlebensdauer aufwiesen, liegt diese bei den späteren Geschützen bei rund 6.000 Schuss (mit Standard-Treibladungen). Geschützrohr hat 48 Züge sowie eine Dralllänge von 20 Kalibern (3.100 mm). Das Geschützrohr ist auf einer zweiachsigen Lafette mit zwei Spreizholmen untergebracht. Vorne an der Lafette ist ein Diesel-Hilfsmotor mit einer Leistung von 59 kW angebracht.[4] Daneben befindet sich ein Sitz für den Fahrer mit Lenkrad und weiteren Bedienelementen.[12] Der Hilfsmotor dient zum Speisen des Hydrauliksystems, zum Heben der Holmenenden beim Abkuppeln, zum Heben der Haupträder nach dem Absenken der Schießplattform, zum Lenken der Stützräder und zu ihrem Heben beim Kraftzugbetrieb, sowie zum Spreizen und Schließen der Holme. Auch kann das Geschütz mit dem Hilfsmotor über kurze Distanzen, mit bis zu 16 km/h in die Feuerstellung gefahren werden. Bei der Rohrwiege sind am Geschützrohr zwei hydropneumatische Rohrbremsen und Rückholeinrichtungen montiert. Am Rohrende befindet sich die Ladungskammer mit einem Volumen von 23 Liter. Verwendet wird ein halbautomatischer Schraubenverschluss. Der Seitenrichtbereich in der unteren Winkelgruppe beträgt ±32,5°. In der oberen Winkelgruppe sind ±41° möglich. Der Höhenrichtbereich beträgt −3° bis +75°. Neben der Rohrwiege sind auf der linken Seite die Visiereinrichtung, die Feuerleitanlage sowie weitere Bedienelemente für den Kanonier montiert.[12]
Hinter dem Verschlussblock kann optional eine halbautomatische Ladehilfe angebracht werden. Diese führt das Geschoss aus einer Ladeschale zu und setzt sie im Rohr an. Danach werden die Treibladungen und Treibladungsanzünder geladen und zugeführt.[13]
Mit der G5 kommt die EMVA Mark-10B-Messanlage zur Messung der Mündungsgeschwindigkeit, die S700-Wetterstation sowie die AS-80-Feuerleitanlage zum Einsatz. Modernere G5-Ausführungen verwenden die AS-2000-Feuerleitanlage. Ein Zielfernrohr ermöglicht die Bekämpfung von Zielen im Direktschuss auf eine Distanz von maximal 5 km.[4][6]
Beim Transport sind die Holme nach hinten geklappt und ruhen auf zwei absenkbaren und lenkbaren Stützrädern. In Fahrstellung ruht das Rohr entgegen der Fahrtrichtung. Die zwei Stützräder ermöglichen die Steuerung bei der Nutzung des Hilfsmotors. Zum Straßentransport verwenden die südafrikanischen Streitkräfte den Samil-100-Lastkraftwagen. Die maximal zulässige Zuggeschwindigkeit auf der Straße beträgt 90 km/h.[3]
Um das Geschütz feuerbereit zu machen, benötigt die sechs- bis achtköpfige Bedienmannschaft zwischen zwei bis drei Minuten (in einer vorbereiteten Feuerstellung). Danach kann das Geschütz von fünf Mann bedient werden. Beim Schießen sind die Haupträder angehoben und die G5 stützt sich vorn auf eine von der Unterlafette abgesenkte Schießplattform. Am Ende der Holme sind zwei Erdsporne angebracht, welche die Rückstoßkraft in das Erdreich ableiten. Zusätzlich wird der Rückstoß durch eine Einkammer-Mündungsbremse gemindert.[14][4][14]
Mit der optionalen Ladeautomatik können innerhalb von 18 Sekunden drei Schuss abgefeuerte werden. Danach können für drei Minuten acht Schuss pro Minute abgefeuert werden. Somit kann eine Batterie mit vier Geschütze innerhalb einer Minute rund 1,8 Tonnen Munition ins Ziel bringen. Wird das Geschütz manuell geladen, beträgt die schnellstmögliche Schussfolge zwei bis drei Schuss pro Minute.[13][3][10][4]
Munition

Die G5 verwendet getrennt geladene Munition mit variablen Treibladungsbeuteln. Das heißt, das Geschoss und die Treibladung werden nacheinander geladen. Neben den NATO-Standard-Treibladungen kann auch das von Denel entwickelte modulare M64- und M90-Treibladungssystem mit Zonenladungen verwendet werden. Dieses besteht aus den kombinierbaren Ladungsbeuteln M91 (1,8 kg) und M92 (2,6 kg).
Zusammen mit der G5 wurde die M1-Munitionsfamilie mit Extended-Range-Full-Bore-Geschossen (ERFB) eingeführt. Diese reichweitegesteigerte Munition wurde von Naschem gefertigt, einer Tochterfirma von Denel. Später wurde diese Munition von Denel und danach von Rheinmetall Denel Munition (RDM) weiterentwickelt und für die G5 produziert. Weiter werden vom selben Hersteller auch reichweitegesteigerte HEER-Geschosse für die G5 angeboten. Die G5 entspricht dem Joint Ballistics Memorandum of Understanding (JBMoU) und kann daher eine breite Munitionspalette aus dem internationalen Markt verschießen. Für die G5 wird von Denel bzw. Rheinmetall Denel Munition (RDM) die folgende Munition angeboten:[15][16][17][18][19][20]
| Name | Geschosstyp | Gewicht | Füllung | V0 | Schussdistanz |
|---|---|---|---|---|---|
| M107 | Sprenggranate | 43,8 kg | 6,6 kg TNT | 830 m/s | 24,5 km |
| M1A1 HB | ERFB-Geschoss mit Hohlboden | 45,3 kg | 8,7 kg Composition B | 911 m/s | 31,6 km |
| M1A1 BB | ERFB-Geschoss mit Base Bleed | 47,7 kg | 8,7 kg Composition B | 908 m/s | 40,5 km |
| M2000 HB Assegai | HEER-Geschoss mit Hohlboden | 45,3 kg | ~10 kg PBX4 | - | 30,2 km |
| M2000 BB Assegai | HEER-Geschoss mit Base Bleed | 45,3 kg | ~10 kg PBX4 | - | 41 km |
| M9703 V-LAP | ERFB-Geschoss mit Raketenantrieb & Base Bleed | 45,3 kg | 4,3 kg TNT | 912 m/s | 54 km |
| Name | Geschosstyp | Gewicht | Füllung | V0 | Schussdistanz |
|---|---|---|---|---|---|
| M9 HB | ERFB-Geschoss mit Hohlboden | 45,3 kg | 8,7 kg Composition B | - | 38,4 km |
| M9 BB | ERFB-Geschoss mit Base Bleed | 47,7 kg | 8,7 kg Composition B | - | 45,3 km |
| M2000 HB Assegai | HEER-Geschoss mit Hohlboden | 45,3 kg | 8,7 kg TNT | 937 m/s | 35,8 km |
| M2000 BB Assegai | HEER-Geschoss mit Base Bleed | 45,3 kg | 8,7 kg TNT | 953 m/s | 47,4 km |
| M2005 V-LAP | HEER-Geschoss mit Raketenantrieb & Base Bleed | 43,4 kg | 4,5 kg TNT | 950 m/s | 54,1 km |
| M9703 V-LAP | ERFB-Geschoss mit Raketenantrieb & Base Bleed | 45,3 kg | 4,3 kg TNT | 950 m/s | 60,3 km |
| Name | Geschosstyp | Gewicht | Füllung | V0 | Schussdistanz |
|---|---|---|---|---|---|
| M9603A1 BB | ERFB-Geschoss mit Base Bleed | 47,7 kg | 8,71 kg TNT | 1.050 m/s | 50,1 km |
| M2001 HB Assegai | HEER-Geschoss mit Hohlboden | 43,4 kg | ~10 kg PBX4 | 995 m/s | 38,4 km |
| M2001 BB Assegai | HEER-Geschoss mit Base Bleed | 43,4 kg | ~10 kg PBX4 | 1.015 m/s | 50,0 km |
| M2005 V-LAP | HEER-Geschoss mit Raketenantrieb & Base Bleed | 43,4 kg | 4,5 kg TNT | 1.013 m/s | 66,9 km |
| M9703 V-LAP | ERFB-Geschoss mit Raketenantrieb & Base Bleed | 45,3 kg | 4,3 kg TNT | 1.055 m/s | 76,3 km |
Weiter wurde bis 2015 für die G5 auch das M1A2 ERFB-Cargogeschoss angeboten. Dieses enthielt 56 Hohlladungs-Bomblets und wurde mit dem Beitritt von Südafrika zum Übereinkommen über Streumunition aus dem Angebot genommen. Daneben werden für die G5 auch Nebelgeschosse, Leuchtgeschosse sowie Exerzier- und Übungsgeschosse angeboten. Zudem können auch die Suchzünder-Munition BONUS, sowie präzisionsgelenkte Artilleriegranaten wie die Krasnopol-M, M982 Excalibur oder Vulcano 155 verwendet werden. Mit letzterem werden Schussdistanzen von rund 70 km erzielt.[20][11][21]
Kriegseinsätze
Die frühere südafrikanische South African Defence Force (SADF) setzten die G5 im Bürgerkrieg in Angola (1975–2002) sowie bei weiteren Militäroperationen gegen die SWAPO in Angola und Namibia ein.[3] Daneben wurden die Geschütze im Ersten Golfkrieg (1980–1988) und Zweiten Golfkrieg (1990) verwendet. Im Bürgerkrieg in Libyen (2014–2020) wurde die G5 von den Streitkräfte Libyens eingesetzt. Diese Geschütze stammten vermutlich aus Beständen der Vereinigten Arabischen Emirate.[22]
Nutzerstaaten
Literatur
- Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 2011–2012. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2011, ISBN 978-0-7106-2960-9.
- International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2016. Routledge Revivals, Oxford, Vereinigtes Königreich, 2016, ISBN 1-85743-835-3.
- Leland Ness & Anthony G. Williams: Jane’s Ammunition Handbook 2006–2007, Fifteenth Edition. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2006, ISBN 0-7106-2746-7.
- T. J. O’Malley: Moderne Artilleriesysteme. Motorbuch Verlag, Stuttgart, Deutschland, 1996, ISBN 3-613-01758-X.
Weblinks
- Internetpräsenz von Denel Land Systems (englisch)
- 155mm G5 bei weaponsystems.net (englisch)
- G5 155mm 45-calibre, towed gun howitzer bei fas.org (englisch)
- G5 bei deagel.com (englisch)
- The Gun That Broke the Embargo: SADF's G5 155mm Dokumentarfilm über die G5 bei youtube.com
- G5 Howitzer: The South African towed artillery legend Dokumentarfilm über die G5 bei youtube.com