Gammaproteobacteria
Klasse im Stamm Proteobacteria
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Gammaproteobacteria (auch γ-Proteobacteria) bezeichnet eine Klasse im phylogenetischen System der Bakterien, das auf der Grundlage der Basensequenz der ribosomalen 16S-Ribonukleinsäure (16S-rRNA) und anderer phylogenetischer Methoden aufgestellt wurde. Das Phylum (der Stamm) Pseudomonadota (früher Proteobacteria) wird in die fünf Klassen Alphaproteobacteria (inkl. „Zetaproteobacteria“) bis Epsilonproteobacteria eingeteilt (Stand 2005). In den letzten Jahren sind noch weitere Klassen beschrieben worden (Stand 19. August 2026), die Acidithiobacillia, Hydrogenophilia und Oligoflexia, sowie „Candidatus Bdellonasia“. Alle Vertreter dieses Phylums sind gramnegativ.
| Gammaproteobacteria | ||||||||
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Kolonien von Haemophilus influenzae (Ordnung Pasteurellales) in einem Blutagar | ||||||||
| Systematik | ||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||
| Gammaproteobacteria | ||||||||
| Garrity et al. 2005 emend. Williams and Kelly 2013 |
Systematik
Zu den Gammaproteobacteria gehören gemäß der LPSN die folgenden Ordnungen (Stand 19. August 2026, Synonyme in eckigen Klammern)[1]
- Acidiferrobacterales
- Aeromonadales
- Alteromonadales
- Arenicellales
- „Ca. Azoamicales“ [eub62A3 group, Candidatus Azoamicus group] (s. u.)
- Beggiatoales [Francisellales, Piscirickettsiales, Thiomicrospirales, Thiotrichales] (s. u.)
- Cardiobacteriales
- Cellvibrionales
- Chromatiales [Ectothiorhodospirales, Granulosicoccales, Halothiobacillales, Methylohalomonadales, Natronospirales, Nitrococcales, Nitrosococcales, „Ca. Tenderiales“, Thiohalomonadales, Thiohalospirales, Woeseiales]
- „Ca. Comchoanobacterales“
- „Ca. Competibacterales“
- Enterobacterales [„Enterobacteriales“] (s. u.) – nach der GTDB mit Familie Thorselliaceae[2] und mit Gattung Alkalimonas[3]
- „Ca. Eutrophobiales“
- „Ca. Foliamicales“
- Immundisolibacterales
- „Ca. Johnevansiales“
- Legionellales [„Ca. Berkiellales“, Coxiellales, Diplorickettsiales]
- Lysobacterales [Xanthomonadales] (s. u.) – mit Xylella fastidiosa (Feuerbakterium) und Luteimonas mephitis
- „Magnimaribacterales“
- Methylococcales
- Nevskiales [Steroidobacterales]
- Oceanospirillales [Kangiellales]
- Orbales
- Pasteurellales
- „Ca. Porifericomitales“
- „Ca. Porisulfidales“ [„Ca. Poriferisulfidales“]
- Pseudomonadales [Moraxellales] (Typus) – nach der GTDB inkl. Gattung Litorivivens,[4] Marinagarivorans[5] und Marinibactrum[6]
- „Ca. Rariloculales“
- „Ca. Siderophilales“ [„Ca. Siderophiliales“]
- „Ca. Spongiifermentales“
- „Ca. Tethybacterales“
- „Vibrionales“
- Thiohalobacterales
- Thiohalorhabdales
- zahlreiche bisher noch nicht sicher eingeordnete Isolate.
- o__PS1 (GTDB) mit Familie „Ca. Pseudothioglobaceae“[7]
- Ordnung nicht zugewiesen: Familie „Ca. Biekeibacteriaceae“
Dazu kommt eine gantze Reihe weiterer Gattungen ohne nähere Zuordnung in der LPSN;[8] teilweise mit Zuordnung in der GTDB (s. o.).
Grundsätzlich gilt der Artikel Systematik der Bakterien in der Wikipedia als Referenz, er enthält eine größere Auswahl an Taxa in der Klasse Gammaproteobacteria.
Einige Änderungen in der Systematik
- Die Ordnung Xanthomonadales wurde aufgelöst, verschiedene Gattungen wurden zu anderen Ordnungen gestellt oder werden zurzeit noch keiner genaueren Ordnung zugestellt; die Ordnung gilt mit ihrem Restbestand als Synonym der Lysobacterales.
- Die Ordnung Acidithiobacillales wurde 2013 in die neu geschaffene Klasse Acidithiobacillia übertragen.[9]
- 2016 wurde die Ordnung Enterobacterales (Enterobakterien) etabliert, vorher wurde für diese Bakteriengruppe der Name „Enterobacteriales“ verwendet, der jedoch nach den Regeln des Bakteriologischen Codes (ICBN) nicht gültig war. Weiterhin gab es nur eine Familie – die Enterobacteriaceae – innerhalb der Ordnung. Mit der Etablierung der Ordnung Enterobacterales verbunden ist eine Aufteilung der bisher bekannten Taxa auf mehrere neue Familien.[10]
- Die Ordnung Thiotrichales gilt als eines der Synonyme für Beggiatoales.[1]
- Für die 2019 zunächst im meromiktischen Zugersee, dann auch in Frankreich, Taiwan und Ostafrika gefundene Gruppe um den Endosymbionten „Ca. Azoamicus ciliaticola“ wurde 2021 eine neue Ordnung innerhalb der Gammaproteobacteria mit der provisorischen Bezeichnung eub62A3 group (alias Candidatus Azoamicus group) vorgeschlagen, mit dem 2024 von Speth et al. angeregten Namen „Ca. Azoamicales“. Die beiden Untergruppen A ud B gelten vorschlagsgemäß als Gattungen: A als Gattung „Ca. Azoamicus“ (nächst „Ca. A. ciliaticola“) und B als Gattung „Ca. Azosocius“.[A. 1]
Merkmale und einige Vertreter
Die Gammaproteobacteria bilden derzeit die artenreichste Klasse der Pseudomonadota [Proteobakterien]. Sie sind physiologisch außerordentlich divers und vereinen eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Stoffwechseltypen. Gleichzeitig sind viele Gattungen physiologisch flexibel und anpassungsfähig. In den Gattungen Legionella, Pseudomonas, Vibrio, Salmonella und Shigella findet man wichtige Krankheitserreger von Mensch, Tier und Pflanze.
Wichtige Vertreter sind unter anderem in den Gattungen Chromatium, Xanthomonas, Beggiatoa, Legionella, Pseudomonas, Azotobacter und Vibrio sowie in der Ordnung Enterobacterales mit den Gattungen Enterobacter, Escherichia, Proteus, Salmonella, Serratia, Shigella, Yersinia und anderen zu finden.
Anmerkungen
- Ca. Azoamicus ciliaticola lebt endosymbiotisch in Wimpertierchen (Ciliophora) der Klasse Plagiopylea. Er kann Denitrifikation zur Gewinnung von Energie verwenden, die er seinem Wirt zur Verfügung stellt.[11]
Literatur
- Volume 6: Proteobacteria: Gamma Subclass. In: Martin Dworkin, Stanley Falkow, Eugene Rosenberg, Karl-Heinz Schleifer, Erko Stackebrandt (Hrsg.): The Prokaryotes. A Handbook on the Biology of Bacteria (7 Bände). 3. Auflage. Springer-Verlag, New York 2006, ISBN 0-387-30746-X, doi:10.1007/0-387-30746-X_9.
- George M. Garrity, Don J. Brenner, Noel R. Krieg, James T. Staley (Hrsg.): Bergey's Manual of Systematic Bacteriology: Volume 2: The Proteobacteria, Part B: The Gammaproteobacteria. 2. Auflage. Springer-Verlag, New York 2005, ISBN 978-0-387-95040-2, doi:10.1007/0-387-28022-7.