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Enterobacteriaceae

Familie innerhalb der Ordnung Enterobacterales From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Enterobacteriaceae sind eine große Gruppe gramnegativer Bakterien. Nach dem phylogenetischen System gehören sie zur Ordnung der Enterobacterales in der Klasse der Gammaproteobacteria in der Abteilung (Divisio, bei den Prokaryoten auch als Phylum bezeichnet) Proteobacteria und bilden dort eine eigene Familie. Der Name Enterobacteriaceae leitet sich von enteron (altgriechisch ἕντερον ‚Darm‘) ab, weil viele von ihnen typische Darmbewohner sind. Aber auch viele freilebende und ubiquitär vorkommende, nicht darmbewohnende Bakterienarten gehören in diese Familie.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Enterobacteriaceae

Escherichia coli (sekundärelektronenmikroskopisches Bild, nachträglich eingefärbt)

Systematik
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Reich: Pseudomonadati
Abteilung: Proteobakterien (Pseudomonadota)
Klasse: Gammaproteobacteria
Ordnung: Enterobakterien (Enterobacterales)
Familie: Enterobacteriaceae
Wissenschaftlicher Name
Enterobacteriaceae
Rahn 1937 emend. Adeolu et al. 2016
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Bis 2016 waren die Enterobacteriaceae die einzige Familie in der Ordnung „Enterobacteriales“, jedoch war der Name dieser Ordnung nach den Regeln des Bakteriologischen Codes (ICBN) nicht gültig. 2016 führten phylogenetische Methoden zur Etablierung der Ordnung Enterobacterales (Enterobakterien), verbunden mit einer Aufteilung der bisher bekannten Taxa auf mehrere neue Familien.[1] Die neue Systematik führt dazu, dass der Familie Enterobacteriaceae nun weniger Gattungen angehören und dass bekannte Gattungen aus der gleichen Ordnung wie Yersinia, Proteus oder Hafnia zu anderen Familien gestellt sind (vgl. Abschnitt Systematik und Taxonomie).

Merkmale

Erscheinungsbild

Die Zellen sind stäbchenförmig und gewöhnlich 1 bis 5 µm lang und besitzen einen Durchmesser von etwa 0,5–1,0 µm. Es werden keine Endosporen gebildet. Die meisten können sich mit Flagellen aktiv bewegen, sie sind motil, es kommen jedoch auch Gattungen vor, die sich nicht aktiv bewegen können, z. B. Klebsiella und Raoultella. Da die Zellwand aus wenigen Mureinschichten und einer zweiten, äußeren Membran aus Phospholipiden und Lipopolysacchariden besteht, sind die Enterobacteriaceae gramnegativ.

Stoffwechsel

Raoultella planticola im SIM-Agar mit negativem Ergebnis für die H2S-Bildung, mit negativem Ergebnis im Indol-Test und mit negativem Ergebnis für Motilität

Ihr Stoffwechsel ist fakultativ anaerob, daher können sie sowohl über Oxidation unter Anwesenheit von Sauerstoff Stoffe abbauen als auch unter anoxischen Bedingungen (kein Sauerstoff) Gärung betreiben. Bei den Enterobacteriaceae verlaufen der Katalase-Test positiv und der Oxidase-Test negativ.[1] Zwei wichtige anaerobe Stoffwechselwege, die zur Unterscheidung der einzelnen Gattungen genutzt werden, sind die 2,3-Butandiol-Gärung und die gemischte Säuregärung (mixed acid fermentation). Bei der gemischten Säuregärung treten als End- und Nebenprodukte vorwiegend Säuren, wie Essigsäure, Milchsäure und Bernsteinsäure (Succinat), aber kein Butandiol auf. Bei der 2,3-Butandiol-Gärung entstehen aus der Gärung von Glucose als End- und Nebenprodukte geringere Mengen von Säuren, aber vor allem in großen Mengen der Alkohol 2,3-Butandiol. Ein weiteres Merkmal der 2,3-Butandiol-Gärung ist das Zwischenprodukt Acetoin und die wesentlich höhere Gasproduktion (CO2). Man findet Butandiolgärung z. B. bei Enterobacter und Klebsiella. Gemischte Säuregärung nutzen u. a. Gattungen wie Citrobacter, Escherichia, Salmonella und Shigella.[2]

Zur Bestimmung der einzelnen Gattungen wird eine Vielzahl von biochemischen Diagnosetests genutzt. Zum Beispiel wird mit Hilfe des Voges-Proskauer-Tests das Zwischenprodukt Acetoin der 2,3-Butandiol-Gärung nachgewiesen. Diese Reaktionen ist ein Bestandteil im sogenannten IMViC-Testverfahren, um Escherichia von anderen Enterobacteriaceen zu unterscheiden.[2] Da bei den Testverfahren oftmals gefärbte Reaktionsprodukte entstehen oder pH-Indikatoren mit Farbumschlag eingesetzt werden, werden sie im Labor als Bunte Reihe bezeichnet. Der Nachweis des Enzyms β-Galactosidase wird ebenfalls häufig zur Unterscheidung der Vertreter der Enterobacteriaceae verwendet. Bakterien, die über dieses Enzym verfügen, können das Disaccharid Lactose (Milchzucker) hydrolytisch in die Monosaccharide Glucose und Galactose spalten, um sie im Stoffwechsel zu nutzen.

Phylogenetik

Siehe auch: Abschnitt Systematik und Taxonomie im Artikel der Ordnung Enterobacterales

Durch Verwendung phylogenetischer Methoden kann die Stammesgeschichte und die verwandtschaftlichen Beziehungen der Bakterien untereinander geklärt werden. In der Beschreibung der Ordnung Enterobacterales Adeolu et al. 2016 und der dazugehörigen Familien bilden die Enterobacteriaceae in einem phylogenetischen Baum (basierend auf Genom- und Genanalysen) eine monophyletische Gruppe. Weiterhin werden 21 ‚konservierte charakteristische Indels‘ (engl. conserved signature inserts and deletions, CSI) festgelegt, die typisch für die Vertreter der Familie sind, aber nicht bei den anderen Bakterien der Ordnung vorkommen.[1]

Vorkommen

Viele Enterobacteriaceae sind Teil der gesunden Darmflora von Menschen und Tieren; sie kommen jedoch auch überall in der Umwelt vor (Boden, Wasser). Einige sind Krankheitserreger bei Mensch und Tier. Sie kommen vielfach als nosokomiale Erreger vor („Krankenhauskeime“) und befallen Menschen mit schwachem Immunsystem. Der wahrscheinlich wichtigste Vertreter der Familie ist Escherichia coli, einer der wichtigsten Modellorganismen der Genetik und Biochemie sowie der Mikrobiologie.

Systematik und Taxonomie

Äußere Systematik

Zu der 2016 etablierten Ordnung der Enterobacterales gehören acht Familien (unter anderem die Hafniaceae, Morganellaceae und Yersiniaceae) mit insgesamt etwa 60 Gattungen. Die neu festgelegte und damit den Regeln des Bakteriologischen Codes (ICBN) entsprechende Typusgattung der Ordnung ist die Gattung Enterobacter.[1][3]

Innere Systematik

Lichtmikroskopisches Bild von Citrobacter freundii nach Gram-Färbung

Die Typusgattung der Familie ist die Gattung Escherichia, während die Gattung Enterobacter als Typusgattung der Ordnung Enterobacterales festgelegt wurde.[1] Es folgt eine Lister einiger Gattungen (Stand 28. August 20269):[3]

Kolonien von Cronobacter sakazakii auf einem Nährmedium
Kolonien von Salmonella auf XLD-Agar mit positivem Ergebnis für die H2S-Bildung
  • AerobacterBeijerinck 1900
  • AlginobacterThjotta & Kass 1945
  • Apirhabdus Quinn et al. 2024
  • AranicolaSchabereiter-Gurtner et al. 2001
  • ArizonaKauffmann & Edwards 1952
  • AveryellaJohnson et al. 2005
  • Ca. BlochmanniellaSauer et al. 2000
  • Buttiauxella Ferragut et al. 1982
  • Cedecea Grimont et al. 1981
  • Citrobacter Werkman & Gillen 1932 (Approved Lists 1980)
  • ColobactrumBorman et al. 1944
  • Cronobacter Iversen et al. 2008, mit
  • Ca. Cuticulibacteriumcorrig. Wier et al. 2004
  • Ca. DasytiphilusWeiss & Kaltenpoth 2016
  • Dryocola Maddock et al. 2023
  • Edaphovirga Xue et al. 2025
  • EncapsulatusCastellani & Chalmers 1919
  • Enterobacillus Patil et al. 2015
  • Enterobacter Hormaeche & Edwards 1960 (Approved Lists 1980)
  • ErythrobacillusFortineau 1905
  • Escherichia Castellani & Chalmers 1919 (Approved Lists 1980) [Atlantibacter Hata et al. 2025], Typusgattung der Familie, mit
  • Franconibacter Stephan et al. 2014
  • GalloisinimonasPark et al. 2012
  • Gibbsiella Brady et al. 2011
  • Huaxiibacter He et al. 2022
  • Intestinirhabdus Xu et al. 2020
  • Izhakiella Aizenberg-Gershtein et al. 2016
  • Jejuibacter corrig. Jiang et al. 2025
  • Klebsiella Trevisan 1885 (Approved Lists 1980) [Raoultella Drancourt et al. 2001], mit
  • Kluyvera Farmer et al. 1981
  • Kosakonia Brady et al. 2013
  • Leclercia Tamura et al. 1987
  • Lelliottia Brady et al. 2013
  • Ca. LightellaRihova et al. 2022
  • Limnobaculum Baek et al. 2019
  • Ca. MacropleicolaKölsch et al. 2009
  • Mangrovibacter Rameshkumar et al. 2010
  • Ca. MoranellaMcCutcheon & von Dohlen 2011
  • PadlewskiaMacierewicz 1966
  • ParacolobactrumBorman et al. 1944
  • Ca. Phloeobactercorrig. Zreik et al. 1998
  • Phytobacter Zhang et al. 2017
  • Phytobacter Zhang et al. 2017 [Metakosakonia Alnaja & Gupta 2017]
  • Plesiomonas corrig. Habs & Schubert 1962 (Approved Lists 1980), mit
    • Plesiomonas shigelloides
  • Pluralibacter Brady et al. 2013, mit
  • Ca. ProfftiaToenshoff et al. 2012
  • ProshigellavBorman et al. 1944
  • PseudenterobacterWu et al. 2020
  • Pseudescherichia Alnajar & Gupta 2017
  • Pseudocitrobacter Kämpfer et al. 2014
  • Ca. PsyllophilaDittmer et al. 2023
  • Ca. RegiellaMoran et al. 2005
  • Ca. RiesiaSasaki-Fukatsu et al. 2006
  • Rosenbergiella Halpern et al. 2013
  • Saccharobacter Yaping et al. 1990
  • Salmonella Lignieres 1900 (Approved Lists 1980)
  • Scandinavium Marathe et al. 2020
  • Shigella Castellani & Chalmers 1919 (Approved Lists 1980)
  • Shimwellia Priest & Barker 2010
  • Siccibacter Stephan et al. 2014
  • Silvania Maddock et al. 2023
  • Ca. StammeraSalem et al. 2017
  • Ca. Stammerellacorrig. Mazzon et al. 2008
  • Superficieibacter Potter et al. 2025
  • Tenebrionibacter Hu & Yang 2022
  • Tenebrionicola Lee et al. 2022
  • Thorsellia Kämpfer et al. 2006
  • Trabulsiella McWhorter et al. 1992
  • Ca. TrabutinellaSzabó et al. 2017
  • Ca. WesteberhardiaKlein et al. 2016
  • Ca. Williamhamiltonellacorrig. Moran et al. 2005 [„Ca. Hamiltonella“ Moran et al. 2005]
  • Yokenella Kosako et al. 1985

Anm.: Synonyme sind in eckige Klammern gesetzt.

Synonyme und nicht verlässlich zugeordnete Taxa

Alle Arten von Levinea Young et al. 1971 wurden zu der Gattung Citrobacter Werkman and Gillen 1932 gestellt. Die Spezies Calymmatobacterium granulomatis wurde 1999 als Klebsiella granulomatis reklassifiziert.

Außerdem gibt es weitere Kandidaten-Gattungen bzw. -Arten, die evtl. als der Familie zugehörig betrachtet werden können. Dies sind beispielsweise[4]

  • Ca. Arocatia“ Kuechler et al. 2012 mit „Ca. Arocatia carayonii[„Ca. Arocatia carayoni“]
  • Ca. Ishikawella“ corrig. Hosokawa et al. 2006 [„Ca. Ishikawaella“ Hosokawa et al. 2006] mit „Ca. Ishikawella capsulata
  • Ca. Schneideriella“ corrig. Matsuura et al. 2012 [„Ca. Schneideria“ Matsuura et al. 2012] mit „Ca. Schneideriella nysiicola

Die in der LPSN ebenfalls mit unsicherer Stellung gelistete Gattung

  • Ca. Annandiella“ corrig. von Dohlen et al. 2013 [„Ca. Annandia“ von Dohlen et al. 2013] mit „Ca. Annandiella adelgistsugae“ und „Ca. Annandiella pinicola“

wird in der GTDB einer abgespaltenen Enterobacteriales-Familie Enterobacteriaceae_A (ohne Entsprechung in der LPSN) zugewiesen.

Etymologie

Die Bezeichnung der Gattung Enterobacter Hormaeche and Edwards 1960 leitet sich von enteron (altgriechisch ἕντερον ‚Darm‘) und dem latinisierten Wort bacter für altgriechisch βακτηρΐα ‚Stab‘ ab, bedeutet folglich in etwa „kleines Stäbchenbakterium im Darm“.[5][6] Der Name der Familie Enterobacteriaceae Rahn 1937 enthält die gleichen Wortstämme, jedoch ist die Herkunft des Namens durch Rahn als Erstbeschreiber nicht sicher überliefert. Zum Zeitpunkt seiner Beschreibung waren die Bakterien der Gattung Enterobacter auch noch nicht mit diesem Namen benannt. In der ersten Auflage des Bergey’s Manual of Systematic Bacteriology von 1984 wird die Etymologie wie folgt dargestellt: Das latinisierte Wort enterobacterium bedeutet ‚Darmbakterium‘, mit der typischen Endung -aceae zur Kennzeichnung einer Familie bedeutet somit die Bezeichnung Enterobacteriaceae „Familie der Darmbakterien“. Diese Herleitung würde erklären, warum der Name Enterobacteriaceae (mit zusätzlichem „i“) und nicht Enterobacteraceae lautet.[7]

Meldepflicht

In der Schweiz ist der positive laboranalytische Befund Carbapenemase bildender Enterobacteriaceae meldepflichtig für Ärzte, Spitäler usw. bzw. Laboratorien, und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 1 bzw. Anhang 3 der Verordnung des EDI über die Meldung von Beobachtungen übertragbarer Krankheiten des Menschen.

In Deutschland ist, unabhängig davon ob es sich um Kolonisation oder Infektion handelt, der Nachweis einer Carbapenemase seitens des nachweisenden Labors meldepflichtig nach § 7 IfSG. Auch die verminderte Empfindlichkeit eines Bakteriums gegenüber einem Carbapenem ist zu melden, Ausnahmen hiervon stellen natürlich vorkommende Resistenzen dar.[8]

Siehe auch

Literatur

Commons: Enterobacteriaceae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikispecies: Enterobacteriaceae – Artenverzeichnis

Einzelnachweise

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