Gangschaltungssimulation in Elektroautos
Ausstattungsvariante
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die Gangschaltungssimulation in Elektroautos ist eine Ausstattungsvariante, die je nach Gewohnheiten und persönlichen Vorlieben des Fahrers eine Verbesserung von Bedienungsfreundlichkeit, Fahrspaß und Sicherheit in Elektroautos darstellen kann. Sie kann entweder als Schaltgetriebesimulation inklusive Kupplungspedal ausgeführt sein oder in einer vereinfachten Variante als Simulation eines Automatikgetriebes mit manueller Schaltwippe; während sich ersteres noch in der Entwicklung befindet, ist letzteres bereits in Serienfahrzeugen mehrerer Hersteller erhältlich.
Hintergrund
Verbrennungsmotoren bringen nur in einem engen Drehzahlbereich ausreichend Leistung; daher ist ein Getriebe mit mehreren Gängen erforderlich: Langsames Fahren und starke Steigungen sind nur in den niedrigen Gängen, starkes Beschleunigen am besten in den mittleren und schnelles Fahren nur in den hohen Gängen möglich. Elektromotoren hingegen können in einem sehr breiten Drehzahlbereich eingesetzt werden, daher reicht technisch in der Regel ein Ein-Gang-Getriebe aus.[1]
Während noch im Jahr 2000 weniger als 20 % der in Deutschland neu zugelassenen Autos ein Automatikgetriebe hatten, waren es in der ersten Monaten des Jahres 2022 bereits rund 66 %.[2] Eine 2025 veröffentlichte Umfrage zeigte aber, dass 40,2 % der deutschen Autofahrer eine manuelle Gangschaltung bevorzugen.[3] In Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Österreich, Belgien und Griechenland ist der Schaltgetriebe-Anteil bei den PKWs deutlich höher als in Deutschland,[4][5][6][7] während in den USA schon seit Jahrzehnten die überwiegende Zahl der PKWs mit Automatikgetriebe ausgerüstet sind.[8][9]
Zur Verkehrssicherheit von manuell und automatisch geschalteten Autos gibt es nur wenige Studien. Während eine Studie aus Ghana eine geringere Unfallhäufigkeit von Automatikfahrzeugen angibt, ist in Japan (dessen Verkehrs- und Klimabedingungen eher mit denen Mitteleuropas vergleichbar sind) das Unfallrisiko bei Automatikfahrzeugen doppelt so hoch wie bei manuell geschalteten Fahrzeugen, was auf die geringere Aufmerksamkeit des Fahrers bei Automatik zurückgeführt wird.[10][11] Weitere Erklärungsversuche für die teils spektakulären Automatik-Unfälle, bei denen der Fahrer Gas- und Bremspedal verwechselt hat, nennen die Umstellung auf ein noch ungewohntes Bedienungskonzept sowie die bei Automatik eher gegebene Ablenkung durch Mobiltelefone, für die man bei manueller Schaltung keine Hand frei hätte.[12][13][14]
Technik

Gemeinsames Merkmal der geplanten und bereits erhältlichen Konzepte ist ein realitätsnahes Motorengeräusch, das dem Fahrer die Abschätzung der Geschwindigkeit anhand der Frequenz erlaubt, ohne auf den Tacho schauen zu müssen. Die Systeme sind jeweils optional, können also z. B. im Stau oder durch Fahrer mit anderen Präferenzen einfach abgeschaltet werden, so dass sich das Fahrzeug dann wie ein übliches Elektroauto verhält.
Schaltgetriebesimulation
Hier geht es um die realistische Simulation eines Handschaltgetriebes mit Schaltknauf und Kupplungspedal, bei der auch ein Leerlauf zur Verfügung steht.
Der japanische Autohersteller Toyota hat 2022 eine von einem Team unter Leitung des Ingenieurs Yoichiro Isami entwickelte Schaltgetriebesimulation patentieren lassen, die das manuelle Schalten mittels Schaltknauf und Kupplungspedal simuliert. Dabei kann der Kunde einstellen, wie viele Gänge zur Verfügung stehen sollen, möglich sind bis zu 14 (bei echten Schaltwagen üblich sind 5 bis 6 zuzüglich Rückwärtsgang und Leerlauf). 2023 wurde ein Prototyp eines Lexus UX 300e mit einer 6-Gang-Schaltgetriebesimulation Motorjournalisten für Testfahrten auf einer Teststrecke in Japan zur Verfügung gestellt.[15]
Der US-amerikanische Autohersteller Ford meldete 2025 ein Patent für ein „Shifter Assembly For Electric Vehicle“ (Schalthebel für Elektrofahrzeuge) an, wobei im Patent kein Kupplungspedal erwähnt wird.[16]
Nach Angaben des Chefs des BMW-Tochterunternehmens BMW M, Franciscus van Meel, arbeitet das Unternehmen an einer Schaltgetriebesimulation, die noch vor 2030 vorgestellt werden soll. Ob es 8 Gänge sein müssten wie beim Hyundai wisse er nicht, aber im Rennsport, von dem BMW M herkomme, habe der Fahrer keine Zeit, ständig auf den Tacho zu schauen.[17]
Simulation eines Automatikgetriebes mit manueller Schaltwippe


Hier wird die manuelle Gangwahl beim automatischen Doppelkupplungsgetriebe simuliert: Der Gangwechsel erfolgt mit Schaltwippen am Lenkrad, mit der linken Schaltwippe wird in den nächstniedrigeren, mit der rechten in den nächsthöheren Gang geschaltet. Ein Leerlauf steht nicht zur Verfügung.
Stand Mitte 2026 sind die folgenden Modelle auf dem europäischen Markt erhältlich:
- Fahrzeuge der E-GMP-Plattform der Hyundai Motor Group (mit „Virtual Gear Shift“, der Simulation eines 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebes):
- Hyundai Ioniq 5 N (seit 2024)[18]
- Kia EV6 GT (seit 2024)[19]
- Kia EV9 GT (seit 2025)[20]
- Genesis GV60 Sport+ / Magma (seit 2025)[21]
- Weitere Fahrzeuge:
- Lexus RZ 550e F Sport (seit 2025)[22]
- Lexus TZ (seit 2026)[23]
- Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé (seit 2026)[24]
- Porsche Taycan (seit 2026)[25]
Auch Audi und Ferrari beschäftigen sich mit dem Thema Gangschaltungssimulation.[26]
Weblinks
- Anthony Alaniz, BMW M erwägt simuliertes Schaltgetriebe bei neuen Elektroautos, insideevs.de, 21. Juli 2023
- Mike Duff, We Drive Toyota's EV Prototype with a Manual Transmission, caranddriver.com, 6. November 2023
- Patrick George, I Drove Toyota's Manual Transmission For EVs. It's Much More Fun Than You Think, insideevs.com, 30. Oktober 2023
- Alex Inwood, BMW M could borrow ‘controversial feature’ from Hyundai N, whichcar.com.au, 17. Juli 2023
- Stefan Leichsenring, Hyundai Ioniq 5 N im Test: Stromer für Petrolheads, insideevs.de, 21. März 2024
- Chris Perkins, Even BMW M Likes Hyundai's Simulated EV Gears, roadandtrack.com, 21. Juli 2023
- Thomas Ranki-Harloff Kommt die Fake-Gangschaltung für Elektroautos?, auto-motor-und-sport.de, 26. März 2025
- Christopher Smith, Ford Patents A Manual Gear Shifter For EVs, insideevs.com, 24. März 2025