Gueberschwihr
französische Gemeinde im Elsass
From Wikipedia, the free encyclopedia
Gueberschwihr (deutsch Geberschweier, elsässisch Gàwerschwihr) ist eine französische Gemeinde mit 807 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass).
| Gueberschwihr | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Grand Est | |
| Département (Nr.) | Haut-Rhin (68) | |
| Arrondissement | Thann-Guebwiller | |
| Kanton | Wintzenheim | |
| Gemeindeverband | Pays de Rouffach, Vignobles et Châteaux | |
| Koordinaten | 48° 0′ N, 7° 17′ O | |
| Höhe | 197–873 m | |
| Fläche | 8,91 km² | |
| Einwohner | 807 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 91 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 68420 | |
| INSEE-Code | 68111 | |
Blick auf Gueberschwihr | ||

Geographie
Die Gemeinde liegt im Oberelsass am Fuß der Vogesen inmitten von Weinbergen an der Elsässer Weinstraße, etwa zwölf Kilometer nördlich von Guebwiller (Gebweiler). Das Gemeindegebiet gehört zum Regionalen Naturpark Ballons des Vosges.
Der Ort ist geprägt durch ein mittelalterliches Stadtbild mit Fachwerkhäusern und Torbögen sowie durch Kopfsteinpflaster in engen Gassen.
Geologie
Der Ort liegt in der Vorbergzone der Vogesen. Hier bilden zum Teil lössbedeckte mesozoische Schollen (hauptsächlich Buntsandstein und Muschelkalk), gegen die Ebene zu auch tertiäre Sedimente der Rheingrabenfüllung den Untergrund. Die Gemarkung greift im Westen weit in das kristalline Grundgebirge der Vogesen, im Osten auf die Niederterrassenfläche der Rheinebene aus.
Geschichte
Die urkundliche Ersterwähnung des Orts erfolgte im Jahr 728 als Waranangus qui dicitur villare Eberhardo[1].
Das Weindorf, das früher zum Mundat Rufach, dem weltlichen Besitz des Bistums Straßburg im Heiligen Römischen Reich gehörte, wurde 1680 zusammen mit diesem vom Königreich Frankreich annektiert.[2]
Im Jahre 1298 wurde der befestigte Friedhof des Dorfes durch Adolf von Nassau zerstört. Später bekam das Dorf selbst eine Befestigung. Im Mittelalter hatten verschiedene Adelsfamilien ihren Wohnsitz im Ort. 1338 wurde Gueberschwihr von den Bürgern von Colmar und Schlettstadt überfallen, 1375 von den zuchtlosen Söldnerbanden des Enguerand VII.de Coucy. 1439 und 1445 suchten die Armagnaken, Söldnertruppen, die von den Habsburgern gegen die Eidgenossen ins Land gerufen worden waren, das Dorf heim. Im Dreißigjährigen Krieg hausten die Schweden im Dorf. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts brachten die Kriegszüge Ludwigs XIV. dem Dorf schwere Belastungen. Zwischen 1852 und 1856 forderte die Cholera zahlreiche Opfer.
Durch den Frankfurter Frieden vom 10. Mai 1871 kam Geberschweier an das deutsche Reichsland Elsaß-Lothringen (Kreis Gebweiler im Bezirk Oberelsass)[3] Nach dem Ersten Weltkrieg mussten das 1871 annektierte Elsass und Lothringen aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1919 an Frankreich zurückgegeben werden. Im Zweiten Weltkrieg war die Region von der deutschen Wehrmacht besetzt, und das Dorf stand bis 1944 unter deutscher Verwaltung. In der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1945 erlebte Gueberschwihr die Befreiung von der Naziherrschaft. Nach dem Rückzug der deutschen Besatzung zogen die Alliierten kampflos im Ort ein.
Das Sankt-Markuskloster (St. Marc): Schon vor 740 existierte ein Benediktinerkloster. Die Abtei wurde bei den Ungarneinfällen im 10. Jahrhundert zerstört. Papst Leo IX. weihte 1050 das wieder hergestellte Kloster dem Heiligen Markus. Um 1100 wurde es ein dem Kloster Sankt Georgen (im Schwarzwald) angeschlossenes Frauenkloster, das 1754 an Ebersmünster abgetreten wurde.1760 bis 1762 wurden neue barocke Gebäude errichtet. Die Revolution brachte 1791 das Ende des Klosters. 1845 zog eine Schwesternkongregation (Josephsschwestern) in die Gebäude ein. 1889 wurde eine neue Kirche gebaut. Im 20. Jahrhundert kamen weitere Baulichkeiten dazu.
Bevölkerungsentwicklung
| Jahr | 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2007 | 2016 |
| Einwohner | 884 | 840 | 779 | 727 | 703 | 816 | 836 | 837 |
Wirtschaft
Der Weinbau ist auch der Hauptwirtschaftszweig. In der Lage Goldert werden Grand-Cru-Weine angebaut.
Sehenswürdigkeiten
Die Kirche Sankt-Pantaleon: Von der 1837 baulich veränderten spätromanischen, in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstandenen Kirche blieb nur der 36 Meter hohe Vierungsturm erhalten.[4] Die Kirche war von Ritter Burkhard von Geberschweier, dem Gründer der Abtei Marbach gestiftet worden. Das neuromanische Schiff wie der Chor wurden 1874–77 von Jean-Baptiste Schacre in Anlehnung an die Chorstirnwand der Abteikirche Murbach neu errichtet, und um 90 Grad gegenüber dem Vorgängerbau gedreht.[5] Der eindrucksvolle romanische Turm mit Satteldach, fein gegliedert mit Lisenen, Bogenfriesen und Säulchen und mit den anfangs paarigen, darüber dreiteiligen offenen Fensterbögen steht jetzt etwas isoliert vom Schiff.
Ortsbild: Gut erhaltenes Ortsbild eines Winzerdorfes: Typisch die Weinkeller im Erdgeschoss. Die Häuser aus den Jahrzehnten vor dem Dreißigjährigen Krieg haben mit Wulst und Hohlkehle profilierte rundbogige Eingänge, zum Teil mit kleinem Wappenschild und Baudatum im Bogenscheitel. Die neuen oder erneuerten Rundbogeneingänge aus der Zeit nach dem Krieg, meist erst ab Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden, besitzen dagegen nur noch eine (oder keine) einfache Fase und verzichten oft auf das Baudatum. Die Fenster der Vorkriegszeit haben noch gotisch gekehlte Fensterlaibungen und -pfosten und sind manchmal gruppiert. Allerdings wurden sehr oft Fenster im 18. und 19. Jahrhundert verändert (meist Stichbogenfenster im 18., einfache Rechteckfenster im 19. Jahrhundert). Einige Häuser haben auf der Rückseite Treppentürme mit Wendeltreppe.
Ein Beispiel für ein Haus aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg (datiert 1605) ist Nr. 9 an der Rue du Nord. Es besitzt den mit Wulst und Hohlkehle profilierten Rundbogeneingang mit Wappenschildchen und Baudatum, mit Hohlkehlen versehene Fensterrahmungen, eine vierteilige Fenstergruppe und außerdem ein steinernes Kreuzstockfenster.
Das große Haus an der Rue des Forgerons Nr. 3 von 1619 hat eine reich dekorierte Fachwerkfassade: geschweifte, mit Nasen versehene Andreaskreuze in den Fensterbrüstungen und in der Fassadenmitte so genannte „stehende Männer“. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wird solch dekoratives Fachwerk unüblich. Ähnlich dekoratives Fachwerk beim Haus Nr. 6 von 1622 neben der Mairie.
Das Anwesen Brunck de Freundeck - zeitweise im Besitz des seinerzeit sehr geschätzten Illustrators Richard Brunck (1898–1949) – befindet sich beidseits am Ende der Rue Basse. Es enthält einen Kernbestand von Bauten aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg, wurde aber im 19. Jahrhundert historisierend stark verändert (Beispiel die zinnenbekrönte Mauer). Bereits im 18. Jahrhundert entstand das mit einem Mansarddach versehene große Wohngebäude. Auf der anderen Seite der Rue Basse, von einer Mauer umgeben, Garten und Wirtschaftsgebäude.
Die steinerne Brücke von 1538 am Rathausplatz (Place de la Mairie) bei der Kirche, mit römischen und arabischen Zahlen datiert. Dort auch die alte Pferdetränke und -schwemme, diese ein Stück des Grabenbereichs der 1298 zerstörten Friedhofsbefestigung.
Pfarrhaus: Die Nordwestseite des Rathausplatzes beherrscht der langgestreckte, 1769 errichtete Walmdachbau des Pfarrhauses. Im hohen Kellergeschoss lagerte einst der Weinzehnte des Fürstbischofs von Basel, daher der Name „Fürstenkeller“. In der Revolution als Nationalgut verkauft, kam es 1824 an die Gemeinde und wurde wieder Pfarrhaus.
Die Mairie ist ein Bau der Reichslandzeit (1893) mit seitlich angeordnetem, risalitartig vorspringendem, von einer Balusterattika bekröntem Eingangsbereich. Überm Tor ein verziertes Werksteinfeld mit dem Ortswappen.
Der „Wasslabrunne“ (Fontaine de la Vierge) mit Achtecktrog und kleiner Marienstatue auf dem Brunnenstock stammt von 1847.
Persönlichkeiten
- Joseph Heinrich (1860–1948), deutscher Politiker (Zentrum) und Abgeordneter des Landtags des Reichslandes Elsaß-Lothringen.
- Louis Humbrecht (1853–1927), Bischof von Poitiers anschließend Erzbischof von Besançon.
Literatur
- Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 2, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 1001–1004.
