Gehaubte Kapuziner

Gattung der Familie Kapuzinerartige (Cebidae) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Gehaubten Kapuziner (Sapajus) sind eine Primatengattung aus der Gruppe der Neuweltaffen. Es sind waldbewohnende, allesfressende Tiere, die in Gruppen leben. Gehaubte Kapuziner kommen bis auf den äußersten Süden in ganz Brasilien vor, in den drei Guayanas, in Venezuela südlich des Orinoco, in Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien jeweils östlich der Anden und in Paraguay östlich des Río Paraguay.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Gehaubte Kapuziner

Vier Arten der Gehaubten Kapuziner, im Uhrzeigersinn von links oben:
der Goldkapuziner (S. flavius), der Gelbbrust-Kapuziner (S. xanthosternos), der Rückenstreifen-Kapuziner (S. libidinosus) und der Schwarze Kapuziner (S. nigritus)

Systematik
Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorrhini)
Teilordnung: Affen (Anthropoidea)
ohne Rang: Neuweltaffen (Platyrrhini)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Unterfamilie: Kapuzineraffen (Cebinae)
Gattung: Gehaubte Kapuziner
Wissenschaftlicher Name
Sapajus
Kerr, 1792
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Merkmale

Gehaubte Kapuziner sind mittelgroße Primaten mit einem Gewicht von etwa 2 bis 3 kg bei den Weibchen und 3 bis 4 kg bei den Männchen. Der Rumpf ist schlank, die Vorder- und Hintergliedmaßen sind annähernd gleich lang. Die Finger sind kurz und der Daumen ist opponierbar, wodurch diese Primaten manuell sehr geschickt sind. Der Schwanz ist greiffähig, aber kein voll ausgebildeter Greifschwanz mit unbehaartem Hautfeld, wie er bei den Klammerschwanzaffen vorkommt. Die Färbung des Fells ist variabel, meist ist der Rumpf in Braun- oder Schwarztönen gehalten.

Schädel von Sapajus robustus mit dem für die Gattung Sapajus typischen Scheitelkamm im Vergleich dazu der Schädel eines Braunen Kapuziners (Cebus olivaceus) ohne Scheitelkamm

Von Cebus (Ungehaubte Kapuziner), der zweiten Kapuzineraffengattung, können die Gehaubten Kapuziner vor allem durch den je nach Art mehr oder weniger stark ausgeprägten auffälligen Schopf auf der Oberseite des Kopfes, ihre Bärte und die im Vergleich zu den Ungehaubten Kapuzinern kürzeren Arme und Beine unterschieden werden. Letzteres verleiht den Gehaubten Kapuzinern ein insgesamt kompakteres Aussehen. Weitere Unterschiede betreffen die Schädelmorphologie. So besitzen die Gehaubten Kapuziner einen je nach Art unterschiedlich großen Scheitelkamm, der allen Vertretern der Gattung Cebus fehlt. Ihre Augenhöhlen sind kleiner und schmaler, ihre Apertura piriformis (die Öffnung des Gesichtsschädels zur Nasenhöhle) ist höher als breit (bei Cebus genau so hoch wie breit). Der Jochbogen ist bei den Gehaubten Kapuzinern kräftig, bei den Ungehaubten Kapuzinern grazil ausgebildet. Die Eckzähne der Gehaubten Kapuziner sind kurz und robust, die der Ungehaubten Kapuziner länger und dünner.

Wo Gehaubte und Ungehaubte Kapuziner zusammen leben, das ist vor allem im Amazonasbecken der Fall, bilden ersterer kleinere Gruppen und leben höher in den Bäumen. Werkzeuggebrauch ist bei in trockeneren Habitaten vorkommenden Gehaubten Kapuzinern allgegenwärtig, bei ihren Gattungsgenossen in Regenwäldern aber noch nie beobachtet worden. Dies könnte jedoch auch am Mangel an Steinen im tropischen Regenwald liegen. Bei Ungehaubten Kapuzinern ist Werkzeuggebrauch bisher nicht beobachtet worden.

Arten

Die innere Systematik der Gehaubten Kapuziner nach Martins et al. (2023)[1]
 Sapajus 


Gelbbrust-Kapuziner (S. xanthosternos)


   

Schopfkapuzineraffe (S. robustus)



   

Schwarzer Kapuziner (S. nigritus)


   


Rückenstreifen-Kapuziner (S. libidinosus)


   

Goldkapuziner (S. flavius)



   

Haubenkapuzineraffe (S. apella)


   

Azara-Kapuzineraffe (S. cay)






Vorlage:Klade/Wartung/Style

Die Gattung der Gehaubten Kapuziner wird gegenwärtig (März 2026) in sieben Arten unterteilt.

Der im Osten Brasiliens vorkommende Gelbbrust-Kapuziner (S. xanthosternos) und der Schopfkapuziner (S. robustus), dessen kleines Verbreitungsgebiet sich südlich anschließt, sind Schwesterarten und die von beiden Arten gebildete Klade steht allen anderen Kapuzinerarten als basale Schwestergruppe gegenüber. Der Schwarze Kapuziner (S. nigritus), der das am weitesten nach Süden reichende Verbreitungsgebiet aller Kapuzinerarten hat, ist die Schwestergruppe einer von den vier übrigen Arten gebildeten Klade.[1] Die übrigen vier Arten bilden zusammen eine einzige, weitverzweigte Klade, die in den brasilianischen Waldsavannen (Caatinga und Cerrado) und im Amazonasgebiet vorkommt.[2][3][1]

Systematik und Evolution

Der Name Sapajus wurde zuerst 1792 durch den schottischer Arzt und Zoologen Robert Kerr benutzt, um den Gehaubten Kapuziner (Sapajus apella) als Untergattung der Gattung Simia zuzuordnen (Simia Sapajus capucinus albulus).[4] Simia war eine der vier Gattungen in die Carl von Linné, der Begründer des Klassifizierungssystems, in seinem Werk Systema Naturæ die Primaten unterteilt hat.

Der letzte gemeinsame Vorfahre aller Kapuzineraffen lebte wahrscheinlich im späten Miozän vor etwa 6,2 Millionen Jahren. Die Gehaubten Kapuziner entwickelten sich wahrscheinlich in den atlantischen Regenwäldern an der Ostküste Brasiliens und breiteten sich von dort in Richtung Caatinga und Cerrado und des Amazonasbeckens aus.

Literatur

  • Lynch Alfaro, J.W.; Silva, J.S. & Rylands, A.B. (2012). How Different Are Robust and Gracile Capuchin Monkeys? An Argument for the Use of Sapajus and Cebus. American Journal of Primatology, Volume 74, Issue 4, pages 273–286, April 2012, doi:10.1002/ajp.22007
Commons: Gehaubte Kapuziner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

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