Gehrengratgruppe
Untergruppe des Lechquellengebirges in Vorarlberg
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Die Gehrengratgruppe ist eine Untergruppe des Lechquellengebirges nach der Gliederung der SOIUSA.[1]
| Gehrengratgruppe | ||
|---|---|---|
| Gehrengratgrupppe von Süden gesehen | ||
| Höchster Gipfel | Pöngertlekopf und Pfaffeneck (2539 m ü. A.) | |
| Lage | ||
| Teil des | Lechquellengebirges, Ostalpen | |
| Einteilung nach | SOIUSA II/B-21.II-A.1.d | |
| Koordinaten | 47° 10′ N, 10° 2′ O | |
| Typ | Kalkgebirge | |
| Gestein | Kalkstein | |
| Fläche | 40 km² | |




Einordnung
Das Lechquellengebirge ist in der AVE eine von 27 Gruppen der Nördlichen Ostalpen (Nr. 3a), in der SOIUSA einer von sechs Unterabschnitten der Nordtiroler Kalkalpen, die dort ihrerseits ein Abschnitt der Nördlichen Ostalpen sind. Die SOIUSA gliedert die Gehrengratgruppe in die Untergruppensektoren Gehrengrat und Saladinagrat.[2][1] Nach dem Alpenvereinsführer Lechquellengebirge sind der Saladinagrat und der Gehrengrat zwei von 14 Untergruppen des Lechquellengebirges.
| Einordnung nach SOIUSA | ||
|---|---|---|
| Teil | II | Ostalpen |
| Sektor | II/B | Nördliche Ostalpen |
| Abschnitt | II/B-21 | Nordtiroler Kalkalpen |
| Unterabschnitt | II/B-21.II | Lechquellengebirge |
| Gruppe | II/B-21.II-A.1 | Spullerschafberg-Wildspitzen-Kette |
| Untergruppe | II/B-21.II-A.1.d | Gehrengratgruppe |
| Untergruppen-Sektor | II/B-21.II-A.1.d/a | Gehrengrat |
| Untergruppen-Sektor | II/B-21.II-A.1.d/b | Saladinagrat |
Lage
Politische Lage
Die Berggruppe liegt politisch in Österreich, Bundesland Vorarlberg, im Bezirk Bludenz und in der Gemeinde Dalaas.[3][4][2]
Regionale Lage, Täler und Gewässer
Der südliche Teil der Berggruppe gehört zur Region und Talschaft Klostertal, der nördliche zum Hochtannberggebiet. Das Hochtannberggebiet entspricht dem Einzugsgebiets des Lechs in Vorarlberg. Das oberste Lechtal vom Formarinsee bis zur Einmündung des Spullerbaches bildet die Nordwestseite der Berggruppe, der Spullerbach und der Spullersee bilden die Nordostseite. Der Spreubach vom Spullersee bis zur Alfenz im Klostertal bildet die Südostseite, die Alfenz die Südseite. Das Schmiedetobel bildet im Klostertal die Westseite. Das Radonatobel trennt den Gehrengrat vom Saladinagrat. Der Radonatobelbach entspringt südlich des Steinernen Meeres. Das Steinerne Meer ist eine Karsthochfläche.
Umgrenzung
Die Umgrenzung ist durch die Gewässer relativ klar und eindeutig. Die Umgrenzung der Gehrengratgruppe verläuft im Uhrzeigersinn von Norden entlang der Linie Formarinsee – Lech – Spullerbach – Spullersee – Spreubach – Alfenz – Schmiedetobelbach – Rauhes Joch – Formarinsee.[3]
Umliegende Berggruppen
Im Westen ist das Rauhe Joch der Übergang zur Formarin-Schafberggruppe. Beim Formarinsee grenzt die Rote-Wand-Gruppe an, im Norden die Johannesgruppe. Der Spullerbach bildet die Grenze zur Spullerschafberg-Gruppe, der Spreubach bildet die Grenze zum Erzberggrat. Südlich des Klostertals liegt der Verwall mit den Untergruppen Itonskopf-Gruppe im Südwesten und Eisentalergruppe im Südosten.[3][2]
| Rote-Wand-Gruppe | Johannesgruppe | Braunarlgruppe |
| Formarin-Schafberggruppe | Spullerschafberg-Gruppe
Erzberggrat | |
| Itonskopf-Gruppe | Dalaas, Wald am Arlberg, Danöfen | Eisentalergruppe |
Berge und Sättel
Die Berggruppe besteht aus drei Ketten, die von Norden nach Süden ziehen. Die westlichste Kette ist der Saladinagrat. Dessen Berge sind von Norden nach Süden der Formaletsch (2292 m), der Ganahlskopf (2314 m), die Fensterlewand (2329 m), die Saladinaspitze (2238 m) und die Allhöhe (2021 m). Die mittlere und zentrale Kette ist der Gehrengrat. Dessen Berge sind der Pögertlekopf (2539 m), das Pfaffeneck (2539 m), der eigentliche Gehrengrat mit der gleichnamigen höchsten Erhebung (2439 m) und die Gamsbodenspitze (2296 m). Die dritte östliche Kette gehört zum Sektor Gehrengrat und beseht aus den Bergen Plattnitzer Jochspitze (2318 m), Glongspitze (2243 m) und Grafenspitze (1871 m). Das Steinerne Meer verbindet den Saladinagrat und den Gehrengrat. Die Verbindung zwischen der zweiten und dritten Kette ist der Sattel Dalaaser Schütz.
Beschreibung
Schroffe Gipfel, ausgedehnte Fels- und Schuttfluren, alpine Rasen und Krummholz prägen die Landschaft. Die Südseite zum Klostertal ist steil und zeigt die typischen Höhenstufen im Kalkgebirge: Schroffe steile Kalkfelswände, Schuttfluren, Bergwald, am Talboden Wiesen und Siedlungsgebiet.
Außer im Klostertal gibt es keine öffentlich befahrbaren Straßen. Ein Güterweg führt zur Formarinalpe, ein weiterer zum Spullersee. Alle diese Straßen und Wege befinden sich am Rand der Berggruppe. Im Inneren der Berggruppe existiert keine Straße und auch keine Seilbahn. Viele frühere Almgebiete werden nicht mehr bewirtschaftet. Abseits der Wanderwege und Klettergebiete ist es sehr ruhig. Dadurch ist die Landschaft sehr naturbelassen im Gegensatz zum nahegelegenen Skigebiet Arlberg.[5]
Viele Zonen in der Berggruppe sind völlig abgeschieden. Beispielsweise ist der innere Bereich des Radonatobels schwer zugänglich und so ein ideales Rückzugsgebiet für viele Wildtiere wie Rothirsche, Rehe, Gämse, Steinböcke, Schneehasen, Murmeltiere, Rotfüchse und Steinmarder. Der Alpensteinbock ist im 16. Jh. in Vorarlberg ausgestorben und wurde Ende des 19. Jh. beinahe weltweit ausgerottet. 1958 konnte er in Gargellen wiedereingebürgert werden. 1970 wurden die ersten sechs Tiere im Radonatobel ausgesetzt. Diese Population konnte bis 2010 auf 142 Tiere anwachsen.[6] Laut Angaben von Rita Kilzer kommen außerdem Birkhühner, Steinrötel, Mauerläufer, Schneehühner, Uhus, Rauhfusskäuze, Sperlingskäuze, Dreizehenspechte, Weissrückenspechte, Schwarzspechte, Schneefinken, Alpenbraunellen, Kolkraben, Steinböcke, Schlingnattern und Kreuzottern vor.[7]
Geologie
Die Berggruppe liegt am südlichen Rand der Nördlichen Kalkalpen, am Übergang zum Silvrettakristallin. Das Gebiet beinhaltet eine Vielzahl von Gesteinsformationen der Lechtaldecke.[8]
Europäische Hauptwasserscheide
Die Europäische Hauptwasserscheide verläuft durch die Berggruppe, der südliche Teil fließt zum Rhein und in die Nordsee, der nördliche zur Donau und ins Schwarze Meer. Der Formarinsee hat keinen oberirdischen Abfluss, der unterirdische Abfluss geht teilweise zum Lech und zur Donau, teilweise zur Alfenz, Ill und Rhein. Die Wasserscheide verläuft vom Formarinsee zum Steinernen Meer (auch hier versickert das Wasser in beide Richtungen), Gehrengrat, Dalaaser Schütz, Plattnitzer Jochspitze zum Spullersee.[9]
Tourismus
Das Gebiet ist ein beliebtes Gebiet für Wanderer, Bergsteiger und Kletterer. Zwischen Lech und dem Formarinsee verkehrt zwischen Mitte Juni und Anfang Oktober der ortseigene Wanderbus, Linie 707.[10] Die Strecke kann man auch mit dem Mountainbike fahren. Vom Klostertal aus gibt es mehrere Zustiege. Von Dalaas zur Freiburger Hütte oberhalb des Formarinsees dauert es rund drei Stunden.[11] Von Danöfen zum Spullersee dauet es rund 2,25 Stunden[12], von Klösterle aus 2,5 Stunden.[13] Der Gehrengratsteig quert die Berggruppe von Ost nach West: Ravensburger Hütte oder Spullersee, Dalaaser Schütz, Gehrengrat, Steinernes Meer, Formarinsee bzw. Freiburger Hütte. Von der Ravensburger Hütte zur Freiburger Hütte sind es 11,2 km, Aufstieg 779 m, Abstieg 800 m, Schwierigkeit T3+. Diese Strecke ist auch Teil der alpinen Variante des Europäischen Fernwanderwegs E4 und des Nordalpenwegs 01.[14][15][16][17][18][19]
Kraftwerk Spullersee
Das Kraftwerk Spullersee ist ein Speicherkraftwerk der Österreichischen Bundesbahnen. Es wurde bereits in den Jahren 1919 bis 1925 als Bahnstromkraftwerk errichtet. Von 2019 bis 2021 wurde es modernisiert.[20]
Siedlungen
Dauerhaft besiedelt ist nur der Talboden im Klostertal mit rund 1000 Einwohnern im Hauptort Dalaas und rund 600 Einwohnern in der Ortschaft Wald am Arlberg.
Naturschutz
Naturschutzgebiete
Das Europaschutzgebiet Klostertaler Bergwälder erstreckt sich über die gesamte Sonnenseite des Klostertals.
Schutzwald
Der Wald ist im Klostertal ein lebenswichtiger Schutzwald gegen Muren und Lawinen. Im Bereich der Tobel und Bäche sind rote Gefahrenzonen.[21]
Biotope
Der Dürrebergwald unterhalb der Grafenspitze ist ein ausgewiesenes Biotop, ein artenreicher Lebensraum mit über 60 Pflanzenarten, vor allem mit großem Orchideenreichtum. Das Großraumbiotop Glong-Plattnitzer Jochspitze-Blatzig Dalaas ist wenig begangen und daher ein Rückzugsort für zahlreiche Tiere.
Weißzonen
Nahezu die gesamte Berggruppe gehört zu einer Weißzone, also zu einer wenig erschlossenen Landschaft. Folgende Weißzonen liegen ganz oder teilweise in der Gehrengratgruppe:
- 51 Mustrin
- 50 Formarin – Steinernes Meer
- 49 Radonatobel
- 48 Glong
- 47 Pfaffeneck
- 45 Spreubach – Gipstäli[22]

