Genoa Racing

italienisches Automobilsportteam From Wikipedia, the free encyclopedia

Das italienische Team Genoa Racing war ein Motorsportrennstall, der von 1985 bis 1988 an der Internationalen Formel-3000-Meisterschaft teilnahm. Das Team war in den ersten beiden Jahren stark auf den Rennfahrer Ivan Capelli zugeschnitten, der 1986 mit Genoa die Meisterschaft gewann. Genoa Racing gilt als Keimzelle des ab 1987 eingesetzten Formel-1-Werksteams von March Engineering.

Entstehungsgeschichte

Wichtigster Fahrer des Teams: Ivan Capelli

Gründer und Inhaber von Genoa Racing war der Motorsportmanager Cesare Gariboldi. Als Finanzier und ab 1986 auch als Teamleiter war Angelo Ferro beteiligt, ein aus Genua stammender und zwischenzeitlich in den USA ansässiger Geschäftsmann, der durch einen Im- und Exportbetrieb für Kunstblumen zu Wohlstand gekommen war[1] und in den USA im Motorsportmanagement tätig war. Ab Sommer 1986 erhielt das Team außerdem finanzielle Unterstützung von dem japanischen Finanzkonzern Leyton House.

Cesare Gariboldi war seit den 1970er-Jahren Berater und Manager mehrerer italienischer Rennfahrer, die er vor allem in verschiedenen Formel-3-Serien betreute. Zu ihnen gehörten Bruno Giacomelli, die Brüder Teo und Corrado Fabi sowie Ivan Capelli. In den frühen 1980er-Jahren arrangierte Gariboldi ein Engagement Capellis bei dem von Enzo Coloni geführten Team Coloni Racing Car Systems, mit dem Capelli die Italienische Formel-3-Meisterschaft 1983[2] und im Jahr darauf die Europäische Formel-3-Meisterschaft gewann.[3] Nach diesen Erfolgen stand für Capelli der Aufstieg in die nächsthöhere Motorsportklasse an, die ab 1985 nach dem Reglement der Formel 3000 ausgetragen wurde. Weil Enzo Coloni 1985 noch nicht bereit war, sein zu dieser Zeit gut organisiertes Team in die Formel 3000 zu bringen,[4][Anm. 1] und weil Verzögerungen im Zusammenhang mit Capellis Wehrdienst[5] einen Einstieg bei anderen Teams verhinderten, gründete Gariboldi mit Unterstützung Ferros Anfang 1985 einen eigenen Rennstall, mit dem Capelli in der Formel-3000-Europameisterschaft debütierte. Das Team erhielt die Bezeichnung Genoa Racing, die Ferro in den USA bereits seit einiger Zeit für seine dortigen Rennaktivitäten nutzte.

Genoa Racing war eines der kleinsten Teams der Formel 3000. Im ersten Jahr wurde es aus einer Garage, die zu Gariboldis Wohnhaus gehörte, betrieben. Zum Team gehörten 1985 drei Mechaniker, zwei Motoren und ein Chassis.[6]

Genoa Racing hatte in den ersten beiden Formel-3000-Jahren ausschließlich Ivan Capelli als Fahrer. Nachdem Capelli 1986 mit Genoa die europäische Formel-3000-Meisterschaft gewonnen hatte, lag Gariboldis Schwerpunkt ab 1987 in der Formel 1. Er war einer der Initiatoren des neuerlichen Formel-1-Einsatzes von March Engineering, leitete seinen Sponsor Leyton House zu March, übernahm in dessen Werksteam Managementaufgaben und betreute Ivan Capelli, der mittlerweile March-Werkspilot in der Formel 1 geworden war, auch in dieser Klasse. Gariboldi baute das neue March-Werksteam – wie schon Genoa Racing – um Capelli herum auf,[7] sodass Genoa Racing teilweise als Keimzelle für Marchs Formel-1-Einsatz ab 1987 angesehen wird.[8] Genoa Racing selbst blieb noch bis zum Sommer 1988 in der Formel 3000 engagiert; danach stellte Gariboldi den Rennbetrieb seines Teams ein.

Im Januar 1989 kam Gariboldi bei einem Verkehrsunfall in Parma ums Leben. March Engineering ehrte ihn, indem die Formel-1-Rennwagen des Werksteams ab 1989 Gariboldis Initialen als Bezeichnungszusatz erhielten.[8]

In den USA betrieb Angelo Ferro jahrzehntelang einen Rennstall namens Genoa Racing, der in verschiedenen nordamerikanischen Motorsportklassen antrat.

Renngeschichte

Saison 1985

Capelli und Genoa debütierten beim vierten Lauf der Meisterschaft 1985 in Vallelunga.[Anm. 2] Fahrer, Teamchef und Mechaniker hatten zu dieser Zeit keine Erfahrung in der Formel 3000.[6] Einsatzfahrzeug war ein March 85B; als Antrieb wurde ein von Mader getunter Cosworth-DFV-Achtzylindermotor eingesetzt. Capelli kam bei den acht Meisterschaftsläufen, zu denen er gemeldet war, nur zweimal ins Ziel, beide Male auf Podiumsplätzen: Das Rennen auf dem Österreichring beendete er als Sieger,[9] und beim Bridgestone Tyres Race in Donington Park wurde er Dritter.[10]

Der Sieg in Österreich machte den Formel-1-Teamchef Ken Tyrrell auf Capelli aufmerksam. Tyrrell verpflichtete ihn als Ersatz für den am 1. September 1985 tödlich verunglückten Stefan Bellof. Capelli fuhr daraufhin mit Tyrrells 014 im Herbst 1985 bei den Großen Preisen von Europa und Australien seine ersten Formel-1-Rennen und erzielte mit dem vierten Platz in Adelaide seine ersten Weltmeisterschaftspunkte in der Formel 1.

Saison 1986

In der Saison 1986 war Genoa Racing erneut ausschließlich mit Ivan Capelli am Start.

Genoa Racing setzte 1986 einen neuen March 86B mit DFV-Motor ein. Capelli siegte in Rom[11] und – wie im Vorjahr – auf dem Österreichring,[12] hinzu kamen ein zweiter Platz in Imola,[13] zwei dritte Plätze in Spa-Francorchamps[14] und Mugello[15] sowie zwei vierte Plätze bei den letzten beiden Saisonrennen in Le Mans[16] und Jarama.[17] Am Ende hatte Capelli 38 Meisterschaftspunkte und wurde damit zweiter Europameister der Formel 3000; sein nächster Konkurrent Pierluigi Martini, der einen Ralt RT20 von Luciano Pavesi Racing fuhr, kam mit 36 Punkten auf den zweiten Gesamtplatz.[18] Die Entscheidung fiel erst im letzten Rennen der Saison. Damit verdrängte nach 1985, als Christian Danner für BS Automotive den Meistertitel gewonnen hatte, erneut ein kleines Privatteam die Werksteams der Chassishersteller bzw. die werksunterstützten Teams: Bester Fahrer mit Werksunterstützung war Emanuele Pirro, der für Onyx Race Engineering startete.

Im September 1986, vor den letzten beiden Rennen der Formel-3000-Meisterschaft, bestritt Capelli die ersten zwei Formel-1-Rennen des südfranzösischen Teams AGS. Zu Beginn des Jahres 1987 wechselte er an der Seite Gariboldis als Stammfahrer zum neu gegründeten March-Werksteam in die Formel 1.

Saison 1987

In der Saison 1987 ging Genoa Racing mit zwei Autos und insgesamt acht Fahrern an den Start. Eines der Autos wurde für alle elf Meisterschaftsläufe gemeldet, das zweite nur zu sieben. Einsatzfahrzeuge waren zwei March-87B-Chassis mit Cosworth-DFV-Motoren.

Das erste Auto wurde achtmal für Gregor Foitek gemeldet, der in der ersten Saisonhälfte einmal als Zehnter und einmal als Fünfzehnter ins Ziel kam. Nach drei aufeinander folgenden Nichtqualifikationen in Donington Park, Enna und Brands Hatch beendete das Team die Zusammenarbeit mit Foitek. Für die verbleibenden drei Rennen gab Genoa Racing das Auto nacheinander an Fabrizio Barbazza, Marzio Romano und Kris Nissen. Keiner von ihnen qualifizierte sich für ein Rennen. Das zweite Auto wurde von Alessandro Santin, Jacques Villeneuve senior, Corrado Fabi und Michel Ferté gefahren. Lediglich Fabi und Ferté schafften eine Qualifikation. Sie erreichten aber keine Zielankünfte in den Punkterängen.[19]

Am Ende der Saison hatte kein Genoa-Fahrer einen Meisterschaftspunkt erzielt.[20]

Saison 1988

Im Sommer 1988 reaktivierte Gariboldi das Genoa Racing Team für zwei Rennen. Grund war der von Gariboldi unterstützte Rennfahrer Fabrizio Barbazza, der zu Saisonbeginn ein Cockpit im Team von Luciano Pavesi erhalten hatte, sich dort aber nicht hatte etablieren können. Pavesi hatte Barbazzas Vertrag nach mehreren Nichtqualifikationen im Anschluss an die International Trophy im Juni 1988 aufgelöst. Zu den beiden folgenden Rennen in Monza und auf Sizilien erfolgte Barnbazzas Meldung durch Genoa Racing. In Monza fiel Barbazza nach einem technischen Defekt aus,[21] in Enna-Pergusa verpasste er die Qualifikation.[22]

Ergebnisse

Weitere Informationen Saison, Chassis ...
Saison Chassis Fahrer Nr. 1234567891011 Punkte
1985 March 85B 13
Italien I. Capelli 34 DNF DNS DNF DNF DNF 1 DNS 3
1986 March 86B 38
Italien I. Capelli 36 DNF 1 DNF 3 2 3 DNF 1 DNF 4 4
1987 March 87B 0
Italien A. Santin 1 DNQ
Kanada J. Villeneuve Sr. DNQ
Italien C. Fabi DNF DNQ
Frankreich M. Ferté DNQ 11 DNQ
Schweiz G. Foitek 2 DNF 15 10 DNF DNQ DNQ DNQ DNF
Italien F. Barbazza DNQ
Schweiz M. Romano DNQ
Danemark K. Nissen DNQ
1988 March 88B 0
Italien F. Barbazza 25 DNF DNQ
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Literatur

  • Ivan Capelli: Quella volta che... ...memorie di vita e di corse, Giorgio Nada Editore, Vimodrone, 2025, ISBN 978-88-7911-968-9
  • Mike Lawrence: March, The Rise and Fall of a Motor Racing Legend. MRP, Orpington 2001, ISBN 1-899870-54-7.
  • James Newbold: Formula 3000: Where Legends Earned Their Stripes, Evro Publishing, 2025, ISBN 978-1-910505-94-6.

Anmerkungen

  1. Die Scuderia Coloni debütierte schließlich beim zweiten Rennen der Saison 1986 in der Formel-3000-Europameisterschaft. Eineinhalb Jahre später erschien Coloni in der Formel 1, in der das Team bis 1991 blieb und jedenfalls ab 1989 zu den schwächsten Rennställen gehörte.
  2. Der Große Preis von Rom 1985 auf dem Autodromo Vallelunga war ursprünglich als fünftes Rennen der Meisterschaft vorgesehen. Weil allerdings der zwei Wochen vorher angesetzte Lauf auf dem Nürburgring wegen Schneefalls abgesagt und nicht nachgeholt wurde, wird das Rennen in Rom als vierter Meisterschaftslauf gezählt.

Einzelnachweise

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