Geomungo
From Wikipedia, the free encyclopedia
Geomungo, auch gŏmungo, kŏmun’go (koreanisch, „schwarze Zither“), nach der chinesischen Schrift hyeongeum, hyŏn’gŭm, ist eine koreanische gezupfte Wölbbrettzither mit traditionell sechs Saiten, beweglichen Stegen und Bünden. Die geomungo ist ein typisches Saiteninstrument der Goguryeo-Zeit vor dem 5. Jahrhundert.[1][2]
| Koreanische Schreibweise | |
|---|---|
| Koreanisches Alphabet: | 거문고 |
| Hanja: | 玄琴 |
| Revidierte Romanisierung: | geomungo |
| McCune-Reischauer: | gŏmungo |
Traditionell wird die geomungo in der koreanischen Kultur als Instrument von Gelehrten zur Selbstkultivierung verstanden, ähnlich der chinesischen guqin.[1][3.1] Allerdings wurde hier nicht das Instrument übernommen, sondern stattdessen die auf Konfuzianismus und Gelehrtenkultur zurückgehenden Traditionen auf die geomungo übertragen.
Herkunft

Die geomungo entstand zwischen dem 4. Jahrhundert und dem 7. Jahrhundert in Goguryeo, dem nördlichsten der Drei Reiche von Korea.[4] Erste Darstellungen finden sich beispielsweise im Anak Grab No. 3.[5]
Nach dem 1145 geschriebenen Samguk Sagi wurde die geomungo im 6. Jahrhundert durch den Minister Wang San-ak erfunden, der die Form der chinesische Guqin umgestaltete.[4][6][3.2] Nach seinem Tod sei sein Instrument an weitere Personen weitergegeben worden, während es sich im Königreich verbreitete. Allerdings nimmt beispielsweise das Nationale Gugak Center, das traditionelle koreanische Musik erforscht und als Kulturerbe bewahrt, dagegen an, dass die geomungo noch vor der Einführung der guqin auf ein in Goguryeo verbreitetes Instrument zurückgeht. Die Bezeichnung geomungo bezieht sich möglicherweise ebenfalls darauf, andere Interpretationen gehen von einem Bezug zur Entstehung in Goguryeo aus. Möglicherweise geht die geomungo jedoch auch auf ein Instrument aus China, die wo konghou, zurück, die seit der Westlichen Han-Dynastie in Gebrauch war.[2] Die genaue Entstehung der geomungo sowie deren zeitliche Einordnung wird in der Wissenschaft noch immer diskutiert.
Während der Silla-Zeit ist die geomungo schriftlich als fester Bestandteil von Samhyeon-Samjuk-Ensembles gelistet, in welchen jeweils drei Saiten- und drei Blasinstrumente gespielt wurden.[7.1][4] Die anderen Instrumente waren die gayageum, die hyangbipa sowie die drei Querflöten daegeum, junggeum und sogeum.
Bauform
Die geomungo ist etwa 150 cm lang und 25 cm breit.[5][8.1] Neben beweglichen Stegen namens Anjok (雁足, wörtlich: Gänsefüße) hat sie 16 Bünde – Gwae (棵) –, die von links nach rechts von 1 bis 16 durchgezählt werden. Der Körper ist hohl, dabei ist die Decke aus Paulownien-Holz und der Boden aus Haselnussholz (oder einem anderen Hartholz) gearbeitet. Die sechs Saiten sind aus gezwirnter Seide und werden zur Rückseite durchgeführt. Das Plektrum wird aus Babusstäben hergestellt und entspricht in der Größe etwa einem Bleistift. Am Spielende des Instruments befindet sich eine mit Leder bezogene Zone namens Dameo, um die Oberfläche vor dem Anschlagen mit dem Plektrum zu schützen.
Die sechs Saiten tragen, vom Spieler nach außen gesehen, folgende Namen:[8.2]
- Munhyeon (文弦)
- Yuhyeon (遊弦)
- Daehyeon (大弦)
- Gwaesangcheong (棵上清)
- Gwaehacheong (棵下清)
- Muhyeon (武弦)
In der Notenschrift werden sie in der obigen Reihenfolge von 1 bis 6 nummeriert oder in der Tabulatur mit den Zeichen 文、方、大、上、中、下 benannt.[8.3] Die Saiten 2 und 4 laufen über Bund 1 und sind über den Bünden positioniert, während die Saiten 1, 5 und 6 von den Anjok-Stegen gestützt werden. Die Saiten 2 und 3 werden zum Spielen von gegriffenen Noten genutzt, die anderen Saiten werden offen oder als Bordun gespielt. Saite 4, die auch über die Bünde läuft, wird normalerweise auch offen gespielt, in einigen Stücken aber auch gegriffen.
Die Dicke der Saiten folgt nicht der sequentiellen Anordnung:[8.4] Normalerweise ist die Daehyeon-Saite (3) die dickste, gefolgt von Munhyeon (1) und Muheyon (6). Yuhyeon (2) ist normalerweise die dünnste Saite, danach kommen Gwaesangcheong (4) und Gwaehacheong (5). Gelegentlich ist die Gwaesangcheong vor Yuheon als dünnste Saite aufgezogen. Die geomungo hat unter den koreanischen Saiteninstrumenten mit drei Oktaven den größten Tonumfang.[9]
Modernisierte geomungo nutzen statt Seide Nylonsaiten und erhöhen deren Anzahl auf bis zu 11.[1] Wie bei der traditionellen Bauweise befinden sich 3 Saiten über den Bünden und die anderen Saiten werden offen gespielt. Die sechssaitige geomungo wird gelegentlich in neuen Varianten bespielt, beispielsweise als elektrische geomungo oder mit dem Hwaldae-Bogen, ähnlich der üblichen Spielweise einer ajaeng.[6]
Spielweise
Die geomungo wird in der Regel im Sitzen auf dem Fußboden gespielt.[5][8.4] Die Saiten werden mit einem kurzen Bambus-Stabplektrum namens Suldae angespielt. Dieses wird zwischen Zeige und Mittelfinger der rechten Hand gehalten, mit dem Daumen und den Fingern linken Hand werden gleichzeitig die Saiten, meist zwei oder drei, gezogen oder gedrückt, um verschiedene Tonhöhen zu erzeugen. Über dem Ringfinger der rechten Hand wird normalerweise ein lederner Fingerhut namens Golmu getragen, mit dem die Saiten, die zu weit über den Bünden liegen und damit nicht heruntergedrückt werden können, angehoben werden. Spieler können mit dem Plektrum den Lederschutz Daemo während des Zupfens anspielen, um Perkussionseffekte zu erzeugen.[5] Aufgrund des charakteristisch perkussiven Klangcharakters und der dynamischen Spielweise gilt das Instrument als "maskuliner" im Vergleich zur 12- oder 24-saitigen Gayageum.[10.1] Historisch war die geomungo besonders bei männlichen konfuzianischen Gelehrten beliebt und wurde daher auch erst vergleichsweise spät für das Volksmusikgenre Sanjo genutzt.[3.1] Geomungo und gayageum werden aber heute sowohl von Männern als auch Frauen gespielt.[10.2]
Typischerweise werden die Saiten für traditionelle koreanische Hofmusik auf Eb, Ab, Db, Bb, Bb und ein um eine Oktave tiefer als der Mittelton gelegenes Bb gestimmt.[4] Für Sanjo, Sinawi und andere Volksmusik wird Eb auf F angehoben und alle anderen Stimmungen können ebenfalls um eine große Sekunde angehoben sein. Die geomungo weist eine große Zahl spielbarer Lieder und möglicher Stimmungen auf. Bevor sich die moderne Notenschrift durchgesetzt hat, wurden Stücke traditionell mit einem Tabulatur-System geschrieben, ähnlich dem für die chinesische Guqin verwendeten Jianzipu-Systems.
Verwendung in moderner Musik
Der koreanisch-amerikanische Geomungo-Spielerin und Komponistin Kim Jin-hi spielt neben dem klassischen Instrument eine spezialangefertigte elektrische geomungo.[6] Die ersten Versuche, eine elektrische geomungo zu bauen, unternahm sie bereits 1989. Sie nutzt das Instrument, um in ihren Kompositionen sie traditionelle koreanische Elemente mit westlicher Musik zu verbinden.
Zu Beginn des Musikvideos "Pink Venom" der südkoreanischen K-Pop-Gruppe Blackpink spielt die Sängerin Jisoo auf einer geomungo.[9] Die Metalband Kardi setzt das Instrument in ihrem Stück "City of Wonder" ein, mit dem für die Bewerbung Busans auf die Expo 2030 geworben wird.
Literatur
- Keith Howard: Korean Musical Instruments. A Practical Guide. Se-Kwang Music Publishing Co., Seoul 1988, S. 191–213.
- In-pyong Chun: Korea's Unique "Kŏmun'go" Zither and its Roles in Korean Music: Challenging the Dichotomies of "Traditional" "Kugak" and "Creative" "Ch'angjak Kugak". In: Korean Studies. Band 35, 2011, S. 44–70, JSTOR:23719452.