Georg Fischer (Architekt)

tschechischer Architekt From Wikipedia, the free encyclopedia

Georg Fischer, auch Jiří Fischer (* 15. Dezember 1768 in Wien;[1]9. Oktober 1828 in Prag), war ein österreichisch-tschechischer Architekt, Professor der Baukunst, Baudirektor im Zivilbau und ab 1819 Kaiserlicher Rat.

St.-Gotthard-Kirche Prag
Prag Altstadt, Wenzel-Seminar, ab 1803 Königl. Ständetechnische Hochschule
Schloss Kačina
Prag Bubeneč, Plan Sommerpalast des Gouverneurs, Jiří Fischer
Prag Neustadt, Hybernia-Theater
Eingangstor 1814
Prag Neustadt, Heiligkreuzkirche 1816

Jiří Fischer versuchte die Baukunst (von seinem Vater, dem Maler Vinzenz Fischer) mit dem Bauingenieurwesen zu verbinden, er war Wegbereiter des Klassizismus in Böhmen.

Leben

Familie

Johann Georg Fischer war ein Sohn des Malers und Architekten Vinzenz Fischer und Barbara, geborene Dorfmeister. Die römisch-katholische Taufe erfolgte am 16. Dezember 1768 in der Wiener Michaelerkirche, Taufpate war sein Onkel, der Bildhauer Johann Georg Dorfmeister. Seine Familie hatte eine enge Bindung zur Wiener Akademie der bildenden Künste, dort wurde der Vater 1764 zum Professor für Ornamentik, Perspektive an der Architekturschule ernannt, und vor 1780 erhielt er die akademische Ratswürde. Georg studierte bei Andreas Fischer[2] und seinem Vater.

Er heiratete Theresa Meckelová (1777–1855), mit der er sich in der Prager Altstadt niederließ; sie zogen zwei Kinder groß, Sohn Johann Nepomuk und Tochter Maria.

Beruflicher Weg

Wien

Er studierte an der Wiener Akademie der bildenden Künste und zum Abschluss wurde ihm, im Wettstreit der verdientesten Schüler, der große Preis zugesprochen. Die Fähigkeit, ein Lehramt der höheren Architektur zu bekleiden, wurde ihm bestätigt. Hatte Georg doch für seinen Vater, bei Verhinderung, suppliert.[3]

1785 erhielt er eine Anstellung als Zeichner bei der Hof-Baudirektion in Wien.

Innsbruck

Durch Umstrukturierungen entsandte das Hofbauamt Georg Fischer 1788 als ersten Rechnungsoffizier im Baufach nach Innsbruck. Hier hatte er die Einleitung und Ausführung sämtlicher Land- und Wasserbauten in Tirol zu kontrollieren. Diese Tätigkeit hatte er bereits mit 20 Jahren zu bewältigen. 1792 kam er in die Zentrale der Hofbau-Buchhaltung nach Wien.[4]

Prag

Er wurde 1795 zum „dirigierenden“ Rechnungsoffizier beim Baudepartement in Prag ernannt. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Leitung wichtiger Bauprojekte in Böhmen beteiligt. 1797 wünschten die böhmischen Stände „seine fernere Mitwirkung bei allen ihren Bauten“.

Kaiser Franz I. genehmigte 1803 die Gründung des Königlichen Polytechnischen Instituts. Georg Fischer wurde 1806 als Professor für Bauingenieurwesen an die Böhmische Ständetechnische Hochschule in Prag aufgenommen, wo er später zum ordentlichen Professor ernannt wurde.[5]

Inhaber der Lehrkanzel für Baukunst

Von Anbeginn bestand eine Lehrkanzel für Baukunst unter Leitung von Georg Fischer. Er bekleidete außerdem das Amt des Königlichen Provinzbauinspektors.[6]

„Se. Majestät haben (. .) den Hrn. Georg Fischer, Professor der Architektur am k. ständischen technologischen Institute zu Prag, dann Mitglied der k. k. ökonomischen patriotischen Gesellschaft daselbst, zum k. k. Landesbaudirector in Böhmen zu ernennen geruht.“[7]

1813 wurde er zum Baudirektor und 1817 zum Inspektor der Baudirektion ernannt. 1819 erhielt er den Titel eines kaiserlichen Rats.

„Fischer zählte zu den angesehensten Baumeistern und Architekten seiner Zeit und verstand es, sein praktisches Wissen hervorragend an seine Studenten weiterzugeben. Trotz seiner deutschen Herkunft war er bei den Studenten beliebt und hoch angesehen.“[8]

Werke (Auswahl)

  • St. Gotthard-Kirche

Der Neubau erfolgte im Mai 1801, der Originalplan ist nicht erhalten, wird Fischer zugeschrieben. 1809 traten Baumängel auf, Georg Fischer wurde mit der Begutachtung des Bauwerks beauftragt.[9]

  • Hybernia-Theater

Das Gebäude war ursprünglich die Kirche der Unbefleckten Empfängnis Mariens des Klosters der irischen Franziskaner (Hybernians). Jiří Fischer leitete den Umbau des Gebäudes zwischen 1808 und 1811, er war für die Bauaufsicht zuständig.

  • Prag St.-Wenzels-Seminar, Umbau

Wiederaufbau des St.-Wenzels-Seminars in der Husova-Straße im klassizistischen Stil 1804 durch Jiří Fischer. Hier bekam er mit seiner Familie eine Dienstwohnung.[10]

  • Sommerpalast des Gouverneurs 1804/05[11][12]
  • Eingangstore zum Königlichen Jagdreservat (Stromovka)

Jiří Fischer entwarf 1814 zwei Eingangstore im klassizistischen Stil entsprachen und den Zugang zur damals umgestalteten königlichen Parkanlage (Stromovka) markierten.

  • Heiligkreuzkirche Prag Neustadt

Die Dreifaltigkeitskirche in Prag, eine klassizistische Kirche, wurde von 1816 bis 1821 errichtet, Architekt war Jiří Fischer, der dem Klassizismus des Empire verpflichtet war. Der Bau wurde durch einen großzügigen Zuschuss von Kaiser Franz I. ermöglicht.

Von 1817 bis 1823 bauten die Architekten Georg Fischer und Anton Turner Kurgebäude.[13]

  • Die Gründung von Karlín, Stadtteil von Prag

Karlín, der erste Prager Vorort, dessen Erscheinungsbild maßgeblich von der industriellen Entwicklung geprägt wurde. Georg Fischer und Václav Skalník waren an der Stadtplanung beteiligt. Georg Fischer, der die Position des Baudirektors innehatte, unterzeichnete 1816.[14]

Familienarchitekt des Grafen Chotek von Chotkov und Vojnín.

Johann Rudolph Chotek von Chotkow ließ das Schloss ab 1802 und 1822 errichten. Der Plan des Dresdner Architekten Christian Friedrich Schuricht wurde den örtlichen Gegebenheiten von Georg Fischer angepasst, bis 1806 leitete er den Bau. 1807 führte sein Schüler und Mitarbeiter Johann Philipp Joendl[15] den Bau weiter.

Baumeister Mathias Hummel errichtete mit dem Architekten Georg Fischer den Laudon-Pavillon, den Tempel der „Freunde der Landschaft und Gärten“ und den Maria-Theresien-Pavillon.[16]

Kleinseitner Friedhof in Prag

Auf diesem Friedhof fanden Professoren der ehemals Königlichen böhmischen ständischen technischen Lehranstalt zu Prag, wie Jiří Fischer, Jiří Döbler und Jan Lieblein, und auch deren Familienangehörigen ihre letzte Ruhestätte.[17]

Literatur

Einzelnachweise

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