Georg Kegel
deutscher Baumeister des Historismus
From Wikipedia, the free encyclopedia
Georg Karl Wilhelm Kegel (* 22. September 1857 in Kassel; † 26. Dezember 1912 ebenda) war ein deutscher Architekt des Historismus.

Leben
Georg Kegel war das achte von elf Kindern des Fotografen und Lithografen Georg Kegel senior (1821–1884), der 1849 in Kassel eine Lithografie-Werkstatt eröffnet und ein Photographisches Institut für Lichtbilder auf Papier und Daguerreotypie-Portraits gegründet hatte. Der Vater wurde geboren auf der damaligen Staatsdomäne Ziehers (rund einen Kilometer östlich von Fulda), auf der der Großvater Pächter war.[1]
Nach dem Besuch des Lyceums Fridericianum in Kassel studierte Georg Kegel von 1874 bis 1878 an der Technischen Hochschule Hannover bei Conrad Wilhelm Hase und wurde dort 1876 aktives Mitglied der katholischen Studentenverbindung AV Gothia im KV.
1887 wurde er nach bestandenem zweiten Staatsexamen zum Regierungsbaumeister (Assessor in der öffentlichen Bauverwaltung) ernannt. Von 1888 bis 1893 war er Lehrer an der Baugewerkschule Kassel[2], schied aber dann aus dem Staatsdienst aus und arbeitete bis zu seinem Tod freiberuflich in Kassel, nach 1900 gemeinsam mit dem Architekten August Ernecke.[3] Zahlreiche Studienreisen führten ihn nach Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Italien und Österreich.
Ein Sohn von Georg Kegel war der Architekt und Stadtplaner Sturm Kegel.
Wirken
Georg Kegel entwarf als Architekt 24 katholische Kirchen und Kapellen im Gebiet des Bistums Fulda sowie zahlreiche Profanbauten. Er bevorzugte neugotische und neuromanische Elemente, aber auch Formen der Neorenaissance. Typisch waren seine streng an der Nutzung orientierten Entwürfe und die souveräne Kombination von traditionellen, heimischen Materialien, wie Naturstein und Fachwerk. Zu seinen bedeutendsten Bauten gehören die beiden großen katholischen Pfarrkirchen St. Maria (gen. Rosenkranzkirche) und St. Familia in Kassel[4], aber auch das Schloss Rothestein bei Bad Sooden-Allendorf.
Kegel war Mitglied im 1903 gegründeten Bund Deutscher Architekten (BDA) und fungierte mehrere Jahre als Vorsitzender der BDA-Ortsgruppe Kassel.
Über 25 Jahre hinweg leistete er Vorarbeiten für die Wiederherstellung des Doms St. Peter in Fritzlar. Er starb überraschend bei Beginn der Arbeiten.
Bauten
(unvollständige Liste)[5]


Sakralbauten
- 1886: Kapelle St. Antonius der Einsiedler in (Nüsttal-)Rimmels
- 1888: Filialkirche St. Odilia in (Nüsttal-)Silges
- 1888: Filialkirche St. Anna in (Nüsttal-)Gotthards
- 1890: Pfarrkirche St. Vitus und Anna in (Hofbieber-)Elters
- 1890–1891: St. Bonifatius in Bad Sooden-Allendorf (1959 abgerissen)
- 1891–1892: St. Nikolaus in (Petersberg-)Steinhaus
- 1892–1893: Filialkirche St. Wendelin mit Pfarrhaus in Höchst an der Kinzig (1963 abgerissen)
- 1894–1901: St. Cyriakus in (Geisa-)Spahl
- 1897: Pfarrkirche St. Peter in Hofgeismar
- 1897–1899: Pfarrkirche St. Familia in Kassel, Kölnische Straße
- 1899–1901: Pfarrkirche St. Georg in Hofbieber
- 1899–1901: Pfarrkirche St. Maria (Rosenkranzkirche) in Kassel, Kirchweg
- 1899–1909: St. Barbara in (Eichenzell-)Rothemann (1962 abgerissen)
- 1902: Vorhalle der Wallfahrtskapelle St. Rochus in (Fulda-)Kämmerzell
- 1903–1904: Ausbau der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk in Biebergemünd
- 1904: Ausbau der Pfarrkirche St. Martin in (Jossgrund-)Oberndorf
- 1904–1905: Pfarrkirche St. Elisabeth in Eschwege
- 1905–1907: Pfarrkirche St. Jakobus in (Eichenzell-)Büchenberg
- 1912–1914: Pfarrkirche St. Maria vom Berge Karmel (genannt „Rhön-Dom“) in (Hofbieber-)Schwarzbach
- 1912–1914: Kellmark-Kapelle (St. Mariæ Heimsuchung) in (Amöneburg-)Mardorf
Profanbauten
- 1891–1892: Villa Marx in Fulda (1969 abgerissen)[6]
- 1891–1894: Schloss Rothestein bei Bad Sooden-Allendorf
- 1897–1913: mehrere Bauteile des katholischen Lyzeums „Engelsburg“ (heutiges Engelsburg-Gymnasium) in Kassel (Zwischenbau mit Speisesaal und Kapelle, Neubau Akazienweg, Neubau Rektorhaus)
- 1898: Endstations-Gebäude der Straßenbahnlinie 1 in (Kassel-)Bad Wilhelmshöhe (heute Besucherzentrum der Museumslandschaft Hessen Kassel)
- ca. 1900: Straßenbahndepot in (Kassel-)Bad Wilhelmshöhe (abgerissen)
- 1900–1907: Kurhessen-Kaserne in Hannoversch Münden
- 1912–1913: Volksschule in Naumburg (Hessen) (heute als Rathaus genutzt)
Weblinks
- Datensatz zu Georg Kegel in der Datenbank Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902), abgerufen am 4. August 2014