Georg Wernher
königlich-ungarischer Rat; Präfekt der Burg Scharosch (Sáros) und Renaissance-Humanist
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Georg Wernher, auch Georg Werner (ungarisch Wernher György, slowakisch Juraj Wernher, polnisch Jerzy Wernher, alle Sprachvarianten auch mit der Schreibung Werner, lateinisch Georgius Vernerus/Vuernerus/Wernerus/Wernherus, * um 1490, spätestens 1497 in Patschkau, Fürstentum Neisse, Schlesien; † Sommer 1556 in Eperies, Oberungarn, Königliches Ungarn) war ein ungarischer Renaissance-Humanist, Schulrektor, Ratsherr, Burgpräfekt, Statthalter, Finanzbeamter, Diplomat, lateinisch-altgriechischer Dichter und Wasser- und Heilwasserbeschreiber schlesischer Herkunft.

Er gilt als eine der herausragenden Persönlichkeiten des Renaissance-Humanismus in Ostmitteleuropa. Als Kammerrat legte er den Grundstein der 1567 begründeten Zipser Kammer, eine der beiden königlichen Güter- und Finanzkammern des habsburgischen Teils des durch Bürgerkrieg und Osmanische Besetzung dreigeteilten Königreichs Ungarn. Als Diplomat handelte vorwiegend er, zeitweilig durch Gebietstausch, die Wiedervereinigung des westlich-nördlichen Teils der Habsburger mit dem östlichen Teil Siebenbürgen aus. Er war königlicher Rat und Vertrauter des Kaisers und Königs Ferdinand I. Als Beamter und Humanist stand er in Kontakt mit Siegmund von Herberstein und weiteren Diplomaten, zahlreichen Humanisten und dem Reformator Philipp Melanchthon. Seine Dichtung in lateinischer und griechischer Sprache wird bis heute als sehr elegant und kreativ eingeschätzt. Sein Ziel der Veröffentlichung einer mehrbändigen Geschichte Ungarns verhinderte sein Tod 1556.
Georg Wernher schrieb als Hydrograph (Wässerbeschreiber) die erste mittelalterlich-neuzeitliche, für damalige Verhältnisse chemisch-geologisch und medizinisch systematisierte und klassifizierte Beschreibung von Heilquellen und Wassern. Er gilt er als Vater der Balneologie (Bäderheilkunde) in Ungarn, besonders in der heutigen Slowakei und verfasste Standardwerke über Heilwässer in Ungarn allgemein und in der damals zwischen Ungarn und Polen geteilten Region Zips. Zahlreiche slowakische Heilquellen verdanken ihm ihre Ersterwähnung. Dabei beschrieb er auch als einer der ersten die Zementation im Vitriolverfahren des Kupferbergbaus und erwähnte nebenbei Beweise, dass Gesteine nicht seit der biblischen Schöpfung bestanden haben können.
Herkunft und Studium
Georg Wernher hinterließ in so unterschiedlichen Bereichen prägende Einflüsse, dass die ersten Historiker, die sich mit ihm beschäftigten (Jan Daniel Janocki 1774, István Weszprémi 1774, Gustav Bauch 1898 und Elfriede Rensing 1933) überlegten, es könnte sich um zwei Namensvetter handeln, was widerlegt ist.[1.1] Seine Biografie ist in großen Teilen erforscht, die Wertung einiger Details und Quellenfunde wird in jüngerer Zeit diskutiert und revidiert. Alle Forscher sind sich einig, dass er in seiner Zeit herausragt, aber es gibt bis heute keinen wissenschaftlichen Artikel, der alle Aspekte seiner Tätigkeiten abdeckt.[2.1]
Georg Wernher wurde um 1490 in der damals schon vorwiegend deutschsprachigen Stadt Patschkau an der Glatzer Neiße – später die Grenze zwischen Niederschlesien und Oberschlesien, auf der rechten, oberschlesischen Flusseite gelegen – geboren. Sein genaues Geburtsjahr ist unbekannt, wird um 1490 geschätzt, kann nach seiner Studienzeit nicht später als 1497 gewesen sein. Obwohl Patschkau im 15. Jahrhundert als Handels- und Messestadt aufblühte, entstammte er einer nicht sehr wohlhabenden Kaufmannsfamilie.[3] Der sonst wenig bekannte Vater hieß Martin Wernher.[4.1] Seine elementare und weiterbildende Schulbildung erhielt er wohl in Patschkau. Wenige Biografen vermuten, allerdings ohne Belege in den Quellen, er könnte auch das Gymnasium von Neisse (poln. Nysa), nicht von Patschkau (Paczków) besucht haben.[2.2]
Von 1511 bis 1514 studierte er an der Universität Wittenberg und ab 1515 an der Universität Krakau, wo er 1519 den baccalarius artium (B.A.) erwarb. Das folgende Magisterstudium schloss er mit Sicherheit nicht ab, falls er es überhaupt antrat.[3] Sein Studium war der Förderung der aus der nordungarischen Region Zips stammenden reichen Bergunternehmerfamilie Thurzo, die in den Hochadel aufgestiegen war, zu verdanken. Johannes V. Thurzo war Fürstbischof von Breslau und damit automatisch auch Reichsfürst von Neisse, wo Patschkau lag, vormals Rektor der Universität Krakau und vermittelte vielen ärmeren Söhnen Stipendien und Kontakte. Bereits 1515 trat Wernher als begabter Student in Erscheinung, als er seinem Krakauer Rhetorik- und Poetiklehrer Valentin Eck aus Lindau für sein Lehrbuch De arte versificandi opusculum („Über die Kunst des Dichtens“) im Vorwort ein elfsilbiges Empfehlungsgedicht in lateinischer Sprache veröffentlichte.[4.2] Einer seiner Studienfreunde in Krakau war der schlesische Lateindichter und Diplomat Georg von Logau, mit dem er später einen Gedichtband veröffentlichte, und der Wernhers Begabung für lateinische und griechische Dichtung lobte. Viele Krakauer Studenten verehrten damals den europaweit führenden Humanisten Erasmus von Rotterdam, aber sein Lehrer Johannes Antoninus aus Kaschau empfahl nur Georg Wernher an Erasmus für Briefkontakte, die vielleicht nicht entstanden, jedenfalls nicht erhalten sind, aus Briefkontakten mit Antoninus ist aber bekannt, dass Erasmus von Wernher wusste.[4.3] Noch 1527 zierten einen publizierten (nicht erhaltenen) offenen Brief Erasmus' an König Sigismund I. von Polen mehrere lateinische Gedichte Krakauer Humanisten, auch von Wernher.[4.4] In Krakau freundete sich Wernher mit dem damaligen kaiserlichen Gesandten aus Wien in der Hauptstadt Polens, Siegmund von Herberstein an. Der sehr belesene Wernher zeigte auch immer vertiefte naturwissenschaftliche und medizinische Kenntnisse, deren Herkunft nicht ganz geklärt ist.[4.5] Nach dem Tod seines Förderers Johannes Thurzo veröffentlichte er 1520 in Krakau eine erste lateinische Elegie auf ihn und seinen Bruder Alexius Thurzo.[4.6]
Rensing vermutete früher, dass er an der Universität Wien Magisterstudent war, was heute Jana Balegová[4.7] und Ágnes Póka[2.3] ausschließen, weil sich bald Lebensstationen im östlichen und nördlichen Königreich Ungarn nachweisen lassen. Der in Wiener Matrikeln geführte Student Georgius Hungarus (Georg der Ungar), Schüler von Johannes Cuspinian und dem aus Siebenbürgen gebürtigen Jakobus Piso war wohl ein anderer. Die Biografin Tünde Katona und der Kirchenhistoriker Jan-Andrea Bernhard vertreten es weiterhin, auch weil Cuspinian, Piso und der damals ebenfalls in Wien lehrende Caspar Ursinus Velius zu Wernhers Briefkontakten zählten, für Piso war Wernher 1527 sogar Herausgeber seiner Gedichtsammlung.[5.1] Es ist aber ausgeschlossen, dass er das Magisterstudium abschloss oder lange Zeit verfolgte, weil sich schon 1519 Spuren in Ungarn finden.
Ungarn, Stadtämter in Eperies (Prešov) und Bürgerkrieg
Um 1519/1520, ging Wernher ins Königreich Ungarn. Nach älteren Angaben war er Lehrer in Eperies (slowakisch: Prešov, deutsch heute auch Preschau, ungarisch: Eperjes), Kaschau (slow. Košice, ung. Kassa) und Kronstadt/Siebenbürgen (rumänisch: Brașov, ung. Brassó). In Eperies wird 1520 ein Junggeselle Georgius als Privatlehrer und 1521 ein Baccalaureus Georgius in städtischen Rechnungsbücher aufgeführt. In Kronstadt wird am 29. Mai 1523 Baccalaureus Werner scholasticus erwähnt (Bacchelor Werner, Schulrektor). Sein Umzug aus Krakau oder Wien nach Ungarn ist auch sicher, weil 1523 in Krakau eine lateinische Elegie Wernhers auf die Passion Jesu mit ausdrücklicher Widmung zu Ehren des ungarischen Reichskanzlers und Erzbischofs von Esztergom, Ladislaus (László) Szalkai erschien. Mit dem Umzug nach Ungarn folgt Werner einer unter Humanisten verbreiteten Tradition, in anderen Ländern Stellungen zu suchen, wobei vielleicht auch seine Beziehung zur Familie Thurzo aus Nordungarn eine Rolle spielte.[3][4.8]
Im Jahr 2006 bewies der ungarische Historiker Zoltán Csepregi, dass Wernher von 1521 bis Ende 1523 schon Schulrektor der städtischen Bürgerschule und ab 1519 auch Stadtschreiber in Kronstadt war. Csepregi konnte Wernhers Handschrift in den Archiven der Stadt identifizieren. Demnach war der 1520 und 1521 in Eperies erwähnte Lehrer Georg mit Sicherheit ein anderer, denn 1519 fertigte Wernher erstmals eine Urkunde in Kronstadt an. Die erwähnten Lehrertätigkeiten in Eperies und Kaschau beziehen sich möglicherweise auf spätere Etappen seiner Biografie (siehe Kapitel „Humanist und Dichter“).[1.2][2.2]

Gesichert nachweisbar wird sein Aufenthalt in Ungarn auch 1524, als er die Stelle des Stadtschreibers in der (damals fast ausschließlich deutschsprachigen) Handelsstadt Eperies annahm, wo Rensing seine Handschrift erkannte, 1525 war er daneben alleiniger Finanzbuchhalter der Stadt und 1526 stieg er zusätzlich in den Stadtrat auf.[4.9] Póka konkretisiert, dass es der „Kleine Rat“ oder „Innere Rat“ aus Geschworenen (iuratus) war, der gerichtliche Aufgaben hatte, dem er bis mindestens 1534 angehörte. Um 1530 wurde er Vorsitzender dieses Rates, also Stadtrichter von Eperies[6.1], was er wahrscheinlich 1534 aufgab, als er in dem Jahr in den „Großen Rat“ oder „Äußeren Rat“, der die politischen und wirtschaftlichen Fragen der Stadt entschied, als centumvir (dt. „Hundertleut“, weil dieser Rat 100 Mitglieder hatte) wechselte. Diesem Rat gehörte er 1534–1536 und 1538 an.[2.4]
Rensing hatte 1933 vermutet, dass Wernher 1524–1526 Sekretärsaufgaben für die Kanzlei des jungen ungarischen Königs Ludwig II. übernahm, was aber auf einem Übersetzungsfehler beruhte. Die überlieferte Zeile Ad Georgii Silesium regis Pannoniae a secret[ari]is bedeutet „an den schlesischen Georg von den Sekretären des ungarischen Königs“[2.5]
Im Jahr 1526 fand der ungarische König Ludwig II., nachdem er dem Osmanischen Reich traditionelle Tribute verweigert hatte, in der Schlacht bei Mohács überraschend den Tod gegen die Osmanen, ohne Erben hinterlassen zu haben. Nach der folgenden Doppelwahl von Johann Zápolya und Ferdinand von Habsburg und dem sich anbahnenden Ungarischen Bürgerkrieg 1526/27–1533 in den die Osmanen im „Türkenjahr“ 1532 zugunsten des unterliegenden Zápolya eingriffen und Süd- und Mittelungarn direkt eroberten (endgültig 1541 annektiert), ergriff Werner früh Partei für Ferdinand und warb aktiv für die habsburgische Seite.
Während des Krieges diente Wernher dem Bischof von Veszprém und ungarischen Reichskanzler Tamás Zalaházi (Szalaházy) 1528/29 als Erzieher für dessen Neffen und Nachfolger als Erzbischof Martin (Márton) Kecsethy. Nach der Rückkehr stieg er 1531 nach Erwähnungen anderer Autoren wahrscheinlich kurzzeitig (das Stadtbuch für das Jahr 1531 ist aber nicht erhalten) zum Bürgermeister von Eperies auf[3], blieb aber auch Stadtnotar, städtischer Finanzbuchhalter und Stadtrat.[4.4]
Diplomat

Weil Eperies zum oberungarischen Fünfstädtebund, genannt Pentapolitana, aus königlichen Freistädten in Oberungarn (heute Ostslowakei und benachbarte Gebiete Ungarns, der Ukraine und Nordrumäniens) gehörte, übernahm Wernher erste diplomatische Missionen für den Städtebund aus wohlhabenden Handelsstädten. Bei einer dieser Missionen für die Pentapolitana geriet er während des Bürgerkrieges 1532 in Gefangenschaft und wurde fast sechs Monate von Nikolaus (Miklós) Kostka, einem Parteigänger Johann Zápolyas, auf der Arwaburg als Geisel gefangen gehalten. Kostka verlangte die Freilassung von drei weiteren Parteigängern Zápolyas, darunter der spätere Raubritter Matthias Bašo (siehe unten). Die Geiselnahme wurde durch Intervention des polnischen Königs Sigismund II. August und des Erzbischofs von Gnesen Jan Łaski, Bruder des Zipser Magnaten polnischer Herkunft, Hieronymus Łaski, beigelegt. Sie ist durch erhaltene briefliche Hilfegesuche Wernhers an den Stadtrat von Eperies und in zwei regionalen zipser-sächsischen Chroniken überliefert.[4.10]
Auf Grundlage ausführlicher Briefberichte 1529 über die Verhältnisse im Ungarn des Bürgerkrieges empfahl ihn sein Freund Siegmund von Herberstein, kaiserlicher Rat und mehrfach kaiserlicher Botschafter im Osmanischen Reich, der Republik Venedig, Polen und besonders im Großfürstentum Moskau, dem König Ferdinand I. von Habsburg als vertrauenswürdigen königlich-ungarischen Rat und Gesandten. In den folgenden Jahren übernahm Wernher nicht nur für die Pentapolitana, auch für Ferdinand diplomatische Missionen und Gesandtschaften. Herberstein machte Wernher auch mit mehreren habsburgischen Räten und Gesandten bekannt, mit denen Wernher Briefkontakt hielt.[3]
Wernher war an mehreren diplomatischen Missionen für die Habsburger in Ungarn, für die Pentapolitana und für den Ungarischen Landtag gegenüber den Habsburgern beteiligt. Im Jahr 1540 gehörte er neben Gáspár Horváth von Vingárt und Ferenc Révay zur habsburgischen Delegation bei Verhandlungen mit dem Gegenkönig Johann Zápolya in Gönc, schon 1536 hatte er an solchen Vehandlungen teilgenommen. Im Jahr 1541 führte er die Delegation, die nach Verhandlungen die ungarische Königskrone, die Stephanskrone von Zápolyas Witwe Isabella Jagiellonica von Ungarn an die Habsburger überführte. Im Jahr 1543 war er Abgesandter auf dem am 1. August einberufenen ungarischen Landtag. Im Jahr 1547 gehörte Wernher zu der Gesandtschaft des ungarischen Landtages, der dessen Beschlüsse am Rande des „Geharnischten Reichtages“ in Augsburg Kaiser Karls V. dem dort ebenfalls anwesenden Bruder des Kaisers, Ferdinand I. von Ungarn (auch römisch-deutscher König, später Kaiser) vorlegte, um seine Bekräftigung einzuholen und weitere militärische Unterstützung zu erbitten. Wernhers größter diplomatischer Erfolg war seine Beteiligung an einem mit der Witwe Isabella von Ungarn 1551 vereinbarten Gebietstausch Ostungarns/Siebenbürgens gegen die schlesischen Herzogtümer Oppeln und Ratibor. Als sich Isabella nach einer Besichtigung der neuen Besitzungen übervorteilt fühlte, konnten Wernher und Miklós Oláh, Bischof von Erlau (ung. Eger), sie soweit besänftigen, dass der Tausch noch zu Stande kam. An der folgenden administrativen Erschließung Siebenbürgens für die Habsburger war Wernher führend beteiligt. Der Tausch blieb nicht dauerhaft, nach Wernhers Tod 1556 kehrte Isabella nach Siebenbürgen zurück, wo bis 1571 schrittweise das Fürstentum Siebenbürgen entstand. Im Jahr 1552 übernahm eine Mission unter Wernher und seinem Verwandten György Rakovszky die Stadt Kaschau von Isabella. Sehr oft war er als Gesandter für Eperies und die Pentapolitana und als Beamter auch in Prag, Olmütz oder Wien, wobei wohl seine Freundschaften zu tschechischen Humanisten entstanden.[2.6]
Kammerrat, Burgpräfekt und Statthalter
Zwischen 1529 und 1533 wurde Wernher königlich-ungarischer Rat und Verwalter der Ungarischen Kammer, der Finanzinstitution zur Überwachung königlicher Güter und Abgaben, die nach dem Verlust von Buda an die Osmanen in der neuen Hauptstadt des königlichen Ungarns, Pressburg (Bratislava) saß (siehe Palais der Ungarischen Königlichen Kammer). Ab Ende der 1530er Jahre war er beauftragt, die Kammeraufgaben im entlegenen Oberungarn für Ferdinand zu übernehmen, womit die Vorläuferin der Zipser Kammer entstand.[4.11] Johann Zápolya hatte die königliche Kammer von Kaschau auf seinem Rückzug nach Siebenbürgen mitgenommen, wo später das Fürstentum Siebenbürgen entstand, nach endgültiger Teilung Ungarns 1541 der dritte Teil neben dem von Ferdinand regierten königlichen Ungarn und dem osmanischen Ungarn.[3] Seit Beginn der 1540er Jahre bis zu seinem Tod betrug Wernhers Jahresgehalt 200 ungarische Gulden/Forint direkt aus der Wiener Hofkasse, die auch an seine Witwe weiter gezahlt wurden, sowie 400 Gulden/Forint als Rat der Ungarischen Kammer, womit er eines der höchsten Beamtengehälter Ungarns bezog. Die hohe Wertschätzung Ferdinands I. zeigte sich, als er königliche Geschenke zur Hochzeit der Tochter Euphemia überreichen ließ und den Söhnen das Studium an der Karls-Universität Prag finanzierte.[6.2]
Seine Aufgaben als oberster Finanzbeamter Oberungarns waren umfangreich. Er überprüfte Steuer- und Abgabenschätzungen auf Basis regelmäßig aktualisierter Zählungen in Steuerregistern, dafür entstanden von ihm zahlreiche detaillierte landeskundliche Berichte für die Akten, die heute noch nicht alle erforscht sind. Als Hauptarbeit nahm er die Abrechnungen und Gesamtzahlungen gegen Quittung entgegen und verzeichnete sie im Rechnungsbuch. Dem König abgabepflichtig (ursprünglich im Gegenzug für königliche Heeresfolge und Privilegierung von Abgaben an den Adel) waren in Oberungarn 1. die freien Königsstädte, meistens wohlhabende Handelsstädte, die einen Zehnt zu entrichten hatten, 2. die Städte und Siedlungen der Zipser Sachsen, die jährlich am Martinstag im November den „Martinszins“ entrichteten, 3. die bergbewohnenden „Walachen“ (ethnisch hier meistens Russinen, nur im Osten Rumänen), die im Juli immer den „Schaffünfzigstel“ entrichteten, 4. die Bergstädte, die nach dem königlichen Bergregal auf Edelmetalle und Salz darauf den Bergzehnt (in Ungarn „Urbur“ genannt) an Unterbehörden, die Bergkammer und die Salzkammer entrichteten und schließlich 5. die kleine Sonderprovinz Stuhl der zehn Lanzenträger. Dazu kamen in diesen unruhigen Zeiten außerordentliche „Dreißigstel“ (tridecima) als Außenhandelszoll und eine vom Ungarischen Landtag zur Verteidigung gegen die Osmanen genehmigte Verteidigungssteuer (dica) des Einkommens der gesamten freien Bevölkerung. Die Eintreibung übernahm er nicht persönlich, sondern beauftragte Steuerpächter oder Abgabenmeister der Gemeinschaften und Unterkammern. Als Kammerrat, auch „Zahlmeister“ genannt, nahm er deren jährliche Zahlungen und Abrechnungen entgegen, verglich sie mit den Registern und überprüfte gelegentlich deren Stichhaltigkeit. In der Praxis war die Abgabenerhebung nicht systematisch, es gab Ausnahmeprivilegien oder Abgabenverpfändungen. In Wernhers Handschrift sind über 1000 Seiten Akten in den Archiven erhalten.[2.7] Daneben hatte er fiskaljuristische Aufgaben, denn die zahlenden Städte, privilegierten Gemeinschaften, Kaufleute und Stände hatten das Recht, gegen die Steuer- und Abgabenschätzungen und -zahlungen in Einspruch zu gehen oder zu klagen, wofür die Kammerräte die erste, das Ungarische Hofgericht die letzte Instanz waren. Schließlich war die Verwaltung königlicher Kammergüter zu überwachen. Die Aufgaben erledigte er so zuverlässig, dass ihn einige Bistümer als Zahlmeister ihres Kirchenzehnts beauftragten.[6.3]
Nur ein kleiner Teil der Einnahmen wurde an die Ungarische Kammer in Pressburg oder nach Wien abgeliefert, die meisten Gelder leitete Wernher in der militärisch bedrohten Lage Oberungarns in regionalen Festungsbau, Bewaffnung, Munition und Soldatensold. Wernher war somit derjenige, der den großen Militärapparat Habsburgisch-Oberungarns finanziell versorgte. Jährlich im Mai lieferte er die schriftliche Gesamtabrechnung an die Ungarische Kammer Pressburg und im zweiten Exemplar direkt an die Wiener Hofkammer und oft an Ferdinand I. persönlich. Dabei bildete sich zwischen Georg Wernher und Ferdinand ein so enges Vertrauenverhältnis, dass Wernher vom Herrscher Freiheiten erhielt, seine Abrechnungen an der vorgesetzten Ungarischen Kammer in Pressburg vorbei im Gespräch an ihn persönlich oder an die Wiener Hofkammer und besonders an die ihr unterstellte Niederösterreichische Kammer, deren Präsident sein Vertrauter Siegmund von Herberstein war, weiterzuleiten. Dieses anfangs persönliche Mandat führte nach seinem Tod zur Bildung der Zipser Kammer und formal ihre Unterstellung direkt unter die Niederösterreichische Kammer und die Hofkammer, statt unter die in Ungarn eigentlich vorgesetzte Ungarische Kammer.[6.3]

In den 1530er Jahren war Wernher zeitweilig Burgpräfekt der Burg von Solivar (deutsch: Salzburg) südöstlich bei Eperies, bis zu deren vollständiger Zerstörung noch im Krieg. Póka verwies darauf, dass seine Formulierung „unter main verwaltungk“, auch meinen konnte, dass die Burg neben anderen seinem Verwaltungsbereich unterstand, er aber nicht direkt der Präfekt dieser Burg war.[2.8] Im Jahr 1538 oder 1539, nach dem Frieden von Großwardein, wurde er Burgpräfekt der von den Habsburgern im Vorjahr eroberten Burg Scharosch nordwestlich der Stadt Eperies, was er bis zu seinem Tod blieb. Burg Scharosch war damals nicht nur das Verwaltungszentrum des Komitats Scharosch, sondern faktisch ganz Oberungarns, aufgrund der entlegenen Lage des Landesteils, weshalb er Funktionen des habsburgischen Statthalters der Region bekleidete. Seine Rolle als Burgpräfekt und Statthalter wurde in dem in der Slowakei bekannten Píseň o zámku Muránském (slowakisch: „Lied über Schloss Muran“) verewigt, verfasst von dem Obristen im ungarisch-habsburgischen Heer, Martin Bošňák († 1566). Es berichtet von Wernhers Hilfe für die Belagerung und Eroberung der Burg Muráň 1548, wo sich der Raubritter Matej (Matthias) Bašo verschanzt hatte.[3] Nach Erlass eines ungarischen Gesetzes gegen Raubrittertum 1548 konnte der die Burg belagernde habsburgische General Nikolaus von Salm die Eroberung nur nach weitreichender militärischer und logistischer Unterstützung durch den Burgpräfekten und Kammerrat erfolgreich beenden.[4.12] Wernher war als Burgpräfekt/Burgverwalter der Wirtschaftsverwalter der Burg und ganz Oberungarns und ihrer Abgaben, nicht der Burgkapitän/Burghauptmann (Kommandant der Garnison), wie manchmal irrtümlich geschrieben wird, der war anfangs ein Sebastian Krainer, später Leonhard Österreicher.[2.9]
Im Jahr 1550 schrieb die Kommission Ferdinands den Posten des Präsidenten der Ungarischen Bergkammer, der Oberaufsicht über alle Bergwerke in Ungarn aus. Zwingende Kenntnisse der Kandidaten mussten in Güterverwaltung und Güteraufsicht, Rechnungswesen und Rechnungsprüfung (nicht im Bergbau, das war Aufgabe der beigeordneten Bergmeister und Bergaufseher), aber auch fließende Kenntnisse der ungarischen, slowakischen, deutschen und lateinischen Sprache vorhanden sein. Die Kommission kam zum Schluss, dass der einzige geeignete Kandidat Georg Wernher sei, der die zusätzliche Funktion aber unter Verweis auf seine Gesundheit und fehlende Bergbaukenntnisse ablehnte. Der Schluss wird als Hinweis genommen, dass Wernher über sehr gute Kenntnisse des Ungarischen und slowakischer Dialekte verfügte. Zusammen mit der hohen Wertschätzung, die ihm tschechische und polnische Humanisten entgegenbrachten, seiner geschickten Dichtkunst auf Latein und Griechisch (siehe unten) und seinen Lebensstationen wird geschlussfolgert, dass Wernher eine vielsprachige und multikulturell erfahrene Persönlichkeit gewesen sein muss. Trotz seiner Ablehnung wurde ihm die Kontrolle aller Bergbaureviere in der Zips (ab 1549), der Salzbergwerke und Salzsiedereien in der Maramuresch (ab 1548) und sogar der Bergbaureviere im zeitweilig von den Habsburgern erworbenen Siebenbürgen (ab 1552) übertragen, womit er fast den gesamten Bergbau königlich Ungarns in Oberungarn und Siebenbürgen, aber nicht in Niederungarn überwachte.[4.13]
An der landeskundlichen und behördlichen Erkundung des 1552–1556 vorbergehend habsburgischen Siebenbürgens war Wernher führend beteiligt. Sein Bericht über die gesellschaftlichen Verhältnisse in Siebenbürgen gemeinsam mit dem Bischof von Veszprem und Siebenbürgen, Pál (Paul) Bornemisza ist bis heute eine wichtige Quelle zur Kulturgeschichte Siebenbürgens. Im folgenden Jahr 1553 bat Wernher den König, ihn aufgrund seines Alters und seiner schlechten Gesundheit von seinen Aufgaben zu entbinden, was Ferdinand, der Wernher für unentbehrlich hielt, nicht genehmigte. Er gestattete aber, dass ihm sein Schwiegersohn Sigismund Thorda als bezahlter Assistent zur Seite gestellt wurde, welcher später Wernhers Nachfolger wurde.[4.14] Die Aufgabenfülle Wernhers übertrug sich nie in offizielle Amtstitel, er blieb offiziell immer nur Kammerrat bei der Ungarischen Finanzkammer, königlich-ungarischer Rat und Burgpräfekt von Scharosch.[6.4]
Humanist, Förderer der Reformation, Rektor und Dichter
Der Schweizer evangelisch-reformierte Kirchenhistoriker und Theologe Bernhard sieht Wernher als eine der „grossen Gestalten des Humanismus in Ostmitteleuropa“ erasmischer Prägung, weniger durch seine Werke, für die er zu wenig Zeit hatte, als durch seine Hochbegabung als Beamter und als Netzwerker mit weitreichenden brieflichen Verbindungen über Ungarn hinaus. Den Austausch von Büchern und Empfehlungen vermittelte er oft zwischen ostmitteleuropäischen Humanisten.[5.2] Daneben war er ein Förderer der evangelisch-lutherischen Reformation, die er als Fortsetzung des Humanismus von Erasmus sah. Unter Ferdinand I. war das möglich, der der Reformation relativ tolerant gegenüberstand, anders als spätere Habsburger. Wernher agierte als Vermittler von Studienplätzen, Stipendien, Kontakten und Anstellungen, mehrere ungarische und ungarndeutsche Reformatoren verdanken Wernher ihr Studium, die ungarischen oft später reformierter Konfession. Im Streit zwischen der evangelisch-lutherischen Konfession unter Luther und Melanchthon und der evangelisch-reformierten Konfession unter Huldrych Zwingli und Johannes Calvin nahm er eine vermittelnde Position ein. Er agierte als vorsichtiger und beharrlicher Förderer im Hintergrund und vermied Konfrontationen, auch mehrere Gegner der Reformation gehörten zu seinem Bekanntenkreis. Einmal geriet er in Probleme, als der katholische Bischof Georg Martinuzzi, besorgt über Wernhers Einfluss in Oberungarn, nach Kaschau kam und im August 1544 die vorübergehende Inhaftierung von Wernhers Frau und Kindern, die sich gerade in der Stadt aufhielten, veranlasste.[5.3]
Wie erwähnt war Wernher in jungen Jahren 1521–1523 Schulrektor der städtischen Schule von Kronstadt in Siebenbürgen. Eine in Fachliteratur vertretene Ansicht, nach der er in Eperies 1525 bis 1526 oder 1527 Rektor der städtischen Schule war, ist dagegen widerlegt. Deren Rektor war damals ein Caspar Siebenbürger, mit dem ein Briefverkehr Wernhers erhalten ist.[2.10] Nach anderen Meinungen war er deutlich später Rektor dieser (inzwischen evangelischen) Schule in Eperies[3], wahrscheinlich ab 1540. Das berichtet über 50 Jahre später der Rektor derselben Schule, Iohannes Bocatius (niedersorbisch: Jan Bok, dt. Johannes Bock), auch ein Bewerbungschreiben des ungarischen Vizepalatins Franz (Ferenc) Révay 1539 für seinen Sohn erwähnt Wernher.[4.15] Es wird aber bezweifelt, dass er neben seinen Beamten- und Diplomatenaufgaben ab 1529/38, die viele Reisen innerhalb Oberungarns und bis nach Pressburg, Prag und Wien umfasste, den Posten ausfüllen konnte und deshalb vermutet, dass er aufgrund seiner Rektorerfahrung eher ein äußerer Schulaufseher war. Aus denselben Gründen ist eine manchmal angenommene Rektortätigkeit in Kaschau 1527–29, wo er sich nur häufiger aufhielt, aber nicht wohnte, ausgeschlossen. Hier ist inzwischen ein Einspruch des Bischofs Tamás Szalaházy 1528, bei dem Wernher damals arbeitete und eine Ablehnung von Wernher selbst 1527 bekannt. Im Jahr 1530 lehnte Wernher auch den Schulmeisterposten in Bartfeld (slow. Bardejov, ung. Bártfa), einer dritten Mitgliedsstadt der Pentapolitana, ab.[2.11]
Neben seinen zahlreichen Aufgaben pflegte Wernher Briefkontakte mit Humanisten bis nach Polen, Schlesien, Böhmen und Mähren, in den deutschen Sprachraum und nach Italien, mit Diplomaten und mit kaiserlichen Räten, die aber bis heute nicht vollständig erforscht, größtenteils wohl auch nicht erhalten sind. Nur einige Briefwechsel, wie mit Siegmund von Herberstein sind erforscht, mit dem er regelmäßig brieflich ausführliche Berichte und Nachrichten austauschte, die sie „Nüwe Zyttungen“ nannten (der frühneuhochdeutsche Begriff „Zeitung“ bezeichnete ursprünglich briefliche Nachrichten der Zeit, erst allmählich etablierten sich gedruckte Varianten).[5.4] Mit dem führenden evangelisch-lutherischen Theologen Philipp Melanchthon war der Briefwechsel wohl umfangreich, ist aber nicht erhalten. Er wird in äußeren Briefwechseln erwähnt und durch andere Dienste füreinander greifbar. Mehrere ungarische Persönlichkeiten verdankten Wernhers Empfehlung bei Melanchthon das Studium in Wittenberg, einzelnen finanzierte er es auch.[5.5]

Nachdem Wernher ab 1544 aufgrund schlechter werdender Gesundheit von einem Teil seiner Aufgaben für Ferdinand, für die Stadt Eperies und die Pentapolitana zurücktrat, konnte er sich mehr schriftstellerischen Tätigkeiten widmen. Er verfasste 18 Trauergedichte in lateinischer, eines in altgriechischer Sprache, die 1544 bei Hieronymus Vietor in Krakau mit Gedichten von zwölf weiteren Autoren in dem Sammelband Panonniae luctus. (=„Die Trauer Pannoniens.“) erschienen. Andere Dichter waren sein Studienfreund Georg von Logau aus Breslau, sowie Joachim Camerarius der Ältere aus Leipzig, Johann Lange aus Erfurt, Lazarus Buonamici aus Padua, Klemens Janicki aus Olkusz (bereits †), Valentin Eck aus Krakau, vorher Lindau, Caspar Ursinus Velius aus Wien/Buda (†), Johannes Antoninus aus Kaschau, Ioannes Glandinus (Johannes/Jan Aychler) aus Krakau, Anselmus Ephorinus aus Friedeberg/Mirsk (Niederschlesien), Johannes Rosinus aus Wien und Ludovicus Brassicanus (Johann Ludwig Brassicanus, Jura-Professor und Sohn von Johannes Brassicanus) aus Wien. Werher, Lange, Logau und Eck waren die häufigsten Dichter im Band. Die Gedichtsammlung war als Klage über das Schicksal Ungarns mit Sondergedichten für seit der Schlacht bei Mohács bis zum ungarischen Bürgerkrieg und zur osmanischen Intervention umgekommene führende ungarische Persönlichkeiten und für zerstörte Städte angelegt. Nach Einschätzung der Wernher-Biografin und klassischen Philologin Jana Balegová verwendete Werner dabei in technischer Reife vorgegebene klassische Versmaße und Gedichtformen (Elegie, Epitaph, Jambus, Phaläkischer Vers, Distichon), orientierte sich aber nicht starr und mechanisch an klassischer Dichtung, sondern zeigte als origineller Künstler eine eigene elegante Kreativität, „emotionale Wucht“ und schuf zahlreich stilistisch neue metaphorische Bilder und Ornamente.[4.16] Es ist bekannt, dass Wernher lebenslang lateinische und griechische Gedichte verfasste, besonders in jüngeren Jahren, die nur selten gedruckt wurden und größtenteils heute nicht mehr erhalten sind. Noch 43 Jahre nach seinem Tod zählte ihn sein Nachfolger, der Humanist und Dichter Iohannes Bocatius/Johannes Bock/Jan Bok zu den fünf bedeutendsten Poeten Ungarns und der spätere Habsburger-Herrscher Rudolf II. würdigte ihn mit dem damals offiziell verliehenen Ehrentitel „Dichterfürst“.[4.17]
Wie Wernher bereits in seinem balneologischen Hauptwerk 1549 (siehe unten) erwähnt, arbeitete er an einer mehrbändigen Geschichte Ungarns, deren Fertigstellung aber sein Tod verhinderte. Der mit ihm befreundete Bischof von Veszprem, Pál (Paul) Bornemisza berichtete in einem Brief am 22. April 1555 an das Domkapitel von Belgrad, dass er seine umfangreichen Recherchen weitgehend abgeschlossen hatte und in viel Nachtarbeit am Text schreibe, was Zeitmangel aber immer wieder verzögere. Sein Archiv und das Manuskript sind nicht erhalten.[4.14] Georg Wernher starb im Sommer 1556, sein genauer Todestag ist nicht überliefert, ein Brief seines Schwiegersohnes vom 8. Juli bezeichnet ihn als vor wenigen Tagen verstorben.[3]
Familie und Nachkommen
Im Jahr 1528 heiratete Georg Wernher die Eperieser Bürgerstochter Sophia († 1567). Aus der Ehe gingen die Söhne Johann und Paulus und die Töchter Sabina († 1567), Veronica, Euphemia († 1562) und Anna hervor.[3] Die Tochter Euphemia heiratete 1551 Georg Wernhers Protegé, den siebenbürgisch-ungarischen Arzt Sigismund Thorda (von Gyalu / von Gela / von Julmarkt) (ung. (Gyalui) Thorda Zsigmond; latinisiert auch: Tordai-Gelous). Zu diesem Anlass gab der prominente tschechische Humanist Matthaeus Collinus (tschech. Matouš Collinus z Chotěřiny) die Sammlung von Glückwunsch- und Huldigungsgedichten und -texten für das Brautpaar und den Brautvater Georg Wernher unter dem Titel De nuptis clariss (Prag 1551) heraus. Autoren waren neben Wernhers Söhnen Johann und Paulus auch Collinus selbst und mehrere prominente tschechische Humanisten und auch der europaweit bekannte evangelische Theologe Philipp Melanchthon. Wernhers Söhne studierten damals am Institut und lebten im Internat Collinus', das der Karls-Universität Prag angeschlossen war.[4.18]
Der Schwiegersohn Sigismund Thorda (1518–1569) wurde Wernhers Nachfolger als Kammerrat für Oberungarn und ab 1567 Kammerpräsident der damals offiziell gegründeten Zipser Kammer. Auch er war geachteter neulateinischer Dichter, Humanist und unterhielt Kontakte zu anderen Räten, Humanisten und Philipp Melanchthon. Das Paar zog 1558 in Wernhers Bürgerhaus in Eperies und hatte zwei Söhne und eine Tochter. Von Wernhers Söhnen sind keine Ehen und Nachkommen überliefert, Johann wurde 1558 schon nicht mehr in Familienverträgen erwähnt, war wohl schon verstorben, auch von Paulus verliert sich danach die Spur. Dagegen waren alle Töchter verheiratet[7], am bekanntesten wurden in der Geschichte Ungarns die Nachkommen der ältesten Tochter Sabina. Sie heiratete den aus angesehener Eperieser Bürgerfamilie stammenden Christoph Melczer, der 1558 von Ferdinand I. das Adelsdiplom erhielt. Die Nachkommen bildeten das in mehrere Linien aufgespaltene niedere Amts- und Landadelsgeschlecht Melczer von Kellemes und Melczer von Gönc.[8]
Balneologe und Hydograph
Umstände und Beschreibung der Wasser der Zips
Am bekanntesten wurde Georg Wernher als Autor zweier balneologischer Werke, die Heilquellen und Heilbäder in Ungarn und in der zwischen Ungarn und Polen geteilten Region Zips und systematisierend ihre geografischen, chemischen und medizinischen Eigenschaften nach damaligem Kenntnisstand kurz beschreiben. Beide Werke sind ursprünglich auf Latein verfasst. Bei der Abfassung konnte Wernher an keine Vorarbeiten und Vorbildliteratur aus dem Mittelalter oder dem 16. Jahrhundert zurückgreifen, grundlegende systematische balneologische Werke erschienen später (siehe unten bei Systematisierung). Verweise auf antike Autoren, wie unter Humanisten der Renaissancezeit üblich – Ovid, Vergil, Plinius, Seneca – nutzten weder zur geographischen Beschreibung ungarischer Quellen, noch des Bäderwesens seiner Zeit. Mitteleuropa hatte erst seit dem Hochmittelalter unter islamischem Einfluss eine Badekultur entwickelt, in Ungarn aufgrund der Vielzahl von Heilquellen wohl etwas eher. Die sie betreibenden Bader im Badehaus galten aber aufgrund ihrer Nähe zu ansteckenden Krankheiten, manchmal auch zur Prostitution als „unehrlicher Beruf“, waren deshalb nicht in Zünften organisiert und hatten keine Berufs- und Ausbildungsstandards. Ihre Kenntnisse gaben sie allein mündlich weiter, hinterließen nichts Schriftliches. Wernhers Erstbeschreibungen beruhen deshalb im Wesentlichen auf eigenen Kenntnissen, Recherchen und – besonders wenn aus den politisch-militärisch verfeindeten Teilen Ungarns Osmanisch-Ungarn und Siebenbürgen berichtet wird – auf Hörensagen.[4.13] Unter diesen Bedingungen waren seine Berichte ungewöhnlich systematisch und gelehrt, weshalb er als „Vater der slowakischen Balneologie“ gilt.[9] Viele slowakische Kurbäder verdanken Werner ihre Ersterwähnung.
Anlass ihrer Entstehung war ursprünglich eine briefliche Anfrage Siegmund von Herbersteins, in der er nach den wundersamen Eigenschaften der gerüchteweise im deutschen Sprachraum bekannten Heilquellen der ungarischen Region Zips fragte. Diese durch Fernhandel zwischen Polen und Ungarn und durch Bergbau reichste Region Oberungarns war damals noch, seit dem Hochmittelalter, zu über der Hälfte der Bevölkerung von deutschsprachigen Zipser Sachsen als Sprachinsel bewohnt, deren Oberschicht (Kaufleute, Kleriker und Theologen, Adel, Humanisten) immer wieder in personellem Austausch mit dem deutschen Sprachraum stand. Wernher beantwortete die Anfrage mit einem etwa sechsseitigen Antwortbrief, in dem er knapp gehalten die eisenverzehrenden, steinbildenden und giftigen Wasser (siehe unten) beschreibt, lokalisiert und ihre Nutzung erwähnt. Herberstein hielt den Briefwechsel für druckreif, er erschien unter dem lateinischen Titel Hypomnemation de aquis in Scepusio admirandis. („Kurzbeschreibung der wundersamen Wasser in der Zips.“). Er ist in zwei Druckauflagen erhalten, eine Auflage in Wien 1551, eine weitere Auflage macht keine Angaben über Erscheinungsort und -jahr. Es wird meistens angenommen, dass sie die bald ausverkaufte Erstauflage um 1547 oder 1548 war, kurz nach dem Briefwechsel. Wenige Historiker argumentieren, sie könnte auch um 1555 erschienen sein. Weil der Text in überarbeiteter und erweiterter Form bald in das vielfach aufgelegte größere Werk integriert wurde, wurde er später nicht erneut gedruckt.[4.19]
Beschreibung der Wasser Ungarns
Entstehung und Auflagen
Darauf schickte Herberstein einen weiteren Brief an Wernher, in dem er sich für die Antwort bedankt, weil „vil fürtreffenliche Personen werden aus solcher deiner Khundtschafft/.../bestättigt/und zuzweiffeln auffhören....“ und in dem er sich nach den Heilquellen in ganz Ungarn, besonders bei Ofen (Buda), an der Waag und weiteren Regionen Ungarns erkundigt. Herberstein fragt, ob es die ihm bekannten königlichen Thermalbäder von Buda einige Jahre nach der osmanischen Eroberung und Annexion noch gibt, und wie sie inzwischen genutzt werden, ob es dort wirklich Quellen gibt, die zu heiß sind, die Hand reinzuhalten, ob wirklich Fische in Thermalwässern leben, ob es „bey dem Stätlein Golgotz, das die Teutschen und die Windischen Freystätl nennen“ (Hlohovec) wirklich einen sich von der Waag entfernenden Nebenarm gibt, der durch tiefe Thermalquellen erwärmt wird, bevor er zurück in den Hauptfluss fließt, ob es in Ungarn Quellen wie die in den Historien bei „Ariano“ (Arrian) beschriebene Quelle gibt, die morgens frisch („lablat“) austritt, gegen Mittag kalt ist, gegen Abend warm wird, „und wider mit angeendem tag lab [frisch] entspringt“,[10] und schließlich, ob es in Ungarn Quellen mit ähnlich giftigen Dämpfen gibt, wie sie Saxo Grammaticus von Island beschreibt.
Nach einigen Monaten Recherchezeit antwortete Wernher mit einem ausführlichen, über 40-seitigen Antwortbrief. Aus ihm entstand das jüngere, deutlich größere Werk De admirandis Hungariae aquis hypomnemation. (Basel 1549; Wien 1551 und weitere Auflagen). Eine deutsche Übersetzung erschien in Wien 1558 unter dem Titel Von den wunderbarlichen Wassern in Hungarn khurtzer Bericht.[3] Sie trägt sehr viele bairische Dialektmerkmale, wie p statt b im Silbenanlaut, und stammt nicht von dem gebürtigen Schlesier Georg Wernher selbst, sondern einem anonymen österreichischen Übersetzer. Diese Beschreibung fand eine breite Leserschaft, die lateinische Ausgabe wurde bis Anfang des 18. Jahrhunderts neun mal verlegt, die deutsche Übersetzung sechs mal.[4.19] Der ursprüngliche Fragebrief wurde immer an den Anfang gestellt. Außerdem erschien der Text vor 1600 in drei Anthologien (Sammelwerken) mit Beschreibungen östlicher Länder. Eine Anthologie erschien 1557 (Neuauflagen 1563 und 1567), auch mit Beschreibungen des Großfürstentums Moskau von Siegmund von Herberstein und von Paolo Giovio und ethnografischen Beschreibungen Osteuropas von Heinrich Pantaleon, eine zweite Anthologie 1563 (und weitere Auflagen) zusammen mit einer Beschreibung des Großfürstentums Moskau vom ehemaligen päpstlichen Legaten in Moskau, Antonio Possevino, einer Beschreibung des Krimkhanats vom ehemaligen polnischen Gesandten Marcin Broniewski und eine Beschreibung Siebenbürgens und des Fürstentums Moldau vom kaiserlichen Rat Ferdinands und Wiener Botschafter in Moldau, Georg Reichersdorfer, selbst siebenbürgen-sächsischer Herkunft[11], eine dritte erschien 1595 und umfasste Texte aus beiden älteren Anthologien und weitere Texte. Alle Anthologien wurden mehrfach neu verlegt. Noch im Jahr 1600 (und spätere Auflagen) und sogar 1746 (und spätere Auflagen) wurde der Text Teil weiterer Anthologien mit Beschreibungen Ungarns.[12] Nur wenige Humanisten aus dem Gebiet der heutigen Slowakei erzielten einen solchen Publikationserfolg.[4.19]
Trotz einiger Abschweifungen, die aber oft Antworten auf Herbersteins konkrete Fragen sind, folgt die Beschreibung einem durchdachten, aufeinander bezogenen geografischen und sytematisierenden Konzept. Wie bei Humanisten üblich, finden sich regelmäßig Bezüge und Vergleiche zu klassisch-antiken Beschreibungen und Namen, aber auch kulturelle Beschreibungen und eigene Überlegungen.
Einführung und Konzeption
In den ersten Absätzen beschreibt Wernher knapp geografische, ethnografische und administative Grundlagen Ungarns, was zeigt, dass er sich bewusst war, dass der Brief eine breitere Leserschaft finden wird, dass „dis püchlein“ wohl in Druck gehen wird. Er beschreibt, dass Ungarn von Donau und Theiß geprägt wird, vom „Sarmatischen gepürg“, auch Karpaten genannt, von Raab und Save begrenzt wird und das „volckreich Land“ Siebenbürgen dazu gehört. Unter den Bevölkerungsgruppen, die nicht vollständig aufgezählt werden, erregen besonderen die „Jasen“ seine Aufmerksamkeit, weil er sie als Nachfolger der antiken Jazygen sieht und deren Sprache „mit der Hungerischen gar khain gemainschafft hat“. In Siebenbürgen erwähnt er die vier Bevölkerungsgruppen der Siebenbürger Sachsen, Ungarn, Szekler und Walachen (Rumänen), „so noch von den Römern heer khommen“ und beschreibt, dass die Bergleute in den Bergstädten der Karpaten meistens Deutsche seien. Er rundet die Einführung mit der Bemerkung ab, dass Ungarn in über fünfzig „Spanschafften“ als Kreise und Gerichtsbezirke eingeteilt sei, von denen „wir“ (das königliche Ungarn der Habsburger) nicht die Hälfte halten.
Inspiriert von Herbersteins Fragenfolge beginnt er die Schilderung der ungarischen Heilwässer in Buda und Umgebung, wendet sich dann nach Nordwesten, die Donau aufwärts, danach die Waag und umgebende Flusstäler in der westlichen Slowakei, flussaufwärts nach Osten über die niederungarischen Bergstädte, die mittelslowakische Umgebung der Hohen Tatra, weiter in die Zips und nach Oberungarn, in die Maramuresch, schließlich nach Siebenbürgen und beendet seine Beschreibung in der Umgebung der Theiß. In die Beschreibung werden immer wieder Kurzbeschreibungen einzelner Heilquellen und ihre Nutzung integriert. Dabei beantwortet er auch Herbersteins Fragen. Diesen geografischen Rundgang verknüpft Werner mit Schwerpunktbeschreibung bestimmter chemischer Wassertypen in Regionen, in denen diese häufiger sind.
Thermalbäder von Buda


Wernher beginnt mit ausführlicher Beschreibung der Thermalbäder (warme Bäder oder Wildbäder genannt) von Buda und Umgebung, wo sich das dichteste Netz Thermalquellen in Ungarn befinden. Er beschreibt ihre Nutzung, als die Stadt noch Hauptstadt Ungarns war (bis zur osmanischen Einnahme 1541) und ihre Nutzung nach nur acht Jahren osmanischer Herrschaft, was der Schilderung großen geschichtswissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Quellenwert gibt. In ungarischer Zeit sei das warme Bad nahe der Budaer Burg von den Königen und Anhang genutzt worden, weshalb es königlich „geziert und eingefasst“ als Königsbad bezeichnet wurde. Damit beschreibt er höchstwahrscheinlich das heutige Rác fürdő südlich nahe der Budaer Burg, das damals als Königsbad diente und schon unter König Matthias Corvinus vom Herrscher, Gefolge und Gästen durch einen bis heute erhaltenen Gang zur Burg aufgesucht wurde. Entfernter von der Burg befänden sich die gemeinen warmen Volksbäder, „di liegen in ainner selbst gewachsnen Steinwand, wie in ainem rechten gewelb“, womit er prägnant die Lage des heutigen Rudas fürdő beschreibt, wo sich damals die Volksbäder des südlichen Stadtteils Alhéviz befanden. Dass es auch heiß siedende Bäder „das man ain Ay darin so bald als bey ainem reschen Feur sieden mag“, bejaht Wernher auf eine von Herbersteins Fragen für den Stadtteil Felhéviz oberhalb von Buda ausdrücklich. Sie könnten nur mit Kaltwasser gemischt und abgekühlt verwendet werden, wofür eine kalte Quelle in der Nähe genutzt wird. Eines sei auch ein Königsbad, eines das Spitalbad. Die erwähnten Bäder sind die ältesten überlieferten Budaer Bäder, das Kaiserbad (ungarisch Császárfürdő, früher Königsbad/Királyfürdő genannt) und das benachbarte (Szent) Lukács fürdő, in dem damals, wie heute auch Krankenbehandlung stattfand[13] und die an vier heißen Quellen von 58,7 °C bis 64,7 °C, einer warmen und einer kalten Quelle errichtet wurden.[14] Zur Unterstreichung erwähnt er eine weitere, abseits nahe der Donau gelegene sehr heiße Quelle, „Purgatorium“ genannt, die durch einfließendes Donauwasser oben kühl, tiefer sehr heiß werde und die zur Bestrafung gerichtlich Verurteilter verwendet wurde. Die Warmbäder von Buda würden in die unteren und oberen Bäder unterschieden. Damit umschreibt Wernher die damalige Unterteilung von Buda und seinen Bädern in das südliche Stadtviertel Alhéviz, die Donau abwärts (abgeleitet von alsó héviz – untere warme Wässer) und das nördlichere Stadtviertel Felhéviz flussaufwärts (abgeleitet von felső héviz – obere warme Wässer). Auch behauptet Wernher, dass es in den thermalen Bächen und Teichen um Buda, Pest (besonders oberhalb/nördlich der Altstadt nahe der Donau) und Umgebung auch lebende Fische gäbe, die in den kalten Mündungsflüssen aber absterben.

Danach beschreibt er, dass die Osmanen bei ihrer Eroberung im Gegensatz zu anderen Gebäuden die Bäder nicht nur nicht zerstört, sondern in wenigen Jahren sehr ausgebaut hätten. Einige seien vom regionalen Statthalter Mehmed Pascha („Mahomet Pascha“) zu türkischen Bädern (Hamam) umgebaut und einige zusätzlich „noch zierlicher“ errichtet worden. Dort hätten sich bereits zahlreich Derwische („welches Türckhische Münich in Schaffskhlajdern sein“, siehe Sufismus) angesiedelt, deren Lebensstil er beschreibt. Er vergleicht sie mit Mönchen in Klöstern (Tekke), ähnlich den Bettelorden, und erwähnt, dass auf einem ehemaligen Weinberg schon ein Grabmal eines Sufi-Meisters (Türbe oder Qubba) entstanden war. Damit erwähnt er bereits sehr früh die bekannte Gül-Baba-Türbe, die erst 1543 bis 1548 gebaut wurde. Es gab in osmanischer Zeit nur noch eine weitere Türbe in Buda, die Weli-Bej-Türbe, die aber erst 1571–1574 errichtet wurde.[15] Wernher erwähnt ihre Praxis der Selbstkasteiung beim Dhikr. Wenige der zahlreichen Sufi-Orden, besonders die Rifāʿīya und einige Strömungen der Qādirīya kennen diese Praktiken unter Trance-Ekstase, die viele Quellen über Osmanisch-Ungarn erwähnen. Sie werden als „Huldwunder“ (arabisch كرامة ‚karāma‘) bezeichnet, weil sie ohne Blutfluss und Schmerz als Wunder Heiliger (arabisch أولياء الله ‚auliyāʾ Allāh‘ = „Gottesfreunde“) durch die Huld Gottes gelten, was Wernher nach seiner Formulierung bekannt war („drumben des öffter und greulicher, ye heilliger und andechtiger ain yeder sain und darfür gehalten will werden.“). Danach beschreibt er ihren armen, aus Schaffellen bestehenden Kleidungsstil, der von Umhang mit Kopfbedeckung und Schuhen über barfuß oder barhäuptig, über freie Oberkörper oder zusammengebundenen Schurz vorn und hinten bis zum nur um die Lenden bekleideten Derwisch reicht und vergleicht sie mit den antiken indischen Gymnosophisten. Er endet mit der Beschreibung, die Türken würden, wie viele „Haydnische Völcker“ Wasser sehr hoch wertschätzen, Waschungen und Bäder dienten auch der Abwaschung von Sünden. Nach einer vergleichenden Abschweifung zu den alten Griechen erwähnt er die rituelle Waschung vor der Moschee (Wudū') und beschreibt, auch Mehmed Pascha und Süleyman I. hätten sich Badehäuser in Buda errichtet, deren Marmor aus Kirchen stamme.
Nach kurzen Vergleich mit Thermalbädern außerhalb Ungarns kommt Wernher entgegen der Legende, nach der Attilas Brüder Buda gegründet hätten, zur Hypothese („vermüettung“), sein Name käme vom deutschen „Baden“, wie auch der Name Veszprém vom deutschen „Weißbrünn“, die Deutschen schon zuvor hier lebten. Zwar sind die Annahmen überholt (beide Namen haben altslawischen Ursprung), aber sie zeigen, dass Wernher kritisch gegen herrschende Meinungen denken konnte.[4.19] Viel später, am Ende der Systematisierung (siehe unten) widerspricht er der damals anerkannten (heute lange widerlegten) Etymologie, nach der der Name „Hungarn“ (Ungarn) von den Hunnen und Awaren käme. Wernher selbst kommt aus Herbersteins Beschreibung „Moskowiens“ (Großfürstentum Moskau) und dem dort als Herkunftsgebiet der Ungarn beschriebenen östlichen Nachbarland Jugorien (russisch Югҏа Jugra – tatsächlich das Herkunftgebiet der ugrischen Sprachen, zu denen Ungarisch gehört, siehe Magna Hungaria) zu der Hypothese, es wäre über Ugra bzw. Juhra (hier erkennt er intuitiv den slawischen Lautwandel g > h im Tschechischen, Slowakischen und Obersorbischen) von der „Windischen Sprach“ (= Slawische Sprachen), „die sich weitter dann khain ander Sprach durch gantz Europam ausbraitt“, vermittelt worden. Diese offenbar von ihm selbst entwickelte, sehr weitsichtige Hypothese der Herkunft von „Jugorien/Jugra/Juhri/Ugri(er)“, die später auch andere vertraten, wird zwar heute meistens nicht mehr vertreten (die Fremdbezeichnung wird von den Onoguren hergeleitet), zeigt aber, dass Wernhers unabhängiges Denken nicht nur von der deutschen Sprache ausging.
Andere Wildbäder

Wernher wendet sich die Donau aufwärts, wo er im Berggarten des Primas-Erzbischofs von Ungarn in Gran (Esztergom) eine Wasserkunst beschreibt. Das war ein Hebesystem von Donauwasser über Schöpfräder und einen unterirdischen Tunnel zu einem Wasserturm zur Versorgung von Burg Esztergom und Burggarten, wo es aber auch mit einem „Wildpad“ (Thermalquelle) am Berg und mit einem weiteren von einer anderen Schöpfradkunst angehobenen warmen Teich „in dem man die Frösch mitten im Winter schreien und quackitzen hört“ zur Versorgung eines Heilbades auf der Burg dient.
Die Beschreibung wendet sich nach Norden die Waag aufwärts in die heutige Westslowakei, wo Werher die Existenz des erfragten erwärmten Nebenarms der Waag bei Golgotz (Hlohovec), der ihr wieder zufließt, nur teilweise bestätigt. Dort befänden sich einige besonders heilsame, vielfach von Kranken aufgesuchte Thermalquellen, die in die untere Waag entwässern, welche dort sehr häufig anschwillt und zurückweicht, wobei sie ihren Lauf ändert oder teilt. Beim Anschwillen wichen die Quellen vor der Waag außerdem oft zurück, beim Zurückweichen verlagern sie sich näher zum Flussbett. Diese Bäder, die er auch als sehr heilsame Schlammbäder beschreibt, liegen oft im heutigen, etwas nördlicheren Kurort Piešťany.
Anschließend beschreibt Werner sechs Thermalquellen in der Westslowakei: mehrere Quellen bei Burg Trenčín, heute Trenčianske Teplice, welche „annehmblich“ seien und oft von „Grauen“ (Alten) zur Erholung aufgesucht würden; eine bei „Schloß Woynitz“ (Schloss Bojnice, die Stadt Bojnice ist heute ein frequentierter Kurort), wo die adligen Badenden im wärmeren Teil nahe der Quelle durch eine Mauer getrennt von den einfachen und kranken Badenden im kühleren Teil getrennt werden; eine im „Dorff Stubna“ (heute Turčianske Teplice, früher slow. Štubňanské Teplice, dt. Bad Stuben, ung. Stubnyafürdő); ein Wildbad auf halbem Weg zwischen Kremnitz (slow. Kremnica, ung. Körmöcbánya) und Schemnitz (slow. Banská Štiavnica, ung. Selmecbánya), wo die Badenden unter einem Felsvorsprung, wie unter einem Dach baden, und das gegen „gschwür“ und „offne schäden“ hilft. Dieses Bad wird allgemein als das Thermalbad von Vyhne identifiziert. Außerdem beschreibt er ein Wildbad, genannt „Röflin“ in Schemnitz selbst, in dem hölzerne Rinnen und Bänke in die Versteinerungen eingewachsen sind. Schließlich folgt ein Thermalbad in einem „Dorff zu S. Johanns“ im Komitat Liptau, die von „krätzig und schebig“ Erkrankten aufgesucht wird. Diese Thermalquelle liegt im heutigen Liptovský Ján (dt. Sankt Johann in der Liptau, slow. damals Svätý Ján, ung. Szentiván).
In drei der genannten Bäder (Bojnice, Stubna und S. Johanns) fließen kalte Gebirgsbäche hinein, weshalb sie zu verschiedenen Zeiten oder in verschiedenen Bereichen kälter oder wärmer sind. Ohne die Frage nach der bei Arrian beschriebenen Quelle direkt zu nennen, war das vielleicht eine indirekte Antwort, dass Wernher sie nicht bestätigen kann, aber ähnliches hervorhebt. Danach beschreibt er das Hochgebirge Hohe Tatra, die damals noch deutsch oft Schneeberg oder Schneegebirge hieß, „allda Winter und Sumer stets Schne ligt“, während „man sy in der Windischen und Slovakhn sprach dy Thatern nennt“.
Eisenverzehrende, steinbildende und giftige Wasser
Wernher kündigt jetzt an, dass er die in der Umgebung der Tatra, in der Zips (den Landschaftsbegriff verwendet er über seine Grenzen hinaus) vorkommenden „wunderbarlichen“ Wasser beschreiben wird: das „Wasser das Eyssen verzehrt“, „steinbildende Wasser“ und „giftige Wasser“. Der Teil ist im Kern eine Überarbeitung seines ersten Werkes, aber deutlich ergänzt.[4.20]

In der niederungarischen Bergstadt Schemnitz (slowakisch: Banská Štiavnica, ungarisch Selmecbánya) beschreibt er zunächst das „Wasser das Eyssen verzehrt“, bei dem es sich um aus einem „Perckwerck“ gehobenes Grubenwasser handelt. Zunächst beschreibt er (im früheren Werk über die Zips noch nicht enthalten[17]), wie es durch eine Wasserkunst im Bergbau aus dem Bergwerk gehoben wird. Die beschriebene Technik ist eine damals verbreitete, von einem Wasserrad mit Aufschlagwasser („Khampfrad, darauf ein ander tag Wasser“) angetriebene Heinzenkunst („an dem geht ain starckhs Sail, daran große lidrene [lederne] khnopff sain, und als offt das rad umbgeht, als offt wend sich das khnoppfet Sail mit umb und zeucht [zieht] mit halben thail hinab in den Prunnen, und mit dem anderen halben tail geht es durch aufgeporne Rörn wieder hinauf“). Dieses Grubenwasser „grüner farb“ habe in erhitzter Form die Eigenschaft, Eisen chemisch aufzulösen, „und ye dünner und braitgeschlagner ain yeglich Eyssen ist, ye geschwinder wirdts verzert. Ayn huefeysen wirdt in xxiiii [24] stunden verzert...“. Dieses Wasser werde im Kupferbergbau der Stadt erhitzt in Trögen verwendet, um kupferhaltiges Erz zu reinigen und so die Eisenanteile auszufällen. Zurück bliebe Garkupfer („guet Khupffer“), das in den Schmelzhütten weiter verarbeitet wird, während der Eisenschlamm sich absetzt. Es handelt sich um eine der frühesten, die bis dahin ausführlichste Beschreibungen der Kupferzementation im Vitriolverfahren in Vitriolhütten zur massenhaften Behandlung von Kupfererz. Es ist unbekannt und umstritten, ob Kupferzementation im Vitriolverfahren in Europa im 13./14. Jahrhundert aus China über den arabischen Raum, oder im 15. Jahrhundert durch die Renaissance-Rezeption antiker Beschreibungen übernommen wurde. Mit der Wiederbelebung des Kupferbergbaus nach der Entwicklung der Seigerung Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelten sich die damals europaweit größten Kupferbergwerke im Ungarischen (heute Slowakischen) Erzgebirge (nieder- und oberungarische Bergstädte) zum frühesten europäischen Zentrum der Kupferzementation in Vitriolhütten. In ungarischen Bergstädten wurde die Vitriolzementation erstmals von Alexius Thurzo 1497 brieflich erwähnt, gefolgt von einer Kurzbeschreibung durch Hans Dernschwam 1528. Paracelsus beobachtete sie hier 1521 oder 1537, beschrieb es aber erst 1570. Georgius Agricola beschrieb das Verfahren im sächsischen Erzgebirge erstmals 1546, etwa zeitgleich zu Wernher in Ungarn.[18] Bei diesem Verfahren wird durch heißes Kupfer-II-Sulfathaltiges „Vitriolwasser“ der Eisenanteil in Kupfererz ausgefällt und der „Eisenschlamm“ durch weiteres Auskochen zu Eisenvitriol (kondensiertes Eisen(II)-sulfat) weiterverarbeitet, damals ein Grundstoff besonders für die schwarze Eisentinte von Druckern und Schreibern, auch die Schwarzfärbung für Schuster und Gerber, in verdünnterer Form auch braune oder gelbe Färbesubstanz für Leder, Bleiglas oder Textilien. Erst am Ende seiner anderthalbseitigen Schilderung beschreibt Wernher, dass dieses Wasser nicht rein natürlich ist, sondern von den Bergleuten selbst produziert oder zumindest in seinen chemischen Eigenschaften verstärkt wird. Dafür verstreuen sie auf der Oberseite des Querbalken („Zwerchhölzer“) der Stollenzimmerung (vgl. Türstock mit Grubenstempel) zerstoßenes, pulverisiertes schwefelhaltiges „Marckhesit“, das in Verbindung mit durch die Kupferlagerstätten sickernden Regenwasser an der Unterseite kupfersulfathaltige „Vitriolzapffen“ bilden, die abgeschlagen und dem erhitzten Grubenwasser im „Vitriolkessel“ beigemengt werden, um seine chemischen, Eisen verzehrenden Eigenschaften zu verstärken. Im älteren Werk über die Zips beschrieb Wernher dieses Wasser nicht in der außerhalb dieser Region liegenden Bergstadt Schemnitz, sondern aus der Zipser Bergstadt Schmöllnitz (slow. Smolník, ung. Szomolnok).[19]

Danach beschreibt Wernher das „Wasser so zu Stain wirdt“ in der Zips, die er als warme oder frische („lablet“) Quellen beschreibt, die an ihrem Austritt Stein ablagern. Das sind heiße, aber oft abkühlende Quellen aus kalkhaltigem Karstwasser, die beim Abkühlen Travertin bilden. Eine solche Quelle beschreibt er am Zipser „Rauschenbach“, der heutige Kurort Vyšné Ružbachy, wo sich diese Quellen bis heute befinden, neben dem größten Travertinsteinbruch der Slowakei. Zwei weitere Quellen nennt er bei Dörfern „S. Johanns“ und „S. Andree“ und schließlich „bey S. Merthen Gottßhauß, so die Hauptkhirchen in Zipß ist“, die Kathedrale des heiligen Martin in Zipser Kapitel (slow. Spišská Kapitula, ung. damals Szepeskáptalan), die zentrale Probstei-, später Bistumskirche der Zips. Bei dieser Quelle, die Sivá Brada, beschreibt er ihr Verhalten und die Nutzung genauer. Der Austritt der Quelle würde durch die Steinbildung immer wieder verstopfen und die Quelle suche sich unter der Erde neue Wege. Dabei schildert er sehr exakt das „wachssen“, die Sedimentation des Gesteins durch Ablagerung beim Abkühlen, manchmal auch unter kaltem Regenwasser. Die Anwohner nutzten den Stein, genannt „Dufftstain“, „Pimbstainen“ oder „Pumer“ für Mauern und Gebäude, aber auch als „Khalchs“ für den Hausbau.
Knapp beschreibt Wernher danach die giftigen Quellen, „die allen lebendigen Creaturen, so daraus trinckhen tödlich seyn“. Das sind meist Schwefel, besonders Schwefelwasserstoff enthaltende Quellen. Er nennt drei Quellen, die er wenig konkret lokalisiert. Eine befände sich am Fuß eines Felsens der Karpaten am Rande der Zips, zwei weitere ganz in der Nähe von Eperies und seines Burgbezirkes Scharosch. Jana Balegová vermutet, dass die erste die Thermalquelle von Nový Smokovec (deutsch: Neuschmecks) in der Hohen Tatra ist, wo sich damals noch keine Siedlung bestand, die anderen beiden die zwei Borkut-Quellen[20], die heute in einem Waldpark des eingemeindeten südlichen Stadtteils Prešov-Haniska entspringen.[21] Von der ersten Quelle erzählt er, dass sie nur für Vögel, die anderen beiden für alle Tiere tödlich sei, weshalb sie die Bauern der Umgebung vor dem Vieh absperren. Er äußert die Vermutung, weil an einer der beiden Quellen viel giftiges „Wolffskraut“/Aconitum Novertiae (Eisenhut) wachse, dass diese die Quelle vergifte, was aus heutiger Sicht ein Irrtum ist. Auch sei ihm so überzeugend geschildert worden, dass eine der beiden Quellen mit den Mondphasen an- und abschwillt, dass er es nicht selbst überprüfen wollte.
Sauerbrunnen und weitere Wasser
Kein erweiterter Teil des älteren Werkes mehr ist die folgende Beschreibung der „Sawerprunn“ (Sauerbrunnen = Mineralwasserquellen), von denen Wernher habe „gar khain meldung thuen wollen, dann sy in Hungarn nit seltzam sein“, aber doch einzelne exemplarisch vorstellt. Dafür kehrt der Text in einer Schleife in die mittlere und westliche Slowakei um und kommt südlicher zurück, um einige kurz zu beschreiben. Dabei werden weitere seltene Wasser nachgetragen, die in der vorherigen Beschreibung der Thermalquellen und der drei Wassertypen aus der älteren Beschreibung noch fehlten.
Wernher erwähnt eine Quelle bei Schloss Altsohl und eine bei der weiteren niederungarischen Bergstadt Königsberg (slowakisch Nová Baňa, ungarisch Újbánya), die „so das Miltz wehe thut, vasst hailsamb und nutz sein“. Solche mehrfachen, beiläufigen Schilderungen lassen viele Forscher erkennen, dass Wernher über für damalige Zeit gute medizinische und balneologische Kenntnisse verfügte, wie auch immer wieder chemische und geologische Kenntnisse beobachtbar sind, obwohl er selbst sich dazu bescheiden gibt.
„Bey der Stat Bistritz, so die Teutschen Newsohl nennen“ (= Neusohl, slow. Banská Bystrica, ung. Besztercebánya – eine Bemerkung, nach der Wernher gewohnt war, nicht nur aus seiner Muttersprache zu denken), die er als Kupferstadt unter (inzwischen) königlich-ungarischer Bergverwaltung charakterisiert, erwähnt er einen Stollen, aus dessen grünem Grubenwasser „Grüenspat“ (Kupfer(II)-acetat), eine Grundlage für grünen Farbstoff, gewonnen wird.
In derselben „Spannschaft“ (Komitat Sohl/Zólyom/Zvolen) beschreibt er eine giftige Quelle, deren heiße Dämpfe überfliegende Vögel töten würden, weshalb sie abgesperrt ist. Es soll damals vorgekommen sein, dass Menschen sich von der tödlichen Wirkung überzeugen wollten und Hähne, Hennen, Hunde oder Katzen an Stöcken darüber hielten. Diese nicht benannte und genau lokalisierte Quelle wird als die schwefelhaltige Thermalquelle, eine der Quellen von Sliač identifiziert.[22]

Er erwähnt außerdem, dass bei der oben erwähnten giftigen Quelle in der Tatra am Rand der Zips daneben eine heilsame Mineralquelle existiert, die Kranke oft aufsuchen (heute die Sauerquelle von Starý Smokovec).
Bei Burg Lewenz, Komitat Bars, erwähnt er einen Sauerbrunnen, der in offenen Krügen nach der Abfüllung schnell den Geschmack verlieren soll, weshalb es üblich sei, das Wasser mit zufälligen Passanten zu teilen. Über denselben Brunnen hätten ihm viele „wunderlichers, doch ungleublich“ berichtet, das Wasser würde heilbaren Kranken schnell helfen, bei unheilbaren würde es sofort trüb, was Wernher diesmal auch ohne Prüfung nicht glaubt („Ich aber halt das für ain Aberglauben.“)
Ganz in der Nähe soll sich ein anderer Brunnen befinden, „von dem ein zimblicher Stainpühel wechst“ (oberdeutsch Büh(e)l = Hügel). Weil er sie im Gegensatz zu den steinbildenden Travertinquellen als Sauerbrunnen (lat. Original: Acidula) bezeichnet, ist es ein anderer Kalk, Eisen(III)-oxid oder Ocker ablagernder Mineralbrunnen. Diese Quelle identifiziert die slowakische Geschichtswissenschaft als die thermale Mineralquelle von Sklené Teplice (dt. Glashütten, veraltet Glaserhay; ung. früher Szklenó). Diese damals noch als Holzfäller- und Glasbläsersiedlung dienende Ortschaft mit Wildbad wurde ab dem späten 18. Jahrhundert zum Kurbad ausgebaut.[23]
Schließlich wird bei „Schloß Vilegk“ (im lateinischen Original Fileg, Fiľakovo, ung. Fülek, dt. Fileck) im Komitat Neograd eine „feuchte Stainkhlufft“ beschrieben, „welche immerzu mit Wasser treufft, welches Wasser setzt sich inwändig ab, wie die Eyßzapffen, und werden schneeweisse harte Stain daraus ... welcher Stain so schneweiß ist, daß jhnen die Maler zertreiben, und guette farb daraus machen.“ Dieser Beschreibung einer Tropfsteinhöhle aus Kalkstein fehlten die Begriffe, weil Tropfsteinhöhlen im 16. Jahrhundert noch kaum bekannt und erforscht, selten begehbar oder erkundet waren.
Salzwasser, Steinsalz, Beweise gegen Gestein seit der Schöpfung

Wernher beschreibt, dass um Eperies herum viele Salzbrunnen existierten, besonders in dem „ort von den Hungern Schowär, und von den Teutschen Salzburg ist genennt worden“ (slow. Solivar, ung. Sóvár, dt. Salzburg, der südöstliche Nachbarort von Eperies, heute nach Prešov eingemeindet, hatte damals noch eine vorwiegend ungarischsprachige Einwohnerschaft), den er gut kennt, weil dort die Burg Salzburg bis zur völligen Zerstörung unter seiner Verwaltung war (zur Diskussion über die Wertung der Angabe, siehe oben, Kapitel zum Burgpräfekten). Die Einwohner würden das „guet Saltz“ zum Kochen von Speisen und Fisch aussieden. Das käme daher, dass unter dem Gebirge große Adern „Saltzstain“ liegen, den die Bewohner aber nicht abbauen „nit aus nachlessigkhait, sondern on zweiffel aus verordnung der Khünigen“, die damals noch den Salzbergbau in der Region untersagten, weil sie keine Unwirtlichkeiten („unwierd“) in die Salzstöcke bringen wollten. Zwar hat Solivar heute ein großes technisches Museum des Salzbergbaus, auch im späten Renaissancestil (das Gebäude der oberungarischen Salzkammer als Unterbehörde der Zipser Kammer mit großem Salzlager und ein Pferdegöpel), die aber aus dem 17. Jahrhundert stammen, Wernher noch nicht kannte. Er ergänzt, dass es in Siebenbürgen mehrere Salzseen gibt, an die man kein Vieh heranlässt „...denn es davon von wegen des unmessigen trincken darzu es des gesaltznen wassers halben, geraitzt wirdt, umbfelt.“ Aber gute Fische lebten im Salzwasser (wohl eine ergänzende Angabe zur oben beantworteten Frage über Fische im Thermalwasser), sogar in Salzmooren, diese seien „vasst wohlgeschach und hertprätig“, in Süßwasser würden sie aber absterben.
Demgegenüber existierte in der Maramuresch („Maromarusch“, zu historischen Grenzen der Region die heute halb zu Rumänien, halb zur Westukraine gehört, siehe Komitat Máramaros) und in mehreren Gebieten Siebenbürgens damals schon ein ausgeprägter Salzbergbau, dessen Besonderheiten und Kuriositäten der Bericht beschreibt. Wernher schildert ihn so ausführlich, weil Speisesalz in der Geschichte als sehr wertvoll galt. Damals gehörte es neben Gold, Silber und Edelsteinen in allen europäischen Staaten gleichermaßen zum herrscherlichen Bergregal (zusammen das sogenannte „höhere Bergregal“), war also juristischer Besitz der Krone, die den Abbau bestimmte und für ihn den Bergzehnt in Anspruch nahm.
Die folgende Überlegung war für einen Autor des frühen 16. Jahrhunderts sehr ungewöhnlich. Wernher widmet sich der Frage, ob Steinsalz und andere Gesteine mit der Schöpfung entstanden sei, oder erst danach allmählich gewachsen, wozu „gleichwol mancherley mainungen sein. Als etlich vermainen, es sey von Anfang, wie andre erschaffene ding also gewesen. Etlich sagen, das es nach der erschöpffung also in den Pergen auß ainer gesaltznen feuchtigkait zusamen gesessen und aufgewachsen sey.“ Wernher stellt sich klar auf die Seite derer, die meinen, Steinsalz und andere Gesteine seien nach der Schöpfung allmählich gewachsen („Welcher mainung dann mains achtens...“, in Wernhers lateinischem Original: ... esse affirmantibus: ...) und begründet das mit sehr zwingenden Beweisen („...aus disen glaubwirdigen und scheinparlichen ursachen dargethon mag werde“, lat. tamen et vero propius sit...). Er beschreibt, dass man im Steinsalz immer wieder „allerley Instrument und Werckzeug gefunden hat, so zum menschlichen gebrauch gemacht sein gewesen“, was tatsächlich im Steinsalz versteinert immer wieder gefunden wird (siehe Bilder). Auch habe man eine unversehrte brütenden Henne auf ihren Eiern sitzend aus dem Steinsalz gehauen („So hat man aine unuerserte Pruethenn auf jhren Ayren heraus gehauen“). Im größten siebenbürgischen Salzberg von „Desin“ (ungarisch Dés, rumänisch Dej) habe man wenige Jahre zuvor einen versteinerten Eichenstamm im Steinsalz gefunden, der aber nach der Bergung an der Luft zerfallen sei („hat man vor wenig Jaren ain groß aichen ploch im Stainsalz verwachssen gefunden, welches under dem Erdrich so hert gewesen, das es sich mit khainem Eysen zwingen hat lassen. Alspald mans aber heraus an die lufft hat bracht, ist es in vier tagen dermassen erfault, das mans mit zwayen finger zerreiben hat mügen.“). Ähnliche Funde habe man auch in der Kohle („khol“), die auch in der Maramuresch abgebaut wurde, immer wieder gefunden („Solches geschicht auch mit den kholen...“). Einfache Leute („Der gemain Man“, lat. Haec vero vulgus...) glaubten dagegen, dass es Verschüttete aus der Sintflut wären. In seinem ganzen Werk verwendet Wernher bei Gestein immer wieder die Formulierung „gewachsen“ und „steinbildend“ (lapidescede, vgl. Sedimentation): bei der Felswand in Buda, dem von Fels überwachsenen Thermalbad zwischen Schemnitz und Kremnitz, dem in Stein eingewachsenen Holz im Bad „Röflin“, den „steinbildenden“ Quellen, der ablagernden Quelle im Komitat Bars, der Tropfsteinhöhle und anderen Beispielen. Mit der Grundüberzeugung, dass sie nicht am Tag der Schöpfung entstanden, sondern danach gewachsen sind, war er seiner Zeit eindeutig voraus.
Wernher beschreibt, dass die Salzblume („Saltzplüe“, im lateinischen Original flos salis, heute bei Meersalz unter der französischen Entsprechung Fleur de Sel bekannt), ein besonders reines Salz („wie ein Edelgestain lautter und durchsichtig“, vgl. Halit) an verschiedenen Orten des Steinsalzes unterschiedlich häufig auftritt. Wenn sie erscheint, wüssten die Salzförderer („Saltzhewer“) aus Erfahrung, dass der Salzgang enden wird oder nur noch unreiner (bunter) Salzstein, den sie nicht wollen, folgen wird. Im Königreich Polen nahe Siebenbürgen gäbe es ebenfalls Steinsalz im Überfluss, aber die Vorkommen dort wären meistens unreiner, tiefer liegend, nur unter großen Unkosten zu fördern und mit Erd-Einstreuungen verunreinigt. In Ungarn dagegen konnte oft lauteres, nicht so tief liegendes Steinsalz, teilweise in offenen Steinbrüchen gefördert werden, deren Wasser die Salzseen und -flüsse speisen, so besonders an der Mureș („fluß Marusch“, vgl. Ocna Mureș). Bei der namhaften Salzstadt „Thorda“ (rumänisch Turda, ungarisch Torda) hätten Bauern oft sehr reines Steinsalz im Pflug. Es sei ihnen aber nicht erlaubt, Salz selbst abzubauen, damit der königlichen Kammer keine Einnahmen entzogen werden. Allein die Szekler haben das Privileg, zum Eigenbedarf („als ir Haus nottdurrft erfordert“) Salz abzubauen. Werher berichtet über Steinsalz aus seinem beruflichen Alltag. Als oberungarischer Kammerrat beaufsichtigte er regionale Unterbehörden, die Bergkammer, Münzkammer, aber auch die Salzkammer, die ihrerseits Bergwerke, Münzstätten und Salzbergwerke überwachen.
Bäder in Ostungarn und Systematisierung

Wernher beschreibt zwei Heilquellen im östlichen Ungarn. Das „S. Laszla Pad“ in Wardein (dt. später Großwardein, rum. Oradea, ung. Várad, später Nagyvárad) heiße entweder so, weil Ladislaus I. der Heilige dort badete, oder sei benannt nach der Hauptkirche Szent-Lászlo/St. Ladislaus (Vorgängerbau der Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt), in der auch der König und römisch-deutsche Kaiser Sigismund bestattet war. Sie galt in ganz Ungarn als die edelste („fürnembst“) Heilquelle, weil sie angenehm warm, belebend und mit sehr klarem Wasser sei. Dieses Bad, auch oft „Bischofsbad“ (ung. Püspök fürdő, rum. Băile Episcopiei) genannt, nordwestlich der Innenstadt von Oradea heißt heute offiziell Băile 1 Mai.
In der Nähe von Kaschau (Košice, ung. Kassá), in „Misla“ (Myšľa) beschreibt er ein Beispiel einer kalten Heilquelle, was auch die beiden „steinbildenden“ Quellen der Zips seien. Weil dieses heilsam wirkende Wasser keinen Geschmack hat, wie andere Mineral-, Heil- oder Thermalquellen, glaubten die Menschen, die Heilkraft käme aus den Steinen, die sie aufsammeln, erhitzen und dann zum erwärmen von Wasser verwenden.
Wernher schließt an dieser Stelle die Schilderung „wunderbarlicher“ Wässer in Ungarn ausdrücklich ab. Ihm war bewusst, dass alles, was er danach aus Ungarn beschreibt, gewöhnliches Süßwasser ist, das in seiner chemischen Zusammensetzung und Wirkung nicht verändert ist. Warum die verschiedenen Wasser gegen diese oder jene Krankheiten heilsam wirken, warum sie in Geruch, Geschmack und Hitze so ungleich sind, oder einige Eisen verzehren oder zu Stein werden, will er den Ärzten und Naturgelehrten („den Physicos und Natur verstendigen“) überlassen, wobei er Georgius Agricola empfiehlt und lobt, dessen bis dahin erschienenen Werke ihm bekannt waren (noch nicht sein bekanntes Standard-Lehrbuch des Bergbaus in zwölf Bänden, das erst 1556 auf Latein, 1557 in deutscher Übersetzung erschien). Sein Ziel sei nicht gewesen, ein Lehrbuch („yemandes unterweisen“) zu schreiben, sondern Herberstein, dem er viel zu verdanken habe, einen Gefallen zu tun („sonder allain dir hierin willfahren hab wöllen, dass du mit mir zu schaffen und zues pietten hast.“)
Viele, besonders slowakische Regionalhistoriker der Balneologie (Bäderheilkunde), des Bergbaus und der Geologie ab den 1980er Jahren teilen diese bescheidene Selbsteinschätzung nicht. Einige beschriebene Heilquellen, meistens in der heutigen Slowakei verdanken Wernher ihre Ersterwähnung. An mehreren, die er nur als Quellen beschreibt, entstanden kurze Zeit nach seiner Veröffentlichung im 16. Jahrhundert gemauerte Bäder oder Spitäler, darunter in Vyšné Ružbachy, Spišská Kapitula (Zipser Kapitel; die Quelle Sivá Brada) und Myšľa, was wohl auf ihre überregionale und gelehrte Bekanntheit durch ihn zurückzuführen ist. In der Slowakei gilt Wernher als „Vater der slowakischen Balneologie“.
Auch gilt Wernher als bahnbrechender Autor balneologischer Literatur. Vor ihm hatte nur der Schweizer Arzt Paracelsus (Theophrastus Bombast von Hohenheim) 1535 eine Einzelbeschreibung des Oberschweizer Bades Bad Pfäfers verfasst, erst posthum erschien 1562 von Paracelsus, der sich 1521 und 1537 auch in Ungarn aufgehalten hatte, eine systematisierte Wasserlehre. Der dritte Autor dieser Literatur, der aus Siebenbürgen gebürtige Landessyndikus (d. h. etwa oberster Amtsarzt) der Markgrafschaft Mähren, Thomas Jordan (von Klausenburg) nannte in seiner Beschreibung mährischer Heilquellen 1575 Wernher ausdrücklich als Vorbild. Auch der vierte balneologische Autor, der rheinische Arzt Tabernaemontanus (Jakob (Theodor) Dietrich aus Bergzabern) verwendete 1581 eine ähnliche, chemisch systematisierte Einteilung von Heilwässern, wie vorher Wernher, Paracelsus und Jordan. Im 16. Jahrhundert gab es noch einen weiteren balneologischen Autor, den venezianische Arzt und Philosophen Andrea Bacci (1524–1600, A. Baccius: De Thermis. Venetia 1571), der aufbauend auf der enzyklopädischen Zusammenstellung balneologischer Randangaben griechischer, römischer, arabischer und humanistischer Mediziner durch den venezianischen Drucker Tomasso Giunta (T. Giunta: De Balneis. Venetia 1553) zu systematisierenden Quellenbeschreibungen überging, gefolgt von dem Veroneser Arzt Ventura Minardo (1594).[24] Alle neben Wernher waren Ärzte (außer Giunta). Vermutungen des 18. und 19. Jahrhunderts, dass auch Wernher Arzt war oder medizinisch ausgebildet war[25], werden heute für unwahrscheinlich gehalten. Die gesammelten Indizien – 1538 wurde er brieflich um ein Mittel gegen Augenleiden gefragt und Wernher empfahl eine vergessene Arznei, 1539 wurde er als „Exzellenz“ angeschrieben, was damals Ärzten vorbehalten war – sind nicht ausreichend.[2.12]
Wernher verfasste nicht die erste Quelle, die die Kupferzementation in Vitriolhütten im ungarischen Kupferbergbau belegt, aber die früheste genaue Beschreibung, die bis heute zitiert wird, etwa zeitgleich zur Beschreibung von Georgius Agricola aus Sachsen. Ungewöhnlich für das frühe 16. Jahrhundert war seine häufige Schilderung der Sedimentation als „Steinbildung“ und Salzbildung an konkreten Quellplätzen, verbunden mit der Grundüberzeugung, die durchscheint, wenn er Gesteine und Felsen als „gewachsen“ bezeichnet. Diese Ansichten vertraten zwar schon antike Naturphilosophen, später einzelne klassische und arabische Philosophen, aber als sie im Mittelalter der christlichen Lehre der Erschaffenheit der Welt widersprachen, waren sie nur wenigen Autoren bekannt. In der Renaissance wurden sie häufiger, während gleichzeitig die gesellschaftliche Bekanntheit der Bibel in der Reformation sie nicht anerkannter werden ließ. Erst im 17./18. Jahrhundert setzte sich diese geologische Überzeugung durch. Sehr selten war in allen erwähnten Zeiten aber seine Schlussfolgerung aus Fossilien und organischen Salzeinschlüssen, die die Schöpfungslehre deutlicher ablehnte (siehe auch Geschichte der Geologie). Wernher erwähnt zwar einige Vertreter, wie Plinius und Avicenna, beruft sich aber bei seinen Schilderungen nicht auf sie, sondern beschreibt die Phänomene immer auf Basis eigener Beobachtungsgabe, Zeugenberichten und mit seiner Fähigkeit zu unabhängigen Schlussfolgerungen. Dabei überliefert er, dass die Konfrontation mit Salzeinschlüssen und Fossilien im Umfeld der Bergleute im Salz- und Kohlebergbau damals schon mündlich kontroverse Diskussionen auslösten. Der slowakische Geologiehistoriker Augustín Rebro charakterisiert Wernhers Schrift, die er ins Slowakische übersetzte, als „beachtenswertes Werk“ (pozoru hodné dielko).[26]
Beschreibung der Theiß und des Arieș

Zusätzlich geht Werher kurz auf die vier Hauptströme Ungarns ein, welche, so sagte man schon damals, die vier weißen Streifen im Wappen Ungarns symbolisieren, die Donau, Save, Drau und Theiß, die besonders schiff- und fischreich seien. Er will zuvor aber von mehreren Goldflüssen berichten, genau genommen drei, die Ungarn „im alten Dacier Landt, das yetz Sybenbürgen ist“ aufweist. Der Fluss „so die Hungern Aranias, das ist Guldene oder Goldwasser nennen“ ist der Arieș (ung. Aranyos), der das Siebenbürgische Erzgebige (Südteil des Apuseni-Gebirges) durchfließt und in dessen Umgebung neben anderen Erzen von der Antike bis ins 20. Jahrhundert Gold abgebaut wurde, beispielsweise um Roșia Montană (dt. Goldbach, ung. Verespatak) oder um Baia de Arieș (dt. Offenburg, ung. Aranosbánya). Die anderen beiden „Goldpäch“ sind wahrscheinlich Nebenflüsse und -bäche. Dort würden laufend „Goldschiferlein“ (Goldseifen und kleinere Goldgraupen, heute eher als Nuggets bekannt) bis zur Größe von Haselnüssen, Kastanien und Walnüssen mitgeführt. Das geschehe „wenn sy anlauffen, es sey von regen, oder anderm Wasser, oder das man mit fleiß ein Wasser darauf schwellt und lait, dardurch sy alles von poden mit sich reissen und auswerffen“, womit er die natürliche oder von Goldsuchern künstlich verursachte Auswaschung beschreibt. Von den Goldbergwerken der Umgebung sei bekannt, dass dort schon gediegene Goldbrocken von einem halben bis einem Pfund gefunden wurden. Ihm sei glaubhaft berichtet worden, dass dort schon Goldbrocken zu bis zu 500 und 1000 Gulden (bei Ungarn im 16. Jahrhundert: bis 3510 g bzw. bis 1755 g) „schwär am gewicht gehalten, sonder auch souil golten haben, und wert gewesen sein“, was meint, dass Gewicht und Goldwert gleich war, es also reines gediegenes Gold war. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist der Goldbergbau und auch die Goldwäscherei in der Region beendet, weil die Vorkommen weitgehend erschöpft sind.
Von den vier Hauptströmen Ungarns will Wernher von der Donau, Drau und Save nicht berichten, weil sie den Deutschen, Österreichern und Kärntnern/Krainern (im Original Carni, was beides bedeutet) sehr bekannt sind, in deren Ländern sie entspringen und durch die ihre Oberläufe fließen, wenn auch sie nicht das Lob dort erhielten, wie in Ungarn, wo sie gewaltiger und breiter fließen, so wären doch alle Berichte über ihren Schiff- und Fischreichtum nicht neu. Er will von der „Theyssa“ (ung. Tisza, dt. Theiß), dem vierten der großen ungarischen Ströme berichten, der als einziger allein im damaligen Königreich Ungarn fließt. Sie entspringt in der Maramuresch noch als klarer, schneller und rasch wachsender Gebirgsfluss, auf dem „Schiff“ zum Transport des Steinsalzes der Maramuresch, zu etwa 400 Stück von jeweils 20 Pfund (10 kg), genutzt wird (ob es damals auch Flöße waren, wie im 18. Jahrhundert, geht auch aus dem lateinischen Originaltext nicht hervor, ist bei einem Gebirgsfluss aber wahrscheinlich). Wenn die Theiß schon trüber und langsamer in den Ebenen fließt, mündet in sie „die Schamosch“ (rum. Someș, dt. Samosch, ung. Szamos) aus Nordsiebenbürgen, die ebenfalls zum Salztransport, z. B. aus Dej verwendet wird.

Im folgenden schildert Wernher detailreich den Fischreichtum der Theiß. Von allen Flüssen, die in Ungarn entspringen, sei die Theiß der fischreichste. Man sage, dass die Theiß zu 2/3 aus Wasser, zu 1/3 aus Fischen bestehe. Im letzten Sommer (1548), als er ein Heer unter dem Kommando von General Nikolaus von Salm begleitete, habe er in Tokaj, wo die ebenfalls sehr fischreiche Bodrog einmündet, gesehen, dass man 1000 Karpfen gefangen und zu um 100 ungarische Pfennige verkauft hat, was einem ungarischen Gulden oder 75 Kreuzern entspricht, ähnlich sei es im Herbst mit den Hechten. Danach hatte er in Begleitung des Kriegszuges unterhalb an der mittleren und unteren Theiß viele Dörfer gesehen, wo die Theiß in die Auelandschaft und Felder der Bauern regelmäßig „außlaufft“. Dort würden die Bauern die Fische beim Rückzug der Theiß mit „hurten und netzen“ („Hurte“ ist ein alter Ausdruck für Flechtwerk und Flechtkörbe aus Weiden oder Reisig, die ungarische Flussfischer bis ins 20. Jahrhundert verwendeten) fangen, wobei öfter die Fische die Fanginstrumente „gleich als mit ainer Schlachtordnung ... durch raißen“ würden. Wenn die Fischzüge aber gelungen waren, bliebe den „armen Pawern“ nichts anderes übrig, als ihre Nachbarn zu fragen, ob sie ihnen die überzähligen Fische schenken könnten, denn es käme ohnehin kein Kaufmann, sie abzukaufen. Wenn doch einmal einer käme, biete er einen so niedrigen Preis, dass es keinen Unterschied mache, ob sie sie verkaufen, verschenken oder die Schweine damit mästen oder diese gleich zu den Hurten treiben. Er selbst habe erlebt, dass „ain großer menig todter fauler Visch“ herumliegt und über den Theißdörfern „ain solcher starcker grausamer gestanck“ liege. Überzähliger Fisch werde überall, auch in den Städten, Wägen und Märkten heimlich stehen gelassen, weshalb man ihre Entsorgung „straff gepietten“ muss. Wernher sieht diese Schilderung als Untermalung des Fischreichtums der Theiß. Seine Momentaufnahme von 1548 dokumentiert wohl auch, wie eine auf Export großen Überfangs ausgerichtete Flussfischerei mit dem Zusammenbruch des Fernhandels mit Pökelfisch konfrontiert wurde, denn die mittlere Theiß lag nahe der ständig umkämpften Grenzlinien zwischen den drei verfeindeten Teilen Ungarns, die Händler oft mieden. Wernher selbst sah die Dörfer nur in Begleitung eines Kriegszuges.
Abschluss und Vergleichsbeispiele

Wernher schließt die Kurzbeschreibung, die ihm, der die meiste Zeit seines Lebens schon in Ungarns lebt, kaum noch wunderlich sei. Zu den von Herberstein erfragten Quellen bei Arrian und Saxo Grammaticus habe er lange überlegt, ob das eine Erinnerung an bestimmte Quellen in Ungarn sei, oder möglichst viele wunderliche Wasser zu schildern, er glaube aber, das Beschriebene sei jetzt seiner genug. Er berichtet, dass schon Plinius auffiel, dass Homer nie besondere Quellen erwähnte, während Plinius selbst und andere klassische Autoren – er nennt Seneca, Vitruv, Strabon, Pomponius Mela und Solinus – sie ausführlich beschreiben. Besonders lobt er erneut den eigenen Zeitgenossen Georgius Agricola, der nicht nur beschreibt, sondern auch die Ursachen zu ergründen versucht.
Um Zweifel zu zerstreuen, erklärt Wernher Beispiele („Exempel“) wunderbarlicher Wasser außerhalb Ungarns. Ein ausführlich geschildertes Beispiel ist der Zirknitzer See (slowenisch: Cerkniško jezero) in der Krain/Inner-Slowenien bei Postojna. Er versickert jedes Jahr im Frühsommer durch Schlucklöcher und wird im Spätherbst durch sie und durch einfließende Bäche wieder aufgefüllt, wobei er mehrere Ellen bis zu „Manßlang tieff“ wird. Im Sommer wird die Fläche von den Bauern als Viehweide und zur Heuernte genutzt. Wernher kennt den See nicht selbst, sondern, wie er schreibt, aus Erzählungen des anfragenden Siegmund von Herberstein, der in der Nähe aufwuchs. Deshalb ist es die einzige Schilderung, die in den Drucken mit einer topografischen Abbildung versehen ist, weil der Herausgeber Herberstein dem Kartografen und Kupferstecher Augustin Hirschvogel Details ergänzen konnte. Obwohl Wernher das Beispiel nur als „wunderbarliches“ Vergleichsbeispiel ungewöhnlichen Wasserverhaltens zur Überzeugung verwendet, ist ihm und dem Gewährsmann Herberstein die Ursache bewusst. Wernher schreibt, dass dort viele Fische, besonders Hechte leben, die bis zu über eine Elle lang werden. Diese Größe bedeute, dass sie auch „under der Erden wachssen müessn“. Der Zirknitzer See ist ein Karstsee, dessen Hauptteil sich unter den Schlucklöchern in Karsthöhlen verbirgt und der nur in niederschlagsreichen Jahreszeiten oberirdisch anschwillt.
Deutlich kürzer erwähnt er die Heilquelle von Bad Pfäfers zwischen hohen Felswänden, die nur von Mai bis Oktober so reichlich fließe, dass sie ein Wasserrad antreibt, die übrigen Monate sei sie versiegt. Auch sie kennt er nicht selbst, sondern sie war der gelehrten Welt aus einer Einzelbeschreibung von Paracelsus bekannt. Er lokalisiert sie im lateinischen Original nur allgemein in Rhetia, der bairische Übersetzer macht daraus fälschlich Graubünden („Gräeputhen“), sie liegt aber nördlicher. Etwas ausführlicher beschreibt er eine weitere Schweizer Quelle, die als Viehtränke verwendet werde und die er aus dem Chronicon Helveticum kennt. Sie fließe nur von Frühling bis August, wogegen sie den Rest des Jahres aufgrund des Winters „austruckne“ (offenbar einfriert), aber auch im Sommer nicht den ganzen Tag, sondern nur morgens und abends. Die Quelle liege in einer „dürren und wilden Ainöd … Der Perg, darinn diser Prunn ist, haißen di Schweitzer in jhrer Sprach Engstle (siehe Engstligenalp), ligt in der Gegent, dardurch die Ar (Aare) fleusst, von welchem fluß das Argew (Aargau) seinen namen hat.“ Zum Abschluss gibt Werher indirekt wertschätzende Worte des Plinius über Wasser wieder.
„Also hasstu hiemit an stat aines Sendbrieffs, ain gantzes Puch“ schreibt Wernher, das er noch einmal als kurze Beschreibung charakterisiert, und verabschiedet sich von Herberstein. Dem lateinischen Druck ist ein kurzer Vermerk des Druckers und Verlegers Aegidius Aquila, Wien 1551 angehängt. Der Historiker Rebro bezeichnet den lateinischen Text als „vollendete Beschreibungskunst“. In der deutschen Übersetzung folgt eine kurze (unvollständige) Liste von ungarischen Komitaten. Es ist nicht klar, ob sie von Wernher stammt, aber dem lateinischen Text nicht angehängt wurde, weil ihre nicht-lateinischen Namen den stilistischen Rahmen des lateinischen Textes gestört hätten, oder ob sie von Herberstein oder dem Übersetzer ergänzt wurden. Sie stammt aber wahrscheinlich von Wernher, weil sie die ungarischen oder latinisiert-ungarischen Namen neben die Eindeutschungen (sofern möglich) stellt und einige Anmerkungen zu den Namen enthält. Sie ist unterteilt in die Komitate des ungarischen Kernlandes, die Komitate des seit dem Hochmittelalter in Realunion verbundenen Königreichs Kroatien–Slawonien („Die in Windischen Landen, zu der Khron Hungern gehörig“) und in die Komitate in Siebenbürgen.
Werke und Werksübersichten
Übersichten
- Biographische Kurzzusammenfassung mit weiterführenden links bei Deutsche Biographie (DtBio).
- Werktitel von Georg Wernher bei deutsche-digitale-bibliothek bei Deutsche Digitale Bibliothek (DDB).
- Liste erhaltener Briefe von Philipp Melanchthon an Georg Werner bei correspSearch (Deutsche Forschungsgemeinschaft und Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften).
Werke
- Panonniae luctus. (=„Die Trauer Pannoniens.“; Gedichtsammelband mehrerer Autoren, auch Georg von Logau, in lateinischer und altgriechischer Sprache, darunter viele von Georg Wernher, eines auch auf Griechisch) Druckerei Hieronymus Vietor, Krakau 1544. (Volltext bei Google Books)
- Georg Wernher: Hypomnemation de aquis in Scepusio admirandis. (lateinisch: „Kurze Beschreibung der wundersamen Wasser in der Zips.“) 1547 (? Ort und Jahr dieser erhaltenen Druckausgabe nicht angegeben); Wien 1551.
- Georg Wernher: De admirandis Hungariae aquis hypomnemation. Basel 1549; Wien 1551 (Volltext beim Münchner Digitalisierungszentrum (MDZ)).
- deutsche Übersetzung: Von den wunderbarlichen Wassern in Hungarn khurtzer Bericht. Wien 1558. (Volltext bei Google Books)
Literatur
- Jana Balegová (Universität Košice): Humanista Jerzy Werner–wychowanek Akademii Krakowskiej. (polnisch: „Der Humanist Georg Werner–Absolvent der Krakauer Akademie.“) In: Prace Historyczne. Zesztyczy Naukowe Uniwersytetu Jagiellońskiego 2011, S. 83–95. (zum Google-Scholar-Download)
- Jan-Andrea Bernhard: Konsolidierung des reformierten Bekenntnisses im Reich der Stephanskrone. Ein Beitrag zur Kommunikationsgeschichte zwischen Ungarn und der Schweiz in der frühen Neuzeit (1500−1700). Academic Studies 19, Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen 2017, S. 207–211. (Kurzbiografie von Georg Wernher; Google Books)
- Zoltán Csepregi: Bújócskázó életrajz. Wernher György (1490?–1556) hányatott ifjúsága. (Ungarisch: Eine Biografie im Versteckspiel. Erkenntnisse zur Jugend von Georg Wernher (1490?–1556).) In: Acta Historiae Litterarum Hungaricarum 29 (2006), S. 41–46. (PDF)
- Tünde Katona (Universität Szeged): Georg Wernher – ein oberschlesischer Humanist. Sein Schaffen für Ungarns Kultur und Literatur. In: Gerhard Koselleck: Oberschlesische Dichter und Gelehrte vom Humanismus bis zum Barock. Bielefeld 2000, S. 267–279.
- Martin Homza; Stanisław A. Sroka (Hrsg.): Historia Scepusii II. Dzieje Spisza od roku 1526 do roku 1918. (polnisch: „Historia Scepusii II. Geschichte der Zips vom Jahr 1526 bis zum Jahr 1918.“) Bratislava, Krakau 2021, S. 390 (Kurzbiographie). (PDF online, Biographie S. 390 von Jana Balegová)
- Ágnes Póka: Ein Humanist in der Finanzverwaltung. Die Beamtenlaufbahn von Georg Wernher (1497?–1556). In: Zsolt K. Lengyel et al. (Hrsg.): Ungarn-Jahrbuch. Zeitschrift für interdisziplinäre Hungarologie. Band 33 (Jahrgang 2016/17), Regensburg 2018, S. 7–24. (PDF online)
- Ágnes Póka: Georg Werner kiadatlan levelei Sigismund von Herberstein leveleskönyvében (1529–1539). (ungarisch: „Unveröffentlichte Briefe von Georg Werner im Briefbuch von Sigismund von Herberstein (1529–1539).“) In: Electronic Periodicals Archive & Database (EPA), online auf www.epa.oszk.hu 15 (2022) (PDF online)
- Augustín Rebro: Z dejín slovenskej balneohydrogeológie. (slowakisch: „Zur Geschichte der slowakischen Balneohydrogeologie.“) In: Mineralia slovaca 21 (1989), S. 93–95. (PDF online)
- Petra Rausch-Mátyás: Beiträge zur Beziehung zwischen der Zipser Kammer und der Niederösterreichischen Kammer. Kurzer Grundriss der Verwaltung der Bergkammer und der Münzstätte (Ungarisch) Neustadt (oder Frauenbach)/Baia Mare/Nagybánya, 1571 bis 1613. In: István Fazekas u. a. (Hrsg.): Adel und Wiener Hof – Konfessionalisierung – Siebenbürgen. Publikationen der ungarischen Geschichtsforschung in Wien, Band VII. (2013), S. 436–450. (PDF online)
- Jenő Szűncs: A szepesi kamarai léveltár 1567–1813. (ungarisch: „Das Archiv der Zipser Kammer.“) Budapest 1990. (PDF online)
Weblinks
- Za otca slovenskej balneológie sa označuje Juraj Wernher. (slowakisch: „Als Vater der slowakischen Balneologie gilt Juraj Wernher.“) auf zzz.sk (Suchportal slowakischer medizinischer Einrichtungen).