Milz

Organ der Wirbeltiere From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Milz (lateinisch lien, Maskulinum, altgriechisch σπλήν splēn) ist ein in den Blutkreislauf eingeschaltetes Organ des lymphatischen Systems bei Wirbeltieren. Die Milz ist im Regelfall nur einseitig vorhanden und liegt in der Bauchhöhle in der Nähe des Magens. Sie ist beim Menschen etwa 11 cm lang und 150 g schwer. Gelegentlich treten beim Mensch und auch bei anderen Säugetieren zusätzliche Milzen auf, die als Nebenmilzen bezeichnet werden. Die Milz ist von einer bindegewebigen Kapsel umgeben und das Milzgewebe wird in zwei Gruppen gegliedert, die als weiße und rote Milzpulpa bezeichnet werden. Die weiße Pulpa dient der Vermehrung der zu den weißen Blutkörperchen gehörenden Lymphozyten und spielt daher eine Rolle bei der Abwehr körperfremder Stoffe (Antigene). Die rote Pulpa dient dagegen der Aussonderung von Fremdpartikeln und überalterter und geschädigter roter Blutkörperchen sowie der Speicherung der Blutplättchen. Bei einigen Säugetieren wie Pferden und Hunden ist die Milz auch ein wichtiger Blutspeicher. Während die Milz bei niederen Wirbeltieren noch das wichtigste Organ der Blutbildung ist, geht diese Funktion bei vielen Säugetieren nach der Geburt verloren und das Organ spielt nur in der späten Fötalentwicklung eine Rolle bei der Bildung roter Blutkörperchen.

Schematische Darstellung der Milz und einiger ihrer Nachbarorgane

Beim menschlichen Embryo entsteht die Milz ab der fünften Schwangerschaftswoche aus dem embryonalen Bindegewebe (Mesenchym). Dabei können verschiedene Störungen wie die Bildung vieler Milzen, eine Wandermilz oder Verschmelzungen mit anderen Organen auftreten, die aber meist ohne gesundheitliche Folgen sind. Das vollständige Fehlen der Milz (Asplenie) verursacht eine lebensbedrohliche Abwehrschwäche vor allem gegenüber bekapselten Bakterien. Die Milz ist als zentrales Abwehrorgan bei vielen Allgemeinerkrankungen betroffen. Sowohl bei Infektions- als auch bei Autoimmun- und Tumorerkrankungen kann es zu Milzveränderungen kommen, die sich meist als Milzvergrößerung (Splenomegalie) zeigen. Milzrisse werden vor allem durch Verkehrsunfälle verursacht und können zum Verbluten führen. Zur Untersuchung der Milz werden vor allem bildgebende Verfahren wie Sonografie, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt.

Die ersten genaueren Beschreibungen stammen von den Ärzten der griechischen Antike. Die Vorstellungen von Hippokrates von Kos und Galenos von der Milz als dem Bildungsort der „schwarzen Galle“ und der Melancholie strahlten bis in das 19. Jahrhundert aus. Das englische Wort für Milz (spleen) wurde von William Shakespeare im Sinne von Melancholie und wunderlichem Verhalten verwendet und wurde in weitere europäische Sprachen übernommen. Im Deutschen wandelte sich die Bedeutung im 20. Jahrhundert und Spleen steht heute eher für eine leichte Marotte. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begannen Wissenschaftler, die eigentliche Funktion des Organs zu verstehen.

Etymologie

Das im Neuhochdeutschen weibliche Wort Milz (mittelhochdeutsch noch männlich milz neben weiblich milze und sächlich[1] miltz) geht auf althochdeutsch milzi (Neutrum) zurück und ist einer der ausgeprägtesten „Geschlechtswechsler“[2] unter den deutschen anatomischen Bezeichnungen. Als „erweichende, schmelzende Drüse“ ist das Wort verwandt mit „Malz“, somit ableitbar von einer germanischen Wortwurzel *melt- (vgl. altnordisch melta, englisch melt sich auflösen, zerfließen, schmelzen und angelsächsisch meltan ‚schmelzen, verbrennen, verdauen‘).[3]

Milz des Menschen

Anatomie

Eingeweidefläche einer menschlichen Milz

Die Milz ist beim Menschen ein etwa 11 cm langes, 7 cm breites, 4 cm dickes („Siebenundvierzig-Elf-Regel“),[4] unpaares (nur einseitig vorhandenes), purpurfarbenes und im Mittel 150 g schweres Organ. Es liegt intraperitoneal im linken Oberbauch unterhalb des Zwerchfells, hinter dem Magen, oberhalb der linken Niere und in Nachbarschaft zum Schwanz der Bauchspeicheldrüse und der linken Colonbiegung (Flexura coli sinistra, auch Milzflexur, Flexura lienalis, genannt).[5.1] Bei athletischen großen Männern kann eine gesunde Milz bis 14 cm lang sein,[6] bei Neugeborenen ist sie knapp 5 cm lang.[7] Die Milzform erinnert an eine Kaffeebohne, ihre Längsachse liegt entlang der zehnten Rippe.[8]

Die Milz hat ein Vorder- (Extremitas anterior splenis) und ein Hinterende (Extremitas posterior splenis) sowie eine konkave Eingeweide- (Facies visceralis splenis) und eine konvexe Zwerchfellfläche (Facies diaphragmatica splenis). Getrennt werden diese Flächen durch den unteren stumpfen Rand (Margo inferior splenis) und den oberen, scharfen und häufig gekerbten Rand (Margo superior splenis). An der Eingeweidefläche unterscheidet man drei Kontaktflächen zu den Nachbarorganen: Facies renalis splenis (Nierenfläche), Facies gastrica splenis (Magenfläche) und Facies colica splenis (Colonfläche). Zudem liegt hier die Milzpforte (Hilum splenis) – eine meist V-förmige Struktur, durch die Gefäße und Nerven ziehen.[5.1]

Die Milz wird durch vier Bauchfellbildungen befestigt. Vom Hilum ziehen das Magen-Milz-Band (Ligamentum gastrosplenicum) zum Magen und das Milz-Nieren-Band (Ligamentum splenorenale) zur linken Niere. Zudem zieht das Kolon-Milz-Band (Ligamentum colicosplenicum) vom Vorderende der Milz zur Milzflexur des Colons. Darüber hinaus stabilisiert das horizontal verlaufende Zwerchfell-Colon-Band (Ligamentum phrenicocolicum), dem der untere Milzpol aufsitzt, die Lage der Milz.[9]

Die Milz wird, außer im Bereich des Hilum, von einer elastisch-bindegewebigen und von Bauchfell (Tunica serosa splenis) bedeckten Kapsel (Capsula splenis) umgeben, von der ein bälkchenartiges (trabekuläres) Bindegewebsgerüst (Trabeculae splenis) und einige glatte Muskelzellen in das Parenchym einstrahlen. Das Parenchym wird wegen der breiigen Konsistenz als Milzpulpa (Pulpa splenis, von lateinisch pulpa „Fruchtfleisch“) bezeichnet.[5.2]

Die Blutversorgung erfolgt über die Arteria splenica. Sie tritt in die Milzpforte in das Organ ein und verzweigt sich in Trabekel- und Balkenarterien, aus denen die im Zentrum der Milzfollikel mündenden Zentralarterien hervorgehen. Der Blutabfluss erfolgt über die Vena splenica zur Pfortader (Vena portae). Der Lymphabfluss wird über die Milzlymphknoten geleitet.[10] Die Innervation der Milz wird über noradrenerge sympathische Nervenfasern aus dem Ganglion coeliacum realisiert. Im Gegensatz zu anderen Säugetieren wie Nagern oder Schweinen ist die Innervation beim Menschen vorwiegend auf die arteriellen Gefäße beschränkt, wo sie über eine Gefäßverengung (Vasokonstriktion) die Durchblutung herabsetzen.[11]

Nebenmilz (14 mm) nahe der Milzpforte im Ultraschallbild

Neben der eigentlichen Milz kommen bei etwa 10 % der Individuen eine oder mehrere Nebenmilzen (Splenes accessorii, Einzahl Splen accessorius) vor. Sie sind kleine kugelige Organe mit einem Durchmesser von etwas mehr als 1 cm (bis maximal 4 cm), mit gleichem Feinbau und gleicher Funktion. Sie befinden sich meistens in der Nähe der Milzpforte, am Schwanz der Bauchspeicheldrüse, im Magen-Milz-Band oder im großen Netz.[12]

Feinbau

Feinaufbau der Milz: (1) Sekundärer Lymphfollikel (weiße Pulpa), (2) Zentralarterie, (3) Periarterielle Lymphscheide, (4) rote Pulpa

Das Parenchym der Milz wird morphologisch und funktionell in die rote (Pulpa rubra) und die weiße Pulpa (Pulpa alba) untergliedert, wobei die weiße beim Menschen einen geringeren Anteil am Organ als die rote hat,[13] nämlich nur etwa 25 %.[14.1]

Weiße Pulpa

Die in den Trabekeln verlaufenden Äste der Milzarterien ziehen als Zentralarterien in das dichtmaschige Retikulum der weißen Pulpa. Hier werden sie hülsenartig von Ansammlungen von T-Lymphozyten umgeben, die als periarterielle lymphatische Scheiden (PALS) bezeichnet werden, sowie von einem kugeligen Milzknötchen (Milzfollikel, Malpighi-Körperchen) umgeben. Die Milzknötchen sind die B-Zell-Gebiete und nehmen beim Menschen den Hauptteil der weißen Pulpa ein.[13]

Die PALS sind beim Menschen auf die größeren, trabekelnahen Arterienabschnitte beschränkt. Neben T-Lymphozyten beherbergen sie dendritische Zellen.[13]

Milzfollikel sind Lymphfollikel und im nichtreaktiven Zustand 300–500 μm groß. Sie haben nach der Geburt ein Keimzentrum, welches von einer Mantelzone aus vielen kleinen B-Lymphozyten, einigen Plasmazellen, im Randbereich von CD4+-positiven T-Zellen und an der Oberfläche von dendritischen Zellen umgeben ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren hat der Mensch an der Grenze zur roten Pulpa keine echte Randzone (Marginalzone), sondern nur eine dünne Lage aus B-Lymphozyten, die eher als superfizielle (oberflächliche) Zone zu bezeichnen ist.[13]

Nach der Passage durch ein Milzknötchen verzweigt sich die Zentralarterie pinselartig in zwei bis drei Kapillaren und wird daher als Pinselarteriole bezeichnet. Die Pinselarteriolen setzen sich in die Hülsenkapillaren der roten Milzpulpa fort.[13] Um die PALS und Lymphfollikel gibt es ein dichtes Kapillarnetz, welches hauptsächlich von den kleinen Gefäßen der roten Pulpa gespeist wird.[15]

Rote Pulpa

Der Raum zwischen den Knötchen ist von einem weitmaschigen Netzwerk (Retikulum) ausgefüllt, das von Blut durchströmt und daher als rote Pulpa bezeichnet wird. Die extrazelluläre Matrix der roten Milzpulpa formen retikuläre Fasern, die von Fibroblasten gebildet werden. Die größeren Arteriolen verzweigen sich meist dichotom, selten buschartig (Pinselarteriolen) und werden von B- und T-Lymphozyten umgeben, was aber nicht den PALS oder Milzfollikeln entspricht.[13] Die von ihnen ausgehenden Kapillaren sind mehrheitlich von einer Schicht phagozytierender Zellen (Makrophagen, Retikulumzellen) und argyrophilen Fasern umgeben (Schweigger-Seidel-Hülse), die daher als Hülsenkapillaren bezeichnet werden, nur wenige Kapillaren sind unbescheidet.[15] Die Kapillarhülsen bestehen aus drei, sich teilweise überlappenden Zelllagen. Die Innenschicht besteht aus CD271++ kubischen Stromazellen. Sie werden von einer spezifischen Population von Makrophagen (CD68+ und CD163−) umgeben, die teilweise in die Stromaschicht vordringen. Außen liegen B-Zellen. Die Funktion der Kapillarhülsen ist nicht bekannt, sie entsprechen vermutlich den Ellispoiden (heute eher als periarterielle Makrophagenscheiden (PAMS) bezeichnet[16.1]) der roten Milzpulpa der meisten anderen Säugetiere.[13]

Den Großteil der roten Pulpa bildet ein spezifisches Bindegewebe, die Milzstränge (Billroth-Stränge). Im Gegensatz zum übrigen Blutgefäßsystem, in dem es eine Kontinuität des Endothels zwischen arteriellen und venösen Schenkel gibt, münden alle Kapillaren trichterartig in die Milzstränge und gehen nicht in einen venösen Kapillarschenkel über. Damit hat die Milz des Menschen einen vollständig offenen Kreislauf.[15] Die Milzstränge umgeben ein als Blutsinus bezeichnetes Spaltensystem, welches von einem Endothel ausgekleidet ist. Dieses hat funktionelle Öffnungen, durch die rote Blutkörperchen zurück in das Gefäßsystem wandern können. Von den Blutsinus gehen Venolen aus, die sich zu immer größeren Venen vereinen und als Milzvene die Milzpforte verlassen.[13] Um die Blutsinus verlaufen retikuläre Fasern: Sie verlaufen beim Menschen quer zur Längsachse der Sinus und umgreifen diese. Sie werden daher auch als Ringfasern bezeichnet.[17] Die Ringfasern verbinden die Sinus mit den Milzsträngen. Die Fibroblasten und Fasern haben direkten Kontakt zum Blut, welcher Mechanismus hier eine Blutgerinnungsreaktion wie sonst außerhalb von Gefäßen verhindert, ist nicht bekannt. An der Wand der Pulpastränge sitzen zahlreiche große Makrophagen, die sich frei zwischen Endothel und Lumen bewegen können. In der roten Pulpa unmittelbar um die Milzknötchen sammeln sich vermehrt rote Blutkörperchen mit Granulo- und Monozyten, was als perifollikuläre Zone bezeichnet wird.[13]

Entwicklungsgeschichte

Die Milz entsteht aus einer Verdichtung des Mesoderms innerhalb der rückenseitigen Magenaufhängung (Mesogastrium dorsale), was beim Menschen um die fünfte Schwangerschaftswoche stattfindet. Diese Vorgänge werden durch die Transkriptionsfaktoren BAPX1, HOX11 und TCF21 eingeleitet.[5.2] Dabei bilden sich aus dem Mesoderm die Kapsel, das Bindegewebe und das Netzwerk (Reticulum) im Inneren. Mit der Magendrehung gelangt die Milz in ihre definitive anatomische Position und die Milzbänder entstehen. Bis zum Ende der Embryonalentwicklung bleibt das Organ aber einfach gebaut und enthält nur hämatopoetische Vorläuferzellen und wenige Fresszellen (Makrophagen).[18]

Die Bildung von Lymphgewebe setzt erst zwischen 14. und 18. Schwangerschaftswoche ein, in der 19. bis 20. Woche bilden Lymphozyten erste Ansammlungen um die Arteriolen und in der 19. bis 23. Woche entstehen die Milzsinus der roten Pulpa. Gegen Ende des zweiten Trimesters entstehen die ersten Primärfollikel aus B-Lymphozyten und dendritischen Zellen, die bis zur Geburt an Größe zunehmen.[18] Die Milz ist beim Fötus ab der 15. Woche noch ein in Lappen gegliedertes Organ, diese Lappung geht aber im Regelfall noch vor der Geburt verloren.[5.2] Die Keimzentren, Rand- und Mantelzone entstehen erst durch Antigen-Kontakt nach der Geburt. Die ersten Sekundärfollikel treten 2,5 Monate nach der Geburt auf.[18]

Funktion

Die Milz vereint in Bau und Struktur zwei Organe. Die rote Pulpa entfernt überaltete Blutzellen und schädliche Partikel aus dem Blut mittels ihrer Fresszellen (Phagozyten), die als Uferzellen die Sinusoide auskleiden. Die weiße Pulpa übernimmt als lymphatisches Organ Abwehraufgaben. Die menschliche Milz ist ein wichtiges Reservoir für Gedächtniszellen, Blutplättchen und vermutlich auch Monozyten. Etwa ein Drittel aller mobilisierbaren Blutplättchen finden sich beim Menschen in der Milz.[13]

Die Phagozytose von roten Blutkörperchen durch Makrophagen (erkennbar an den violetten Zellkernen) und von anderen Fremdpartikeln sind die wichtigen Vorgänge in der roten Pulpa (dieses Bild stammt zwar von einem Knochenmarksaspirat, in der Milz findet aber der gleiche Vorgang statt)

Überalterte rote Blutkörperchen (Erythrozyten) sind weniger verformbar, ebenso durch Membran- oder Enzymdefekte geschädigte Blutzellen. Sie können sich nicht mehr durch die Maschen der roten Pulpa zwängen und werden von Makrophagen phagozytiert und abgebaut.[13] Dabei wird das Eisen des roten Blutfarbstoffs in Makrophagen gespeichert, womit die Milz als Recycling-Organ eine wichtige Rolle im Eisen-Stoffwechsel spielt.[19.1] Auch Zellen, die mit Antikörpern beladen sind, Mikroorganismen, Immunkomplexe, Fibrin­monomere, kolloidale und andere Partikel werden auf diese Weise ausgesondert. Die Milz ist der wichtigste Ort für Phagozytosevorgänge im Körper.[13]

Im Rahmen der Immunabwehr findet in der Milz die Differenzierung und Vermehrung von spezifischen B- und T-Lymphozyten statt.[8] Da der Milz zuführende Lymphgefäße fehlen, gelangen Fremdstoffe (Antigene) ausschließlich über das Blut zur Milz. Hier kommen sie zunächst mit den B-Lymphozyten und Makrophagen der Kapillarhülsen der roten Pulpa in Kontakt. Die Makrophagen gehören einem, nur hier vorkommenden Phänotyp (CD68+, CD169+ und CD163−) an. Danach gelangen die Antigene in das Kapillarnetz um die Milzknötchen, welches nahezu ausschließlich von den Hülsenkapillaren gespeist wird, welche offen in die Milzknötchen münden. An der Follikeloberfläche nehmen CD27+ B-Gedächtniszellen größere Antigene direkt oder von Makrophagen zum Weitertransport in das Follikelinnere auf, kleinere Antigene können direkt in das Innere vordringen. Die Gedächtniszellen der Mantelzone transportieren Antigene zu den dendritischen Zellen der Follikel,[15] welche die Antigenpräsentation und Regulation der T- und B-Zell-Antwort bewerkstelligen. In den Milzknötchen werden naive Lymphozyten und spezifische T-Gedächtniszellen aktiviert und schließlich werden T-Zell-abhängig in den Keimzentren von B-Zellen spezifische Antikörper produziert. Das Gebiet um die Follikel (perifollikuläre Zone), gleichzeitig die Grenze zwischen roter und weißer Pulpa, ist also für die Abwehrvorgänge entscheidend. Nur hier kommen die B- und T-Zellen mit den Antigenen in Kontakt und nur hier gelangen Lymphozyten aus dem Blutkreislauf in die weiße Pulpa.[20] Offene Kapillaren gibt es auch an der Oberfläche der PALS. Hier erreichen Antigene nicht nur T-Lymphozyten, sondern auch naive B-Lymphzyten und Plasmazellen.[15] Die Vorgänge innerhalb der weißen Pulpa sind komplex. Sie sind zum Teil nur bei Mäusen erforscht und aufgrund struktureller Unterschiede nur bedingt auf den Menschen übertragbar.[20] Wie Lymphozyten aus der Milz in den Kreislauf gelangen, ist ebenfalls ungeklärt. Bei Mäusen ist ein Übertritt über Brückenkanäle von den PALS in die rote Pulpa sowie in geringerem Ausmaß ein Abtransport über Lymphgefäße nachgewiesen. Letzteres ist für den Menschen unwahrscheinlich, da Lymphgefäße nur im Bereich größerer Gefäße und in den Trabekeln ausgebildet sind.[13]

Der Milz wird beim Fötus ab der 20. Schwangerschaftswoche eine partielle Rolle bei der Blutbildung zugesprochen, im letzten Schwangerschaftsdrittel findet sie nur noch im Knochenmark statt.[21] Dies wird aber mittlerweile kontrovers diskutiert. Zwar enthält die fetale Milz Blutstammzellen, aber Entwicklungsstadien der Blutzellen finden sich nur in den Blutsinusoiden und Gefäßen und auch die spezifischen Wachstumsfaktoren der Blutbildung werden in der Milz nicht gebildet.[18] Auch nach der Geburt sind in der Milz Blutstamm- und Vorläuferzellen vorhanden, die hier allerdings nur eine kurze Verweildauer haben.[21] Bei Erwachsenen kann in der Milz eine Blutbildung außerhalb des Knochenmarks (extramedulläre Hämatopoese) bei Osteomyelofibrose und chronischen myeloproliferativen Neoplasien mit Schädigung des Knochenmarks aktiviert werden,[21][22] als gesichert gilt dies nach anderer Auffassung aber nur für Nagetiere.[23]

Vergleichende Anatomie

In der Phylogenese tritt die Milz erstmals bei Knorpelfischen auf, bei den Schädellosen und Manteltieren ist sie nicht vorhanden.[19.2] Von der ursprünglichen Blutbildungsfunktion des Milzvorläufer-Gewebes bei Rundmäulern wandelt sich die Milz phylogenetisch und ontogentisch immer mehr zu einem Organ der Immunabwehr.[19.3] Bei Wirbeltieren ohne Knochenmark (es entwickelt sich erst bei den Froschlurchen[19.4]) bleibt sie nach Rückbildung des Dottersacks das Organ der Blutbildung (Hämatopoese und Thrombopoese). Bei allen Wirbeltieren liegt die Milz im Bereich von Magen und Bauchspeicheldrüse und in ihr reifen in der weißen Pulpa Lymphozyten und Plasmazellen.[24]

Milz einer Kliesche

Wechselwarme Tiere

Gewöhnlich ist bei allen Wirbeltieren nur eine Milz vorhanden. Eine Ausnahme machen bei den Plattenkiemern der Kragenhai, bei den Strahlenflossern die Knochenhecht-Gattung Lepisosteus sowie bei den Lungenfischen der Südamerikanische und Australische Lungenfisch mit jeweils zwei Milzen.[19.3] Neben der roten und weißen Pulpa haben Knochen- und Lungenfische sowie einige Amphibien und Reptilien Ansammlungen von Melanomakrophagen. Diese Zellen enthalten Melanine und erfüllen vermutlich Abwehraufgaben.[25]

Rundmäuler
Eine Milz als eigenständiges Organ fehlt den Rundmäulern. Bei Schleimaalen gibt es Ansammlungen von Blutbildungsgewebe im Bereich der Darmvenen, die als Vorstufe lymphatischer Organe (nicht nur der Milz) angesehen werden. Bei den Neunaugen liegt dieses Gewebe in einer Falte der Darmwand, dem Typhlosol.[19.2]
Knorpelfische
Bei den Knorpelfischen ist die Milz relativ groß, kann bis zu 2 % der Körpermasse ausmachen und hat häufig eine läppchenartige Oberfläche.[19.2] Bei den Rochen ist sie rundlich und kaum gelappt.[26] Bei den Holocephali liegt die Milz unabhängig von Magen und Darm im Bereich der Bauchspeicheldrüse. Die Milz ist bei Knorpelfischen ein wichtiger Ort der Bildung roter Blutkörperchen und von Blutplättchen, vermutlich aber nicht der Granulozyten.[19.5] Eine Milz lässt sich schon bei den fossilen Acanthodii nachweisen.[19.6]
Strahlenflosser
Bei Strahlenflossern hat die rote Pulpa den größten Anteil am Organ. Bei den Eigentlichen Flösselhechten ist die Milz länglich und segmental gegliedert. Das Blut der einzelnen Segmente wird über anastomosierende Venen zur Leber geleitet. Knorpelganoiden haben eine äußerlich gelappte Milz.[19.7] Knochenfische haben, mit Ausnahme der Aalartigen, gut entwickelte Ellipsoide.[19.8] Die Melanomakrophagen sind, außer bei Lachsen, zu Gruppen zusammengeballt. Sie werden von einigen Autoren als Äquivalent zu den Keimzentren der höheren Wirbeltiere angesehen, aktuelle Studien betrachten sie eher als Ort des Abbaus körpereigener und körperfremder Partikel.[26] Bei einigen Fischen ist eine Blutspeicherung in der Milz nachgewiesen,[19.8] eine Blutbildung wird von einigen Autoren angenommen,[27] von anderen angezweifelt.[19.6]
Innere Organe einschließlich Milz (rotes kugeliges Organ in der Bildmitte) eines Frosches
Quastenflosser
Bei Quastenflossern ist die Milz klein und länglich. Es überwiegt die rote Pulpa und die Kapselvenen sind segmental gegliedert.[19.8]
Lungenfische
Bei Lungenfischen finden sich primitive Bauformen der Milz. Eine Milzkapsel fehlt, das Gewebe kann in drei Kompartimente unterteilt werden: Eine äußere Milzrinde (Cortex) aus retikulärem Bindegewebe mit Granulozyten, Plasmazellen und Melanomakrophagen, ein schlecht abgegrenztes lymphoides Kompartiment ohne spezifische Organisationsstrukturen und dazwischen die Sinusoide der roten Pulpa, in denen die Blutbildung stattfindet.[19.8] Neben der Blutbildung dient die Milz bei Lungenfischen dem Abbau roter Blutkörperchen und der Differenzierung von Plasmazellen.[26]
Amphibien
Bei den Schleichenlurchen sind rote und weiße Pulpa nur mäßig abgegrenzt und Milzfollikel fehlen. Die Milz fungiert als Produktionsort für rote Blutkörperchen, Blutplättchen und Lymphozyten. Bei den Schwanzlurchen ist die Milz meistens elliptisch und mit 0,5 % der Körpermasse relativ groß, beim Großen Armmolch erstreckt sie sich entlang des gesamten Darms. Die Milz der Schwanzlurche ist vorwiegend aus roter Pulpa aufgebaut[19.9] und sie ist Hauptort der Blutbildung.[19.6] Die weiße Pulpa ist gering entwickelt und Ellisoide fehlen.[19.9] Bei den Froschlurchen hat die Milz einen Körpermasseanteil von nur 0,05 bis 0,007 % und ist elliptisch bis rund. Bei dieser Ordnung zeigt sich eine Tendenz zur Zusammenballung des lymphatischen Gewebes. Die Milz ist zudem Hauptort der Blutbildung,[19.10] die aber mit Entstehung des Knochenmarks abnimmt.[19.4]
Reptilien
Bei den Reptilien gibt es eine Milzkapsel und Trabekel. Rote und weiße Pulpa sind deutlich getrennt, wobei erstere bei Sphenodontia und Schuppenkriechtieren einen geringen Anteil am Gesamtorgan hat und bei Schlangen kaum noch nachweisbar ist.[19.10] Außer bei Toxicofera sind die Ellipsoide gut entwickelt, die weiße Pulpa besteht aus den periarteriellen und den periellipsoiden Lymphscheiden.[19.11] Im Feinbau gibt es Variationen. Bei den Schuppenkriechtieren ist die weiße Pulpa auf die Umgebung der Zentralarterien beschränkt, bei einigen Schlangen fehlt dagegen eine Zentralarterie.[28]

Vögel

Leber und Milz eines Truthuhns

Bei Vögeln liegt die Milz in der Leibeshöhle, am Übergang vom Muskel- in den Drüsenmagen. Sie ist beim Haushuhn kugelig, etwa 2 cm groß und bräunlich. Bei Gänsevögeln hat sie eine dreieckige Gestalt, bei Tauben ist sie oval, bei Papageien und Sperlingsvögeln länglich,[29] bei Urkiefervögeln langgestreckt. Die Milz ist bei Vögeln im Verhältnis zur Körpergröße deutlich kleiner als bei anderen Wirbeltieren[19.11] und zeigt bei vielen Vögeln saisonale Größen- und Aktivitätsschwankungen. Zu Beginn der Brutsaison erfolgt eine deutliche Größenzunahme, vermutlich durch die höhere Parasitenlast, und danach wieder eine Rückbildung.[30.1]

Der Feinbau entspricht im Wesentlichen dem der Säugetiere, rote und weiße Pulpa sind aber schlechter abgrenzbar.[31] Die Pinselkapillaren sind direkt mit den Sinusoiden der roten Pulpa verbunden, so dass wie bei allen Nichtsäugern ein geschlossener Kreislauf vorliegt.[19.12] Anders als bei Amphibien und Reptilien findet bei Vögeln wie bei Säugetieren bei Antigenkontakt eine Keimzentrumsreaktion in den Milzfollikeln statt. Da Lymphknoten bei Vögeln weitestgehend fehlen, spielt die Milz vermutlich eine größere Rolle als sekundäres lymphatisches Organ als bei Säugetieren. In der Embryonalentwicklung werden bei Vögeln in der Milz Blutzellen gebildet, vor allem die roten Blutkörperchen und die Granulozyten,[30.2] bevor die Blutbildung nach dem Schlupf vom Knochenmark übernommen wird. Im Gegensatz zur Milz einiger Säugetiere fungiert die Vogelmilz nicht als Blutspeicher.[30.3][19.11]

Säugetiere

Bei den Säugetieren ist die Milz abgeflacht, hat zumeist scharfkantige Ränder und liegt in der linken vorderen Bauchregion (Regio hypochondriaca sinistra). Die Milzform ist tierartlich sehr verschieden.[32] Bei Kloakentieren und Nebengelenktieren ist sie dreilappig,[19.12] bei den Beuteltieren Y-förmig und ebenfalls dreilappig und bei den Ameridelphia relativ groß.[19.13] Bei Pferden ist sie sensenblattförmig und bis zu 50 cm lang. Bei Rindern und Schweinen ist sie eher zungenförmig und 50 bzw. 40 cm lang. Schafe und Ziegen haben eine eher dreieckige Milz. Das bauchseitige Ende der Milz ist bei Hunden Tomahawk-ähnlich verbreitert, bei großen Hunden kann die Milz bis zu 25 cm lang sein. Die Milzpforte ist bei Wiederkäuern rundlich, bei anderen Säugetieren erstreckt sie sich leistenförmig über nahezu die gesamte Länge des Organs. Bei den meisten Säugetieren hat die Eingeweidefläche Kontakt zum Magen und die Befestigung erfolgt wie beim Menschen über Ligamentum gastrosplenicum und Ligamentum phrenicolienale. Bei den Wiederkäuern ist der obere Teil der Milz dagegen in die Verwachsung des rückenseitigen Pansensacks mit dem Zwerchfell einbezogen. Nebenmilzen kommen wie beim Menschen auch bei den anderen Säugetieren gelegentlich vor.[32]

Feinbau und Entwicklungsgeschichte verhalten sich bei den anderen Säugetieren im Wesentlichen wie beim Menschen. Kloakentiere und Insektenfresser haben eine relativ einfach gebaute Milz.[19.13] Hinsichtlich der Volumenanteile von roter und weißer Pulpa (je nach Anteil am Gesamtorgan spricht man von „Speichermilz“ bzw. „Abwehrmilz“) und bei den strukturellen Feinheiten der weißen Pulpa gibt es tierartliche Unterschiede. So werden die Milzfollikel von einem Marginalsinus mit einer Marginalzone aus dendritischen Zellen, Makrophagen und B-Zellen umgeben. Die Marginalsinus münden entweder in das Hohlraumsystem der roten Pulpa oder bei Hunden in die sogenannten Sinusoide. Die Pinselarteriolen werden von periarteriellen Makrophagenscheiden (PAMS) umgeben,[16.1] diese sind bei vielen Nagetieren nicht vorhanden.[13] Im Gegensatz zum Menschen sind bei Nagetieren und Schweinen nicht nur die Blutgefäße der Milz sympathisch innerviert, sondern Nervenfasern erreichen auch Trabekel sowie weiße und rote Pulpa.[11] Bei einigen Säugetieren ist die Milz zusätzlich ein Blutspeicherorgan, aus dem über glatte Muskulatur in der Kapsel und den Trabekeln Blut aus der roten Pulpa bei Bedarf in den Blutstrom überführt werden kann. Ausgeprägt ist diese Speicherfunktion bei Pferden, Hunden und Katzen, in geringerem Maße auch bei Paarhufern.[16.2] Bei Säugetieren mit ausgeprägten Starrephasen (Torpor) wie dem Winterschlaf speichert die Milz Blut und Blutplättchen, so dass eine Verdickung des Blutes und dessen Gerinnung verhindert wird.[33] Bei Nagetieren ist die Milz ein wichtiger Speicherort für Makrophagen[34] und auch bei Adulten der meisten Arten findet, wie auch bei Kloakentieren, Ameridelphia, Insektenfressern und Nebengelenktieren, eine substantielle Blutbildung statt.[19.1]

Untersuchungsmöglichkeiten der Milz

Farbkodierte Doppler-Sonografie der Milz und ihrer Gefäße im Bereich der Milzpforte

Die Milz ist nur bei einer Vergrößerung über 40 % unter dem linken Rippenbogen tastbar und auch nur bei schlanken Patienten und Kindern.[14.2] Als bildgebende Verfahren werden Ultraschall (Sonografie), Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomographie (NMR, MRT) eingesetzt. Mit einem Endoskop lässt sich die Milz direkt visualisieren, mit einer Angiographie können die Milzgefäße dargestellt werden. Bestimmte Milzerkrankungen können auch durch zelluläre Veränderungen in einem Blutausstrich erkannt werden.[14.3]

Bei der sonografischen Untersuchung wird zunächst die Größe des Organs vermessen und sie dann fächerartig auf herdförmige Veränderungen durchgemustert. Mittels kontrastmittelverstärkter Ultraschall kann auch die Durchblutung des Organs in Echtzeit dargestellt werden. Unter Ultraschallkontrolle ist auch eine Probenentnahme durch Feinnadelbiopsie möglich, die aber in etwa 3 % mit schwereren Komplikationen (vor allem Blutungen) verbunden ist, weshalb sie nicht überall durchgeführt wird.[4] Die gesunde Milz stellt sich homogen mit einer mittleren Echogenität dar, die bei Erwachsenen etwas größer als die von Leber und Nierenrinde ist.[6] In der Kleintiermedizin ist die Sonografie die Untersuchungsmethode der Wahl. Die Milz hat eine gleichmäßige feine Echotextur, die Echogenität ist bei Hunden wie beim Menschen im Regelfall größer als die von Leber und linker Nierenrinde, bei Katzen ist sie manchmal gleich der der Nierenrinde. Die Größe ist bei Hunden aufgrund der Körpergrößenunterschiede und der Blutspeicherfunktion sehr variabel und wird meist nur subjektiv eingeschätzt.[35.1] Feinnadelbiospien eignen sich vor allem zur Diagnostik diffuser Veränderungen oder Lymphomen, bei den häufigen Hämangiosarkomen sind sie aufgrund der starken Blutbeimengungen selten diagnostisch.[35.2] Außer bei Zysten liefert die Sonografie aber keine sicheren Diagnosen für die genaue Art einer Veränderung.[36.1]

Die Computertomographie ist ein schnelles bildgebendes Verfahren mit einer hohen Kontrastauflösung und Sensitivität und Spezifität, das auch die gleichzeitige Untersuchung der Nachbarorgane ermöglicht.[37.1] Nachteilig ist insbesondere die Strahlenbelastung des Patienten.[37.2] Die Untersuchung der Milz ohne Kontrastmittelgabe ist wenig aussagekräftig. In der arteriellen Phase zeigt die Milz eine zonale Verstärkung, die wie ein Zebrastreifenmuster erscheint. In der Pfortader-Phase zeigt die Milz eine gleichmäßige Verstärkung.[36.1]

Die Magnetresonanztomographie kommt ohne ionisierende Strahlung aus und wird meist nicht für die Primär-, sondern zur weiterführenden Diagnostik eingesetzt. Auch sie kann mit oder ohne Kontrastmittel durchgeführt werden.[37.3] Auch ohne Kontrastmittel (nativ) ist sie aussagekräftiger als die CT und erlaubt eine bessere Beurteilung des Parenchyms. Milzläsionen stellen sich in der T2-Wichtung meist signalreich (hyperintens), in der T1-Wichtung signalarm (hypointens) dar.[36.2]

Nuklearmedizinische Untersuchungsverfahren werden vor allem zum Nachweis von versprengtem Milzgewebe unter Verwendung von 99mTc-Schwefelkolloid oder hitzegeschädigten roten Blutkörperchen eingesetzt.[36.3] Die Kombination einer Positronen-Emissions-Tomographie mit einer CT (PET-CT) wird vor allem zur Bestimmung der Malignität von Herden und zur Therapieüberwachung von Lymphomen verwendet.[14.3]

Krankheiten der Milz

Erkrankungen der Milz werden allgemein als Splenopathie bezeichnet. Eine Beteiligung der Milz tritt bei einigen Viruskrankheiten, aber auch vielen systemischen bakteriellen Erkrankungen, Parasitosen, Mykosen, Autoimmunerkrankungen sowie einigen Blut- und Stoffwechselkrankheiten auf.[38.1] Viele Splenopathien gehen mit einer Milzvergrößerung (Splenomegalie) einher. Von einer Splenomegalie spricht man bei einer Milzlänge über 12 cm und einer Masse über 400 g, von einer massiven Milzvergrößerung bei einer Länge über 20 cm oder Masse über 1 kg.[38.2] Aus einer Splenomegalie kann sich eine krankheitsbedingte Überfunktion des Organs ergeben, die als Hypersplenismus bezeichnet wird. Durch das längere Verbleiben des Bluts in der Milz bleiben vermehrt Blutzellen in dieser zurück und fehlen im Blutkreislauf. Dadurch entsteht eine Anämie, eine Abwehrschwäche durch Granulozytopenie und eine gesteigerte Blutungsneigung durch Blutplättchenmangel. Gleichzeitig wird die Blutbildung im Knochenmark reaktiv gesteigert.[39] Eine verminderte Milzfunktion (Hyposplenismus, Syn. Hyposplenie) kann bei einigen Krankheiten wie bei milder Sichelzellanämie oder bei β-Thalassämie auftreten.[14.2]

Entwicklungsstörungen

Histologisches Bild einer splenogonadalen Fusion, hier mit dem Hoden (rechts im Bild)

Eine angeborene Milzlosigkeit (Asplenie) ist sehr selten und Folge der Nichtanlage des Organs, die meist autosomal-dominant vererbt wird. Sie tritt häufig im Kombination mit anderen Fehlbildungen wie Herzfehlern oder Heterotaxie auf. Im weiteren Sinne wird mit dem Begriff Asplenie auch der Zustand nach Milzentfernung und der Funktionsausfall (funktionelle Asplenie) bezeichnet. Bei Asplenie besteht eine Abwehrschwäche vor allem gegenüber bekapselten Bakterien (z. B. Haemophilus influenzae B, Meningo- und Pneumokokken) und damit die Gefahr eines OPSI-Syndroms mit hoher Sterblichkeit, weshalb bei asplenischen Patienten Schutzimpfungen gegen diese Erreger dringend angeraten sind.[40] Bei Tieren kommt eine Asplenie gehäuft bei einigen Labormäusestämmen vor.[16.3]

Das Vorhandensein vieler Milzen wird als Polysplenie bezeichnet und ist sehr selten. Dabei treten statt einer normalen Milz zahlreiche Nebenmilzen auf, was meist asymptomatisch ist und nur Zufallsbefund ist. Ist sie mit weiteren Fehlbildungen der Bauchorgane (vor allem Gallengangatresie), des Herzens oder der Gefäße oder mit einer Heterotaxie verbunden, spricht man von einem Polysplenie-Syndrom, das meist in der frühen Kindheit aufgrund von schweren Herzfehlern diagnostiziert wird und eine hohe Sterblichkeit hat.[41]

Die Wandermilz (Lien mobilis) kann durch Störungen bei der Entstehung der Milzbänder entstehen, aber auch nach der Geburt als erworbene Erkrankung auftreten. Dabei senkt sich die Milz in den unteren Bauchraum.[42.1] Bei einer Wandermilz besteht ein höheres Risiko für eine Milzverdrehung.[42.2] Die Behandlung erfolgt durch Befestigung der Milz (Splenopexie) in ihrer Normalposition, bei starker Schädigung des Organs wird es entfernt.[42.3]

Splenoviszerale Fusionen sind Entwicklungsstörungen, bei denen die Milzanlage mit der Anlage anderer Eingeweide (lateinisch viscera) verschmilzt. Am häufigsten kommt die Verschmelzung mit dem Schwanz der Bauchspeicheldrüse (splenopankreatische Fusion) vor, aber auch mit Leber (splenohepatische Fusion), Keimdrüsen (splenogonadale Fusion), Niere (splenorenale Fusion) und Nebenniere (splenoadrenale Fusion) sind solche Vereinigungen möglich. Sie sind in der Regel harmlos, gelegentlich können bei diesen Milzabsiedlungen Spontanrisse mit Blutungen oder Verdrehungen auftreten.[43]

Milzfissuren sind eine harmlose Entwicklungsstörung, die sich äußerlich in Rinnen parallel zum Milzrand zeigt. Ihre Oberfläche ist glatt und von einer normalen Milzkapsel bedeckt. Sie treten gelegentlich bei Pferden auf, sind ansonsten aber sehr selten.[16.4]

Milzverletzung

Zweizeitige Milzruptur (Operationspräparat nach Splenektomie)

Eine Milzverletzung (Trauma) tritt vor allem bei Verkehrsunfällen oder Stürzen aus hoher Höhe auf, auch Schuss- oder Stichverletzungen oder Rippenbrüche links können zu einer mechanischen Schädigung der Milz führen. Sie kann zu einem Milzriss und damit zu einer Blutung in die Bauchhöhle (Hämaskos) bis zum Verbluten führen. Hierbei unterscheidet man einzeitige und zweizeitige Milzrisse. Die einzeitige Milzruptur führt zu einer sofortigen Blutung in die Bauchhöhle, bei der zweizeitigen Milzruptur kommt es zunächst zu einer Blutung im Organ bei intakter Kapsel und diese reißt erst nach Stunden bis Wochen, meist nach vier bis acht Tagen. Zweizeitige Milzrupturen haben bei Erwachsenen eine Inzidenz von 5 bis 6 %.[44] Milzrupturen können auch bei einer Sarkoidose der Milz[14.4] und bei Milzveränderungen infolge eines Pfeiffer-Drüsenfiebers, von Leukämien, hämolytischen Anämien, Polycythaemia vera oder Infektionskrankheiten wie Malaria auftreten.[14.5]

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad. Leichte Verletzungen (Grad 1) und Milzrupturen bei Kindern können heute meist konservativ behandelt werden. Schwerere Verletzungen werden entweder durch angiografische Blutstillung durch Embolisation der Milzarterie oder operativ durch teilweise oder vollständige Milzentfernung (Splenektomie) behandelt. Letzteres ist insbesondere bei kreislaufinstabilen Patienten angezeigt.[44]

Entzündungen und Abszesse

Milzabszess infolge einer Salmonellose im CT-Bild

Eine isolierte Milzentzündung (Splenitis) kommt sehr selten vor, Entzündungen des Milzparenchyms können aber im Zusammenhang mit einer Sepsis und mit Allgemeininfektionen auftreten. Beim Menschen tritt dies insbesondere bei einer bakterieller Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis),[45.1] Typhus und Paratyphus[45.1] sowie Katzenkratzkrankheit auf.[45.2]

Granulomatöse Erkrankungen der Milz können beim Menschen bei einer Vielzahl von bakteriellen Erkrankungen auftreten, aber auch beim Pfeiffer-Drüsenfieber, bei Parasitosen, Pilzerkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder als Reaktion auf Fremdpartikel.[45.2] Bei Katzen kommt vor allem die Feline infektiöse Peritonitis als Ursache für Pyogranulome infrage.[16.5]

Milzabszesse, also Eiterherde, treten vor allem bei einer Sepsis mit Eitererregern wie Streptokokken oder Staphylokokken auf, sind aber in den Industrieländern aufgrund der frühen Antibiotikagabe eher selten. Auch Milzverletzungen, Endokarditiden, Abhängigkeit von intravenös verabreichten Drogen, Superinfektionen infolge einer Sichelzellenanämie oder eitrige Entzündungen des Verdauungssystems, der Bauchspeicheldrüse oder der Niere können Milzabszesse verursachen.[45.3] Milzabszesse erfordern hohe Dosen von Breitbandantibiotika, manchmal auch eine Milzentfernung.[14.6] Bei Tieren treten solche Eiterherde ebenfalls infolge einer Sepsis mit Eitererregern, mit Rhodococcus equi oder mit Corynebacterium pseudotuberculosis auf. Bei Rindern kann eine Fremdkörpererkrankung des Pansens zur Verletzung der Milz mit Abszedierung führen, bei Pferden können durchbrechende Magengeschwüre bei Gasterophilose oder Habronematose der Auslöser sein. Der Milzbrand ist dagegen keine Milzentzündung, sondern manifestiert sich in Haut, im Verdauungstrakt oder in der Lunge. Die Milz ist bei dieser Tierseuche und Zoonose mit schwarzem, ungeronnenen Blut gefüllt.[16.5]

Durchblutungsstörungen

Milzinfarkt im CT

Ein Milzinfarkt ist ein Gewebeuntergang in der Milz infolge einer erheblich gestörten Blutversorgung durch Verlegung einer Arterie. Am häufigsten ist beim Menschen eine arterielle Thrombose in einem Ast der Milzarterie außerhalb des Milzgewebes die Ursache. Auch bei einigen Milztumoren, Sichelzellanämie oder Speicherkrankheiten kann es zu Milzinfarkten kommen. Das von der Versorgung abgeschnittene Gewebe stirbt ab und wird später narbig umgebaut. Totalverlegungen der Milzarterie können auch zu einer Milzruptur führen.[46] Bei Hunden treten Milzinfarkte vor allem bei erhöhter Gerinnungsneigung bei Leber- und Nierenerkrankungen oder einem Cushing-Syndrom sowie bei Herzerkrankungen oder Tumoren auf. Bei Rindern werden venöse Thrombosen vor allem bei einer Fremdkörpererkrankung, Milzabzsessen und Pfortaderthrombose, arterielle beim Küstenfieber beobachtet. Bei Schweinen verursacht vor allem die Klassische Schweinepest Milzinfarkte.[16.6]

Zu einer Stauungsmilz kommt es meist infolge einer Rechtsherzinsuffizienz oder durch ein Pfortaderhochdruck, häufig im Zuge einer Leberzirrhose, gelegentlich auch nach einer Pfortader- oder Milzvenenthrombose. Sie führt zu einer Milzvergrößerung mit Erweiterung der Sinus der roten Pulpa. Durch das längere Verbleiben der roten Blutkörperchen werden diese vermehrt abgebaut, langfristig kommt es zu einer Fibrose des Organs.[39]

Zysten und Tumoren

Milzzysten sind gutartige, mit einem Epithel ausgekleidete Hohlräume, die vor allem bei Kindern auftreten, aber insgesamt selten sind.[47.1] Gelegentlich treten in der Milz auch Parasitenzysten des Dreigliedrigen Hundebandwurms auf, wobei die Milz nur bei 0,5 bis 3,5 % der Zystische-Echinokokkose-Patienten betroffen ist.[14.7]

Mikrofoto eines Littoralzellangioms. HE-Färbung.

Die häufigsten Milztumoren beim Menschen sind bösartig (maligne) und Manifestationen eines systemischen B-Zell-Lymphoms. Bei der Diagnose Lymphom haben bereits 20 bis 40 % der Patienten Milzherde, in Autopsiestudien ist die Milz in 50 bis 80 % der Fälle befallen. Primäre maligne Lymphome der Milz sind dagegen sehr selten, ihre Häufigkeit liegt vermutlich nur bei 1 %. Dann handelt es sich meist um diffuse großzellige B-Zell-Lymphome.[48] Das Befallsmuster ist stark von Lymphomtyp abhängig und reicht von kleinen Knötchen bis zu einzelnen oder mehreren großen Knoten. Meist sind Patienten in der zweiten Lebenshälfte betroffen (Medianalter 57 Jahre).[47.2] Der häufigste nichtlymphoide bösartige Milztumor des Menschen ist das primäre Angiosarkom. Es tritt vor allem ab dem 60. Lebensjahr auf, führt zu einer zunehmenden Zerstörung des Organs und wird zuweilen erst entdeckt, wenn es zu einer Milzruptur gekommen ist.[47.3]

Gutartige (benigne) Milztumoren sind beim Menschen deutlich seltener. Am häufigsten handelt es sich um ein Hämangiom, das vorwiegend im mittleren Lebensalter auftritt. Klinisch ist es meist unauffällig, es neigt auch nicht zur Blutungen oder Milzrissen.[47.4] Ein sehr seltener, aber ausschließlich in der Milz auftretender Tumor ist das Littoralzellangiom. Es geht vermutlich von den Uferzellen (Littoralzellen) der Milzsinus aus. Krankheitserscheinungen wie Oberbauchbeschwerden treten nur im fortgeschrittenen Stadium bei starker Milzvergrößerung auf. Dieser Tumor ist häufig mit Tumoren anderer Organe vergesellschaftet, weshalb eine umfangreiche Tumordiagnostik vor allem bei stark vergrößerter Milz angezeigt ist.[47.5]

Metastasen von bösartigen Tumoren anderer Lokalisationen kommen in der Milz beim Menschen relativ selten vor. Nur etwa 4 bis 8 % der Patienten, die an einem Karzinom versterben haben Milzmetastasen. Der Befall der Milz erfolgt meist auf dem Blutweg (hämatogen), seltener über den Lymphweg bzw. die Milzlymphknoten oder rückwärts über die Milzvene. Die häufigsten Milzmetastasen treten beim Malignem Melanom, kleinzelligen neuroendokrinen Bronchialkarzinom, Brustkrebs, Ovarialkarzinom und Chorionepitheliom auf. Danach folgen Metastasen von Tumoren der Nachbarorgane wie Magenkarzinomen, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leberkrebs, Gallenblasenkarzinom und Darmkrebs.[47.6]

Bei anderen Säugetieren sind Hämangiosarkome und Lymphome die häufigsten Milztumoren. Beim Haushund haben Hämangiosarkome einen Anteil von 40 % an allen Bauchtumoren, sie sind hier im Vergleich zu anderen Tierarten überdurchschnittlich häufig.[49] Auch Angiome und andere Sarkome sind häufigere Primärtumoren beim Hund, sekundär kommen Milztumoren auch bei multizentrischen Tumorerkrankungen wie dem malignen Lmphom oder dem Mastzelltumor vor.[50] Bei Katzen und Rindern dominieren Lymphome, die hier infolge einer FeLV-Infektion[16.7] beziehungsweise Enzootischen Leukose[16.8] auch virusbedingt sein können. Bei Katzen sind Milztumoren deutlich seltener als beim Hund, neben Lymphomen kommen auch Mastzelltumoren häufiger vor.[50] Insbesondere bei Wildtieren treten oft Parasitenzysten des Dreigliedrigen Hundebandwurms und von Taenia hydatigena auf.[16.9] Bei Vögeln dominieren Lymphome, ein Zusammenhang mit dem Aviären Leukosevirus wird vermutet, ist aber kausal nicht bewiesen. Bei Wellensittichen treten im Vergleich zu anderen Vögeln überdurchschnittlich viele Hämangiome und Hämangiosarkome auf. Bei Hühnern wurden auch durch ein Retrovirus, das Aviäre Hämangiom-Virus (AHV), verursachte Hämangiosarkome der Milz beschrieben. Metastatische Milztumoren wurden bei Vögeln bislang nur für Magenkarzinome nachgewiesen und sind sehr selten.[51]

Endoskopisches Bild einer Splenose

Splenose

Als Splenose bezeichnet man die Absiedlung von Milzgewebe, das an anderer Stelle anwächst (Autotransplantation), in der Regel am Bauchfell. Sie entsteht meist nach Milzverletzungen, welche in 65 % der Fälle zu einer Splenose führen. Dabei können sich bis zu 300 mehrere Zentimeter große Milzabkömmlinge entwickeln. Im Gegensatz zu den Nebenmilzen entsteht eine Splenose nach der Geburt.[52.1] Eine Splenose verläuft meist ohne Beschwerden, manchmal kann sie zu Blutungen führen oder als Raumforderung andere Organe beeinträchtigen. Auch in der Diagnostik kann sie ein Fallstrick sein.[52.2] Problematisch ist eine Splenose vor allem bei Erkrankungen, die eine Milzentfernung erfordern, weil sie nach Entfernung der eigentlichen Milz deren Aufgabe weiterführen.[52.3]

Ablagerungskrankheiten

Bei einer Reihe von systemischen Erkrankungen kann es zu einer Beteiligung der der Milz mit Ablagerungen krankhafter Substrate kommen, die zu einer Schädigung des Milzgewebes führen. Dabei werden endogene oder exogene Pigmente sowie Substrate von lysosomalen Speicherkrankheiten im Regelfall innerhalb der Zellen (meist in den Makrophagen) abgelagert, Proteine im Interstitium (zwischen den Zellen).[53.1]

Als Pigmentablagerung spielt vor allem Hämosiderin bei einer Hämochromatose eine Rolle, sehr selten lagern sich exogene Kohlenstaubpartikel in der Milz ab.[53.1] Beim Morbus Gaucher können sich zuckerhaltige Fettsäuren (Cerebroside) im retikuloendothiealen System der Milz ablagern,[14.7] dabei kann es zu einer massiven Milzvergrößerung mit einem Gewicht von bis zu 10 kg kommen.[53.2] Bei der Porphyria erythropoietica kommt es zur Einlagerung von Porphyrinen in das Milzgewebe,[14.7] bei der Niemann-Pick-Krankheit von Sphingomyelinen[53.2] und bei Ceroidosen von Ceroiden.[53.3] Bei einer Amyloidose lagern sich krankhaft gefaltete Eiweiße (Amyloide) entweder in den Lymphfollikeln („Sagomilz“) oder diffus in der roten Pulpa („Schinkenmilz“) ab.[53.4]

Auch bei Tieren kommen Milzablagerungen im Rahmen einer Amyloidose sowie Ablagerungen von Glykosaminoglykanen, Sphingolipiden, Cerebrosiden, Ceroid (Canine Ceroid-Lipofuszinose), Glykogen und Oligosacchariden bei verschiedenen lysosomalen Speicherkrankheiten vor. Diese zeigen sich meist bei Jungtieren vor Ende des ersten Lebensjahres.[16.10] Bei einer Hämochromatose sammelt sich wie beim Menschen vermehrt Hämosiderin in der Milz an.[16.4] Bei alten Hunden treten oft harmlose braune oder rostfarbene Verkrustungen durch Einlagerung von Eisen und Calcium in der Kapsel entlang des Milzrandes auf, die als siderofibrotische Plaques bezeichnet werden und vermutlich auf alte Milztraumen zurückgehen.[16.9][54.1]

Milzchirurgie

Eine Entfernung der Milz (Splenektomie) wird bei Patienten mit schwerer Idiopathische thrombozytopenische Purpura mit ausgeprägter Thrombozytopenie und die sehr hohe Mengen von Glukokortikoiden benötigen, bei Kugelzellenanämie, bei hämolytischen Anämien durch Enzymdefekte der roten Blutkörperchen mit wiederholten Krisen, bei multiplen Abszessen, Tumoren und Metastasen und schweren Milztraumen durchgeführt. Wegen des Risikos eines Postsplenektomie-Syndroms (OPSI-Syndrom, overwhelming postsplenectomy infection) werden komplette Milzentfernungen heute nur noch nach strenger Indikationsstellung durchgeführt.[8] Weitere Komplikationen nach einer Milzentfernung sind ein dreifach höheres Risiko für Thromembolien und ein erhöhtes Auftreten von bösartigen Neubildungen.[14.8] Eine Milzentfernung kann sowohl über einen Bauchwandschnitt offen als auch laparoskopisch durchgeführt werden, wobei letzteres heute bevorzugt wird.[14.8][8]

Einem OPSI-Syndrom kann bereits vorgebeugt werden, wenn durch den Eingriff ein Drittel des Milzgewebes erhalten werden kann. Daher wird eine partielle Splenektomie oder ein partieller Gefäßverschluss (Milzembolisation) heute bevorzugt.[55.1] Auch die Teilentfernung ist lapararoskopisch möglich, wenn auch schwieriger und länger dauernd. Sie gilt als sicherer Eingriff mit geringer Morbidität und Sterblichkeit.[55.2] Kleinere Milzverletzungen können auch durch Milzraffung (Splenorrhaphie) verschlossen werden.[55.3]

Die operative Fixierung der Milz (Splenopexie) wird bei einer Wandermilz durchgeführt. Hierfür gibt es mehrere Methoden. Die einfachste und effektivste ist die nach Bardenheuer, bei der die Milz in einer retroperitonealen Tasche fixiert wird, so dass der Körper an der zehnten Rippe hängt und der Gefäßstiel am Bauchfelleinschnitt befestigt wird.[42.4]

In der Tiermedizin werden bei kleineren Milzverletzungen ebenfalls Milzraffungen durchgeführt. Eine teilweise Milzentfernung kann bei einer herdförmiger Veränderung oder Verletzung in Erwägung gezogen werden. Eine vollständige Entfernung ist bei den bei Hunden häufigen Hämangiosarkomen, aber auch bei einer Milzstauung infolge einer Magendrehung oder einer Milztorsion angezeigt, da eine Splenopexie der sehr locker aufgehängten Hundemilz wenig erfolgversprechend ist.[54.2] Zudem kann eine Milzentfernung bei therapieresistenter immunvermittelter hämolytischer Anämie oder Thrombozytopenie sinnvoll sein.[56] Ein OPSI-Syndrom wurde bei Hunden bislang nicht beobachtet, aber eine subklinische Ehrlichiose, Babesiose oder Mycoplasma-haemocanis-Infektion können nach einer Milzentfernung aufflammen. Zudem geht die Blutspeicherfunktion der Hundemilz verloren. Kontraindikation ist eine Hypoplasie des Knochenmarks, weil die Milz in diesem Fall zum Ort der Blutbildung wird.[54.2]

Forschungsgeschichte

Hippokrates (hier eine angebliche Büste aus den Uffizien) lieferte die erste detaillierte Beschreibung der Milz

Im Ebers Papyrus aus dem 16. Jahrhundert v. Chr. findet sich die älteste überlieferte Erwähnung der Milz.[57] Die erste exakte anatomische Beschreibung lieferte Hippokrates von Kos in seinem Werk De Carnibus (431 v. Chr.), er schrieb ihr den Wasserentzug aus der Nahrung zu. In weiteren Arbeiten beschrieb er auch einige Krankheiten der Milz.[58.1] Er hielt die Milz für den Bildungsort der „schwarzen Galle“ (altgriechisch µέλαινα χολή melaina cholè), eine der vier Körpersäfte, bei deren Überschuss Melancholie entstehe.[57] Platon (428/427–348/347 v. Chr.) vermutete, dass die Milz die Leber hell und rein halte. Aristoteles (384–322 v. Chr.) beschrieb die anatomische Lage der Milz im menschlichen Körper. Galenos sah im 2. Jh. die Milz als „Organ voller Mysterien“,[59.1] er ersetzte den Begriff „schwarze Galle“ durch „schwarze Flüssigkeit“ um ihm einen eher physiologischen Anstrich zu geben und vermutete, dass die Milz der Galle die Melancholie entziehe und diese als Nahrung nutze.[60.1] Aulus Cornelius Celsus (25 v. Chr.–50 n. Chr.) hielt die Milz für ein vollkommen unbekanntes Organ und vermutete, sie gebe die melancholischen Säfte des Bluts ab. Einige antike Autoren vermuteten, dass die Milz die Balance zwischen rechter und linker Körperseite halte, andere, dass sie vollkommen funktionslos sei.[59.1] Basierend auf einer Schrift von Li Dongyuan aus dem Jahre 1249 stehen Milz und Magen in China als Ursprung von Qi und haben in der traditionellen chinesischen Medizin auch heute noch eine zentrale Rolle für die anderen Organe.[61.1] Die Milz wandelt nach chinesischer Vorstellung Nahrung und Getränke zu den Körperflüssigkeiten und muss daher bei Störungen letzterer behandelt werden.[61.2]

Der persische Arzt Avicenna (980–1037) beschrieb in seinem Kanon der Medizin Anatomie und Erkrankungen der Milz. Er vermutete, dass ihre Entfernung oder Erkrankung zu einer Ansammlung schwarzer Galle und zu einer Sklerose führt. In der Zeit zwischen Mondino dei Luzzi Ende des 13. Jahrhunderts und Andreas Vesalius wurden zur Milz nur die Ansichten Galens wiederholt.[60.2] Johann Winter von Andernach schloss sich im 16. Jahrhundert nahezu wörtlich den Angaben Galens an. Charles Estienne übernahm die Vorstellung von der „schwarzen Galle“ und beschrieb einen Gang, über den diese in den Magen geleitet werde, wo sie bei der Verdauung helfe.[58.2] Berengario da Carpi ging dagegen etwas kritischer mit den Vorstellungen der Antike um, in seinen Isagogae breves (1522) vermutete er, dass die Milz manchmal Blut bilde. Nicholas Massa (1485–1569) beschrieb 1536 eingehend die makroskopische Anatomie der Milz und verzichtete ganz auf funktionelle Deutungen.[60.3] Paracelsus hielt die Milz für überflüssig und empfahl ihre Entfernung bei Veränderungen.[59.2] Andreas Vesalius versuchte in seinem Werk De humani corporis fabrica libri septem von 1543 dagegen neben der morphologischen Beschreibung auch funktionelle Interpretationen.[60.4] Da nach seinen Studien die Gefäßarchitektur sich stark von der anderer innerer Organe unterscheidet, verwarf er auch eine Beteiligung an der Blutbildung.[60.1] Er entfernte die Milz bei einigen Tieren und stellte keine Funktionsausfälle fest, weshalb er das Organ ebenfalls für nutzlos hielt. Er beschrieb zudem die äußere Blutgefäßversorgung der Milz, erkannte ihre Unabhängigkeit von der arteriellen Versorgung der Leber und die wahre Natur der Arteriae gastricae breves, die Galen und Estienne noch für Magen-Milz-Verbindungen hielten.[59.3] Franciscus Ulmus verfasste 1578 mit De liene libellus eine Monografie über die Milz und griff darin die Aristoteles-Vorstellung von der Blutbildung auf. Er postulierte, dass die Milz eine Vorstufe des arteriellen Blutes bilde, welches nach den Vorstellungen der damaligen Zeit aus dem venösen Blut der Leber durch vitale Kräfte im Herzen entstehe.[60.5] Auch Caspar Bauhin löste sich in seinem Theatrum anatomicum (1605) von Galens Vorstellungen und sah in der Milz den Ort der Blutbildung.[60.6]

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hielten sich die Vorstellungen Galens und Aristoteles' von der „schwarzen Galle“ und der Verdauungsfunktion der Milz, bis Jean Riolan 1649 dies vehement verneinte. Er wies nach, dass sich das Blut in Leber und Milz nicht unterscheidet und die Milzvene nicht von der Leber entspringt.[58.3] Nathaniel Highmore legte 1651 in seinem Anatomiewerk eine detaillierte Beschreibung der Milz vor, die alle die seiner Vorgänger weit übertraf.[58.4] Francis Glisson beschrieb 1654 in seiner Anatomia Hepatis erstmals ein Netzwerk aus „Nerven“ in der Milz, das aber das bindegewebige Trabekelgerüst darstellte. Marcello Malpighi (1628–1694) beschäftigte sich sehr intensiv mit der Milz und beschrieb seine Studien im Werk De liene (1666).[57] Er klärte über Tuscheinjektionen den Verlauf der Gefäße entlang der Trabekel innerhalb der Milz auf und entdeckte die Milzknötchen (Malpighi-Körperchen), vermutete aber fälschlicherweise, dass sie mit der Gallesekretion der Leber zusammenhängen.[59.4] Frederik Ruysch (1638–1731) konnte 1701 mittels Tuscheinjektionen nachweisen, dass die Milz hauptsächlich aus Gefäßsträngen besteht[59.4] und erkannte 1721 die Pinselarteriolen.[62]

Der britische Anatom und Arzt William Hewson stufte das Organ erstmals als lymphatisches ein

1769 klassifizierte William Hewson (1739–1774) die Milz erstmals als lymphatisches Organ. Er vermutete jedoch, dass die Lymphozyten aus den Lymphknoten und dem Thymus stammen, über die Arterien in die Milz gelangen, in der Milz separiert werden und in den Milzknötchen gespeichert werden.[63] In den 1820er Jahren wurde die Funktion der Milz für die Aussonderung überalterter roter Blutkörperchen erkannt.[59.5] Der deutsche Chirurg Theodor Billroth (1829–1894) führte weitere Studien zur roten Pulpa und zur Gefäßarchitektur durch und vermutete, dass die Milz ein Organ der Blutbildung ist.[59.4] Während Billroth aber noch von einem geschlossenen Gefäßsystem ausging, fand Henry Gray 1854 erste Hinweise auf ein offenes Gefäßsystem im Bereich der Milzsinus, was Franz Weidenreich 1901 durch umfangreiche Studien bestätigte.[62] Ende des 19. Jahrhunderts verdichteten sich die Hinweise, dass die Milz aus zwei funktionellen und morphologisch abgrenzbaren Kompartimenten (rote und weiße Pulpa) besteht. William Julian Evans berichtete 1844 vor der Royal Society über seine umfangreichen vergleichend-anatomischen Studien. Er unterschied den als liquor lienis (‚Milzsaft‘) oder Milzblut bezeichneten Blutspeicher (also die rote Pulpa) und die cottony substance (‚baumwollartige Substanz‘) mit den Milzknötchen (weiße Pulpa).[58.5] Otto Funke konnte 1851 nachweisen, dass das Blut der Milzvenen mehr Blutkörperchen als in anderen Gefäßabschnitten enthält.[58.6] In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konkurrierten zwei Theorien zur Funktion der Milz, die eine vermutete, dass sie dem Blutabbau, die andere, dass sie der Blutbildung dient.[58.7] Walther Flemming erkannte, dass die Entwicklung lymphoider Zellen in den lymphatischen Organen durch Mitose erfolgt, Otto Möbius (1861–1901) wies das 1885 auch für die Milz nach und erkannte, dass die Malphighischen Körperchen den Keimzentren der Lymphknoten entsprechen.[64] 1913 wird erstmals der Begriff Hyposplenismus verwendet, 1929 erweiterte Frederick Parkes Weber das Konzept von Hyper- und Hyposplenismus. 1955 wies William Dameshek durch das Auftreten veränderter Zellen im Blutaustrich eines Zöliakie-Patienten die Rolle der Milz als Ort der Aussonderung geschädigter roter Blutkörperchen nach.[57] Die begriffliche Trennung der Anteile weißen Pulpa wurde 1963 von Theodore Snook vorgenommen.[13]

Ambroise Paré (1510–1590) beschrieb den ersten Fall einer traumatischen Milzruptur.[59.4] Adrian Zaccarelli führte 1549 die erste vollständige Milzentfernung bei einer Frau mit Milzvergrößerung infolge einer Malaria durch, Franciscus Rosetti 1590 die erste Teilresektion der Milz nach einer kriegsbedingten Verwundung.[59.4] Die Erstbeschreibung einer Wandermilz stammt aus dem Jahr 1667 von Johannes van Horne (1621–1670).[42.5] 1826 führte Karl Friedrich Quittenbaum die erste Milzentfernung wegen eines Milztumors durch.[59.6] 1876 veröffentlichte George Alexander Otis (1830–1881) eine detaillierte Fallserie zur Milzentfernung auf der Basis von Verwundeten aus dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg,[59.4] 1878 beschrieb der britische Chirurg William MacCormac Milzverletzungen ohne äußere Wunden und deren Behandlung durch eine Milzentfernung.[65] 1893 führte Mathieu Jaboulay (1860–1913) eine Verlagerung der verletzten Milz durch die Bauchwand nach außen durch (Exosplenopexie), um Blutungen besser kontrollieren zu können.[59.4] Die erste Splenopexie einer Wandermilz wurde 1895 von Ludwik Rydygier durchgeführt.[42.6] 1896 beschrieb Heinrich Albrecht den ersten Fall einer Absiedelung von Milzgewebe nach Verletzung (Splenose). 1962 erforschte Marcelo Campos Christo die segmentale Gefäßversorgung und schuf damit die anatomische Grundlagen für die Teilresektion der Milz.[59.7]

1929 wurde von Ferdinand C. Helwig erstmals eine Polysplenie beschrieben.[41] Im gleichen Jahr wurde erstmals bei einem Kind eine Sepsis nach einer Milzentfernung beobachtet (Postsplenektomie-Syndrom),[59.8] die erste Fallserie stammt aus dem Jahr 1952 von Harold King und Harris B. Shumacker.[66] 1969 beschrieben Howard A. Pearson und Mitarbeiter erstmals die funktionelle Asplenie bei Kindern mit Sichelzellanämie.[67] Bernard Delaitre und Bruno Maignien führten 1991 die erste laparaskopische Milzentfernung durch,[68] die erste laparoskopische Teilresektion vier Jahre später Éric Poulin.[55.3]

Milz in Kunst und Kultur

Milz in der Kunst

Spleen et Ideal von Carlos Schwabe, spleen hat hier eine metaphorische Bedeutung
Karikatur Spleen incurable (unheilbare Melancholie) aus der spanischen Zeitung La Libertad vom 18. Oktober 1923

In der Kunst spielt die Milz selbst nur eine geringe Rolle. Ihre Darstellung in der Literatur beruht vor allem auf den irrigen Annahmen zur Funktion des Organs in der Antike. Die Vorstellungen von Hippokrates, Galen und Celsius (siehe oben) von der Milz als Sitz der Hypochondrie und Melancholie wurden im 7. Jahrhundert von Paulos von Aigina aufgegriffen[58.8] und setzen sich metaphorisch bis in Neuzeit fort.

In mehreren Werken verwendet William Shakespeare den Begriff spleen (Milz) für Melancholie und wunderliches Verhalten.[69] In ihrer Ode The Spleen (1701) drückt Anne Finch ihre eigene niedergeschlagene Stimmung und Melancholie aus.[70] Insbesondere der französische Lyriker Charles Baudelaires verbreitete im 19. Jahrhundert das aus der Englischen Sprache entlehnte Wort in Frankreich, das französische splénétique steht in seiner Gedichtsammlung Les Fleurs du Mal aber eher für Weltschmerz und die Ambivalenz des Bösen.[71] Der symbolistische Maler und Grafiker Carlos Schwabe illustrierte 1886 bis 1899 mit seiner Spleen-et-Ideal-Serie Baudelaires Werk. Vermutlich inspiriert vom Gedicht L'Irrémédiable stellt sie die Bipolarität im Kampf zwischen Geist und Materie dar.[72] Baudelaires Gedicht Spleen wurde 1967 von Léo Ferré vertont.[73] Paul Verlaines zwölfzeiliges Gedicht Spleen aus den Romances sans paroles (1874) drückt ebenfalls Melancholie und Verzweiflung aus und wurde 1888 von Gabriel Fauré[74] und 1903 von Claude Debussy[75] vertont. Auch im Spanischen steht el esplín für Lebensüberdruss und Schrulligkeit. Tomás de Iriarte verwendete es Ende des 18. Jahrhunderts in seinem gleichnamigen Gedicht in diesem Sinne.[76] Der spanische Publizist Francisco Umbral nutzte ‚spleen‘ im Sinne Baudelaires ab 1972 in mehreren Kolumnen, die später auch als Spleen de Madrid und Spleen de Madrid 2 in zwei Büchern erschienen.[77] Das Lied Esplín der uruguayischen Band El Cuarteto de Nos aus dem Jahr 2025 transportiert Melancholie.[78] Auch in die Russische Sprache wurde сплин aus dem Englischen als Sinnbild für Melancholie übernommen, unter anderem verwendet es Alexander Puschkin in seinem Versroman Eugen Onegin.[79]

Vom französischen Künstler Gaston Vuillier (1845–1915) gibt es eine aquarellierte Bleistiftzeichnung namens Le martelage de la rate (Die Milz hämmern) aus dem Jahr 1899, in der der Schmied und Heiler Metez mit einem Hammer zu einem Schlag auf die Milzgegend bei einem Kind ansetzt, um eine Milzverletzung zu heilen.[80]

Spleen in der deutschen Sprache

Im 18. Jahrhundert gelangte der Begriff ‚Spleen‘ aus der englischen Sprache auch ins Deutsche und stand für Verdrießlichkeit und Schwermut.[81] Die Milz erzeugt in den Vorstellungen dieser Zeit aber nicht nur Schwermut, sondern auch das Lachen.[82] Dies wird bereits im Kapitel 9 des Traktats Berachot des Talmuds postuliert.[83] In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Bedeutung und ‚Spleen‘ steht im Deutschen seitdem für einen plötzlichen Einfall oder eine leichte Marotte. Auch das Adjektiv ‚spleenig‘ stand im 18. Jahrhundert noch für ‚schwermütig‘ und wandelte sich im 20. Jahrhundert zu ‚verschroben‘ oder ‚überspannt‘.[81]

Milz als Lebensmittel

Milzwurst mit Kartoffelsalat

Die Milz vom Schwein oder Rind zählt fleischhygienisch zu den Innereien und wird zur Herstellung von Kochwürsten verwendet.[84] Die Milzwurst ist eine bayerische Brühwurstspezialität, bei der Milzstücke in einem Anteil von 10 % zugesetzt werden.[85] Beim Alt-Wiener Suppentopf wird die Milz zusammen mit Hühner- und Rindfleisch zubereitet.[86] Pani câ meusa (italisiert Panino con la milza) ist eine sizilianische Spezialität, ein Sandwich mit in Scheiben geschnittener Kalbsmilz und -lunge. Es war ein Arme-Leute-Essen der jüdischen Bevölkerung im Ghetto von Palermo, die teilweise oder ausschließlich mit Innereien bezahlt wurde. Die Innereien wurden zunächst gekocht, dann in Schmalz gebraten und in traditionellem sizilianischen Brot (Vastedda) kredenzt, teilweise mit Caciocavallo-Käse ergänzt.[87] Me'orav Yerushalmi ist eine Jerusalemer Spezialität bei der Hühnermilzen,- herzen und -leber mit Fleisch und Gewürzen gegrillt werden. Sie wird mittlerweile in ganz Israel sowohl in Restaurants als auch als Street Food angeboten.[88]

Literatur

  • Ahmed H. Al-Salem (Hrsg.): The Spleen. Anatomy, Physiology and diseases. Springer Nature Singapore, Singapur 2023, ISBN 978-981-9961-90-0 (englisch).
  • Hans Konrad Müller-Hermelink, Hans H. Kreipe (Hrsg.): Pathologie – Knochenmark, Lymphatisches System, Milz, Thymus. 3. Auflage. Springer Nature, Berlin 2019, ISBN 978-3-540-85183-7.
  • Ioannis Pozios, Hendrik Seeliger: Selektive Chirurgie der Milz. In: Martin E. Kreis, Katharina Beyer (Hrsg.): Chirurgie des unteren Gastrointestinaltrakts und Allgemeine Chirurgie. Springer, Berlin 2024, ISBN 978-3-662-63355-7, S. 107–128.
  • Birte S. Steiniger: Human spleen microanatomy: why mice do not suffice. In: Immunology. Band 145, Nr. 3, 2015, S. 334–346, doi:10.1111/imm.12469, PMID 25827019 (englisch).
  • Ion Udroiu, Antonella Sgura: The Phylogeny of the Spleen. In: The Quarterly Review of Biology. Band 92, Nr. 4, Dezember 2017, S. 327–351 (englisch).
Commons: Milz – Album mit Bildern
Wiktionary: Milz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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