Georges Lurcy

Französischer Bankier, Industrieller und Kunstsammler (1891-1953) From Wikipedia, the free encyclopedia

Georges Lurcy (geboren als Léon Georges Lévy am 6. Februar 1891 in Paris; gestorben am 2. Oktober 1953 in New York City) war ein französisch-US-amerikanischer Bankier, Unternehmer, Kunstsammler und Mäzen.

Leben

Flugzeug Lévy-Le Pen am Seine-Ufer in Argenteuil
Chateau de Meslay

Georges Lévy kam 1891 als Sohn von Charles und Therese Lévy in Paris zur Welt.[1] Er begann seine berufliche Laufbahn im Aktienhandel für das Pariser Bankhaus Rothschild Frères. 1911 gründete er im Pariser Vorort Argenteuil Werkstätten, in denen er zunächst Wettkampfkanus bauen ließ. 1913 erwarb er die Patente für ein von François Denhaut entwickeltes Wasserflugzeug und begründete das Unternehmen Hydravions Georges Lévy. Unter der Leitung der Ingenieure Maurice Blanchard (1890–1960) und Maurice Jules-Marie Le Pen (1889–1919) wurden zunächst Donnet-Denhaut-Flugzeuge für die französische Marine hergestellt. Im Ersten Weltkrieg war Lévy 1914 kurzzeitig an der Front, musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen seinen dortigen Einsatz beenden. Er widmete sich nun verstärkt dem Flugzeugbau und erweiterte das Unternehmen um Werkstätten in Bezons. Mit dem von dem Ingenieur Marcel Besson entwickelten Modell Levy-Besson 200 ch stellte das Unternehmen ab 1917 ein erfolgreiches Modell her, von dem mehr als 200 Exemplare ausgeliefert wurden. Ab Juni 1918 folgte das Modell Lévy-Le Pen HB2, das bis 1926 im Einsatz war. Für seinen Einsatz im Flugzeugbau wurde Lévy 1930 zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Sein Unternehmen wurde 1937 aufgelöst.[2]

Durch den Aktienhandel und den Flugzeugbau war Lévy zu erheblichen Reichtum gekommen.[1] So begann er in den 1920er Jahren mit dem Aufbau einer bedeutenden Kunstsammlung.[1] Zudem erwarb er 1924 das Schloss in Meslay-le-Vidame und engagierte sich finanziell in der Gemeinde. So stiftete er Geld für den Friedhof und finanzierte den Ausbau des Wassernetzes einschließlich der Errichtung eines Wasserturmes. Im Mai 1935 gewann er die Bürgermeisterwahl in Meslay. Lévy heiratete 1937 die aus High Point in North Carolina stammende US-Amerikanerin Alice Snow Barbee (1906–1980).[1] Die Ehe blieb kinderlos.

Im Zweiten Weltkrieg sah Lévy für sich als Jude[1] eine zunehmende Gefahr durch rassistische Verfolgung. Er legte sein Bürgermeisteramt in Meslay nieder, nahm den Nachnamen Lurcy an und wanderte mit seiner Frau in die Vereinigten Staaten aus und erhielt die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.[3] Zahlreiche Kunstwerke konnten sie bei ihrer Übersiedlung mitnehmen.[4] Sie ließen sich zunächst in Chapel Hill, North Carolina nieder und lebten später in New York City.[3] Lucy arbeitete dort für den Broker Halle & Stieglitz[5] Zudem nahm er seine Sammlertätigkeit in New York wieder auf.[4] 1942 zeigte Lurcy Teile seiner Kunstsammlung in der Person Hall Art Gallery der University of North Carolina at Chapel Hill und hielt dort einen Einführungsvortrag.[6] Im Folgejahr erhielt er an derselben Universität seinen Masterabschluss der Wirtschaftswissenschaft.[1]

Lurcy gehörte dem Beirat (Advisory Committee) des New York University Institute of Fine Arts an und war Mitglied im New York Athletic Club, im Stock Exchange Luncheon Club und im Yacht Club de France.[5] Er starb 1953 in New York.[1] In seinem Testament vermachte er sein Schloss in Meslay-le-Vidame dem 16. Arrondissement von Paris. Darüber hinaus hatte er die Gründung des gemeinnützigen Georges Lurcy Charitable and Educational Trust verfügt. Diese Stiftung widmet sich seither der Förderung der Freundschaft zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten, insbesondere durch die Finanzierung von Stipendien für Studierende, Gastprofessuren oder Vortragsreihen. Finanzielle Grundlage hierzu bildete der 1957 erfolgte Verkauf von Kunstwerken aus der Sammlung Lurcy.[1] Nach dem Tod seiner Frau Alice 1980 erhielt die Stiftung den restlichen Besitz des Paares.[3]

Kunstsammlung von Georges Lurcy

Die Sammlung von Georges Lurcy umfasste vor allem Werke französischer Künstler des ausgehenden 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hinzu kamen Möbel des 18. Jahrhunderts, Porzellane aus den Manufakturen in Meißen und Sèvres, chinesisches Porzellan, Kerzenleuchter, Bronze- und Silberarbeiten. Beispiele für den Bereich des Kunsthandwerks der Sammlung Lurcy sind ein Paar Kommoden, die vermutlich aus der Münchner Werkstatt des Johann Joachim Dietrich nach Entwürfen von François de Cuvilliés stammen und sich heute im J. Paul Getty Museum befinden.[7] Es besteht zwar kein Verzeichnis der gesamten Sammlung Lurcy, die Kataloge zur Versteigerung, die an drei Tagen im New Yorker Auktionshaus Parke-Bernet stattfand, fassen jedoch den Großteil der Sammlung zusammen. Am 7. November kamen Gemälde, Pastelle, Guachen, Aquarelle und Zeichnungen zum Aufruf. Allein die an diesem Tag versteigerten Kunstwerke brachten einen Erlös von 1.708.500 US-Dollar.[8] Spitzenlos war das Gemälde La Serre von Pierre-Auguste Renoir, das für 200.000 US-Dollar den Besitzer wechselte. Weitere herausragende Verkäufe waren die Werke Mau Taporo von Paul Gauguin für 180.000 US-Dollar und Femme dans un jardin von Claude Monet für 92.000 US-Dollar.[9] Im Anschluss wurden am 8. und 9. November 1957 Arbeiten des Kunsthandwerks versteigert. Weitere Stücke gaben die Erben später in den Kunsthandel.

Die nachfolgende Liste gibt ausschließlich Gemälde, Pastelle, Guachen, Aquarelle und Zeichnungen wieder. Diese stammen überwiegend aus dem Auktionskatalog. Angegeben sind Künstlername, Bildtitel, Entstehungsjahr, Material, Maße (Höhe mal Breite) und – soweit vermerkt – die Nummer im Auktionskatalog (V-Nr.). Die Zuschreibungen zu Künstlern haben sich teilweise geändert. Das im Katalog Paul Gauguin zugeschriebene Bild Femme aux tournesols und das Chaim Soutine zugeschriebene Gemälde Paysage aux vaches sind in den jeweiligen aktuellen Werkverzeichnissen nicht enthalten. Die zeitliche Zuordnung der Werke und die Bildtitel können sich seit der Auktion verändert haben. Die Maße der Bilder sind in der Literatur teilweise abweichend angegeben, da es insbesondere bei der Umrechnung vom Angloamerikanischen Maßsystem zum Metrischen Einheitensystem zu Differenzen kommen kann. Unter Verbleib sind soweit bekannt der heutigen öffentlichen Sammlungen angegeben.

Weitere Informationen Künstler, Titel ...
KünstlerTitelJahrTechnik,
Format in cm
V-Nr.VerbleibBild
Pierre BonnardNature morte avec chat1920Öl auf Leinwand
90,1 × 74,9 cm
37Privatsammlung
Pierre BonnardFemme nue1925Öl auf Leinwand
74 × 45 cm
48Privatsammlung
Eugène BoudinDeauville, la Terrasse1882Öl auf Leinwand
36,8 × 58,1 cm
7Philadelphia Art Museum, Philadelphia[10]
Eugène BoudinDeauville, le bassin 1897Öl auf Holz
30,5 × 40,6 cm
8Privatsammlung
Eugène BoudinFlotte de pêcheunbekanntÖl auf Holz
10,1 × 24,8 cm
13Privatsammlung
Eugène BoudinBerck, Chariot et pêcheuses sur la plageum 1875–1878Öl auf Holz
10,1 × 24,2 cm
14Privatsammlung
Eugène BoudinPêcheuses à Berckum 1875–1878Öl auf Holz
11,2 × 24,1 cm
15Privatsammlung
Eugène BoudinPêcheuse sur la plageum 1878–1882Öl auf Holz
19,7 × 26 cm
16Privatsammlung
Eugène BoudinPlage à DeauvilleunbekanntÖl auf Leinwand
50,8 × 24,1 cm
21Privatsammlung
Eugène BoudinVenise, vue prise de San Giorgio1895Öl auf Leinwand
49,6 × 73,4 cm
26Privatsammlung
Eugène BoudinTrouvilleunbekanntÖl auf Leinwand
35,6 × 57,8 cm
33Privatsammlung
Eugène BoudinPetite radeunbekanntÖl auf Holz
40,6 × 32,4 cm
57Privatsammlung
Eugène BoudinTrouville. Chenal Marée Basse1889Öl auf Leinwand
35 × 26,7 cm
ohne[11]Privatsammlung
Georges BraqueLe saucisson1948Öl auf Leinwand
24,1 × 35,6 cm
11PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Marc ChagallDans les AlpesunbekanntGouache auf Leinwand
63,5 × 49,5 cm
25PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Marc ChagallLe violoniste sous les rosesunbekanntGouache auf Leinwand
62,2 × 49,5 cm
40PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Marc ChagallL’esprit des roses (Au-dessus des fleurs)unbekanntÖl auf Leinwand
92,2 × 73 cm
60PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Henri Edmond CrossEucalyptus et oliviers1907Öl auf Leinwand
74 × 91,8 cm
47Privatsammlung
Edgar DegasDanseusesum 1896Pastell auf Papier
63 × 42 cm
41Privatsammlung
Edgar DegasDanseuses russes1894Pastell auf Leinwand
54 × 34 cm
61Privatsammlung
André DerainVase de fleursunbekanntÖl auf Leinwand
55,2 × 45,7 cm
23Privatsammlung
André DerainArbre dans le chemin creux, L’Estaque1906Öl auf Leinwand
41.1 × 33 cm
31Metropolitan Museum of Art, New York[12]
André DerainLes danseursum 1905–1906Aquarell auf Leinwand
61 × 74,9 cm
64Privatsammlung
André Dunoyer de SegonzacPaysageunbekanntÖl auf Leinwand
52 × 80 cm
54PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Raoul DufyPalazzo Ducale, Venice1938Öl auf Leinwand
49,5 × 63,5 cm
18Privatsammlung
Raoul DufyChambre sur la merunbekanntÖl auf Leinwand
45,7 × 38,1 cm
39Privatsammlung
Raoul DufyFontaine de VeniceunbekanntÖl auf Leinwand
64,8 × 54 cm
53Privatsammlung
Raoul DufyParis1934Öl auf Leinwand
193 × 155 cm
59Privatsammlung
Raoul DufyPaysage montagneuxunbekanntÖl auf Leinwand
53,3 × 61,1 cm
65Privatsammlung
Henri Fantin-LatourRoses1884Öl auf Leinwand
23,2 × 30,5 cm
ohne[13]Privatsammlung
Paul Gauguin (?)Femme aux tournesolsum 1889Öl auf Karton
17,8 × 25,7 cm
5Privatsammlung
Paul GauguinMau taporo (La Cueillette des citrons)1892Öl auf Leinwand
89 × 66 cm
49Privatsammlung
Paul GauguinParis: L’Omnibus de Vaugirard
L’Omnibus de Frederiksberg
1884Öl auf Leinwand
62 × 82 cm
58Privatsammlung
Armand GuillauminHiver à Saint-Sauves-d’Auvergne1900Öl auf Leinwand
73,6 × 91,5 cm
63Privatsammlung
Marie LaurencinJeune fille lisant1939Öl auf Leinwand
46,4 × 38,1 cm
ohne[14]PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Henri MatisseDans le boudoirÖl auf Leinwand
33 × 54,6 cm
12Privatsammlung
Claude MonetAlice Hoschedé au jardin1881Öl auf Leinwand
81 × 65 cm
32Privatsammlung
Claude MonetNymphéas1907Öl auf Leinwand
107 × 73 cm
51Israel Museum, Jerusalem[15]
Pablo PicassoDanseuse1925Bleistift auf Papier
46,5 × 39 cm
1PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Pablo PicassoInterieur1919Öl auf Leinwand
33,7 × 24,1 cm
19PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Pablo PicassoNature morteunbekanntBuntstift auf Papier
61 × 44,5 cm
24PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Camille PissarroBateau à l’entrée du port du Havre1903Öl auf Leinwand
17,8x × 28,5 cm
3Dallas Museum of Art, Dallas[16]
Camille PissarroLe Pont-Neuf, après-midi, soleil1901Öl auf Leinwand
73 × 92,1 cm
22Philadelphia Art Museum, Philadelphia[17]
Camille PissarroLe Chemin de halage, environs de Pontoise1879Öl auf Leinwand
55,5 × 46 cm
29Privatsammlung
Pierre-Auguste RenoirOrange et fruits sur une nappe blanche (Nature morte)1900Öl auf Leinwand
29,5 × 38 cm
9Privatsammlung
Pierre-Auguste RenoirPoissons (Nature morte)unbekanntÖl auf Leinwand
17,1 × 38,1 cm
10Privatsammlung
Pierre-Auguste RenoirMadame Le Brun et sa fille1897Öl auf Leinwand
21,3 × 17,5 cm
20Privatsammlung
Pierre-Auguste RenoirBouquet de roses1910Öl auf Leinwand
46,5 × 55,5 cm
44Musée d’art et d’histoire, Genf[18]
Pierre-Auguste RenoirLa Serreum 1876Öl auf Leinwand
59,7 × 74,0 cm
52Staatsgalerie Stuttgart
Dauerleihgabe einer Privatsammlung[19]
Paul SignacCarnaval à NiceunbekanntBleistift und Aquarell auf Papier
26 × 40,6 cm
2Privatsammlung
Paul SignacPortrieux. La Comtesse1888Öl auf Leinwand
60,3 × 92,1 cm
27Privatsammlung
Paul SignacAvant du Tub1888Öl auf Leinwand
45 × 65 cm
34Privatsammlung
Alfred SisleyEntrée du village des Sablons1888Öl auf Leinwand
58,4 × 77,5 cm
36Privatsammlung
Alfred SisleyLe Pont de Sevresum 1877Öl auf Leinwand
38,1 × 45,7 cm
43Privatsammlung
Alfred SisleyLe Loing à Moret1888Öl auf Leinwand
71,1 × 91,4 cm
45Privatsammlung
Chaim SoutinePaysage aux vachesunbekanntÖl auf Holz
35,6 × 64,8 cm
55Privatsammlung
Henri de Toulouse-LautrecAu Cirque, ecuyere de haute école: Le PointageunbekanntBleistift auf Papier
50,8 × 32,8 cm
4Privatsammlung
Henri de Toulouse-LautrecAux Ambassadeurs: Gens Chic1893Gouache und Kreide auf Papier, montiert auf Karton
84,3 × 65,5 cm
46National Gallery of Art, Washington D.C.[20]
Henri de Toulouse-LautrecAristide Bruant aux Ambassadeurs1892Gouache und Aquarell auf Papier, montiert auf Karton
138,4 × x92,7 cm
56Privatsammlung
Maurice UtrilloAvenue des Ternes, Paris1924Öl auf Leinwand
38,1 × 57,8 cm
28PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Maurice UtrilloÉglise de Domremy1928Öl auf Leinwand
22,9 × 32,4 cm
ohne[21]PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Suzanne ValadonLa vachère1922Öl auf Leinwand
61 × 23 cm
42Privatsammlung
Maurice de VlaminckNature morteÖl auf Leinwand
76,2 × 63,5 cm
30PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Maurice de VlaminckLa chaumiereunbekanntÖl auf Leinwand
72,4 × 91,5 cm
35PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Maurice de VlaminckNature morteunbekanntÖl auf Leinwand
63,5 × 49,5 cm
38PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Maurice de VlaminckVase de fleursunbekanntÖl auf Leinwand
52,8 × 45,1 cm
50PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Maurice de VlaminckLe potagerunbekanntÖl auf Leinwand
81,3 × 99 cm
62PrivatsammlungBild urheberrechtlich geschützt
Édouard VuillardChanteuse en rougeum 1890–1891Pastell auf Papier
46 × 13 cm
6Privatsammlung
Édouard VuillardAux Tuileriesum 1897Öl auf Karton
38,7 × 33 cm
17Yale University Art Gallery, New Haven[22]
Schließen

Literatur

  • Ann Deirdre Robson: Prestige, profit, and pleasure. The market for modern art in New York in the 1940s and 1950s. Garland, New York 1995, ISBN 0-8153-1364-0.
  • Parke-Bernet Galleries (Hrsg.): The Georges Lurcy collection. 1. French modern paintings and drawings. New York 1957.
  • Parke-Bernet Galleries (Hrsg.): The Georges Lurcy collection. 2. French XVIII century furniture objects d’art. New York 1957.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI