Gerd Hergen Lübben
deutscher Schriftsteller
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Gerd Hergen Lübben (* 31. Mai 1937 in Sillenstede, Landkreis Friesland) ist ein deutscher Autor sowie Kultur- und Bildungsarbeiter.
Leben
Gerd Hergen Lübben wurde 1937 in Sillenstede, Landkreis Friesland, geboren. Er ging in Jever und Oldenburg zur Schule. Danach absolvierte er an der Georg-August-Universität Göttingen und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ein Magisterstudium mit den Fächern Philosophie, Literatur- und Musikwissenschaft, Dramaturgie, Vergleichende Religionswissenschaft und Völkerkunde, das er mit dem Grad Magister Artium (M.A.)[1] abschloss.
Beschäftigung fand er unter anderem als Bauarbeiter, Regisseur, Journalist, Volkshochschul-Dozent in Wuppertal (1970–1972) Kulturamtsleiter in Unna (1972–1974), Volkshochschuldirektor in Unna (1974–1978) und Essen (1978–1995) und als Lehrbeauftragter an den Gesamthochschulen Wuppertal (Literatur) und Essen (Weiterbildung).
Lübben gründete die „Bühne für sinnliche Wahrnehmung – KONZIL“ (Bonn, 1961–1963).[2][3] Er nahm teil am „Frankfurter Forum für Literatur“ (1966[4] und 1967[5]), an der Frankfurter „Literarischen Messe“ (1968) und am „Ersten Kongress der Theaterautoren“ (Essen; 1993[6]), wirkte mit beim Zusammenschluss bundesdeutscher Literatur-Werkstätten zum „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ (Köln 1970) und bei der Gründung der „Kulturpolitischen Gesellschaft“ (Dortmund 1975), und er half mit bei der Organisation interkommunaler Kulturfestivals („URBS '71“ in Wuppertal, „KULTUR '90“ in Essen).
Lübben hat Mitte der 70er Jahre das kulturelle Leben in der Stadt Unna geprägt,[8] in deren Dienst er von 1972 bis 1978, nach umfassender Bestandsaufnahme,[9] ein Gesamtkonzept für Bildung, Kultur und Freizeit mitentwickelte und vorantrieb. Im Februar 1974 verabschiedete der Kulturausschuss des Rates der Stadt Unna seine ersten, von Lübben vorgelegten „Kulturpolitischen Grundsätze“ und das Konzept für einen kommunalen „Kulturentwicklungsplan“. Unter Lübben’s Leitung wurde für die Volkshochschule als kommunaler Weiterbildungseinrichtung mit den Nachbargemeinden Fröndenberg und Holzwickede eine Vereinbarung erarbeitet und in den Ratsversammlungen verabschiedet. – Ab 1978 war Lübben Direktor der Volkshochschule der Stadt Essen[10] erarbeitete eine Kooperation mit den Theatern[11] und den Museen.[12]
Im Zuge der kulturpolitischen Aufbruchstimmung in Unna[13] konnte das städtische Kulturressort professionell ausgestattet und gemäß Lübbens Motto „Weniger ‚Veranstalteritis│Kultur für Räume‘, mehr ‚Offenheit│Raum für Kultur‘!“ mit Kindermalfesten[14][15] ausgestaltet werden, sowie Ausstellungs-, Film-, Theater- und Konzertreihen fördern, darunter die legendär gewordene Reihe JAZZ AKTUELL.[16][17] In der Reihe traten auf – teils solistisch, teils in jeweils aktueller Gruppierung –: Dollar Brand (= Abdullah Ibrahim), Peter Brötzmann, Han Bennink und Fred Van Hove, „Wolfgang Dauner etcetera“, Gunter Hampel und Jeanne Lee, Albert Mangelsdorff, Dave Pike, Alexander von Schlippenbach, Peter Kowald und Manfred Schoof, Tomasz Stańko, Ralph Towner und Detlef Schönenberg/Günter Christmann+Pina Bausch:[18]
Lübben ist Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS); er war zeitweise Sprecher des VS-Bezirks Ruhr. Lübben hat u. a. wissenschaftliche und berufsfachliche Beiträge, Gedichte und Logorhythmen, Filmtexte[19] und Theaterstücke (Emphasen für Bühne) veröffentlicht.
Unter seinen literarischen Werken sind wiederholt publizierte und zitierte Gedichte wie die auf eine von Heinrich Heine im Romanfragment Rabbi von Bacherach[20] verwendete Ritualmordlegende sich beziehende Ballade Textfund zu Bacherach,[21] der auch als Kantate vertonte und aufgeführte Sonettenkranz Jahr um Jahr[22] auf das Basis-Sonett krokus im märz[23] sowie die als Logorhythmen[24] bezeichneten Texte Vom Rolandsystem und Vom Essener Marcus.
Seit 1999 lebt Gerd Hergen Lübben wieder in Bonn. Er ist mit der Schauspielerin und Marionettentheatergründerin Karin Lübben verheiratet; sie haben zwei gemeinsame Söhne; Jörn Felix Lübben (* 1966) ist Hochschullehrer und Tobias Lübben (* 1973) ist Journalist.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Einzelpublikationen
- Feuerfuß. Emphase für Bühne; 1960 (Bühnentext; Bonn, Erstaufführung: 15. Februar 1961)
- Memento. Emphase für Bühne; 1961 (Bühnentext; Bonn, Erstaufführung: 30. Juni 1961)
- Sieben verschriebene Lieder. Sangstück; 1961 (Bühnentext; Bonn, Erstaufführung: 8. Dezember 1961)
- Um nop. Emphase 3; 1962 (Bühnentext; Bonn, Erstaufführung: 2. Februar 1962)
- Tau. Emphasis 4; 1963 (Bühnentext; Erstaufführung: 8. Februar 1963)
- Sieben verschriebene Lieder und Texte. München 1966
- Kakerlak oder Der Eingriff. Stück (Bühnentext); Stuttgart 1967
- Religiosität im Marxismus? Beitrag zu einer religionswissenschaftlichen Erörterung; Sonderdruck (aus „Religion und Religionen“; Bonn 1967)
- Ernst Marcus. Ausgewählte Schriften, Band II. Nachwort; Sonderdruck; Bonn 1981
- AusBruchVersuche. Logorhythmen und Versionen. Essen 1984. ISBN 3-922507-25-5.
- Grüße aus Lübben. Vergessen Herz · Vergossen Blut. Gedichte. Berlin (1991). ISBN 3-89009-197-0.
- YDBY│zeit nächte zu wachen. Gedichte. Essen 1993. ISBN 3-89206-510-1.
- Feuerfuß meinetwegen oder Die Zebattu-Pentade. Fünf Stücke – Emphasen für Bühne (Dodola; Memento oder Grüß Gott Zebattu; Julietta; Zebattu oder Der Eingriff; Trissire). Essen 1993. ISBN 3-89206-511-X.
- Jahr um Jahr│logorhythmen · verlies. Gedichte. Essen 1998. ISBN 3-89206-880-1.
- Versionen:
- I - »Aus dem Logbuch eines Seelenverkäufers«, »Thinka kann tanzen • Kleists Emphasen«, »Zueignungen • Daimonion« und andere Texte; E-Book 2014; ISBN 978-3-95577-773-9.
- II - »Lübbener Vortex • Wurten • Ins Freie«, »Etwas zu schreiben • Celan • Old Ez«, »RWE Olé • Delische Körper • Matwich« und andere Texte; E-Book 2014; ISBN 978-3-95577-800-2.
- III - »Vom Essener Marcus«, »Fund zu Bacherach • Natürliche Grablegung«, »Ydby opak ahoi • Jahr um Jahr« und andere Texte; E-Book 2014; ISBN 978-3-95577-835-4.
- im lidschlag die drosseln : gedichte. Bamberg 2015. ISBN 978-3-935167-11-6.
Herausgeberisches
- Ernst Marcus: Ausgewählte Schriften. 2 Bände (Mitherausgeber mit Gottfried Martin). Bd. I (Bonn 1969; ISBN 3-416-00642-9) u. Bd.II (Bonn 1981; ISBN 3-416-01385-9).
- Ihr aber tragt das Risiko. Reportagen aus der Arbeitswelt (Mitherausgeber mit Peter Fischer, Günter Hinz und Heinrich Pachl im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt). Reinbek 1971. ISBN 3-499-11447-X.
- Augustus Buchner: Deutsche Gedichte (Mitherausgeber mit Wulf Segebrecht). Bamberg 2020. ISBN 978-3-935167-12-3.
Texte in Sammelpublikationen
- Religiosität im Marxismus? Beitrag zu einer religionswissenschaftlichen Erörterung. In: „Religion und Religionen“; hrsg. von Rudolf Thomas. Bonn 1967
- Neues Museum. Ein Konzept. Wuppertal 1970 (Mitverfasser)
- Lebenslänglich: Alternsprozesse, Lernprozesse. In: „Die abgeschobene Generation - Vorschläge zur Überwindung der Isolation alter Menschen“; hrsg. von Ursula Schulz. Wuppertal 1972
- Gesang aus Gewahrsam. In: „Bombenstimmung; Worte gegen Waffen aus Liebe zum Leben“; hrsg. von Thomas Rother. Essen 1983
- Ins Freie. In: „Im Autobahnkreuz“; hrsg. von Westfälischen Literaturbüro. Essen 1984
- Heurekas Gleichung mit Kogito. In: „Essener Lesebuch“; hrsg. von Walter Wehner. Essen 1984
- Lesezeichen. In: „Bibliographie Essener Autoren“; hrsg. von Walter Wehner. Essen 1986
- krokus im märz. In: „Das deutsche Gedicht - Vom Mittelalter bis zur Gegenwart“; hrsg. von Wulf Segebrecht. Frankfurt/Main 2005
- Der Textfund zu Bacherach. In: „Deutsche Balladen. Gedichte, die dramatische Geschichten erzählen“; hrsg. von Wulf Segebrecht. München 2012
Vertonungen
- „Sieben verschriebene Lieder. sangstück: I. das ist doch nur; II. wo der tod; III: tu nichts verkehrts; IV. als david eines warmen abends; V. der krieg kommt durch die städte; VI. heute nacht; VII. lieber clown“. Bonn 1961 / Musik: Georg Müller.[2][25][26]
- Jahr um Jahr. Kantate: I. Auf's Neue; II. Lullaby-Elegien; III: Unbeschwert; IV. In unserer Mitte. Mannheim 1997 / Musik: Heinz Ufer.[27][28]
Literatur
- Lübben, Gerd Hergen. In Andreas Klimt (Red.): Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2004/2005. 64. Jahrgang. Band I: A – O. K. G. Saur, München 2005, ISBN 3-598-23588-7, S. 720. — Aktualisiert: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2022/2023. 73. Jahrgang in 2 Teilen. Band I: A – O. De Gruyter, Berlin 2022, ISBN 978-3-11-076972-2 (Print); Seite 558, Spalte 1.
- Lübben, Gerd Hergen in der LYRIKKABINETT-Bibliothek
- A. Klimt: Lübben, Gerd Hergen in Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Herausgegeben von Lutz Hagestedt. Begründet von Wilhelm Kosch. Verlag De Gruyter | 2022. ISBN 978-3-11-076095-8. Druckausgabe. Band 38 / Loewe - Luttmer.
- Lübben, Gerd Hergen in: Nicolai Riedel, Bibliographisches Handbuch der deutschsprachigen Lyrik 1945–2020. Berlin, Heidelberg: Springer 2023; ISBN 978-3-662-65460-6.
Weblinks
- Literatur von und über Gerd Hergen Lübben im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Gerd Hergen Lübben bei WorldCat
- Gerd Hergen Lübben in The Library of Congress (LCCN Permalink)
- Gerd Hergen Lübben im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller
- Gerd Hergen Lübben im Literaturport-Autorenlexikon
- THARANDT, TARANTO, TARANTELLA — »KLEIST«-EMPHASEN / Essay; Text-Beispiel. (Stand: 6. Dezember 2016; aufgerufen: 3. Mai 2021)
- kunst+kultur (1999), Datenschatten im Sauerteig ( vom 4. August 2003 im Internet Archive) — „Korrespondenzen — Literatur, Kunst und Wissenschaft im Gespräch“ (Stand: 27. November 2016)
- Gemeinsamer Bibliotheksverbund (GBV) / FAZ Rezension: Auf dem Holzweg zu Heil?
- Gerd Hergen Lübben / WikiTubia-Lesung, an blinde Nutzer gerichtet. (Veröffentlicht am 23. April 2016.)