Gerhard Olschowy

deutscher Landschaftsplaner und Naturschutzfachmann From Wikipedia, the free encyclopedia

Gerhard Olschowy (* 14. Februar 1915 in Gesess, Landkreis Neisse Provinz Schlesien; † 19. April 2002) war ein deutscher Landschaftsplaner und Naturschutzfachmann.

Leben

Gerhard Olschowy studierte an der Universität Berlin und den Technischen Hochschulen München und Hannover. Am 1. Juni 1933 trat er in die SS ein.[1] Bei seinem Studium der Garten- und Landschaftsgestaltung in Berlin wurde er insbesondere von Heinrich Wiepking-Jürgensmann, einem der Mitarbeiter am verbrecherischen Generalplan Ost, geprägt.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Olschowy sein Studium an der Technischen Hochschule München fort, wobei er auch die Fächer Architektur und Städtebau belegte. An der technischen Hochschule Hannover schloss er es 1949 mit einem Diplom ab.[3] Danach war Olschowy Referent für Landschaftspflege und Grünplanung beim Zentralverband des Deutschen Gartenbaus in Bonn und ab 1952 Referent für Landschaftspflege beim Bundeslandwirtschaftsministerium, in dem er das Referat „Grünplanung und Landschaftspflege“ (spätere Referatsbezeichnung: „Landschaftspflege“) leitete.[4] In dieser Tätigkeit, wie auch während seiner späteren wissenschaftlichen Laufbahn, pflegte er die Zusammenarbeit mit Fachkollegen in der DDR,[5] unter anderem zu Georg Pniower, dem Direktor des Instituts für Gartenkunst und Landschaftsgestaltung an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität.[6] 1955 wurde er mit einer Dissertation „Über die Beziehung der Flurbereinigung zur Landespflege“ promoviert. Erster Gutachter war wiederum Heinrich Wiepking-Jürgensmann und zweiter Gutachter Konrad Meyer, der vormalige Vorgesetzte von Heinrich Wiepking-Jürgensmann im Reichskommissariat zur Festigung deutschen Volkstums.[3]

1964 wurde Olschowy zum Leiter der Bundesanstalt für Vegetationskunde, Naturschutz und Landschaftspflege in Bad Godesberg berufen.[7] 1965 wurde er zum Professor ernannt.[8] Als Direktor der 1976 umbenannten Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie war Olschowy zwischen 1964 und 1978 einer der wichtigsten Repräsentanten des staatlichen Naturschutzes der Bundesrepublik Deutschland. Er drängte darauf, Umweltschäden durch kontinuierliche Messreihen und ein ausreichend enges Messnetz zu dokumentieren.[9] Er setzte sich unter anderem für den Schutz der Wallheckenlandschaften in Schleswig-Holstein und im Münsterland, der Gäuheckenlandschaften im Vogelsberg, in der Rhön und auf der Schwäbischen Alb, der Calluna-Heidelandschaften in Norddeutschland und der Weinbergs-Terrassenlandschaften ein.[10] Er gilt als einer der maßgeblichen Wegbereiter der ökologischen Landschaftsplanung.

Olschowy war 1961 einer der Unterzeichner der Grünen Charta von der Mainau. Er war einer der Autoren der Lehrbriefe des 1981/1982 vom WDR gesendeten Funkkollegs Mensch und Umwelt. Seit 1953 war er Mitglied der katholischen Studentenverbindung AV Hansea (Berlin) Köln.

Mitgliedschaften

  • Mitglied im Arbeitskreis der Landschaftsanwälte
  • Geschäftsführendes Mitglied im Deutschen Rat für Landespflege
  • Mitglied im Beirat für Raumordnung im Bundesministerium des Innern
  • Mitglied im Forschungsausschuß Landschaftspflege in der Akademie für Raumforschung und Landesplanung

Auszeichnungen

Schriften

  • Landespflege in Italien. Verlag Kommentator, Frankfurt am Main 1956.
  • Mutterboden: Schutz, Pflege und Wiederverwendung. Zentralverband des deutschen Gemüse-, Obst- und Gartenbaues, Bonn 1957.
  • mit Hans-Herbert Westphal: Landschaftsgärtnerische Arbeiten. R. Müller, Köln-Braunsfeld, 2., überarb. Aufl. 1965.
  • Landschaft und Technik. Landespflege in der Industriegesellschaft. Patzer Verlag, Hannover 1970.
  • Belastete Landschaft – Gefährdete Umwelt. Goldmann, München 1971.
  • Natur- und Umweltschutz in fünf Kontinenten. Paul Parey, Hamburg und Berlin, Band 1: 1976, Band 2: 1985.
  • Natur- und Umweltschutz in der Bundesrepublik Deutschland. Paul Parey, Hamburg und Berlin 1978, ISBN 3-490-21118-9.
  • Baum und Strauch für die Landschaft. Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AID), Bonn 1980.
  • mit Angelika Wurzel und Ulrike Weiser: Natur in der Stadt. Der Beitrag der Landespflege zur Stadtentwicklung. Gutachtliche Stellungnahme und Ergebnisse eines Kolloquiums des Deutschen Rates für Landespflege (= Schriftenreihe des Deutschen Rates für Landespflege, Band 61). Deutscher Rat für Landespflege, Bonn 1992.
  • Bergbau und Landschaft. Rekultivierung durch Landschaftspflege und Landschaftsplanung. Paul Parey, Hamburg und Berlin 1993, ISBN 3-490-20918-4.

Literatur

  • Herrn Prof. Dr. Gerhard Olschowy zum 65. Geburtstag. In: Zeitschrift für Kulturtechnik und Flurbereinigung, Jg. 18 (1980), S. 123.
  • Reinhard Piechocki: Der Staatliche Naturschutz – im Spiegel ihrer Wegbereiter, Teil XII: Gerhard Olschowy (1915–2002): „Ökologie als Maßstab!“. In: Natur und Landschaft, Jg. 81 (2006), S. 550–551.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI