Gersdorf

Gemeinde im Landkreis Zwickau, Sachsen, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Gersdorf ist eine Gemeinde des Landkreises Zwickau in Sachsen.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Gersdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gersdorf hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 50° 46′ N, 12° 42′ O
Bundesland:Sachsen
Landkreis: Zwickau
Höhe: 315 m ü. NHN
Fläche: 9,69 km²
Einwohner: 3659 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 378 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09355
Vorwahl: 037203
Kfz-Kennzeichen: Z, GC, HOT, WDA
Gemeindeschlüssel: 14 5 24 070
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 192
09355 Gersdorf
Website: www.gemeinde-gersdorf.de
Bürgermeister: Erik Seidel (parteilos)
Lage der Gemeinde Gersdorf im Landkreis Zwickau
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Geografie und Verkehr

Die Gemeinde liegt in einem Tal entlang des Verlaufs des Hegebaches. An der südlichen Grenze des Ortes beginnt das Erzgebirge, Gersdorf selbst liegt im Erzgebirgischen Becken.

Parallel zur Ortslage verläuft die B 180, welche an der Grenze zu Oberlungwitz die B 173 kreuzt, durch das Gemeindegebiet. Die Gemeinde ist auch über die Anschlussstellen Hohenstein-Ernstthal und Wüstenbrand (A 4) sowie Stollberg-Ost und Stollberg-West (A 72) erreichbar. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich an den Strecken Dresden–Werdau und Stollberg–St. Egidien. Zwischen 1913 und 1960 führte die Überlandstraßenbahn Hohenstein-Ernstthal–Gersdorf–Oelsnitz durch den Ort.

Nachbargemeinden

Geschichte

Gersdorf wurde um das Jahr 1169 als typisches Waldhufendorf gegründet. Dieses Datum ist jedoch fiktiv und kann urkundlich nicht bestätigt werden, es wurde zur Austragung einer 800-Jahr-Feier 1969 gewählt. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Gersdorfer Kirche im Jahr 1320, um diese Zeit kamen nachweislich fränkische Siedler ins Land. Das Waldhufendorf umfasste anfangs etwa 40 Bauernhöfe. Benannt wurde der Ort nach dem Lokator Gerhard oder Gerfried.

Mit dem Übergang vom 14. zum 15. Jahrhundert kamen die zum Herrschaftsbereich der Schönburger gehörenden Einwohner langsam in Erbuntertänigkeit. In derselben Zeit entstanden durch Grundstücksabtrennung von den Bauerngütern auch die ersten Häuslergrundstücke. Mehrfach hatte der Ort unter der Pest (1611–1613 und 1633) sowie Einquartierungen durchziehender Armeen (1639/1647 im Dreißigjährigen Krieg, 1756–1763 im Siebenjährigen Krieg, 1793/1795 im Ersten Koalitionskrieg, 1806/1807 im Vierten Koalitionskrieg sowie 1812/1813 im Befreiungskrieg) zu leiden. In der Mitte des 17. Jahrhunderts kam nach der Notzeit des Dreißigjährigen Krieges die Heimweberei auf. Ab etwa 1730 wurde Baumwolle verarbeitet, ab 1739 sind auch Strumpfwirker nachgewiesen. Zu dieser Zeit begann auch eine stärkere Bautätigkeit, entlang der Hauptstraße und dem Hofgraben bildeten sich langsam eine geschlossene Bebauung.

Im 19. Jahrhundert brachte Steinkohlenbergbau im Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier und Textilindustrie einen bedeutenden industriellen Aufschwung. Die Bauernbefreiung fand 1832 statt, einige Geldleistungen an den Adel blieben bis 1857 bestehen. Sowohl die erste Kirche als auch die erste 1724 erstmals erwähnte Schule befanden sich im Unterdorf. Ab 1862 wurde eine neue Kirche in Ortsmitte gebaut, die Einweihung fand 1865 statt. Ebenfalls entstanden im 19. Jahrhundert im Oberdorf mehrere teils behelfsmäßige Schulen. Ein zentraler Neubau – ebenfalls in Ortsmitte – wurde 1879/1880 errichtet, der 1899/1900 wegen der weiter stark gestiegenen Einwohnerzahl nochmals vergrößert werden musste.

Einmündung Hofgraben in Hauptstraße (um 1910)

Der Ende der 1930er Jahre in Sachsen vorherrschende allgemeine wirtschaftliche Aufschwung erfasste den Ort nicht. Der Bergbau wurde 1944 in Gersdorf eingestellt, während die Textilindustrie bis in die DDR-Zeit hinein bestehen blieb. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Ort am 16. April 1945 von den Amerikanern besetzt. Aufgrund der kleinteiligen landwirtschaftlichen Struktur wurde die Bodenreform nach 1945 im Ort nicht durchgeführt, da es keine zu enteignenden Betriebe gab.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahlen seit 1998 beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres:

Einwohnerentwicklung von Gersdorf nach nebenstehender Tabelle. Oben von 1493 bis 2018. Unten ein Ausschnitt ab 1871

bis 1912

  • 1493 – ~200
  • 1683 – 0380
  • 1740 – 0792
  • 1845 – 1887
  • 1861 – 2575
  • 1871 – 2987
  • 1885 – 5165
  • 1900 – 7007
  • 1905 – 7132
  • 1908 – 7644
  • 1909 – 7730
  • 1912 – 7492

bis 1998

  • 1921 – 7829
  • 1922 – 8006
  • 1926 – 8037
  • 1927 – 8132
  • 1930 – 8196
  • 1937 – 8078
  • 1939 – 7851
  • 1945 – 9907
  • 1946 – 9253
  • 1947 – 9240
  • 1956 – 8256
  • 1962 – 7742
  • 1964 – 7441
  • 1990 – 4742

ab 1998

  • 1998 – 4860
  • 1999 – 4825
  • 2000 – 4749
  • 2001 – 4698
  • 2002 – 4623
  • 2003 – 4631
  • 2004 – 4577
  • 2005 – 4517
  • 2006 – 4444
  • 2007 – 4387
  • 2008 – 4345
  • 2010 – 4247
  • 2012 – 4189
  • 2013 – 4140

ab 2018

  • 2018 – 3988
  • 2022 – 3793
  • 2024 – 3659
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Politik

Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2024
Wahlbeteiligung: 72,7 % (2019: 64,9 %)
 %
50
40
30
20
10
0
40,9 %
23,2 %
15,7 %
15,0 %
5,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2019
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  −2
  −4
  −6
  −8
−10
−12
−14
−12,7 %p
+8,0 %p
+15,7 %p
+2,2 %p
−4,0 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
a Kommunale Wählergemeinschaft
d Freie Wähler Gersdorf

Nach der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 14 Sitze im Gersdorfer Gemeinderat wie folgt:

  • Kommunale Wählergemeinschaft: sechs Sitze
  • AfD: drei Sitze
  • CDU: zwei Sitze
  • Freie Wähler Gersdorf: zwei Sitze
  • Linke: ein Sitz
Weitere Informationen Wahlvorschlag, Sitze ...
letzte Gemeinderatswahlen
Gemeinderatswahl 2024
1
6
2
2
3
1 6 2 2 3 
Insgesamt 14 Sitze
Wahlvorschlag 2024[2] 2019[3] 2014[4]
Sitze in % Sitze in % Sitze in %
Kommunale Wählergemeinschaft 6 40,9 8 53,6 9 59,2
AfD 3 23,3 1 15,2
CDU 2 15,7
Freie Wähler Gersdorf 2 15,0 2 12,8 4 26,0
Linke 1 5,2 1 9,2 1 10,4
Grüne 1 9,2 4,4
Wahlbeteiligung 72,7 % 64,9 % 53,4 %
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Bürgermeister

Bürgermeister ist seit 2017 der parteilose Erik Seidel. Er gewann die Wahl gegen Steffen Kretzschmar (KWG). 2024 wurde er im Amt bestätigt.

Weitere Informationen Jahr, Kandidat ...
letzte Bürgermeisterwahlen
Jahr Kandidat Vorschlag Ergebnis (in %)
2024 Erik Seidel Seidel 52,7
2017 58,2
2013 Wolfgang Streubel KWG 60,1
2006 62,2
[…]
1994 Günter Löffler KWG G 76,3
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Gemeindepartnerschaft

Mit der baden-württembergischen Gemeinde Altlußheim wird seit 1990 eine Partnerschaft gepflegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Glückauf-Brauerei ist das wichtigste Unternehmen in Gersdorf.
Grundschule Gersdorf
Museen
  • Das Tetzner-Museum der Gemeinde
    Heinz-Tetzner-Museum (in der Hessenmühle)
Regelmäßige Veranstaltungen
  • Drei Faschingsveranstaltungen mit dem „Sportler-Fasching“ des GFK am Samstag nach Aschermittwoch als Abschluss
  • Brauereifest am ersten Samstag im Juni
  • Siedlerfest
  • Internationale Seniorenschwimmmeisterschaften am zweiten oder dritten Juli-Wochenende
  • Kirchturmfest jeweils Ende August oder Anfang September
  • Kirmes am zweiten Oktober-Wochenende
  • Modellbahnausstellung am 3. Adventswochenende sowie 2. und 3. Wochenende im Januar
  • Pyramidenfest am dritten Advent
Sehenswürdigkeiten
Marienkirche
Naturschutz
Gedenkstätten
Sport

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Karl Heinrich Drescher (1867–1938), Abgeordneter der SPD im Sächsischen Landtag
  • Johannes Hempel (1929–2020), Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens; wirkte hier von 1955 bis 1959 als Pfarrer
  • Max Opitz (1890–1982), Mitbegründer der KPD-Ortsgruppe 1919

Literatur

  • Rolf Vogel: Das Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier. Hohenstein-Ernstthal 1992.
Commons: Gersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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