Geschichte Koreas

Überblicksartikel zur koreanischen Geschichte From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Geschichte Koreas umfasst die Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel von der Urgeschichte der Altsteinzeit bis hin zur Gegenwart. Sie beginnt mit den ersten Spuren menschlicher Besiedlung vor 700.000 bis 400.000 Jahren, darunter Werkzeuge wie Faustkeile und Pfeilspitzen oder Harpunen aus Stein und Knochen. Um 6.000 v. Chr. begann der Übergang zur Jungsteinzeit, gekennzeichnet durch Auftauchen der ersten Kammmuster-Keramiken der Chŭlmun-Zeit. Die Petroglyphen von Ulsan aus dieser Epoche weisen auf eine zunehmende Komplexität der sozialen Strukturen hin. Das Ende der Vorgeschichte wird durch die Zeit der Mumun-Keramik von etwa 1500 bis 300 v. Chr. und die Verbreitung der Pip’a-Bronzedolchkultur begleitet, die durch Funde einer charakteristischen Stilart lautenförmiger Bronzeklingen gekennzeichnet ist. Die Frühgeschichte wird durch die ersten schriftlichen Überlieferungen über das teilweise prähistorische, bronzezeitliche Go-Joseon eingeleitet, und führt schließlich in die Zeit der Proto-Drei-Königreiche, welche Korea um die Jahrtausendwende prägen sollte. Sie sah den Aufstieg der Drei Reiche von Korea Shilla, Koguryŏ, Paekche und der Kaya-Konföderation, die für die nächsten 500 Jahre in einem anhaltenden Machtkampf verwickelt sein würden. Während dieser Zeit wurden die koreanischen Schriftsysteme Idu, Kugyŏl und Hyangchal entwickelt, welche die altkoreanische Sprache überlieferten.

Weitere Informationen Prähistorisches Korea, Antike ...
Geschichte Koreas
Prähistorisches Korea
  • Jeulmun-Zeit (8000–1500 v. Chr.)
  • Mumun-Zeit (1500–300 v. Chr.)
Antike
Proto-Drei-Reiche
  • Buyeo (2. Jh. v. Chr. – 494 n. Chr.)
  • Goguryeo (37 v. Chr. – 668 n. Chr.)
  • Okjeo (2. Jh. v. Chr. – 5. Jh. n. Chr.)
  • Dongye (3. Jh. v. Chr. – 5. Jh. n. Chr.)
  • Mahan (1. Jh. v. Chr. – 3. Jh. n. Chr.)
  • Byeonhan (1.–4. Jh. n. Chr.)
  • Jinhan (1.–4. Jh. n. Chr.)
  • Lelang/Lintun/Xuantu/Zhenfan
    (108 v. Chr. – spät. 313 n. Chr.)
Zeit der Drei Reiche
  • Goguryeo (37 v. Chr. – 668 n. Chr.)
  • Baekje (18 v. Chr. – 660 n. Chr.)
  • Silla (57 v. Chr. – 935 n. Chr.)
  • Gaya (42/370 – 562 n. Chr.)
Nord- und Südstaaten
Spätere Drei Reiche
  • Späteres Baekje (892–936)
  • Späteres Goguryeo (901–918)
  • Vereinigtes Silla (668–935)
Staaten der Reichseinheit
Kolonialzeit
Teilung Koreas
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Im Jahr 676 gelang es Shilla, Korea durch die Eroberung von Koguryŏ und Paekche erstmals zu vereinen. Ein prägendes Merkmal des Shilla-Reiches war eine Gruppe aristokratischer Jugendlicher, die sich als Hwarang (dt. „Blumenjungen“) bezeichneten. Sie dienten als eine Art Bildungs- und Militärorden, der darauf ausgelegt war, junge Adlige auf Führungspositionen in Staat und Armee vorzubereiten. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts wurde das Vereinigte Shilla-Reich vermehrt von Naturkatastrophen und sezessionistischen Aufständen heimgesucht. Taejo Wanggeom gründete 918, während der Zeit der Späteren Drei Reiche Koreas, das Reich Koryŏ, das Korea bis 936 wiedervereinigen sollte. Die Zeit ab 1232 war geprägt von sechs ergebnislosen mongolischen Invasionen und der darauffolgenden Unterwerfung an die Mongolen. Während dieser Zeit entstand der Sŏn-Buddhismus und 1290 die koreanische Schule des Neokonfuzianismus, gegründet durch den Gelehrten Ahn Hyang. 1356 gelang es Koryŏ die mongolische Präsenz zu beenden, jedoch kam es verstärkt zu inneren Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Generälen. Im Jahre 1377 wurden mit der Jikji die ersten beweglichen Lettern der Welt entwickelt. Es trat auch die Gelehrtenklasse der Yangban in Erscheinung, die fortan die politische und intellektuelle Praxis des Landes maßgeblich lenken sollte. Nach dem Sturz der Monarchie durch den General Yi Sŏnggye wurde 1388 die der Chosŏn-Dynastie ausgerufen. Im Jahr 1393 führte diese die Umbenennung nach einem antiken Vorgängerstaat durch.

Die ersten 200 Jahre unter der neuen Dynastie waren von relativem Frieden und innenpolitischer Stabilität geprägt. Aufgrund landwirtschaftlicher Fortschritte und administrativer Umstrukturierung erlebte das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung und zunehmenden Wohlstand. Die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts sah die Kreation des Han'gŭl-Alphabets, das 1443 unter Beauftragung und Beteiligung von Sejong dem Großen geschaffen wurde und den Aufstieg des konfuzianischen Einflusses im Land. Taejong und Sejong förderten maßgeblich Kunst, Wissenschaft und Astronomie. Sie gründeten unter anderem ein meteorologisches Institut, das die Regenzeiten vorhersagen sollte, und reformierten das Steuersystem. Während der Mittelperiode der Chosŏn-Zeit kam es zu erbitterten ideologischen Spaltungen innerhalb der konfuzianischen Gelehrtenklasse, welche für die Leitung der Staatsangelegenheiten zuständig war. Die Sarim-Faktion geriet während der Herrschaft Seonjos in Konflikt mit den etablierten Bürokraten, spaltete sich jedoch nach der Machtübernahme wiederum in eine westliche und östliche Faktion. Die westliche Faktion spaltete sich wiederum in die Noron und Soron, während die östliche Faktion sich in einer nördlichen und südlichen Faktion aufging.

Im Jahr 1592 wurde das Land vom Einfall einer japanischen Invasionsstreitmacht im Südosten überrascht und verlor innerhalb weniger Wochen die Kontrolle über einige der wichtigsten Städte. Bis 1598 war Chosŏn-Korea mit der Rückeroberung der verlorenen Gebiete beschäftigt. 1627 fielen die Mandschu aus dem Norden ein, erreichten trotz militärischen Fehlschlägen die Hauptstadt Seoul und zwangen Korea in die Neutralität. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts erreichte der Neokonfuzianismus, der üblicherweise für die gelehrte Aristokratie vorbehalten war, auch die Allgemeinbevölkerung. Die meisten in der koreanischen Kultur gebräuchlichen konfuzianischen Riten stammen aus dieser Zeit. Korea genoss im 18. Jahrhundert ein letztes Mal erneut eine Periode des Wohlstands und der Stabilität. In dieser Zeit gab es eine verstärkte künstlerische Betätigung, die als typisch für die späte Chosŏn-Zeit gilt, bevor das Land im 19. Jahrhundert aufgrund angehender politischer und wirtschaftlicher Stagnation einen starken Niedergang erlebte. Gegen Ende der Dynastie brachte Korea durch seinen kompromisslosen Isolationismus im Westen den Ruf des „Einsiedlerreichs“ ein. Das „Land der Morgenstille“, wie sie ebenfalls genannt wurde, wurde ab etwa 1860 zur Zielscheibe expansionistischer Bestrebungen der europäischen Kolonialmächte als auch vom benachbarten Russland, Japan und China. 1910 wurde Korea mit der Eroberung durch das Nachbarland Japan erstmals von einer Fremdmacht annektiert und blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs unter japanischer Besatzung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es unter den Besatzungsmächten Sowjetunion und Vereinigten Staaten zur Teilung Koreas: Am 15. August 1948 wurde südlich des 38. Breitengrades die Republik Korea gegründet und als Reaktion darauf am 9. September 1948 im Norden die kommunistische Demokratische Volksrepublik Korea. Durch den Koreakrieg (1950–1953) wurde die Spaltung des Landes vertieft. Der anhaltende Wettstreit zwischen den beiden Staaten war eines der treibenden Kräfte für das Modernisierungsbestreben im zunächst zurückhängenden Süden.

Prähistorisches Korea

Altsteinzeit (ca. 700.000 bis 10.000 v. Chr.)

Altpaläolithischer Faustkeil aus dem Imjin-Hantan-Gebiet

Die koreanische Halbinsel wurde vermutlich zum ersten Mal während des Altpaläolithikums besiedelt. Darauf deuten etwa 30 Fundorte aus der Altsteinzeit hin, die sich über die gesamte koreanische Halbinsel und über Teile von Nordostchina erstrecken. Ein großer Teil der Funde besteht aus Stein-, Horn- und Knochenwerkzeugen, wobei die geschliffenen Steinwerkzeuge deutlich dominieren. Die ersten Spuren menschlicher Präsenz werden auf ein Alter von 700.000 Jahren datiert.[1] Eine dauerhafte Besiedlung gab es jedoch nicht.[2]

Weitere Funde beinhalten steinerne Tierskulpturen oder in Stein gravierte Tiergestalten, die auf künstlerische oder magisch-religiöse Tätigkeiten hindeuten. Des Weiteren wurden Knochen von Homo erectus gefunden, darunter zwei vollständig erhaltene Kinderskelette. Mit Hilfe der Radiokarbon-Datierung konnten einige der Funde auf ein Alter von 400.000 bis 500.000 Jahre geschätzt werden.[3][4]

Die paläolithischen Fundstätten verteilen sich über die gesamte koreanische Halbinsel und konzentrieren sich hauptsächlich in den Becken der großen Flüsse in Zentralkorea, wie dem Taedong, Imjin, Hantan und Han.[5]

Die frühen Bewohner der koreanischen Halbinsel lebten in Höhlen oder Hütten, die sie selbst erbauten und sich oft an sonnigen Plätzen in der Nähe von Wasserquellen befanden. Sie nutzten Feuer zum Heizen und Kochen und lebten von der Jagd, dem Fischfang sowie dem Sammeln von Obst, Beeren und genießbaren Wurzeln. Die heutigen Koreaner sind keine Nachkommen der Menschen, die hier vor rund einer halben Millionen Jahren lebten.[3]

Tontopf mit Kammmuster aus Amsa-dong

Mittel- und Jungsteinzeit (10.000 bis 1.500 v. Chr.)

Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Halbinsel vor rund 18.000 bis 12.000 Jahren dauerhaft besiedelt war. Die Urbevölkerung der Halbinsel setzte sich aus nordostasiatischen Küstenbevölkerungen und einer den Menschen der Jōmon-Kultur nahestehenden Bevölkerungsgruppe zusammen. Der Name Chŭlmun bedeutet „Kammkeramik“ und leitet sich von den Fischgrätenmustern her, die so aussehen als wären sie mit einem Kamm durchzogen worden. Die Menschen dieser Zeit führten einen halbnomadischen Lebensstil als Sammler, Jäger und Fischer und betrieben den Anbau von Wildfrüchten und Wildgräsern wie Wildreis, Hirse, Gerste und Sorghum. Der Hirseanbau begann etwa um 4500 v. Chr.[6]

Die Kultur der Chŭlmun-Zeit, die von 6000 bis 1500 v. Chr. datiert wird, zeigt Ähnlichkeiten mit der archäologischen Kultur des japanischen Archipels aus der gleichen Epoche.[7] Die Menschen der Jōmon-Zeit im benachbarten Japan weist eine breite genetische Verwandtschaft zu Küstenbevölkerungen Ostasiens auf wie den Ainu, Japanern, Koreanern, Ultschen, Niwchen und den Ureinwohnern Taiwans (Amis und Atayal) auf.[8]

Die Chŭlmun-Kultur endete zwischen 1500 v. Chr. und 700 v. Chr. Im Neolithikum bildete sich aus ihr die Mumun-Kultur heraus.

Von der Bronzezeit bis zur Frühgeschichte (Mumun-Zeit)

Lautenförmige Bronzeklingen

Die ersten in Korea entdeckten Bronzeobjekte stammen aus der Zeit um 700 v. Chr. Ihr Stil, geprägt von mispelförmigen Bronzeklingen, findet sich entlang des Liao-Flusses, auf der Liaodong-Halbinsel und im westlichen Korea.

Zunächst wurde kälteresistenter Trockenreis angebaut. Der Nassreisanbau in Korea und Japan entwickelte sich später, ausgehend von Shandong, und erreichte über die Liaodong-Halbinsel um etwa 1500 v. Chr. Korea. Diese Verbreitung wird mit der Mumun-Kultur nach 1500 v. Chr. auf der koreanischen Halbinsel und der Yayoi-Kultur nach 950 v. Chr. im japanischen Archipel in Verbindung gebracht.[6]

Die Seidenherstellung, Spinnerei und Weberei sind für das 1. Jahrtausend v. Chr. nachzuweisen.[9] Etwa 35,000 Dolmen, rund 40 % der weltweiten Megalithfunde, stammen aus Korea, so dass Korea auch das „Königreich der Dolmen“ genannt wird. In diesen Dolmen wurde Bronze- und Jadeschmuck gefunden.

Eine Genstudie von Siska et al. (2017) zeigt, dass moderne Koreaner eine starke Affinität zu den Knochenfunden in der archäologischen Ausgrabungsstätte Devil’s Gate in der Region Primorje im heutigen Russland, nahe Nordkorea, zeigen, zusammen mit den Ultschen, den Oroqen, den Hezhen (Nanai) und den Japanern.[10]

Die gängige Meinung zur sprachlichen Einordnung der Menschen der Mumun-Zeit ist, dass bereits Sprachen gesprochen wurden, die mit den späteren koreanischen und japanischen Sprachfamilien verwandt waren.[11]

Verbreitung verschiedener Typen von Bronzeklingen in Nordostasien.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. verschwinden Reisanbau-Stätten aus dem archäologischen Befund und tauchen im 1. Jahrhundert n. Chr. wieder auf. Die Unterbrechung der Nassreisanbaus fällt zeitlich mit dem Aufkommen der Bronzedolch-Kultur im 3. Jahrhundert v. Chr. zusammen.[6] Die mit Go-Joseon in Verbindung stehende Bronzedolch-Kultur verschwindet westlich des Liao mit der Eroberung des Flussoberlaufes durch den Yan-Staat in Nordchina.

Go-Joseon

Nach den Zeitangaben der Samguk Yusa soll das erste Staatentum Koreas, Go-Joseon (고조선, 古朝鮮, wörtlich „Alt-Joseon“) in den 2300ern v. Chr. vom mythologischen Halbgott Dangun Wanggeom gegründet worden sein. Der Präfix Go- „alt“ ist eine moderne Konvention um den antiken Staat vom späteren Joseon zu unterscheiden. Der tatsächliche Name war Joseon.

Joseon wird erstmals in chinesischen Schriften aus der Zeit der Frühlings- und Herbstannalen (8. bis 5. Jhd. v. Chr.) erwähnt und lag laut den Quellen im Nordosten des damaligen Chinas und der Bohai-Bucht.

Die Entstehung des historisch belegbaren Go-Joseon wird basierend auf archäologischen Funden spätestens auf das 7. Jahrhundert v. Chr. geschätzt. In der heutigen Historiographie wird Go-Joseon mit der zeitgleichen Bronzekultur, insbesondere der Verbreitung von blattförmigen Bronzedolchen in Nordostasien, in Verbindung gebracht.[12] Wie ein Fund eines Bronzeschildes mit einer Darstellung derselben zeigt, gab es spätestens 300 v. Chr. in Korea sogenannte sottae, schamanistische Pfähle, auf deren Spitze drei Vögel sitzen und die auch heute viele Dörfer am ersten Vollmondtag des Jahres am Dorfeingang zieren. Die Vögel waren glückverheißende Überbringer von Getreidesamen.

Ihre Hauptstadt wird als Asadal (아사달, 阿斯達) im Werk Samguk Sagi erwähnt. Asadal unterscheidet sich von der Hauptstadt Wiman Go-Joseons, Wanggeom-seong durch die Überlieferung ihres phonetischen Wertes aus dem Altkoreanischen, anstelle der semantischen Deutung. Es setzt sich eventuell aus den zwei Wörtern *asa für „Aufsteigende (Morgen-)Sonne“ (vergleiche Koreanisch achim und Mittelkoreanisch achóm) und *dal, was „großes Feld“ bedeutet, zusammen.

Porträt von Dangun; zugeschrieben dem Maler Chae Yong‑sin (1850–1941), moderne Darstellung des mythischen Gründers von Gojoseon.

Wiman-Joseon

Nachdem Wei Man (kor. Wiman), ein auf eigene Faust handelnder General aus dem nordchinesischen Staat von Yan, 194 v. Chr. nach Go-Joseon gekommen war und dort kurz darauf die Macht an sich gerissen hatte, wurde das Land wie unter seinen Nachfolgern auch Wiman-Joseon genannt. Es arrangierte sich eine Zeit lang mit dem China der Han-Dynastie, wurde aber schließlich von diesem erobert und unter der Kontrolle von vier Militärkommandanturen gestellt. Gegen Ende der Existenz spalteten sich einige Teilstaaten ab, so im Norden Goguryeo, in der Mandschurei Buyeo sowie im Nordosten Koreas Okjeo und Dongye, die nach und nach in Goguryeo aufgingen.

Es wird vermutet, dass der Daoismus die früheste Schule der orientalischen Philosophie war, die Korea erreichte. Gija-Joseon aus dem 11. Jahrhundert v. Chr. ist dagegen historisch nicht nachweisbar und tauchte in Joseon im 16. Jahrhundert in neokonfuzianistischen Schriften auf. Es wird vermutet, dass die Gija-Legende erfunden wurde, um eine zuvor nicht existierende antike Präsenz des Konfuzianismus zu fabrizieren und so eine Vorrangstellung gegenüber dem älteren koreanischen Buddhismus zu schaffen.

Jinguk und die Proto-Drei-Reiche-Zeit

Jinguk

Wiman-Joseon beherrschte Teile des Nordwestens von Korea; im Süden gab es ein Reich Jin (辰), über das wenig bekannt ist, da es entweder keine Schrift kannte oder keine schriftlichen Zeugnisse überliefert wurden (nicht verwandt mit dem 金 der chinesischen Jin-Dynastien). Die Konföderation löste sich kurz nach dem Fall von Go-Joseon auf und bildete zusammen mit Migranten aus Go-Joseon die Länder der Samhan-Periode. Bevor sich die vielen Einzelstaaten zu Mahan, Jinhan und Byeonhan zusammenschlossen, soll es laut dem Dongyi-Kapitel des Sanguo zhi 70 Staaten auf der koreanischen Halbinsel gegeben haben.[12]

Die Vier Han-Kommandanturen

Die Han-Kommandanturen (Lelang, Zhenfan, Lintun, Xuantu und später das aus Zhenfan ausgegliederte Daifang)[12] wurden in den Jahren nach der Eroberung Go-Joseons in dessen Einflussbereich durch Han Wudi gegründet. Im Norden der koreanischen Halbinsel entstand der koreanische Nachfolgestaat Buyeo, der wesentlich zur Entwicklung von Goguryeo zu einem Königreich beitrug. Lelang kontrollierte das direkt von Wiman-Joseon verwaltete Gebiet, während Zhenfan und Lintun die Stelle zweier von Go-Joseon abhängiger Klientenstaaten einnahmen. Xuantu wurde auf dem Stammesgebiet der Yemaek aufgestellt. Daifang wurde an Stelle der 75 v. Chr. zerstörten Zhenfan-Kommandantur errichtet.

Die Han-Kommandanturen wurden von Gouverneuren regiert, die von der Zentralgewalt in China entsandt wurden. Die Gouverneure ernannten dann untergeordnete Bürokraten aus der einheimischen Bevölkerung.

Samhan

Aus Mahan und Jinhan gingen insbesondere zwei Staaten hervor, nämlich Saro/Seora/Seorabeol (Silla) und Baekje um ihre Hauptstadt Soburi/Sabi, die ihr Territorium nach und nach ausdehnten und schließlich Mahan bzw. Jinhan vereinigten. Byeonhan schloss sich zum Gaya-Stadtstaatenbund zusammen. Silla soll 57 v. Chr. von Hyeokgeose in der Nähe des heutigen Gyeongju und Baekje von einem Emigranten aus Goguryeo im Han-Flusstal gegründet worden sein.

Sprachwissenschaftler gehen heute davon aus, dass sich im Süden der koreanischen Halbinsel Sprecher einer Proto-Japanischen Sprache befanden und zwischen dem 10. und 3. Jahrhundert v. Chr. auf den japanischen Archipel übersiedelten. Deren Nachfahren wurden später zu den heutigen Japanern. Die Sprache wird im englischen Sprachgebrauch als „Peninsular-Japonic“ bezeichnet und wird als Teil der Japanisch-Ryūkyū Sprachfamilie klassifiziert. Die Ursachen für die Yayoi-Migrationen sind unbekannt, eine Vermutung ist eine Verdrängung oder Assimilation durch proto-koreanische Reiternomaden aus Südsibirien.[13]

Drei Reiche von Korea

Die drei Reiche auf der Koreanischen Halbinsel zu Ende des 5. Jahrhunderts

Im frühen 4. Jahrhundert etablierten sich mit Goguryeo, Baekje und Silla drei konkurrierende Königreiche, die über mehrere Jahrhunderte die politische Ordnung der koreanischen Halbinsel bestimmten. Der Buddhismus verbreitete sich zunächst über Goguryeo und wurde in allen drei Reichen zu einem zentralen Element der Staatskultur. Er prägte Tempelarchitektur, Kunst und Herrschaftslegitimation und diente zugleich der Integration regionaler Eliten. Die geopolitische Lage führte zu einem dauerhaften Spannungsfeld zwischen den Reichen selbst sowie den Reichen der Steppenvölker und Chinas.

Goguryeo (1. Jh. v. Chr. – 668 n. Chr.)

Goguryeo entstand im 1. Jahrhundert v. Chr. im Norden der koreanischen Halbinsel und in der südlichen Mandschurei und entwickelte sich zu einem der mächtigsten Staaten Ostasiens. Seine militärische Stärke beruhte auf einem weit verzweigten System aus Bergfestungen, die in schwer zugänglichen Gebirgsregionen errichtet wurden und die Kontrolle über strategische Täler und Handelsrouten ermöglichten. 313 n. Chr. eroberte Goguryeo die chinesische Kommandantur Lelang, was den endgültigen Rückzug der Han-Dynastie aus der Region markierte und die hegemoniale Stellung des Reiches festigte. In den folgenden Jahrhunderten stand Goguryeo in dauerhaften Konflikten mit den chinesischen Dynastien sowie mit Baekje und Silla. Trotz territorialer Ausdehnung und kultureller Blüte führte der Druck der Tang‑Dynastie und die gleichzeitige Offensive Sillas 668 zum Untergang des Reiches.

Baekje (18 v. Chr. – 660 n. Chr.)

Baekje entstand im Westen der koreanischen Halbinsel und entwickelte sich zu einem kulturell und diplomatisch einflussreichen Staat. Seine maritime Orientierung ermöglichte enge Kontakte zum japanischen Archipel, über die Schrift, Buddhismus, Kunsthandwerk und Verwaltungstechniken nach Japan gelangten. Politisch stand Baekje in einem dauerhaften Spannungsverhältnis zu Goguryeo, das seine nördlichen Gebiete wiederholt bedrohte. Im 7. Jahrhundert geriet das Reich zunehmend unter Druck durch das Bündnis zwischen Silla und der Tang‑Dynastie und wurde 660 nach schweren Niederlagen endgültig erobert.

Silla (57 v. Chr. – 935 n. Chr.)

Königskrone von Silla aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts; Gold und Jade, gefunden im Seobongchong‑Grabhügel (Ausgrabung 1926). Heute im Nationalmuseum von Korea, Seoul.

Silla entwickelte sich im Südosten der Halbinsel und war zunächst das schwächste der Drei Reiche. Ab dem 5. Jahrhundert geriet Silla zunehmend in Konflikt mit Goguryeo und Baekje. 655 verbündete es sich mit der Tang‑Dynastie und besiegte 660 Baekje und 668 Goguryeo, wobei es von inneren Zerwürfnissen seiner Gegner profitierte. Damit gelang Silla erstmals die politische Einigung der koreanischen Halbinsel. Das spätere Vereinigte Silla blieb bis zum Ende des 9. Jahrhunderts bestehen und entwickelte eine reiche buddhistische Hofkultur.

Eine zentrale soziale Institution waren die Hwarang („Blumenjungen“), aristokratische Jugendorden, die militärische Ausbildung, moralische Erziehung und Elitebildung verbanden und später zu einem Symbol für Loyalität und konfuzianisch‑buddhistische Tugenden wurden. Sie spielten eine wichtige Rolle bei der Integration des Adels und der Mobilisierung junger Führungsschichten. In der späteren Historiographie wurden sie zu einem Symbol für Loyalität, Tapferkeit und konfuzianisch‑buddhistische Tugenden.

Gaya (42/370 – 562 n. Chr.)

Die Gaya‑Konföderation, oft als „viertes Reich“ bezeichnet, war besonders für ihre hochentwickelte Eisenproduktion bekannt. Gaya‑Eisen wurde nach Japan exportiert und spielte eine wichtige Rolle im regionalen Handel. Die Konföderation blieb politisch fragmentiert und wurde 562 von Silla annektiert, doch ihre materielle Kultur – insbesondere Waffen, Rüstungen und Keramik – zeigt ein hohes technologisches Niveau.

Zeit der Nord- und Südstaaten (668–926)

Mit dem Untergang von Baekje und Goguryeo endete die Epoche der Drei Reiche. Auf der koreanischen Halbinsel etablierte sich das Vereinigte Silla, während im Norden aus den Resten der geflohenen Goguryeo‑Bevölkerung der Staat Balhae entstand. Diese Konstellation zweier politisch und kulturell eigenständiger Reiche wird in der koreanischen Historiographie als Zeit der Nord‑ und Südstaaten bezeichnet. Beide Staaten entwickelten unterschiedliche Formen staatlicher Organisation, standen jedoch in engem Austausch mit den Großmächten Ostasiens und prägten die regionale Ordnung zwischen dem späten 7. und frühen 10. Jahrhundert.

Silla und Balhae, Karte von 830

Vereinigtes Silla (668–935)

Nach der Reichseinigung beherrschte Silla erstmals die gesamte koreanische Halbinsel. Die Hauptstadt Seorabeol (heutiges Gyeongju) entwickelte sich zu einer wohlhabenden Metropole, die in arabischen und zentralasiatischen Quellen als bedeutendes Zentrum am östlichen Ende der bekannten Welt beschrieben wird. Silla war in das Handels‑ und Kulturnetz der Seidenstraße eingebunden und pflegte Kontakte bis in die islamische Welt.[14]

Die politische Ordnung stützte sich weiterhin auf die aristokratische Elite und die Hwarang‑Tradition, während der Buddhismus zur dominierenden Staatsreligion wurde und eine reiche Kloster‑ und Kunstkultur hervorbrachte. Trotz kultureller Blüte führten ab dem späten 9. Jahrhundert Naturkatastrophen, regionale Aufstände und der Machtverlust des Königshauses zu einer zunehmenden Fragmentierung. Die Späteren Drei Reiche entstanden, und 935 endete die Silla‑Dynastie mit der Eingliederung in das expandierende Goryeo‑Reich.

Balhae (698–926)

Balhae entstand im späten 7. Jahrhundert im Norden der koreanischen Halbinsel und in der Mandschurei, als Teile der militärischen Elite und Bevölkerung des untergegangenen Goguryeo unter Führung ehemaliger Kommandeure einen neuen Staat formten. Das Reich vereinte verschiedene ethnische Gruppen, darunter Nachfahren der Goguryeo‑Elite und proto-tungusische Mohe-Stämme, und entwickelte eine eigenständige Hofkultur, die Elemente des chinesischen Verwaltungsmodells mit Traditionen des Nordostasiatischen Steppenraums verband.

Balhae kontrollierte ein ausgedehntes Territorium zwischen dem Amur, dem Japanischem Meer und dem nördlichen Korea und pflegte diplomatische Beziehungen zu Tang‑China, Japan und den Steppenvölkern. Das Reich verfügte über ein mehrstufiges Hauptstadt‑ und Verwaltungszentrumssystem mit insgesamt fünf Hauptstädten (Gyeong), darunter Sanggyeong als oberstes politisches Zentrum. Im 10. Jahrhundert geriet Balhae unter den Druck des expandierenden Kitan‑Reiches und wurde 926 erobert. Viele Flüchtlinge wanderten daraufhin nach Süden in das Gebiet des aufstrebenden Goryeo‑Staates ein, was dessen Anspruch auf die Nachfolge Goguryeos stärkte.

Dynastien der Reichseinheit

Goryeo (918–1392)

Das Königreich Goryeo (고려) entstand 918 aus den Wirren der Späten Drei Reiche und bestand bis 1392. Es war die erste Dynastie, die die gesamte koreanische Halbinsel dauerhaft vereinte und dem Land seinen internationalen Namen gab („Goryeo“ → „Korea“). Die Hauptstadt war Gaegyeong (heutiges Kaesong).

Gründung und Reichseinigung

General Wang Geon (später König Taejo) stürzte 918 den Herrscher des Späteren Goguryeo und rief das neue Reich Taebong aus. Bis 936 besiegte er das Spätere Baekje sowie das Königreich Silla. Zahlreiche Flüchtlinge aus dem 926 von den Kitan zerstörten Balhae strömten nach Goryeo und stärkten den Anspruch auf die Nachfolge des alten Goguryeo. Unter Taejo und seinen Nachfolgern wurde die Verwaltung nach Tang-Vorbild zentralisiert und die Nordgrenze bis zum Amnokgang (Yalu) gesichert.

Blütezeit und Kultur (10.–12. Jahrhundert)

Das 11. und 12. Jahrhundert gelten als kulturelle Hochphase. Der Buddhismus war die tragende Staatsreligion und mithilfe der Gunst der Herrscherfamilie wurden zahlreiche Tempel und Klöster gegründet. Berühmt wurde Goryeo für seine seladonfarbene Keramik, die international begehrt wurde. 1236–1251 wurde die zweite Ausgabe der Tripitaka Koreana geschnitzt – die bis heute vollständig erhaltene größte Sammlung buddhistischer Schriften auf Holzdruckplatten. Bereits im 12. Jahrhundert experimentierte man mit beweglichen Metall-Lettern (Vorläufer des späteren Jikji-Drucks). Malerei, Dichtung und Geschichtsschreibung (Zusammenstellung der Samguk Sagi) blühten.

Militärische Auseinandersetzungen mit dem Kitan-Reich

Zwischen 993 und 1018 wehrte Goryeo drei großangelegte Invasionen des Liao-Reichs der Kitan ab. Besonders der dritte Feldzug endete 1018 mit einem vernichtenden Sieg unter General Gang Gam-chan in der Schlacht von Heunghwajin. Danach herrschte über ein Jahrhundert relativer Frieden und Goryeo konnte intensive diplomatische und Handelsbeziehungen zu Song-China und Japan aufbauen.

Reproduktion der Cheonsang Yeolcha Bunyajido, aufbewahrt im Kyujanggak der Seoul National University; das Original wurde 1395 erstellt.

Militärdiktatur (1170–1258)

Ab 1170 übernahm die Militäraristokratie unter der Familie Choe die faktische Macht („Choe-Shogunat“) und die Könige gerieten in ihre Abhängigkeit. Innere Aufstände, darunter der Myocheong-Aufstand 1135, und Machtkämpfe zwischen den Militärdiktatoren und dem Königshaus schwächten das Reich zunehmend.

Mongolenzeit (1231–1356)

Zwischen 1231 und 1270 führte das Mongolischen Reich eine Reihe militärischer Feldzüge gegen das Königreich Goryeo. Trotz erbitterten Widerstands auf der Insel Ganghwa musste Goryeo 1259 kapitulieren. Dies führte schließlich dazu, dass Goryeo ein Vasallenstaat der Yuan‑Dynastie wurde. Bis 1356 war es ein tributpflichtiger „Schwiegersohn-Staat“ (Khüregen) der Yuan-Dynastie. Die Königsfamilie heiratete in die mongolische Herrscherfamilie ein. Goryeo musste Schiffe und Truppen für die erfolglosen Mongoleninvasionen in Japan stellen. Erst König Gongmin (reg. 1351–1374) gelang 1356 der Bruch mit den Yuan und die Rückgewinnung der Souveränität.

In der Endphase der Mongolenkriege kam es 1270–1273 zum Aufstand der Sambyeolcho („Drei Spezialeinheiten“), einer Eliteeinheit, die die Kapitulation Goryeos ablehnte und eine Gegenregierung errichtete. Ihr militärisch aussichtsloser Widerstand auf Jindo und Jeju wurde später zu einem politisch aufgeladenen Loyalitätsmythos stilisiert, der in der koreanischen Erinnerungskultur eine ähnliche Funktion erfüllt wie heroische Widerstandserzählungen anderer Gesellschaften.

Späte Goryeo-Zeit und Niedergang (1356–1392)

Die Reformversuche König Gongmins scheiterten am Widerstand durch den Landadel und führten schließlich zu seiner Ermordung im Jahr 1374. Ständige Hofintrigen, Landverlust an Großgrundbesitzer und der Aufstieg neo-konfuzianischer Reformkräfte führten zum endgültigen Niedergang. 1388 verweigerte der Heerführer Yi Seong-gye den Befehl zur Invasion der Liaodong-Halbinsel (bekannt als Wihwado-Zwischenfall) und marschierte stattdessen zurück in die Hauptstadt. 1392 setzte er die Goryeo-Dynastie ab und gründete Joseon. Der Mord am konfuzianischen Philosophen Jeong Mong‑ju, dem letzten prominenten Loyalisten des alten Regimes, wurde später als symbolischer Endpunkt der Goryeo‑Dynastie interpretiert und legitimierte den Machtwechsel zu Joseon.

Kangnido (1402), die früheste erhaltene koreanische Weltkarte.

Joseon

Das Königreich Joseon markiert den letzten großen Abschnitt der koreanischen Vormoderne.

Gründung und frühe Konsolidierung (1392–1418)

Nach der Entmachtung der Goryeo‑Dynastie, etablierte der General Yi Seong-gye (König Taejo) eine zentralstaatlich geführte Absolute Monarchie, die sich programmatisch vom späten Goryeo abgrenzte. Er verlegte die Hauptstadt 1394 von Kaesong nach Hanyang (heutiges Seoul) und setzte umfassende Landreformen um, um den Einfluss des Landadels und des buddhistischen Klerus zu begrenzen.

Das Gwageo-Prüfungswesen für Beamte wurden stark ausgebaut. Durch Feldzüge gegen die Jurchen wurde die Nordgrenze bis zum Tumen-Fluss gesichert. Ab dem frühen 15. Jahrhundert wurden die Flüsse Amnok und Duman faktisch zur Nordgrenze für die nächsten 500 Jahre. Die frühen Herrscher, insbesondere Taejong und Sejong, nutzten umfassende Verwaltungs‑, Steuer‑ und Militärreformen, um die strukturellen Schwächen des Vorgängerstaates zu beseitigen.

Nach dem blutigen Machtkampf der Prinzen zwischen den Söhnen Taejos, setzte Taejong eine radikale Zentralisierung durch. Er entmachtete rivalisierende Adelsclans, schuf ein landesweites Registerwesen und stellte die Kontrolle über Militär und Steuerwesen vollständig unter die Krone. Diese Maßnahmen legten die strukturelle Grundlage für die Stabilität der frühen Joseon‑Zeit und ermöglichten die späteren Reformen unter Sejong.

Höhepunkt unter Sejong dem Großen (1418–1450)

Honcheonui, eine Armillarsphäre auf dem Gelände von Yeongneung, der königlichen Grabanlage König Sejongs.

Unter Sejong dem Großen erlebte Joseon eine Blüte in Wissenschaft und Kultur. 1443 wurde das koreanische Alphabet Hangeul (Hunminjeongeum) geschaffen. Das Yongbieocheonga („Lieder der Drachen, die zum Himmel steigen“) wurde 1447 als erstes Werk in der neuen Schrift Hangeul verfasst. Es diente der ideologischen Legitimation der Joseon‑Dynastie, indem es die Gründung des Staates mythologisch überhöhte und die konfuzianische Ordnung poetisch darstellte. Parallel dazu wurden im Rahmen der staatlich geförderten Wissenschaftskultur des Jiphyeonjeon astronomische Observatorien eingerichtet sowie Wasser‑ und Sonnenuhren entwickelt. Der Cheugugi, der weltweit erste standardisierte Niederschlagsmesser, wurde 1441 eingeführt und diente der Vereinheitlichung der Agrarverwaltung. Die technischen Innovationen unter Jang Yeong‑sil und anderen Hofwissenschaftlern – darunter astronomische Instrumente, Wasseruhren und Messgeräte – zeigen, wie eng naturwissenschaftliche Forschung, Verwaltungspraxis und Herrschaftslegitimation miteinander verbunden waren.

Im 15. Jahrhundert entstanden zudem groß angelegte Infrastrukturprojekte wie die Erweiterung der Stadtmauern von Hanyang, der Ausbau des Palastkomplexes Gyeongbokgung und die Einrichtung staatlicher Observatorien. Diese Maßnahmen dienten nicht nur der Repräsentation, sondern auch der administrativen Kontrolle und symbolisierten die neue konfuzianische Ordnung. Das Hopae, ein staatlich ausgegebenes Identifikationsschild für männliche Untertanen, diente der Kontrolle von Mobilität, Steuerpflicht und Wehrdienst und verdeutlicht die zunehmende Bürokratisierung der frühen Joseon‑Zeit.

Paldochongdo (1531)

Fraktionenkämpfe & Literatenpurgen (1490er–16. Jhd.)

Ab dem späten 15. Jahrhundert wurde die politische Kultur zunehmend von ideologisch motivierten Fraktionsbildungen geprägt. Die Konflikte zwischen der etablierten Hungu‑Elite und den reformorientierten Sarim‑Gelehrten führten zu mehreren groß angelegten Säuberungen (Sahwa), in denen prominente Intellektuelle verfolgt, verbannt oder hingerichtet wurden. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung während der Regierungszeit des 10. und 11. Joseon‑Königs, Yeonsangun und Jungjong. Die Sarim-Gelehrten (u. a. prominente Staatspolitiker wie Toegye und Yulgok) zogen sich in Privatakademien (Seowon) auf dem Land zurück und prägten von dort aus den intellektuellen Diskurs der Mittelperiode.

Ab dem 16. Jahrhundert zerfiel die politische Elite in dauerhafte Fraktionen wie Noron, Soron, Namin und Bugin. Diese Gruppierungen bestimmten über Jahrhunderte die Hofpolitik und führten zu politischen Rivalitäten, in der ideologische Differenzen oft wichtiger waren als administrative Effizienz. Die Fraktionskämpfe gelten als einer der zentralen Gründe für die strukturelle Fragilität des Staates.

Die Hyangyak‑Regeln waren lokale Selbstverwaltungsordnungen, die moralische Disziplin, soziale Kontrolle und gemeinschaftliche Verantwortung stärken sollten. Sie zeigen, wie konfuzianische Normen bis in die dörfliche Ebene hinein institutionalisiert wurden.

Nachbau eines Koreanischen Schildkrötenschiffs.

Imjin-Krieg & Mandschu-Invasionen (1592–1637)

Im Jahr 1592 fiel Japan unter Toyotomi Hideyoshi in Korea ein. Der Imjin-Krieg und der Jeongyu-Fortsetzungskrieg wurden in den Jahren 1592 bis 1595 und 1596 bis 1598 ausgetragen, aus dem Joseon als Sieger hervorging. Die Rückeroberung der Halbinsel gelang erst durch die Kombination koreanischer Seeherrschaft und chinesischer Unterstützung. Die Erfolge des Generals Yi Sun-sin zur See machten ihn später zu einem Nationalhelden Koreas, standen aber zugleich für die strukturellen Defizite der damaligen Militärorganisation. 1627 und 1636/37 fielen die Mandschu ein und Joseon wurde tributpflichtig gegenüber der Qing-Dynastie.

Späte Joseon – Silhak & Isolation (17.–19. Jh.)

Im 17. und 18. Jahrhundert entstand die Silhak-Bewegung („praktische Wissenschaft“) mit Denkern wie Yi Ik und Jeong Yak-yong, die reale Reformen in Landwirtschaft, Technik und Verwaltung forderten. Gleichzeitig isolierte sich Joseon weitgehend („Einsiedlerkönigreich“) und beschränkte Außenkontakte auf China und Japan. Katholische Missionare und westliche Ideen wurden verfolgt. Die zunehmende soziale Polarisierung, wirtschaftliche Stagnation und die Verfolgung neuer religiöser Strömungen zeigen einen Staat, der seine normative Geschlossenheit bewahrte, aber strukturell an Anpassungsfähigkeit verlor. Die Bezeichnung „Einsiedlerreich“ spiegelt diese defensive Selbstabschottung wider.

Der Roman Hong Gil-dong jeon erzählt von einem illegitimen Adligen, der gegen soziale Ungerechtigkeit rebelliert und eine eigene Gemeinschaft gründet. Die Figur wurde zu einem Symbol für Widerstand gegen starre Hierarchien und gilt als einer der frühesten klassischen Romane Koreas. Der Text spiegelt die sozialen Spannungen der Joseon‑Gesellschaft wider und erfüllt eine ähnliche kulturelle Funktion wie europäische Räuber‑ oder Freiheitsmythen.

Niedergang & Ende (ab 1860er)

Ab den 1860er Jahren geriet Joseon unter zunehmenden Druck durch westliche Mächte, Russland, China und Japan. Der Daewongun versuchte, den Staat durch Steuerreformen, die Schließung von Privatschulen und den Wiederaufbau des Gyeongbokgung‑Palastes zu stärken. Seine Politik war autoritär und isolationistisch und prägte die letzten Jahrzehnte der Dynastie. Der Ungyo‑Vertrag von 1876 markierte die erzwungene Öffnung des Landes und leitete eine Phase intensiver ausländischer Einflussnahme ein. Die Ermordung der Königin Min durch japanische Agenten 1895 radikalisierte die innenpolitische Lage und gilt als einer der Wendepunkte, die den Verlust der Souveränität beschleunigten. Die zunehmende ausländische Einmischung schwächte den Staat, bis 1897 das Koreanische Kaiserreich ausgerufen wurde.

Kaiserreich Korea

Im Zuge der Gabo‑Reformen wurde das jahrhundertelang bestehende Leibeigenensystem abgeschafft. Die Reform markiert einen tiefen Einschnitt in die soziale Struktur Joseons und zeigt, wie spät der Staat grundlegende gesellschaftliche Modernisierungen umsetzte.

Nach dem Russisch-Japanischen Krieg (1904–1905) hatte sich Japan als dominante Kraft in Ostasien etabliert. 1905 wurde Joseon mit dem Eulsa-Vertrag zum Protektorat Japans erklärt und unter Gojongs Sohn, Kaiser Sunjong, ein japanischer Generalresident für Joseon bestimmt.

Am 22. August 1910 musste der koreanische Kaiser unter Druck durch die japanische Regierung abdanken, nachdem der japanische Premierminister Itō Hirobumi am 26. Oktober 1909 einem Attentat zum Opfer fiel.

Kolonialzeit

Kapitulation der Japaner an US-Streitkräfte am Ende des Zweiten Weltkrieges
Die Dorasan-Station an der Grenze zu Nordkorea

1910 wurde Korea von Japan annektiert. Während der gesamten Besatzungszeit wurde Korea kaum modernisiert und blieb bis zum Ende ein verarmtes landwirtschaftliches Hinterland. Dieses ging mit der Unterdrückung der koreanischen Kultur und Sprache einher. Die Alphabetisierungsrate stagnierte vollständig bei 20 %, einem Wert identisch zu dem vor der Besatzung.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs kapitulierte am 15. August 1945 das Japanische Kaiserreich. Die Soldaten der Kaiserlichen Japanischen Armee in der nördlichen Zone Chōsens (nördlich des 38. Breitengrads) mussten sich den Streitkräften der Sowjetunion und in der südlichen Zone den US-Amerikanern ergeben.

Der 15. August 1945 wird in den beiden heutigen Teilen Koreas als „Tag der Unabhängigkeit“ betrachtet.

Die Teilung in Nord- und Südkorea

Nachdem die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über ein vereinigtes Korea bis 1947 ergebnislos verlaufen waren, brachten die Vereinigten Staaten die Koreafrage vor die Vereinten Nationen. Am 14. November 1947 erreichten die Vereinigten Staaten eine UN-Resolution, die freie Wahlen, den Abzug aller ausländischen Truppen und die Schaffung einer UN-Kommission (UNTCOK: UN Temporary Commission on Korea) für Korea vorsah. Die Vereinigten Staaten zogen die Truppen zurück, die im Süden Koreas stationiert waren, die Sowjetunion zog bis Ende 1948 vertragsgemäß aus Nordkorea ab.

Am 10. Mai 1948 fanden im Süden Wahlen statt, die Rhee Syng-man gewann. Allerdings wurden die Wahlen von den linken Parteien boykottiert. Am 13. August 1948 übernahm Rhee Syng-man offiziell die Regierungsgeschäfte von der US-amerikanischen Militärregierung. Der sowjetisch kontrollierte Norden beantwortete dies mit der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea am 9. September 1948, deren erster Präsident Kim Il-sung wurde. Beide Regierungen sahen sich als rechtmäßige Regierung über ganz Korea an und erklärten darüber hinaus, diesen Anspruch auch militärisch durchsetzen zu wollen. Ermutigt durch eine Äußerung des US-Außenministers Dean Acheson, die dahingehend interpretiert werden konnte, dass die Vereinigten Staaten nicht um Korea kämpfen würden, griff Nordkorea den Süden am 25. Juni 1950 an und eröffnete damit den Koreakrieg.

→ Zur weiteren Entwicklung siehe Geschichte Nordkoreas und Geschichte Südkoreas

Situation heute

Die Teilung der koreanischen Halbinsel und der Korea-Konflikt halten bis heute an. Während sich Südkorea zu einer wirtschaftlich starken Industrienation entwickelte, wurde Nordkorea zu einer kommunistischen Diktatur unter der Herrschaft von Kim Il-sung und seiner Nachkommen und entwickelte Atomwaffen. Versorgungsengpässe und Hungersnöte prägen das Leben in Nordkorea bis heute.

Literatur

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Wikisource: Korea – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

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