Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in Mosambik
kaum gesellschaftliches Tabu
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Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in Mosambik staatlicherseits in manchen Aspekten anerkannt. Gleichgeschlechtlicher Sex ist seit 2015 straffrei und wurde schon seit 1975 in der Praxis nicht mehr verfolgt. Mosambik ist damit, zusammen mit anderen ehemaligen portugiesischen Kolonien, eines der LGBTQ-freundlichsten Länder Afrikas.

Geschichte
Viele traditionelle Kulturen Mosambiks praktizierten Polygamie. Es existieren Hinweise auf Identitäten und Verhaltensweisen, die nach heutiger Einordnung dem LGBT+-Spektrum zugeordnet werden können.[1] 1912 beschrieb der schweizerische Missionar Henri-Alexandre Junod komplex organisierte homosexuelle Beziehungen unter Tsonga-Bergarbeitern in Südafrika und im südlichen Mosambik.[2] Diese sogenannten „Minen-Ehen“ wurden zwischen je einem älteren und einem jüngeren Mann geschlossen und von Frauen und älteren Familienmitgliedern oft akzeptiert. Diese Beziehungen unterschieden sich aber deutlich vom westlichen Verständnis gleichgeschlechtlicher Ehen, da die beteiligten Männer weiterhin Frauen heirateten und gesellschaftliche Geschlechterrollen erfüllten. Diese Praxis verschwand allmählich mit der Modernisierung Mosambiks sowie dem Einfluss von westlicher Kultur und Homophobie im 20. Jahrhundert.[3]
Das mosambikanische Strafgesetzbuch („Código Penal“) beruhte bis 2015 auf dem kolonialen Strafgesetzbuch aus portugiesischer Zeit vom 16. September 1886. Artikel 71 Abs. 4 enthielt einen Straftatbestand gegen „widernatürliche Praktiken“. Aufgrund dieser völlig vom gesellschaftlichen Kontext abhängigen, unscharfen Formulierung war der rechtliche Status gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen in Mosambik bis zur Einführung des neuen Strafgesetzes 2015 unklar. In der Praxis wurde die Bestimmung allgemein als potenziell gegen homosexuelle Handlungen gerichtet verstanden. Artikel 70 sah als Strafen eine Verpflichtung zu „gutem Verhalten“, Bewährung oder die Einweisung in ein Arbeitshaus oder eine landwirtschaftliche Kolonie für sechs Monate bis drei Jahre vor.[4] Nach der Unabhängigkeit Mosambiks 1975 fand eine Strafverfolgungen auf dieser Grundlage in der Praxis nicht mehr statt. 2011 erklärte Justizministerin von Mosambik, Benvinda Lev, dass homosexuelle Handlungen in Mosambik nicht unter Strafe stünden.[5]
2006 fanden einige Demonstrationen für die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen statt, als das in Südafrika ermöglicht wurde.[6] In Mosambik blieb die Initiative aber ohne Erfolg.
Artikel 4 Abs. 1 des Arbeitsgesetzes von 2007[7] (Gesetz Nr. 23/2007) garantierte Nichtdiskriminierung aufgrund sexueller Orientierung, Ethnie oder HIV/AIDS-Status. Artikel 5 gewährte Beschäftigten ein Recht auf Privatsphäre in Bezug auf Familienleben, persönliche Beziehungen, Sexualleben, Gesundheitszustand sowie politische und religiöse Überzeugungen. Artikel 108 garantierte gleichen Lohn und gleiche Leistungen für gleiche Arbeit ohne Diskriminierung aufgrund von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Dieses Gesetz wurde 2024 durch ein neues Arbeitsgesetz[8] (Nr. 13/2023) abgelöst, das keine ausdrücklichen Schutzbestimmungen für LGBT+-Personen mehr enthält.
Durch den Artikel 2 des Gesetzes Nr. 35/2014 vom 31. Dezember 2014[9] wurde der Código Penal von 1886 – und damit auch die genannten Bestimmungen, die homosexuelle Handlungen unter Strafe stellten – aufgehoben. Die neue Fassung des Strafgesetzes trat zum 29. Juni 2015 in Kraft und beseitigte die entsprechenden Bestimmungen.[10]
Rechtliche Lage
Strafrecht
Das neue Strafgesetzbuch von 2015[11] enthält keine Bestimmungen mehr über die Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen.
Antidiskriminierungsgesetzgebung
Eine Änderung des Strafgesetzbuches, die 2020 in Kraft trat, schuf Straftatbestände für Hassverbrechen gegen LGBTQ+-Personen. Artikel 191 verbietet die Anstiftung zu Diskriminierung, Hass oder Gewalt gegen Personen oder Gruppen aufgrund ihrer Geschlechtsidentität. Außerdem verbietet er Verleumdung, Beleidigungen und Drohungen gegen transgeschlechtliche Menschen.[12]
Artikel 6 Abs. 2, Buchst. d) des Werbegesetzbuchs von 2016 verbietet Werbung, die Diskriminierung oder Belästigung aufgrund sexueller Orientierung enthält und Artikel 30, Buchst. c) bestimmt, dass Stellenanzeigen und Angebote keine Einschränkungen aufgrund von Geschlecht, Familienstand, politischer Orientierung, sexueller Orientierung, Herkunft, Ethnie oder Religion enthalten dürfen.[13]
Mosambik gehört damit zu den wenigen afrikanischen Staaten, die überhaupt irgendeine Form rechtlichen Schutzes vor Diskriminierung für LGBTQ-Personen bieten.
Ehe und Partnerschaft
Artikel 8 des Familiengesetzes von Mosambik (Lei da Família[14]), das 2019 in Kraft trat, definiert:
Eine Ehe ist die freiwillige und ausschließliche Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau mit dem Ziel, durch eine vollständige Lebensgemeinschaft eine Familie zu gründen.
Und Artikel 2 Abs. 2 des Familiengesetzes von Mosambik erklärt: Ebenfalls als familiäre Einheit anerkannt wird – für vermögensrechtliche Zwecke – die ausschließliche, stabile, freie und öffentlich bekannte Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau (união de facto).
Mosambik erkennt damit gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht an. Gleichgeschlechtliche Paare können weder heiraten noch Kinder adoptieren.[15]
Soziale Lage
Allgemeingesellschaftlich
Nur wenige homosexuelle Menschen in Mosambik leben ihre Sexualität offen. Viele führen ein halb verborgenes Leben, während die Mehrheit ihre sexuelle Orientierung vollständig geheim hält und verleugnet. Häufig sind homosexuelle Männer mit Frauen verheiratet, um Familie und Gesellschaft zufriedenzustellen.[16] Hassverbrechen und Gewalt gegen die LGBT+-Gemeinschaft sind aber in Mosambik vergleichsweise selten. Umfragen zeigen ein moderates Maß an Unterstützung für LGBTQ-Rechte und die gleichgeschlechtliche Ehe.[17] Bei einer Umfrage 2016 war Mosambik eines von nur vier Ländern in Afrika, in denen eine Mehrheit von 56 % der Menschen nichts dagegen hatte, einen homosexuellen Nachbarn zu haben. Die anderen waren Kap Verde (74 %), Südafrika (67 %) und Namibia (55 %).[18] Eine kleine LGBT-Community findet sich vorrangig in der Hauptstadt Maputo.
Eine bekannte Persönlichkeit, die sich öffentlich für LGBTQ-Rechte in Mosambik und ganz Afrika ausgesprochen hat, ist der ehemalige Staatspräsident Joaquim Chissano. Er forderte andere afrikanische Staats- und Regierungschefs dazu auf, Gesetze abzuschaffen, die LGBTQ-Rechte einschränken.[19]
Queere Selbsthilfe-Organisationen

Lambda Moçambique, eine Vereinigung, die 2006 gegründet wurde[20], war die erste LGBT+-Organisation in Mosambik. Sie ist eine regionale zivilgesellschaftliche Organisation, die sich für sexuelle und geschlechtliche Gleichberechtigung einsetzt. Seit 2008 bemüht sie sich, als Nichtregierungsorganisation registriert zu werden, ein Verfahren, das normalerweise sechs Wochen dauert. Es war bis heute (2026) vergeblich.[21]
Religion und geschlechtliche Vielfalt
Die römisch-katholische Kirche lehnt die gleichgeschlechtliche Ehe ab und erlaubt ihren Priestern nicht, solche Ehen zu schließen. Im Dezember 2023 veröffentlichte der Vatikan die Erklärung Fiducia supplicans, die es 35/2014 erlaubt, auch gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Die römisch-katholische Bischofskonferenz von Mosambik erklärte jedoch, dass „irreguläre Verbindungen und gleichgeschlechtliche Verbindungen in Mosambik nicht gesegnet werden sollen“, forderte aber gleichzeitig alle Geistlichen dazu auf, Menschen in solchen Beziehungen seelsorgerisch zu begleiten.[22]
Als die Anglikanische Kirche des südlichen Afrika die Möglichkeit diskutierte, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen[23], trennten sich die Diözesen in Angola und Mosambik und gründeten 2021 die konservativere Igreja Anglicana de Mocambique e Angola (Anglikanische Kirche in Mosambik und Angola).[24] Diese Kirche erlaubt Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften nicht.