Gewächshaus-Häubling
Art der Gattung Häublinge (Galerina)
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Der Gewächshaus-Häubling (Galerina sulciceps) ist eine stark giftige Pilzart aus der Familie der Hymenogastraceae. Die Art ist im tropischen Süd- und Südostasien verbreitet, wurde aber auch in einem bayerischen Gewächshaus nachgewiesen, wovon sich der deutsche Name ableitet. Wegen ihrer raschen Giftwirkung wurde sie vereinzelt als „tödlichster bekannter Pilz“ bezeichnet.[1]
| Gewächshaus-Häubling | ||||||||||||
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Gewächshaus-Häubling (Galerina sulciceps) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Galerina sulciceps | ||||||||||||
| (Berk.) Boedijn |

Merkmale
Makroskopische Merkmale
Der Hut erreicht einen Durchmesser von 1,5 bis 4 cm. Er ist dünnfleischig, tief gefurcht und von gallertartiger Konsistenz. Jung ist er eiförmig und noch geschlossen, im Alter niedergedrückt bis schwach trichterförmig. In der Mitte besitzt er einen deutlichen Buckel (Papille). Der Rand ist wellig und oft etwas eingerissen. Die Oberfläche des Hutes ist glatt und hygrophan; feucht ist sie gelbbraun, trocken blassocker, bei getrocknetem Material dunkel rost- bis weinbraun. Die Lamellen stehen entfernt, sind breit angewachsen bis leicht herablaufend; Zwischenlamellen sind vorhanden. Der Stiel ist mittig bis leicht exzentrisch; er wird bis 2,5 bis 3 cm lang und ist 0,15 bis 0,3 cm dick. Die Farbe des Stiels ist blass ockerfarben wie die Lamellen und wird nach unten hin dunkler (grau- bis rötlichbraun); an der Basis ist der Stiel fein weißsamtig. Das Fleisch riecht stark mehlig, mit KOH verfärbt es sich im Hut rotbraun, im Stiel fast schwarz.[2][3]
Mikroskopische Merkmale
Das Sporenpulver ist zimtbraun; die Sporen sind mandelförmig, fein punktiert bis fein warzig mit Plage und messen ca. 8 × 5 µm. In KOH zeigen sie einen deutlichen Keimporus. Die Hyphen besitzen Schnallen an den Septen und sind dort eingeschnürt. Im Subhymenium sind sie meist 3–4 µm, sonst überwiegend 8–10 µm breit. Die Basidien sind zylindrisch, viersporig, 30–45 × 5,5–6 µm groß und besitzen 5–6 µm lange Sterigmen. Die Pleurozystiden stehen einzeln; sie sind gestielt, bauchig und besitzen einen langen Hals. Sie erreichen meist eine Länge von 65–75 µm, bei einer Breite von 3,5–5 µm am Stielteil und 12–12,5 µm am Bauch. Die Cheilozystiden sind keulig bis fast blasig, meist gestielt und gelegentlich mit einem kleinen zylindrischen Fortsatz versehen.[4][5]
Verbreitung
Der Pilz ist auf Java, Sumatra und Sri Lanka heimisch und dort an manchen Standorten häufig.[5] Im Winter 1980/81 trat die Art in einem Gewächshaus am Institut für Botanik der Universität Regensburg auf und erschien damit erstmals außerhalb ihrer tropischen Heimat. Sie fruktifizierte in mehreren Schüben zwischen Orchideentöpfen auf einer Lage von feuchtem Sägemehl.[4] 2024 wurde aus dem chinesischen Luzhou (Provinz Sichuan) die Vergiftung von 15 Personen mit einem Galerina sulciceps-ähnlichen Pilz berichtet.[6]
Ökologie und Phänologie
Der Gewächshaus-Häubling erscheint als Saprobiont auf Totholz.[5] Im Regensburger Gewächshaus fruktifizierte er auf Nadelholzmehl bei ca. 27 °C und 80 % relativer Luftfeuchtigkeit.[4]
Giftigkeit
Nach Smith/Singer kann der Verzehr des Pilzes, abhängig von der Menge, in 7 bis 51 Stunden zum Tod führen.[5] Im Hinblick auf die rasche Giftwirkung nannte Ammirati die Art „den vielleicht tödlichsten bekannten Pilz“ (perhaps the most toxic mushroom known to man).[7] Besl untersuchte die Regensburger Fruchtkörper auf die bereits in einigen Galerina-Arten nachgewiesenen Amatoxine. Der Schnelltest mit Salzsäure nach Theodor Wieland verlief positiv. Durch dünnschichtchromatographische Analyse konnte Besl anschließend insbesondere α-Amanitin sowie Spuren von β-Amanitin nachweisen; Phallotoxine fehlten dagegen.[4]
Die Vergiftungssymptome werden von Smith/Singer als „einigermaßen ungewöhnlich“ (unusual to some extent) bezeichnet, da sie Taubheitsgefühle, Parästhesie („Nadelstiche“) und Übelkeit ohne Erbrechen umfassten.[5] Vom chinesischen Massenvergiftungsfall wird dagegen eine mit dem Amatoxin-Syndrom besser übereinstimmende Symptomatik berichtet: Die Mehrzahl der Patienten (87 %) litt unter Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Bei 67 % der Patienten wurde eine Leberfunktionsstörung festgestellt, und bei 27 % trat eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) auf. Die Latenzzeit bis zum Auftreten der ersten Magen-Darm-Symptome betrug 13,4 ± 4 Stunden. Dabei kam es aufgrund rascher intensivmedizinischer Behandlung nicht zu Todesfällen.[6]
Taxonomie
Die Art wurde 1847 von Miles Joseph Berkeley als Marasmius sulciceps beschrieben, da sie einem Schwindling sehr ähnlich sieht. Scherffel überführte sie 1897 wegen ihrer braunen Sporen in die neu geschaffene Gattung der Schüppchenschnitzlinge (Phaeomarasmius). Schließlich ordnete Boedijn die Art 1951 wegen ihrer ornamentierten (d. h. fein punktierten) Sporen und dem Zystidentyp der Gattung Galerina (Häublinge) zu.[8][9]
Etymologie
Literatur
- Helmut Besl: Amatoxine im Gewächshaus: Galerina sulciceps, ein tropischer Giftpilz, in: Zeitschrift für Mykologie 2/47 (1981), S. 253–256. (PDF zum Download, 1,98 MB)
- Mengxia Cao, Shan Luo, Ting Kang, Santao Ou: An outbreak of Galerina sulciceps-like (Galerina cf. sulciceps) mushroom poisoning. In: Clinical Toxicology 62, Nr. 11 (2024), S. 707–713 (DOI:10.1080/15563650.2024.2402501).
- Alexander H. Smith, Rolf Singer: A monograph on the genus Galerina Earle. New York und London: Hafner, 1964, S. 285f.: Nr. 164 Galerina sulciceps. (online)