Giovanni Volpato

italienischer Graveur und Porzellanfabrikant From Wikipedia, the free encyclopedia

Giovanni Volpato (* 20. Mai 1735 in Angarano; † 25. August 1803 in Rom) war ein italienischer Kupferstecher, Radierer, Zeichner, Schriftsteller und Porzellanfabrikant. Er wurde im Ortsteil Angarano der italienischen Stadt Bassano del Grappa geboren, die damals zur Republik Venedig gehörte.[1]

Angelika Kauffmann (1741–1807): Porträt von Giovanni Volpato. Ex-Sotheby's

Leben

Giovanni Volpato entstammte der Familie Trevisan, nahm jedoch den Familiennamen seiner mütterlichen Großmutter Francesca Volpato an. In seiner frühen Jugend arbeitete er als Steinmetz, bevor er seine Leidenschaft für die grafische Kunst entdeckte. Im Jahr 1759 trat er in die Calcografia des Giambattista Remondini[2] in Bassano ein, die für ihre Kupferstiche weithin bekannt war. Unter der Anleitung von Giuliano Marco Giampiccoli und Antonio Baratti erlernte er die Technik des Kupferstichs und der Radierung. In dieser frühen Phase signierte er unter dem Pseudonym Jean Renard (nach Thieme-Becker auch Jean Renaud) und schuf die Vier ländlichen Capricci nach Giovanni Battista Piazzetta, die Vier Erdteile nach Jacopo Amigoni, die Vier Lebensalter nach Andrea Zucchi sowie ein Porträt des Anatomen Giovanni Battista Morgagni.[1]

Auf Einladung von Francesco Bartolozzi, der sein Talent bei einem Besuch in Bassano entdeckt hatte, zog Volpato im Jahr 1762 nach Venedig. In Bartolozzis Atelier bei Santa Maria Formosa verfeinerte er seine Techniken, insbesondere die Radierung. Dabei behielt er seine Verbindung zur Calcografia Remondini bei, für die er als technischer und kaufmännischer Berater tätig war. In Venedig stach er vier Landschaften nach Marco Ricci, religiöse Szenen nach Jacopo Amigoni sowie die Vier Jahreszeiten und sechs flämische Szenen nach Francesco Maggiotto. Darüber hinaus stach er Porträts des Dogen Foscarini und des Prokurators Pisani nach Bartolozzi sowie des Prokurators Calbo nach Francesco Canal. Zudem entstanden Veduten nach Christian Zais, Giovanni Battista Ricci und Giovanni Battista Piazzetta. Nach Bartolozzis Weggang nach England im Jahr 1764 arbeitete Volpato eng mit dem Schweizer Kupferstecher Joseph Wagner und Maggiotto zusammen. Nach dessen Zeichnungen stach er eine Serie von zehn burlesken Szenen von Hausierern, die Nicolò Cavalli edierte. Hinzu kamen neun Themen aus dem Alten Testament nach Maggiottos Vorlagen.[2][1]

Panorama der Stadt Rom, von Giovanni Volpato nach Francesco Panini

Im Jahr 1769 zog Volpato nach Parma, wo er gemeinsam mit anderen Künstlern 36 Druckplatten für die Dokumentation der Hochzeitsfeierlichkeiten des Infanten Ferdinand von Bourbon-Parma mit Maria Amalia von Habsburg-Lothringen schuf. Nach seiner Rückkehr nach Venedig begann er mit den Platten für Paesti quod Posidoniam etiam dixere Rudera, die 1784 in Rom erschienen. Bereits seit 1770 plante er den Umzug nach Rom, um Reproduktionen der Fresken Raffaels in den Vatikanischen Stanzen und Loggien anzufertigen. Schließlich zog er 1772 dorthin. Dort schloss er sich dem Kreis um den schottischen Maler und Antiquar Gavin Hamilton sowie dem Salon von Angelika Kauffmann an. Sie porträtierte ihn; Volpato war mit ihrem Ehemann Antonio Zucchi befreundet. Sein Mäzen war der venezianische Gesandte in Rom, Girolamo Zulian.[1]

In Rom gründete Volpato eine Kupferstecherschule, aus der bedeutende Grafiker hervorgingen, darunter sein Schwiegersohn Raffaello Morghen, der berühmteste Kupferstecher seiner Generation, sowie Domenico Cunego, Giovanni Folo und Pietro Fontana. Mit Antonio Canova, der 1779 in Rom eintraf, verband ihn eine enge Freundschaft. Auf seine Veranlassung hin entstand ein Programm zur grafischen Erfassung des bildhauerischen Gesamtwerks Canovas, für das er mehrere Grafiker aus Venedig anwarb.[1]

Im Jahr 1786 eröffnete Giovanni Volpato eine Porzellanmanufaktur in der Via Pudenziana in Rom, die später von seinem Sohn Giuseppe weitergeführt wurde und bis 1818 bestand. Papst Pius VI. verlieh Volpato das Privileg, antike Monumente und Skulpturen aus Porzellan nachzubilden. Als Antiquar und Ausgräber führte er gemeinsam mit dem ebenfalls als Antiquar tätigen Thomas Jenkins Grabungen in Ostia (1779), an der Porta San Sebastiano (1779) sowie in Quadraro (1780) durch. Er verkaufte Antiken unter anderem an König Gustav III. von Schweden sowie an die Vatikanischen Museen. Im Istituto Nazionale per la Grafica in Rom werden 37 seiner Druckplatten aufbewahrt, die 1826 zum damals enormen Preis von 24.000 Scudi erworben wurden.[1]

Werk

:Giovanni Volpato, Wand der Farnese-Galerie, nach Annibale Carracci (1777). British Library, London

Giovanni Volpatos künstlerisches Schaffen ist vielseitig und umfasst Reproduktionsgrafik nach alten und zeitgenössischen Meistern, Veduten, Porträts, antiquarische Druckwerke sowie Porzellanfiguren. Sein Frühwerk steht in der venezianischen Tradition des 18. Jahrhunderts und ist geprägt von der Manier Bartolozzis mit geschwungener, freier Strichführung nach venezianischen Meistern wie Piazzetta, Amigoni, Maggiotto und Zuccarelli. In seiner römischen Schaffensperiode wandte er sich einer persönlicheren Manier zu: Die Strichführung wurde enger und variierter, es gab keine Gegenschraffierung und Punktierung mehr. Dabei ersetzte er die Radiernadel zunehmend durch den Grabstichel. Thieme-Becker hebt neben den vatikanischen Stanzenblättern die Bildnisse des Dogen Foscarini, des Marchese di Montallegri, des Morgagni sowie der Prokuratoren Pisani und Calbo als seine besten Werke hervor.[3]

Rafaels Loggien im Vatikan: Eingang

Giovanni Volpatos bekanntestes und einflussreichstes Projekt war die grafische Dokumentation der Raffaelschen Loggien im Vatikan, die er gemeinsam mit Giovanni Ottaviani in drei Bänden mit insgesamt 46 Tafeln veröffentlichte. An dem Projekt waren außerdem Gaetano Savorelli, Pietro Camporesi und Ludovico Teseo beteiligt. Besondere Bedeutung kommt dem großformatigen Frontispiz mit der perspektivischen Innenansicht der Loggien zu (1776/77, Tours, Musée des Beaux-Arts). Das 68 cm hohe Blatt basiert auf einer Zeichnung Camporesis, die Volpato erheblich modifiziert und in eine meisterhafte Chiaroscuro-Komposition von großer räumlicher Tiefe verwandelt hat. Die teilweise von Francesco Panini kolorierten Tafeln wurden zu einem wichtigen Referenzwerk für das antiquarische Interesse der Epoche und fanden bei den Reisenden der Grand Tour großen Absatz. Zu den bedeutenden Blättern zählen außerdem die grafischen Umsetzungen der Schule von Athen, der Disputation über das Sakrament, Heliodors Vertreibung aus dem Tempel, des Parnass und des Brandes im Borgo von Raffael. In der Zeit von 1775 bis 1777 entstanden in Zusammenarbeit mit Francesco Panini, Lodovico Teseo und Pietro Bettelini Stiche nach den Fresken von Annibale Carracci in der Galleria des Palazzo Farnese. Im Jahr 1773 lieferte Volpato acht Stiche für Gavin Hamiltons Schola Italica Picturae nach Werken von Leonardo da Vinci, Raffael, Polidoro da Caravaggio, Correggio, Veronese und Caravaggio. Gemeinsam mit Abraham-Louis-Rodolphe Ducros schuf er eine Folge von Radierungen römischer Veduten sowie im Jahr 1792 eine Serie von Innenansichten des neu eingerichteten Museo Pio-Clementino. Auch ein großes Rompanorama auf drei Platten entstand in dieser Zeit.[3]

Die im Jahr 1786 gegründete Porzellanmanufaktur produzierte Biskuitfiguren nach antiken Vorlagen aus dem Museo Pio-Clementino und dem Kapitolinischen Museum sowie nach modernen Entwürfen.[4] Papst Pius VI. hatte Volpato das Privileg zur Nachbildung antiker Monumente und Skulpturen in Porzellan verliehen. Als Unternehmer profitierte Volpato vor allem von der Kundschaft der späten Grand Tour. Eine im Londoner Victoria and Albert Museum aufbewahrte Inventarliste aus dem Jahr 1795 verzeichnet 90 Positionen aus weißem Biskuitporzellan. Das aufwendigste Stück war die Nachbildung des Flussgottes Nil mit seinen als Putten gestalteten Nebenflüssen. Sie war dem Original im Belvedere nachempfunden. Die Manufaktur führte ihre Produkte in umfangreichen Katalogen und bestand unter seinem Sohn Giuseppe bis 1818.[3]

Literatur

  • Francis Haskell: The Museo Pio-Clementino in Rome and the Views by Ducros and Volpato. In: Louis Ducros: Images of the Grand Tour. (Ausst.-Kat., Kenwood House, London), London 1985, S. 36–39.
  • Hugh Honour: Statuettes after the antique: Volpato's Roman porcelain factory. In: Apollo, Bd. 85, Mai 1967, S. 371–373.
  • C. Faccioli: Anni ed Epistolario romano d'un grande incisore bassanese, Giovanni Volpato. In: L’Urbe, Bd. 32, Nr. 3, 1969, S. 18–35.
  • L. Melegati: Giovanni Volpato e il cantiere romano. In: A. d’Agliano, L. Melegati (Hrsg.): Ricordi dell’antico: sculture, porcellane e arredi all’epoca del Grand Tour. (Ausst.-Kat., Musei Capitolini, Rom), Rom 2008, S. 101–114.
  • Giorgio Marini: Giovanni Volpato 1735–1803. Ausstellungskatalog, Museo-Biblioteca-Archivio, Bassano del Grappa, und Istituto Nazionale per la Grafica, Rom. Ghedina & Tassotti, Bassano del Grappa 1988.
  • Giorgio Marini: Volpato, Giovanni. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Bd. 100. Istituto dell'Enciclopedia Italiana, Rom 2020, S. 112–116.
  • Nicole Dacos: The Loggia of Raphael. A Vatican Art Treasure. Libreria Editrice Vaticana / Abbeville Press, Vatikanstadt / New York 2008, S. 318–320.
  • Ilaria Bignamini, Clare Hornsby: Digging and Dealing in Eighteenth-Century Rome. Yale University Press, New Haven / London 2010, S. 339–340.
  • Arthur M. Hind: A History of Engraving and Etching from the 15th Century to the Year 1914. Dover Publications, New York 1963, S. 209, 364.
  • Michael Bryan (Hrsg. George C. Williamson): Bryan's Dictionary of Painters and Engravers. Bd. V: S–Z. George Bell and Sons, London 1905, S. 320.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 14: Valverde – Zyw. Paris, 2006.
  • Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.

Einzelnachweise

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