Giricano
archäologische Stätte in der Türkei
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Giricano (assyrisch: Dunnu-ša-Uzībi) ist ein Tell (Türkisch: Höyük) am Nordufer des Tigris im Landkreis Bismil der Provinz Diyarbakır in der Türkei. Der Höyük liegt erhöht an einer Flussschleife mit Blick auf den Fluss und misst 170 × 120 × 25 Meter. Er befindet sich 3 km nordwestlich der Stätte Ziyaret Tepe (das altorientalische Tušḫan) und 2 km nördlich von Hakemi Use Tepe.[1]
Ausgrabungen
Giricano wurde 1988 von Guillermo Algaze im Rahmen des Euphrat-Tigris-Surveys entdeckt, die zur Entdeckung mehrerer Siedlungen entlang der Flüsse geführt hat. Ausgrabungen fanden in Giricano zwischen 2000 und 2003 im Rahmen der wegen des Baus des Ilısu-Staudamms notwendig gewordenenNotgrabungen unter der Leitung von Andreas Schachner der LMU München statt. Weitere Partner und Förderer waren TAÇDAM der ÖDTU Ankara, die DFG und das Archäologische Museum von Diyarbakır.[2]
Schichtungen
Ausgrabungen belegen, dass Giricano vom ersten Viertel des 3. Jahrtausends v. Chr. bis in die späte Obed-Zeit, die erste Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr., die späte Bronzezeit und die Eisenzeit bewohnt war. Später, vom 12. bis zum 14. Jahrhundert n. Chr., diente dieser Ort nahegelegenen Siedlungen als Begräbnisstätte.[2]
Funde
Die oberste Schicht mit der Architektur der frühen Eisenzeit zeigt im Gegensatz zu den vorherigen Schichten die Verwendung von Stein anstelle von Lehmziegeln. Diese Steine stammen vermutlich vom Flussufer. Aufgrund ihrer Nähe zur Oberfläche und ihrer späteren Nutzung als Begräbnisstätte sind sie jedoch stark beschädigt. In dieser Schicht wurde handgefertigte, gerillte Keramik gefunden, die für Ostanatolien charakteristisch ist.[2]
Der bedeutendste Fund der Ausgrabungen ist ein Satz von 15 Tontafeln aus der Zeit des assyrischen Königs Aššur-bel-kala (1073 bis 1056 v. Chr.). Die Keilschrifttafeln, die in einem Behälter gefunden wurden, gehörten einem Kaufmann namens Ahuni und beziehen sich auf den Handel mit Getreide, Vieh und Silber. Der Kaufmann lebte in Tušḫan und unterhielt Handelsbeziehungen mit Giricano. Aufgrund dieser Dokumente wird Giricano mit der assyrischen Siedlung Dunnu-ša-Uzībi identifiziert, Tušḫan selbst war die Provinzhauptstadt.[1][3]
Weblinks
- Giricano in der Pleiades-Datenbank
- Fotos auf der Seite der Türkiye Arkeolojik Yerleşmeleri (TAY)
- Mitteilung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
- Andreas Schachner: Die Glyptik des 2. Jahrtausends v. Chr. aus Giricano am Oberen Tigris, Bd. 64 (2014): Istanbuler Mitteilungen,
Quellen
- Peter Bartl: Giricano and Ziyaret Tepe: Two Middle Bronze Age sites in the Upper Tigris Region. In: Peter Pfälzner (Hrsg.): Studien zur Urbanisierung Nordmesopotamiens. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2012.
- Peter Bartl: The middle Bronze Age on the upper Tigris: New evidence from the excavations at Giricano and Ziyaret Tepe. In: Archaologische Mitteilungen aus Iran und Turan. Band 37, 2005, S. 153–162 (academia.edu).
- Karen Radner: Das mittelassyrische Tontafelarchiv von Giricano, Dunnu-sa-Uzibi. Verlag Brepols, Turnhout 2004, ISBN 2-503-51581-9, S. 156.