Chociwel
Stadt in Polen
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Chociwel (deutsch Freienwalde in Pommern) ist eine Kleinstadt und Sitz einer Stadt- und Landgemeinde im Powiat Stargardzki (Stargarder Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.
| Chociwel | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Westpommern | |
| Powiat: | Stargard | |
| Gmina: | Chociwel | |
| Fläche: | 3,67 km² | |
| Geographische Lage: | 53° 28′ N, 15° 20′ O | |
| Einwohner: | 2989 (1. Jan. 2024)[1] | |
| Postleitzahl: | 73-120 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 91 | |
| Kfz-Kennzeichen: | ZST | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | DK 20 Stargard ↔ Gdynia | |
| DW 144 Nowogard ↔ Chociwel | ||
| Eisenbahn: | Stargard–Gdańsk | |
| Nächster int. Flughafen: | Stettin | |
| Gmina | ||
| Gminatyp: | Stadt- und Landgemeinde | |
| Gminagliederung: | 20 Ortschaften | |
| 11 Schulzenämter | ||
| Fläche: | 160,57 km² | |
| Einwohner: | 5466 (1. Jan. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 34 Einw./km² | |
| Gemeindenummer (GUS): | 3214023 | |
| Verwaltung (Stand: 2017) | ||
| Bürgermeister: | Stanisław Szymczak | |
| Adresse: | ul. Armii Krajowej 52 73-120 Chociwel | |
| Webpräsenz: | www.chociwel.pl | |
Geographische Lage


Die Stadt liegt in Hinterpommern, direkt am Großen Staritzsee (poln. Jezioro Starzyca) und nahe dem Steinhöfeler See (Jezioro Kamienny Most) sowie dem Karkower See (Jezioro Karkowko). Westlich des Ortes verläuft der Fluss Krampehl (Krąpiel).
Geschichte



In der Nähe der Stadt wurden Reste eines slawischen Burgwalls gefunden, jedoch ist nachgewiesen, dass bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts das Gebiet wüst lag. Um 1250 entstand eine neue Siedlung mit Einwanderern aus dem Westen. Unter dem Namen Freienwalde verliehen die Brüder Wedego und Henning von Wedell dem Ort 1338 das Magdeburger Stadtrecht.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts waren die Eigentumsrechte an Freienwalde geteilt, der Bischof von Cammin und der Markgraf von Brandenburg waren je zur Hälfte die Stadtherren. 1603 wurde Freienwalde pommersches Lehen, fiel aber nach dem Aussterben des pommerschen Herrscherhauses wieder an Brandenburg zurück. Im Dreißigjährigen Krieg fielen 95 Prozent der ehemals 760 Einwohner der Pest zum Opfer. Die Überlebenden zogen sich bis nach Polen zurück, kehrten aber nach dem Krieg in ihre Stadt zurück.
1756 Ist Freienwalde in Hinterpommern im Besitz der Herren von Wedel verzeichnet.
Um 1780 hatte Freienwalde zwei Stadttore und 180 Häuser, von denen zwei vor den Stadttoren lagen.[2] 1816 wurde Freienwalde mit der preußischen Verwaltungsreform in den Kreis Saatzig eingegliedert. Der Lebensunterhalt wurde hauptsächlich durch die Landwirtschaft bestritten. Erst mit dem Bau der Chaussee nach Stargard 1843 und der Errichtung der Bahnlinie Stettin–Danzig 1859 stellte sich ein wirtschaftlicher Aufschwung ein, durch den sich Freienwalde zu einem regionalen Handwerks- und Handelszentrum entwickelte.
Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Stadt Freienwalde einen Flächeninhalt von 22,2 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 325 bewohnte Wohnhäuser an vier verschiedenen Wohnplätzen:[3]
- Albertshof
- Freienwalde i. Pom.
- Rauschmühle
- Rittergut Freienwalde i. Pom.
Um 1935 gab es in Freienwalde ein Hotel, fünf Gasthöfe, ein Bankhaus, eine Buchdruckerei, eine Hartsteinfabrik, zwei Maschinenbaubetriebe, eine Wurstfabrik, eine Molkerei, eine Mühle, einen Zeitungsverlag, sieben Gemischtwarenläden und zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte, Gewerbetreibende, Dienstleister sowie Handelsunternehmen.[4]
1941 erreichte die von Berlin nach Königsberg geplante Autobahn die Stadt, vor ihren Toren wurde der Bau eingestellt.
Während der Einnahme Freienwaldes gegen Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Rote Armee Anfang 1945 wurde die Altstadt mit Ausnahme der Marienkirche zerstört. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde die Stadt zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Es begann nun die Zuwanderung polnischer und ukrainischer Zivilisten aus Gebieten östlich der Curzon-Linie. Der Stadtname Freienwalde wurde zu ‚Chociwel‘ polonisiert. Die einheimischen Stadtbewohner wurden bis 1947 von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Freienwalde vertrieben.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1740 | 850 | [5] |
| 1782 | 872 | darunter 34 Juden[5] |
| 1794 | 937 | darunter 36 Juden[5] |
| 1812 | 1008 | darunter vier Katholiken und 39 Juden[5] |
| 1816 | 1007 | darunter zwei Katholiken und 33 Juden[5] |
| 1831 | 1321 | darunter sechs Katholiken und 46 Juden[5] |
| 1843 | 1747 | darunter neun Katholiken und 58 Juden[5] |
| 1852 | 2019 | darunter vier Katholiken und 58 Juden[5] |
| 1861 | 2200 | darunter drei Katholiken und 57 Juden[5] |
| 1865 | 2247 | darunter 2166 Evangelische, 14 Katholiken, drei Dissidenten und 64 Juden[6] |
| 1867 | 2211 | [7] |
| 1871 | 2248 | darunter 2190 Evangelische, vier Katholiken, fünf sonstige Christen und 49 Juden (sechs Nicht-Preußen)[7] |
| 1875 | 2293 | [8] |
| 1880 | 2384 | [8] |
| 1890 | 2316 | darunter 13 Katholiken und 46 Juden[8] |
| 1925 | 2986 | darunter 2846 Evangelische, 47 Katholiken und 42 Juden[3] |
| 1933 | 3260 | [8] |
| 1939 | 3411 | [8] |


Religionen
Stadtkirche
Die Marienkirche aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts ist eine mit einem Sterngewölbe überspannte dreischiffige Hallenkirche aus Backstein und hat einen einschiffigen Chor. Der Kirchturm ist mit Blendarkaden verziert und verjüngt sich zum Obergeschoss stark. Er brannte 1875 ab und wurde 1877 ersetzt. Das Kirchenpatronat oblag den Gutsbesitzern der Familie von Wedel, deren Besitzungen im Kirchenkreisgebiet lagen. Bis 1945 war die Kirche ein evangelisches Gotteshaus.
Auf dem Friedhof der Stadt befindet sich eine neugotische Kapelle.
Nach 1945 wurden die Kirchengebäude zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet. Die Marienkirche erhielt den neuen Namen Mutter Gottes der Schmerzen.
Kirchspiel bis 1945
Bis 1945 waren die Einwohner Freienwaldes überwiegend evangelischer Konfession. Seit 1530 amtierten hier zwei Geistliche, wobei der Inhaber der ersten Pfarrstelle außerdem Superintendent des Kirchenkreises Freienwalde war. Der Kirchenkreis gehörte zum Westsprengel in der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union.
Zur Pfarrei Freienwalde gehörten zwei Filialkirchen: Karkow und Silbersdorf-Woltersdorf. 1940 zählte das Kirchspiel 3820 Gemeindeglieder. Letzte deutsche Geistliche vor 1945 waren Superintendent Hans Faiszt und Pfarrer Friedrich Nagel. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1618 zurück.[9]
Das katholische Kirchspiel war in Stargard i. Pom. Das Standesamt befand sich in Freienwalde i. Pom..
Kirchspiel seit 1945
Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Stadtbewohner anwesende polnische Bevölkerung ist überwiegend katholischer Konfession. Die polnische katholische Pfarrei gehört zum Dekanat Ińsko (Nörenberg) im Erzbistum Stettin-Cammin der Katholischen Kirche in Polen.
Evangelische Kirchenglieder betreut das Pfarramt Stettin in der Diözese Breslau der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Die polnische Baptistengemeinde der Stadt nutzt einen Neubau in der ul. Kolejowa 1A.
Persönlichkeiten: Söhne und Töchter des Ortes
- G. Adolf Arndt (1849–1926), deutscher Jurist, Professor in Königsberg
- Albert Wendt (1851–1932), deutscher Oberlehrer und Förderer der Spielzeugherstellung im sächsischen Erzgebirge
- Hugo von Kathen (1855–1932), preußischer General der Infanterie, zuletzt Oberbefehlshaber der 8. Armee
- John Menger (1876–1941), deutscher Verwaltungsjurist, Landrat
- Reinhold Heller (1885–1945), Kriminalbeamter und SS-Obersturmbannführer
- Paul Steinführ (1900–1983), deutscher Gewerkschafter, Zweiter Vorsitzender des Zentralvorstandes der Industriegewerkschaft Leder im FDGB
- Ernst Retzlaff (1902–1934), deutscher Politiker (NSDAP), Bürgermeister der Stadt Neubrandenburg
- Herbert Hoffmann (1919–2010), deutscher Tätowierer und Fotograf
- Siegfried Vergin (1933–2012), deutscher Politiker (SPD), Mitglied des Deutschen Bundestages
Gmina Chociwel
Allgemeines
Die Stadt- und Landgemeinde Chociwel umfasst eine Fläche von 160,57 km² und macht damit 10,6 % der Fläche des gesamten Powiat Stargardzki (Kreis Stargard in Pommern) aus. Mit 6060 Einwohnern liegt sie genau im Mittelwert der Gemeinden in der Woiwodschaft Westpommern, bis 1998 noch zur Woiwodschaft Stettin gehörend. In der Gemeinde gilt die einheitliche Postleitzahl 73-120.
Das nordöstliche Gemeindegebiet gehört zum Landschaftsschutzpark Iński Park Krajobrazowy.
Nachbargemeinden sind:
- Dobrzany (Jacobshagen), Ińsko (Nörenberg), Marianowo (Marienfließ) und Stara Dąbrowa (Alt Damerow) im Powiat Stargardzki,
- Maszewo (Massow) im Powiat Goleniowski (Kreis Gollnow),
- Dobra (Daber) und Węgorzyno (Wangerin) im Powiat Łobeski (Kreis Labes).
Gemeindegliederung
Zur Stadt- und Landgemeinde Chociwel gehören außer der Stadt, die Sitz der Gmina ist, elf Ortsteile bei insgesamt 22 Orten:
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Andere Ortschaften:
- Chociwel Wieś, Kamionka (Glashagen), Kania Mała (Vorwerk Kannenberg), Mokrzyca (Albertinenhof), Pieczonka (Krug), Płątkowo, Radomyśl (Albertshof), Sątyrz Pierwszy (Zanthier I), Sątyrz Drugi (Zanthier II), Spławie (Walkmühle) und Zabrodzie (Bertheim).
Verkehr
Straßen
Die Gmina Chociwel liegt an der bedeutenden und verkehrsreichen polnischen Landesstraße (DK) 20, die von Stargard (Stargard in Pommern) über Szczecinek (Neustettin) und Miastko (Rummelsburg) bis nach Gdynia (Gdingen) führt. Sie folgt damit einem langen Abschnitt der ehemaligen deutschen Reichsstraße 158, die in Berlin ihren Anfang nahm und in Lauenburg in Pommern (Lębork) endete. Als nächste größere Stadt ist Stargard (Stargard in Pommern) über die Fernstraße 20 (ehemalige deutsche Reichsstraße 158) in 24 Kilometern Entfernung zu erreichen.
Von Norden – der früheren Kreisstadt Naugard, dem heutigen Nowogard – stößt die Woiwodschaftsstraße (DW) 144 in das Gemeindegebiet und stellt eine Verknüpfung zur Landesstraße 6 (ehemalige Reichsstraße 2, heute auch Europastraße 28) her.
Noch eine dritte überregionale Straße endet im Gemeindegebiet von Chociwel. Es handelt sich um die Bezirksstraße 142, die im Südwesten der Gemeinde bei Lisowo (Voßberg) endet. Hier trifft sie – von der Autobahn 6 vom östlichen Stadtrand Stettins kommend – auf die DK 20. Die DW 142 ist ein Teilstück der Trasse der geplanten Reichsautobahn Berlin–Königsberg, deren Bau jedoch hier bei Voßberg 1941 gestoppt wurde. Nach 1945 legte man eine Verbindung zur DK 20 an.

Schienen
Die Stadt liegt an der Bahnstrecke Stargard Szczeciński–Gdańsk. Seit 1859 besteht in der Stadt Anschluss an die frühere Bahnstrecke von Berlin über Danzig nach Königsberg (Preußen), der heutigen PKP-Linie 202 von Stargard (Stargard in Pommern) nach Danzig. In den 1980er Jahren wurde die Strecke elektrifiziert.
In das heutige Gemeindegebiet reichte auch die 1895 eröffnete Bahnstrecke Stargard in Pommern (Stargard) – Daber (Dobra), früher von den Saatziger Kleinbahnen betrieben, 2001 von der Polnischen Staatsbahn stillgelegt. Sie hatte im Ortsteil Kannenberg (Karnia) der heutigen Gmina eine Bahnstation.
Literatur
- Freienwalde, Stadt (mit Rittergut), am Großen Staritzsee und unweit der Krampehl, Kreis Saatzig, Regierungsbezirk Stettin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Freienwalde (meyersgaz.org).
- Paul Schulz (Hrsg.): Der Kreis Saatzig und die kreisfreie Stadt Stargard – Ein pommersches Heimatbuch. Rautenberg, Leer 1984, ISBN 3-7921-0307-9.
- Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 141–144; Textarchiv – Internet Archive.
- Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Zweiten Theils vierter Band. Anklam 1868, S. 343–365; Textarchiv – Internet Archive.
- Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Flechsig-Buchvertrieb, Würzburg 2002, ISBN 3-88189-439-X, S. 107 f.
- Fr. Karow: Freienwalde in Pommern während des dreißigjährigen Krieges. In: Baltische Studien, Band 4, Heft 2, Stettin 1837, S. 8–17; Textarchiv – Internet Archive.
- Martin Zeiller: Freyenwalde. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (= Topographia Germaniae. Band 13). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1652, S. 56–57 (Volltext [Wikisource]).
Weblinks
- Stadt Freienwalde i. Pom. (Territorial.de)
- Die Stadt Freienwalde im ehemaligen Kreis Saatzig in Pommern ( vom 5. Juli 2016 im Internet Archive) (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).
