Goldbach Museum im ehemaligen Stiegler-Hof in Ergoldsbach
Geschichte
Das Heimatmuseum wurde 1978 auf Initiative des Heimatpflegers Helmut Siegl im Keller des Rathauses von Ergoldsbach eingerichtet. Der erste Gegenstand war eine Pickelhaube. Sammlungsbedingt wurden aus den ursprünglich vier Räumen im Laufe der Jahre elf Räume.[1] Für die Pflege und Inventarisierung der Objekte und für den Betrieb des Museums ist neben dem Heimatpfleger der im Juni 2021 gegründete Verein Goldbach Museum e.V. zuständig.
Seit 2018 liefen die Planungen für einen Umzug der Ausstellung in den sogenannten Stiegler-Bauernhof in der Rosemeyerstraße.[2] Dort wurde das Heimatmuseum nach umfangreichen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen im März 2025 als Goldbach Museum wiedereröffnet.[3]
Das aktuelle Museumsgebäude wurde 1912/13 als repräsentatives Wohnhaus für den Brauereibesitzer Lambert Pritschert errichtet. 1941 erwarb Ludwig Stiegler, ebenfalls Brauereibesitzer, das Gebäude, das seitdem als „Stiegler-Hof“ bezeichnet wird. 1983 erwarb die Marktgemeinde Ergoldsbach den Hof.[3]
Im Jahr 2025 wurde das Goldbach Museum Ergoldsbach in der Kategorie ehrenamtlich geführtes Museum mit dem Bayerischen Museumspreis ausgezeichnet.[4]
Alte Ausstellung
Das Heimatmuseum umfasste ca. 2000 Gegenstände der Ortsgeschichte sowie ein umfangreiches Bildarchiv. Das Spektrum reichte von Trachten, Hausrat, landwirtschaftlichen und handwerklichen Geräten bis hin zu prähistorischen Funden.[5] Die Gegenstände waren teils in Vitrinen ausgestellt, teils offen in den Raum gestellt.
Die Exponate wurden nach Themenkreisen in den folgenden Räumen untergebracht:
Raum 1: Hier sind Objekte von Küchen (Kuchl) und Geschirr (Hafern) zu finden.
Raum 2: Exponate aus Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe (z. B. Brauerei) sind ausgestellt.
Objekte aus Handwerk und LandwirtschaftRaum 3: Hier befinden sich Dokumente und Kleidung (Trachten) von Vertriebenen aus Schlesien und dem Sudetenland.
Raum 4: Objekte der Zeitgeschichte, Gegenstände aus Apotheken, von Fotografen, Friseuren, Hebammen, Musikinstrumentenbauern und Zahnärzten.
Raum 5: Die Geschichte des Ersten und Zweiten Weltkrieges
Raum 6: Depot
Raum 7: Glaube und Tradition, kirchliches und religiöses Geschehen, Volksfrömmigkeit
Raum 8: Depot
Raum 9: Kinderzimmer unserer Großeltern; Kinderwagen, Puppenküchen, Puppenstube und Spielzeug
Raum 10: Hauptgang; Dokumente, Urkunden, Bilder und Fotos der Geschichte Ergoldsbach werden gezeigt.
Raum 11: Prähistorische Funde bei Ausgrabungen: Produkte der Dachziegelwerke Ergoldsbach aus Lehm
In den Räumen verteilt befanden sich außerdem Objekte von Vereinen und Schulen sowie Fahnen. Auch das etwa 250 Jahre alte, restaurierte Uhrwerk aus dem Turm der Pfarrkirche St. Peter und Paul gehörte zu den Exponaten.
Neue Dauerausstellung seit 2025
Am 21. März wurde die neue Dauerausstellung des Museums mit dem Titel „Z’SAMM“ eröffnet. Behandelt werden darin schwerpunktmäßig drei Zeitphasen: die Bronzezeit, die Bajuwarenzeit sowie die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges. Dabei wird ein Fokus auf das Leben in der Gemeinschaft im Ort gelegt, woraus sich der Titel der Ausstellung ergibt.[6]
Die Bronzezeit wird durch frühbronzezeitliche Funde im Ergoldsbacher Ortsteil Jellenkofen repräsentiert. Die Bajuwarenzeit ist im Ort durch zwei frühmittelalterliche Friedhöfe präsent. In der Ausstellung werden das Grab einer reichen jungen Frau sowie eine Mehrfachbestattung von drei Brüdern beschrieben.[6]
Mehrere reale Personen, die in Ergoldsbach gelebt haben, werden in der Dauerausstellung mit ihren Biografien näher vorgestellt. Für die Bajuwarenzeit ist es die „Reiche Bajuwarin“ aus Grab 59 des örtlichen Gräberfeldes. Als Beispiel für die Rechte der Frauen dient Katharina Littich, die als erste Frau Metzgermeisterin wurde. Für die Zeit des Zweiten Weltkriegs wird unter anderem der Polizist Max Maurer vorgestellt, der gemeinsam mit anderen Personen KZ-Häftlinge rettete, die einem Todesmarsch entkommen waren.[7]
Jochen Ramming, Karoline Bartha:Z’SAMM in Ergoldsbach. In: Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hrsg.): museum heute. Nr.68. München Dezember 2025, S.9f.
Jochen Ramming, Karoline Bartha:Z’SAMM in Ergoldsbach. In: Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hrsg.): museum heute. Nr.68. München Dezember 2025, S.10.