Goman-Clan
Großfamilie
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Goman-Clan ist die Bezeichnung für eine unter anderem in Deutschland, insbesondere in Leverkusen, ansässige Roma-Großfamilie, die ursprünglich aus Polen stammt.[1] Strafbare Handlungen von Mitgliedern der Großfamilie wurden öffentlich als Clan-Kriminalität bezeichnet.[2]
Herkunft und Verbreitung
Die Familie Goman stammt aus Mittel- und Osteuropa, zu einem großen Teil aus Polen. Die Kölnische Rundschau berichtete im November 1967, dass Familienmitglieder in Konzentrationslagern inhaftiert gewesen waren. 1959 reisten etwa zweitausend zur Familie zugehörige Personen aus Polen und der DDR aus und siedelten sich in Westdeutschland an verschiedenen Orten an. Die Familie Goman lebte die ersten 20 Jahre vor allem in Wohnwagen auf Lagerplätzen. In den 80er-Jahren konnte die Familie Goman mit Unterstützung der Stadt Leverkusen, in der die meisten der Familienmitglieder heute leben, erstmals Wohnungen beziehen. Später erwarben einige Mitglieder Eigentum, etwa die bekannte Türmchenvilla in der Leverkusener Waldsiedlung.
Im Jahr 2021 versuchten 16 Mitglieder des Goman-Clans, sich mit ungültigen Miet- und Arbeitsverträgen beim Einwohneramt in Bern anzumelden. Die Schweizer Fremdenpolizei wies alle mit der Begründung aus dem Land, sie hätten sich die Aufenthaltserlaubnis erschlichen.[3] Insgesamt geht man davon aus, dass allein in Nordrhein-Westfalen rund tausend Personen dem Goman-Netzwerk angehören, wobei es sich um ein komplexes Geflecht verwandtschaftlich untereinander verbundener Familien handeln soll. Zahlreiche Angehörige des Clans sollen polizeibekannt sein.[2]
Seit einigen Jahren sind Teile des Clans nach Ostdeutschland umgezogen. 2025 wurde in einem laufenden Verfahren der Staatsanwaltschaft Chemnitz der Gesamtschaden durch kriminelle Haustürgeschäfte auf fast 1,4 Millionen Euro geschätzt. Bei an der Haustür abgeschlossenen Verträgen zu Handwerkerleistungen mit Zahlung bar auf die Hand wurden zwar Leistungen erbracht, die jedoch mangelbehaftet waren. Auch erwarben Familienmitglieder in Chemnitz mindestens 17 Mehrfamilienhäuser.[4]
Tatvorwürfe und Strafverfolgung
Belegt sind gewerblicher Betrug von Waren und Dienstleistungen durch Angehörige des Goman-Clans,[5] Geldwäsche, Inverkehrbringen von Falschgeld[6] und das Erschleichen von Leistungen.[7][8][9] Zu den verwendeten Betrugsmethoden zählte unter anderem der Enkeltrick.[10]
Im März 2018 durchsuchten Strafverfolgungsbehörden 70 Häuser und Wohnungen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Österreich, die sie dem Clan zuschrieben. Im selben Jahr wurden drei Familienmitglieder wegen Betrugs in Millionenhöhe zu mehrjährigen Haftstrafen (teilweise auf Bewährung) verurteilt und zu Entschädigungszahlungen verpflichtet (nicht rechtskräftig).[11][12][10]
Außerdem konfiszierten Strafermittlungsbehörden mehrere Luxusautos eines zum Clan gehörenden Sozialhilfeempfängers.[2]
Am 5. April 2026 rückte die Polizei an, als der Clan mit 40 bis 50 Personen in einem Lokal in Leverkusen feierte. Anwohner hatten sich über die Lautstärke in dem Lokal beschwert und die Polizei ermahnte die Gäste, leiser zu feiern. Feiernde griffen die Polizisten mit Fäusten, Stühlen und Gläsern an, wodurch drei Polizisten leichte Verletzungen erlitten. Rund 50 Streifenwagen waren im Einsatz. Von rund 40 Personen erfasste die Polizei die Personalien. Mehrere Personen mussten mit zur Wache und ein Mann wurde vorläufig festgenommen.[13]
Bekannte Familienmitglieder
- Michael Goman (* 1976 oder 1977), auch als „Don Mikel“ bekannt, gilt in den Medien als Oberhaupt der Familie. Er wurde Ende 2019 wegen Betruges vom Landgericht Köln zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.[14][15]
- Adam Goman (* 1960; † 2021) fungierte bei familieninternen Streitigkeiten als „Friedensrichter“. Als Schlagersänger veröffentlichte er unter dem Künstlernamen „Andy Morro“ im Zeitraum 1978–1986 sieben Schallplatten. Er verstarb Ende März 2021 an den Folgen einer Coronaerkrankung.[16]
Rezeption
Reportagen
- Spiegel TV: Clan-Kriminalität in Leverkusen: Die Geschäfte der Großfamilie Goman auf YouTube, 2. November 2018.
- Spiegel TV: Perfide Abzockmasche: Terrassenreinigung für 5000 Euro auf YouTube, 31. März 2021.
- Spiegel TV: Goman Clan Leverkusen – Ein Leben in Saus und Braus auf YouTube, 15. April 2020.
- Ermittler warnen: Deutscher Clan drängt in die Schweiz. Produktion: SRF (Magazin Rundschau), Schweiz, 2021. 16.44 Min
- Spiegel TV: Die Gomans: Schockanrufe bei Senioren auf YouTube, 7. Oktober 2022.
- Spiegel TV: Die »Schockanruf-Masche« – Das Millionengeschäft der Telefonbetrüger auf YouTube, 7. August 2025.
- MDR: Luxus durch Betrug – Die Goman-Familie auf Beutezug im Osten 30min, verfügbar bis 28. Januar 2028.