Gonadendysgenesie, 46, XY-Typ
angeborene Genitalfehlbildung
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Die Gonadendysgenesie, 46, XY-Typ ist eine seltene angeborene Genitalfehlbildung beim männlichen Geschlecht.[1]
| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| Q55 | Sonstige angeborene Fehlbildungen der männlichen Genitalorgane |
| Q98 | Sonstige Anomalien der Gonosomen bei männlichem Phänotyp, anderenorts nicht klassifiziert |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| LD2A.1 | Gonadendysgenesie, Karyotyp 46,XY |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
Synonyme sind: XY-Gonadendysgenesie; XY-Gonadenagenesie; Familiäre Anorchie; Familiäre Gonadenagenesie; englisch Testicular regression syndrome; Embryonic testicular regression syndrome
Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahre 1973 durch die US-amerikanische Gynäkologin und Humangenetikerin Gloria E. Sarto und dem deutsch-amerikanischen Humangenetiker John Marius Opitz.[2]
Einteilung
Die Datenbank Orphanet unterscheidet folgende Formen:
- Gemischte Form, Synonym: Gonadendysgenesie, gemischte, 45,X0/46,XY[3]
- Partielle Form[4]
- Vollständige Form, Synonyme: 46,XY reine Gonadendysgenesie; Swyer-Syndrom
- Form mit Neuropathie, Synonym: XY-Gonadendysgenesie – minifaszikuläre Neuropathie[5]
- Form mit Fehlbildungen, Synonym: XY-Gonadendysgenesie mit assoziierten Anomalien[6]
Ursache
Je später die Störung während der Embryonalentwicklung erfolgt, desto männlicher ist das Erscheinungsbild. Neben Genmutationen können auch vorgeburtliche Verschlüsse der Gefäße des Samenstranges ursächlich sein.[1]
Klinische Erscheinungen
Klinische Kriterien sind:[1]
- männlicher Karyotyp (XY)
- sehr variable Ausprägung
- äußeres Geschlechtsorgane von normal männlich bis weiblich mit unterentwickelten Labien
- alle Formen der Intersexualität können vorkommen
- innere Geschlechtsorgane von männlichen Adnexen mit fehlenden oder dysplastischen Hoden bis normale Eileiter und unterentwickelter Uterus
- fehlentwickelte (dysgenetische) Gonadenanlage, bei nur einseitiger Anorchie fehlentwickelte Gegenseite
Hinzu kann Geistige Behinderung kommen.
In der Tierwelt
XY-Gonadendysgenesie kommt auch bei Tieren vor, so beim Äthiopischen Igel (Paraechinus aethiopicus).[7]
Literatur
- M. Cools, Anna Nordenström u. a.: Caring for individuals with a difference of sex development (DSD): a Consensus Statement. In: Nature Reviews Endocrinology. Band 14, 2018, S. 415. doi:10.1038/s41574-018-0010-8.
- K. McElreavey, A. Jorgensen, C. Eozenou et al.: Pathogenic variants in the DEAH-box RNA helicase DHX37 are a frequent cause of 46,XY gonadal dysgenesis and 46,XY testicular regression syndrome. In: Genetics in medicine : official journal of the American College of Medical Genetics. Band 22, Nummer 1, 01 2020, S. 150–159, doi:10.1038/s41436-019-0606-y, PMID 31337883, PMC 6944638 (freier Volltext).