Grauvireo
Art der Gattung Vireos (Vireonidae)
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Der Grauvireo (Vireo vicinior) ist eine Vogelart aus der Familie der Vireos (Vireonidae).[1][2]
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Grauvireo | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Vireo vicinior | ||||||||||||
| Coues, 1866 |

Der Vogel kommt vom Südwesten der USA und nördlichem Baja California bis Westtexas vor, auch in Coahuila[3], zieht zum Überwintern nach Nordwestmexiko in den Sonora Bundesstaat und Baja California Sur. Die Population im Big-Bend-Nationalpark verhält sich als Standvogel und zieht nicht.
Der Lebensraum umfasst trockene, heiße, buschbestandene Flächen von 400 bis 2500 m Höhe.[4]
Der Artzusatz kommt von lateinisch vicinior ‚sehr nahe‘.[5]
Merkmale
Die Art ist 13–15 cm groß und wiegt zwischen 11 und 14 g. Die Geschlechter sehen fast gleich aus, lediglich der Schnabel ist beim Männchen diskret länger. Gesicht und Oberseite sind matt grau, die Zügel sind weiß. Der schmale Augenring ist weiß und durchgehend (geschlossen). Die Flügel sind dunkelgrau bis schwärzlich, die weißen Spitzen der Großen Armdecken bilden eine weißliche Flügelbinde. Der untere Rücken zeigt olivgrünen Schimmer wie auch die Oberschwanzdecken. Kinn, Kehle und obere Brust sind matt grau, der Bauch ist weißlich ebenso wie die Unterschwanzdecken. Die Flanken sind weißlich, mitunter etwas gelblich überhaucht. Die äußeren Steuerfedern haben weiße Außenränder. Der kurze und kräftige Schnabel ist schwärzlich bis bleifarben, an den Schneidkanten heller, der Unterschnabel kann blasser, gräulich blau aussehen. Der Schnabelwinkel ist bläulich weiß. Die Iris ist dunkelbraun, Beine und Füße sind gräulich blau. Jungvögel sind etwas braun überhaucht im Gefieder und die Flügelbinde ist deutlich demarkiert.
Der Vogel kann von ähnlichen, im Verbreitungsgebiet vorkommenden Arten wie grau gefiederten Mückenfängern (Polioptilidae), der Buschschwanzmeise (Psaltriparus minimus), Eichenmeise (Baeolophus inornatus) oder Wacholdermeise (Baelophus ridgwayi) schwierig zu unterscheiden sein.
Der Grauvireo ähnelt dem Weißstirnvireo (Vireo plumbeus), ist aber um ein Drittel kleiner, hat nur eine weißliche Flügelbinde und unauffällige weißliche Zügel und weißlichen Augenring, aber einen deutlich längeren Schwanz.[4]
Geografische Variation
Die Art ist monotypisch.[1][4][6][7]
Stimme
Die Lautäußerungen werden als anhaltenden, ausgefeilten Gesang des Männchens beschrieben. Während der Brutzeit singt auch das Weichen eine 1 bis 3 silbige Kurzversion. Der Ruf beider Geschlechter ist ein Triller, schimpfend, zwitschernd oder ähnlich. Der Gesang ist dem des Weißstirnvireos (Vireo plumbeus) mit den kurze frequenzmodulierten Silben ähnlich, es fehlen aber die langen, für den Weißstirnvireo typischen Silben.[4]
Lebensweise
Die Art ist ein überwiegend ein Kurzstreckenzieher und verlässt die nördlichen Bereiche seines Brutgebietes Anfang Herbst (von Colorado und Südkalifornien in der 2. Augustwoche) und kehrt von Ende Februar bis Anfang März wieder zurück, die Männchen in der Regel einige Tage vor den Weibchen. Innerhalb weniger Tage finden sich die Paar.[4] Möglicherweise überwintern Weibchen weiter im Norden als die Männchen, so dass es zu einer Trennung der Geschlechter außerhalb der Brutzeit kommen könnte.[8]
Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Gliederfüßern, auch großen Heuschrecken, Zikaden und Schmetterlingen. In den voneinander getrennt liegenden Überwinterungsgebieten wurden Unterschiede in der Nahrungsaufnahme festgestellt. Die in Westtexas überwinternden Vögel ernährten sich weiterhin von Insekten, während die Populationen im Südwesten Arizonas und im angrenzenden Mexiko dazu übergingen, hauptsächlich Früchte zu sich zu nehmen, besonders von Bursera microphylla.
Zur Brutzeit wählt das Weibchen eine geeignete Stelle für den Nestbau, wobei das Männchen singend folgt. Dann beginnen beide mit dem Bau, der nach etwa einer Woche abgeschlossen ist. Dafür wird jedes Mal ein neues Nest angelegt. Das Nest in etwa 2 m Höhe hängt gern an einer nach Westen oder Norden ausgerichteten Astgabel und wird durch zwei kleine Zweige gestützt. Das Gelege besteht aus 4 ovalen, im Abstand von je einem Tag gelegten Eiern, frisch hellrosa, danach matt weiß gefärbt. Eine variable Anzahl ockerfarbener Flecken kommt hinzu. Die Bebrütung beginnt nach der Ablage des zweiten Eies, die Elternvögel wechseln sich ab beim Brutgeschäft über 13 bis 14 Tage.
Als Prädator ist unter anderen auch der Louisianawürger (Lanius ludovicianus) anzunehmen.[4]
Der Braunkopf-Kuhstärling (Molothrus ater) tritt als Brutparasit in Erscheinung.[3]
Gefährdungssituation
Der Bestand gilt als nicht gefährdet (Least Concern).[9]
Literatur
- E. Coues: Vireo vicinior. In: Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, Band 18, s. 75, 1866, Biodiversity Library
- Jonathan P. Harris, Loren M. Smith, Scott T. McMurry: A multiscale analysis of Gray Vireo (Vireo vicinior) nest-site selection in central New Mexico. In: Avian Conservation and Ecology. 2020, Band 15, Nummer 1 doi:10.5751/ACE-01540-150112.
Weblinks
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Grauvireo (Vireo vicinior)
- Grauvireo (Vireo vicinior) auf eBird.org
- BirdLife International: Species Factsheet – Grey-vireo (Vireo-vicinior)
- Grauvireo auf oiseaux.net (französisch)
- Macaulay Library
- Vireo vicinior im Integrated Taxonomic Information System (ITIS). Abgerufen am 5. Oktober 2025.