Großajatollah

Geistlicher Titel der Schiiten From Wikipedia, the free encyclopedia

Großajatollah oder Ajatollah al-Ozma (arabisch آية الله العظمى, DMG Āyat Allāh al-ʿUẓmā; persisch آیت‌الله‌العظمی Ajatollah al-Uzma, ‚Großayatollah‘) ist ein geistlicher Titel der Zwölferschiiten, der über einem Ajatollah, aber unter dem Mardscha-e taqlid rangiert.

Anfänge

Im 19. Jahrhundert gab es immer nur 12 bis 18 Ajatollahs, davon wenige „übergeordnete“ Ajatollahs, die Mehrheit davon im Iran. Der Titel Großajatollah etablierte sich endgültig erst ab ca. 1920 und löste damit die bis dahin übliche Bezeichnung Mardscha in der Titelhierarchie ab.[1]

Der Aufstieg zu einem Großajatollah ist für einen schiitischen Geistlichen (Mullah) ein langer und beschwerlicher Weg, der mindestens 25 bis 30 Jahre intensiven Studiums erfordert. Wilfried Buchta beziffert (Stand 2004) die Zahl der Großajatollahs weltweit mit 20, davon 14 im Iran.[2]

Praxis

Jeder Gläubige sucht sich für gewöhnlich einen Großajatollah als „Quelle der Nachahmung“ (mardscha), lebt nach dessen Rechtsauslegung und führt eine Steuer an diesen Großajatollah ab, die dieser für wohltätige Zwecke und für die Ausbildung von Schülern verwendet. Der Rang eines Großajatollahs leitet sich in erheblichem Maße aus der Anzahl seiner Anhänger her.

Mardschaʿ-e Taghlid

Zur Besetzung des Amtes eines Mardschaʿ-e Taghlid („absolute Quelle der Nachahmung“) kommt es nur, wenn alle Großajatollahs einem aus ihrer Mitte zumindest stillschweigend diesen Rang zuerkennen. Dies war in der Geschichte der Zwölferschiiten erst dreimal der Fall.[3][4] Zuerst bekleidete Mortaza Ansari (1800–1864) dieses Amt, dann Mohammad Hasan Schirazi (1815–1895), zuletzt Hossein Borudscherdi (1875–1961).

Liste der Großajatollahs

Bekannte und als diese auch allgemein anerkannte Großajatollahs, in der Reihenfolge ihrer Geburt:

Verstorbene Großajatollahs

Aktuelle Großajatollahs

Iran

  • Hossein Vahid Chorasani (1921–)
  • Hossein Noori Hamedani (1925–)
  • Naser Makarem Schirazi (1927–)
  • Musa Schubairi Zandschani (1927–)
  • Mohammad Rahmati Sirdschani (1928–)
  • Dscha'far Sobhani (1928–)
  • Mohammad Hussain Nadschafi (1932–)
  • Mohammad Ebrahim Dschannati (1932–)
  • Hossein Mazaheri (1934–)
  • Kazem al-Haeri (1938–)
  • Sadiq Hosseini Schirasi (1942–)

Irak

Afghanistan

Literatur

Einzelnachweise

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