Guastalla
italienische Gemeinde
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Guastalla [] (emilianisch Guastâla) ist eine norditalienische Kleinstadt in der Provinz Reggio Emilia mit 14.617 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024). Die am rechten Ufer des Po zwischen den Städten Parma, Modena und Mantua liegende Gemeinde war vom 15. bis zum 18. Jahrhundert Residenz der Familien Torelli und Gonzaga sowie Hauptstadt des Herzogtums Guastalla. Darüber hinaus war die Stadt bis 1986 Sitz der gleichnamigen römisch-katholischen Diözese.
| Guastalla | ||
|---|---|---|
| Staat | Italien | |
| Region | Emilia-Romagna | |
| Provinz | Reggio Emilia (RE) | |
| Koordinaten | 44° 55′ N, 10° 40′ O | |
| Höhe | 24 m s.l.m. | |
| Fläche | 52,5 km² | |
| Einwohner | 14.617 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Postleitzahl | 42016 | |
| Vorwahl | 0522 | |
| ISTAT-Nummer | 035024 | |
| Bezeichnung der Bewohner | Guastallesi | |
| Schutzpatron | San Francesco, Madonna della Porta | |
| Website | www.comune.guastalla.re.it | |
Piazza Mazzini | ||
Etymologie
Der Ortsname Guastalla in seiner Lokativform leitet sich aller Wahrscheinlichkeit nach von langobardisch wardistall (vgl. althochdeutsch warta „Platz wo man späht“, „Wache“ sowie -stal „Stelle“, „Platz“) ab und bedeutet soviel wie „beim Wachplatz“.[2]
Geographie
Lage
Guastalla liegt im Zentrum der Pianura Padana, der Po-Ebene im Norden Italiens, am rechten Ufer des gleichnamigen Flusses. Die Gemeinde befindet sich im Zentrum eines Dreiecks der rund 30 Kilometer südlich liegenden Städte Reggio nell’Emilia, Parma und Modena sowie dem nördlich liegenden Mantua. Weitere Städte im näheren Umfeld sind Carpi, Sassuolo und Cremona. Bedeutende Städte im weiteren Umfeld sind Verona in etwa 65 Kilometern Entfernung und Bologna in rund 70 Kilometern Entfernung.
Zum Fuß des Apennin sind es rund 35 Kilometer. Bis zum nächsten bedeutenden stehenden Gewässer, dem Gardasee, sind es circa 60 Kilometer.
Stadtgliederung
Das Gemeindegebiet umfasst rund 52,5 km². Zu Guastalla gehören die Ortsteile San Giacomo, San Girolamo, San Martino, San Rocco und Tagliata.
Nachbargemeinden
Folgende Gemeinden grenzen an Guastalla, im Uhrzeigersinn von Norden beginnend: Luzzara, Reggiolo, Novellara, Cadelbosco di Sopra und Gualtieri (alle Provinz Reggio Emilia) sowie Dosolo (Provinz Mantua, Lombardei).
Verkehr
Straßenverkehr
Guastalla befindet sich nahe den Autobahnen A1 und A22, die Europastraße 35 führt über die A1 südlich an Guastalla vorbei. Die von Parma in Richtung Mantua führende, im Gebiet von Guastalla zur Provinzstraße herabgestufte Staatsstraße 62 verläuft ebenso wie die Provinzstraßen 2 und 35 durch das Gemeindegebiet, während die Provinzstraße 42 direkt in den Ortskern von Guastalla führt. Die Provinzstraße 81 verläuft entlang der südlichen Gemeindegrenze. Im Norden der Gemeinde führt eine Brücke über den Po in Richtung Dosolo.
Schienenverkehr
Guastalla ist seit 1883 Station der Nebenbahn Parma–Suzzara, welche von 1885 bis 1986 durch die venezianische Eisenbahngesellschaft Società Veneta betrieben wurde und heute durch die Eisenbahngesellschaft Ferrovie Emilia Romagna betrieben wird. Seit 1886 ist die Stadt zudem Endstation der Nebenbahn Reggio nell’Emilia–Guastalla. Beide Linien werden mehrmals täglich von Trenitalia Tper im Regionalbahnbetrieb bedient.
Flugverkehr
Der nächstgelegene Flughafen befindet sich in Parma. Nahegelegene internationale Flughäfen sind Verona in rund 55 Kilometern Entfernung und Bologna in rund 65 Kilometern Entfernung.
Gewässer
Im Westen der Stadt fließt der Crostolo, der, vom Apennin aus Richtung Reggio nell’Emilia kommend, im Nordwesten des Gemeindegebiets in den Po mündet.
Klima
Das Klima in Guastalla ist feuchtgemäßigt mit heißen und schwülen Sommern sowie kühlen und relativ trockenen Wintern. Nach Köppen/Geiger herrscht Cfa-Klima, laut Troll/Pfaffen befindet sich Guastalla in einem kühlgemäßigten Waldklimat vom Typ III.3. Laut der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden zum Zwecke der Regulierung der Heizdauer befindet sich Guastalla in der Zone E.
| Guastalla | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Klimadiagramm | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Guastalla
Quelle: it.climate-data.org, ECMWF, Copernicus, Periode: 1991–2021; Sonnenstunden: ECMWF, Copernicus, Periode: 1991–2019 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Geologie
Guastalla befindet sich in der vom italienischen Zivilschutz festgelegten seismischen Aktivitätszone 3 (mittlere bis niedrige Seismizität).[3][4]
Bei den Erdbeben in Norditalien 2012 wurden die Kathedrale sowie mehrere Schulen im Ort beschädigt. Die Kathedrale wurde nach Reparaturarbeiten 2016 wieder für die Öffentlichkeit frei gegeben.
Geschichte
Entwicklung bis zum Hochmittelalter
Das Gebiet um die heutige Gemeinde Guastalla wurde vermutlich bereits seit dem 7. Jahrhundert vor Christus von Etruskern besiedelt. Im 7. Jahrhundert nach Christus von Langobarden gegründet, erwähnt eine Schenkungsurkunde Ludwigs II. an seine Gemahlin Engelberga den Ort erstmals im Jahr 864 als Uuardestalla.[5][6] Nach Herrschaft der Obertenghi als Markgrafen von Ostligurien im 10. Jahrhundert fällt das Gebiet der Emilia samt Guastalla Ende des 10. Jahrhunderts unter die Herrschaft der Canossa. Die Canossa dominierten diesen Teil von Reichsitalien bis zum Tod der Markgräfin von Tuscien, Mathilde von Canossa, im Jahr 1115.
Vom Spätmittelalter bis heute
Im 15. Jahrhundert wurde Guastalla eine eigenständige Grafschaft, die später unter die Herrschaft der Herzöge von Mantua aus dem Hause Gonzaga geriet. 1621 wurde Guastalla eigenständiges Herzogtum einer Nebenlinie der mantuanischen Gonzaga, die dort bis zu ihrem Aussterben 1746 regierte. Im Polnischen Erbfolgekrieg kam es am 19. September 1734 zur Schlacht bei Guastalla zwischen Frankreich/Piemont und Österreich/HRR.
Als erledigtes Lehen von Österreich besetzt, wurde Guastalla 1748 als Nebenstaat an die Bourbonen-Herzöge von Parma und Piacenza abgetreten. 1801 von Frankreich besetzt, wurde Guastalla per Dekret vom 30. März 1806 als Herzogtum von Napoleon Bonaparte seiner Schwester Pauline Bonaparte († 1825) übergeben. Allerdings entzog er es ihr bereits nach 8 Wochen wieder und inkorporierte es per Dekret dem Königreich Italien. Seine Schwester erhielt dafür eine Entschädigung von sechs Millionen Franken zum Ankauf von Gütern in Frankreich.
Nach dem Sturz Napoleons handelte Kaiser Franz I. von Österreich ähnlich, indem er Guastalla – neben dem wichtigeren Parma und Piacenza – seiner Tochter Marie Louise übergab, um der Gattin des gestürzten Franzosenkaisers eine standesgemäße Versorgung zu sichern. Nach deren Tod im Dezember 1847 trat kurzfristig der neue Herzog von Parma und Piacenza, Karl Ludwig von Bourbon-Parma († 1883), auch in Guastalla die Herrschaft an, bevor zwischen 1848 und 1859 Herzog Franz V. von Modena aus dem Hause Österreich-Este die Regierung führte. 1859 schloss sich der kleine Staat dem revolutionären Modena an und ging 1861 im Königreich Italien auf.
Wirtschaft
Guastalla ist Unternehmenshauptsitz der Küchengerätehersteller SMEG und Bertazzoni.
Bischofssitz
Der Dom, frühere Kathedrale des Bistums Guastalla, ist heute Konkathedrale des Bistums Reggio Emilia-Guastalla (Kirchenprovinz Modena-Nonantola, Kirchenregion Emilia-Romagna).
Städtepartnerschaften
Es besteht eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Forcalquier.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Kulinarische Spezialität der Stadt sind Gnocchi. Alle drei Jahre wird im Mai das Fest La Gnoccata veranstaltet. Dabei werden auf dem Marktplatz am Dom Gnocchi für die ganze Bevölkerung verteilt. Außerdem findet ein Umzug statt, dessen Teilnehmer historische Kostüme tragen.
Am 25. November wird das Fest der heiligen Katharina von Alexandrien gefeiert, bei dem an alte Handwerkstraditionen erinnert wird.
Sehenswürdigkeiten in Guastalla sind:
- Kirche St. Peter und Paul, ursprünglich aus dem 9.–10. Jahrhundert
- Oratorium St. Georg, ursprünglich aus dem 10. Jahrhundert
- Kathedrale St. Peter und Paul aus dem 16.–18. Jahrhundert
- Palazzo Ducale aus dem 16. Jahrhundert
- Statue Ferrante I. Gonzagas, Werk von Leone Leoni aus dem 16. Jahrhundert
- Bibliothek Maldotti, gegründet im Jahr 1801
- Kathedrale St. Peter und Paul
- Oratorium St. Georg
- St. Peter und Paul
- Palazzo Ducale
- Ferrante I. Gonzaga (1594)
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- Ludovica Torelli (1499–1569), Gräfin von Guastalla
- Anna Isabella Gonzaga (1655–1703), Prinzessin, Herzogin von Mantua
- Antonio Ferrante Gonzaga (1687–1729), Herzog von Guastalla
- Giuseppe Gonzaga (1690–1746), Herzog von Guastalla
- Alberto Ceradelli (1856–nach 1883), Geiger und Musikpädagoge
- In-Grid (* 1973 als Ingrid Alberini), Sängerin
- Marco Bortolotti (* 1991), Tennisspieler
- Mirco Maestri (* 1991), Radrennfahrer
- Gaia (* 1997 als Gaia Gozzi), Sängerin
Personen, die in Guastalla gewirkt haben
- Grafen der Familie Torelli
- Grafen und Herzöge der Familie Gonzaga, Linie Guastalla
- Bischöfe des Bistums Guastalla
- Leone Leoni (um 1509–1590), Bildhauer, Goldschmied und Medailleur
- Francesco Capriani (1535–1594), Architekt und Bildhauer
- Bernardino Baldi (1553–1617), Mathematiker und Dichter, Abt in Guastalla
- Giovanni Battista Reali (1681–1751), Violinist, Komponist und Kapellmeister
- Ireneo Affò (1741–1797), Franziskaner und Historiker
- Francesco Giovanni Scutellari Ajani (1742–1826), Erzpriester in Guastalla, Bischof von Ioppe
Ehrenbürger der Stadt
- Ruggero Ruggeri (1871–1953), Schauspieler
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Guastalla (italienisch)
- Website der heimatgeschichtlichen Vereinigung Guastalla (italienisch)
Literatur
- Ireneo Affò: Istoria della cittá e ducato di Guastalla, Band I-IV, Guastalla 1785–1787. (italienisch/ lateinisch) Digitalisat im Internet Archive
