Gustav Arnold Stobwasser
1816 bis 1898 Beruf/Funktion Lackwarenfabrikant Konfession - Namensvarianten Stobwasser, Gustav
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Gustav Arnold Stobwasser (* 8. August 1816 in Braunschweig;[Anm. 1] † 27. Januar 1884 in Berlin) war ein deutscher Maler und Unternehmer.
Leben
Stobwasser war der zweitälteste Sohn von Christian Heinrich Stobwasser, Inhaber der 1763 von Johann Heinrich Stobwasser, seinem Großvater, gegründeten Lackwarenfabrik, und dessen Ehefrau Julie Charlotte, geborene Natorp (1790–1865). Er entschied sich für eine künstlerische Laufbahn und trat 1831 zunächst in die Akademische Zeichenschule ein, die als Vorschule für den Eintritt in die Akademie der Künste in Berlin galt. Seine Lehrer beurteilten ihn zwar als talentiert, jedoch als wenig engagierten, eher mittelmäßigen Schüler. Er entschied sich trotzdem für eine Laufbahn als akademischer Maler und trat 1833 in das Atelier des protestantischen Hofmalers Wilhelm Wach an der Akademie der Künste ein,[1] um sein Ziel zu erreichen. 1834 und 1836 war er auf den Akademieausstellungen vertreten.[2] Im November 1838 wechselte Stobwasser an die Düsseldorfer Akademie, wo er bis September 1839 ein Schüler in der Gips- und Malklasse von Karl Ferdinand Sohn war und sich im Porträtfach ausbilden ließ.
Als er 1840 von dort nach Braunschweig zurückkam, erkrankten sein Vater und dessen Werksführer, sodass er die Leitung des Geschäfts vertreten musste. Er fand Gefallen an der Sache, und wie einst sein Vater die Theologie aufgab, um Fabrikant zu werden, so gab er zum gleichen Zweck die Laufbahn des Künstlers auf und betätigte sich vor allem in der Herstellung von Lampen und Bronzewaren. 1845 wurde er bevollmächtigter Teilhaber der väterlichen Fabrik und vermählte sich, um eine Familie zu gründen. Nach dem Tod seines Vaters wurde er 1849 alleiniger Inhaber und Direktor der Firma. Er vergrößerte das Unternehmen in der Wilhelmstraße, das sich nun inklusive des Wohnhauses auf die Gebäude mit den Hausnummern 97 bis 99 erstreckte und bald rund 500 Mitarbeiter beschäftigte, von denen bereits zahlreiche in der neuen Lampenfertigung arbeiteten. Er erwarb 1850 ein Lackgeschäft in Stettin und verlegte dessen Produktionsstätte nach Berlin. Dort führte er das Unternehmen ab 1877 als „Berliner Lampen- & Bronzewaaren-Fabrik vorm. C. H. Stobwasser & Co. Actien-Gesellschaft“,[3] das unter seiner Leitung zur bedeutendsten in der Lampenindustrie Deutschlands wurde.
1867 stellte er auf der Pariser Weltausstellung aus, bei der er auch zur Jury gehörte.[4] 1870 war er Mitbegründer des Aktienbauvereins Passage, dessen Direktor er noch vor der Eröffnung der Kaisergalerie im März 1873 wurde.[5] 1872 ließ er eine Straße neu anlegen, die auf Vorschlag des Magistrats den Namen Hedemannstraße erhielt.[6] Die Berliner Lager und das Verkaufsgeschäfte befanden sich Unter den Linden Nr. 33 und in der Königstraße Nr. 55 und 57a. Stobwasser besaß zudem ein Haus in der Wilhelmstraße 48 und betrieb noch eine Fertigung in Berlin-Moabit.[7]
1868 hatte er sich als Feriendomizil in der Kulmstraße Nr. 27 in Heringsdorf die sogenannte „Stobwasser-Villa“ errichten lassen.[8]
Familie
Gustav Stobwasser war dreimal verheiratet. 1845 heiratete er Marie Emilie Victoria Ernst (1819–1848).[9] Nach ihrem frühen Tod heiratete er 1849 Marie Caroline Johanne Kühne (1828–1870).[10] Dieser Ehe entstammten die Kinder:
- Arnold Karl (1854–1854)
- Carl Heinrich Gustav (1855–1907)
- Hans Emil (1858–1932)
- Maria Elisabeth (* 1865)
- Friedrich Gustav (* 1867)
Nachdem er erneut verwitwet war, heiratete er 1873 Elisabeth Amalie Marheinecke,[11][12] mit der er eine Tochter hatte.
- Liesbeth Marie Lucy (* 1874)
Der Pädagoge und Prediger Philipp Jakob Roentgen (1777–1855) war sein Onkel.
Auszeichnungen (Auswahl)
- Oktober 1862: Königlicher Kronen-Orden 3. Klasse, verliehen durch König Wilhelm I. „Wir, Wilhelm, von Gottes Gnaden, König von Preußen, haben dem Fabrikbesitzer Gustav Stobwasser zu Berlin, Unsern königlichen Kronen-Orden dritter Klasse verliehen, und erteilen demselben über den rechtmäßigen Besitz dieser Auszeichnung das gegenwärtige Beglaubigungs-Schreiben mit unserer eigenen Unterschrift, und dem beigedruckten Königlichen Insiegel. Schloß Babelsberg, den 9ten Oktober 1862. Wilhelm“[13]
- 1863: Ritterkreuz vom Orden Heinrichs des Löwen durch Herzog Wilhelm I. von Braunschweig „Von Gottes Gnaden, wir, Wilhelm, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, fügen hiermit zu Wissen, daß Wir beschlossen haben, dem Fabrikbesitzer Gustav Stobwasser das Ritterkreuz Unseres Herzoglichen Ordens Heinrichs des Löwen zu verleihen, thun solches auch hiermit und wollen demselben darüber den gegenwärtigen Patentbrief ertheilen. Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedruckten Herzoglichen Insiegels. Braunschweig, den 13. August 1863. Wilhelm“[14]
- Um 1867: Ernennung zu königlichen Kommerzienrat
Unter seiner Leitung gewann das Unternehmen mit Lackarbeiten mehrere Medaillen in Silber oder Gold bei Gewerbe-, Industrie- und Weltausstellungen
- 1850: Dresden (Industrieausstellung)
- 1851, 1862 und 1865 in London
- 1854: München (Industrieausstellung)
- 1855: eine Bronze- und eine Silbermedaille (Industrieausstellung französisch Exposition des produits de Industrie de toutes les nations)
- 1854, 1857 und 1867 in Paris
- 1873 in Wien (bereits unter dem Namen „A. Waagen & Co, Besitzer Gustav Stobwasser“)
Werke (Auswahl)
- Betende Mutter mit ihren Kindern (Gemälde, angekauft von König Friedrich Wilhelm)
- Der Sonntagsausflug
- 1841: Philipp Jakob Roentgen (Porträtzeichnung)
- 1844: Familienglück (Aquarell, Porträt seiner Schwester Cäcilie, verheiratete Löbbecke, mit ihren beiden Söhnen)
- 1845: Karoline du Roi (geborene Löbbeke; 15. September 1813 – 10. März 1898, Bleistiftzeichnung)[15]
Literatur
- Otto Glagau: Der Börsen- und Gründungsschwindel in Berlin. – 8. „Berlin wird Weltstadt.“ In: Die Gartenlaube. Heft 31, 1875, S. 525–527 (Volltext [Wikisource]).
- Detlev Richter: Gustav Stobwasser. In: Richard-Borek-Stiftung, Stiftung Nord/LB • Öffentliche (Hrsg.): Stobwasser – Lackkunst aus Braunschweig und Berlin. Mit einem Beitrag von Susanne Schroeder (= Braunschweigisches Kunsthandwerk. Band 2.I). Band 1. Prestel, München / Berlin / London / New York 2005, ISBN 3-7913-3439-5, S. 57, 58–67, 90, 117, 154, 155, 266–267, 266 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
Weblinks
Anmerkungen
- Zu seinem Geburtsdatum gibt es abweichende Angaben. In den Heiratsurkunden von 1873 wird einmal der 8. August und einmal der 16. August 1816 genannt.