Johann Heinrich Stobwasser
deutscher Lackwarenfabrikant in Braunschweig
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Johann Heinrich Stobwasser (* 16. November 1740 in Lobenstein; † 31. August 1829 in Braunschweig[1]) war ein deutscher Lackwarenfabrikant.

Familiäre Herkunft
Stobwasser war ein Sohn des gelernten Glasermeisters und Kleinwarenhändlers Georg Siegmund Eustachius Stobwasser (eigentlich Stowasser; 1686–1776) und dessen Ehefrau Christine Elisabeth (geborene Fichte; 1712–1792),[2] aus dem vogtländischen Lobenstein und hatte drei Schwestern.
Die Familie entstammte möglicherweise einem alten mährischen Adelsgeschlecht mit Namen Stowoda (Hundertwasser) von Treuenfels.[3] Dieses war aufgrund seines protestantischen Glaubens etwa in der Mitte des 17. Jahrhunderts von den Gütern seiner Heimatstadt Elbogen (Loket) in Böhmen vertrieben worden und war nach Sachsen in die Nähe von Freiberg eingewandert. Der mögliche Urgroßvater Georg Stowasser wird in einem Kirchenbuch in Lobenstein bei der Taufe eines Sohnes Johann Nikolaus erwähnt. Stobwasser selbst gab nicht viel auf diese Spekulationen. 1817 erhielt Stobwasser einen Bittbrief eine angeblichen Verwandten aus diesem Geschlecht in Mähren. Der Kammacher Josef Böttcher wandte sich darin an den Vetter und Edelgeborenen Herrn Stohwasser von Treuen Feldt, dem er versicherte, dass er dem gleichen Geschlecht wie dieser angehöre. Nachweise konnte er jedoch nicht erbringen.[4]
Leben und Werk
Stobwasser begleitete seinen Vater bereits im Alter von 15 Jahren auf diversen Geschäftsreisen. In Abwesenheit des Vaters betrieb er das Geschäft selbst. Nachdem es ihm nach langwierigen Versuchen gelungen war, einen eigenen haltbaren Bernsteinlack von höchster Qualität herzustellen,[5] gründete er eine Fabrik für Lackgegenstände im heimischen Lobenstein. Dort produzierte er u. a. lackierte Spazierstöcke, Becher und Schnupftabakdosen. Aufgrund wirtschaftlicher Probleme musste das Unternehmen jedoch bald wieder geschlossen werden. Daraufhin folgte die sechsköpfige Familie Stobwasser im August 1763[6] einem Aufruf des Braunschweigischen Herzogs Karl I., sich in dessen Herzogtum niederzulassen. Karl I. bot hoch qualifizierten Handwerkern und Künstlern zahlreiche Vergünstigungen an, wenn diese sich im Herzogtum ansiedelten, um die dortige Wirtschaft zu beleben. Stobwasser hatte sich bereits in jungen Jahren der pietistischen Herrnhuter Brüdergemeine angeschlossen und veranstaltete später er in seinem Haus in Braunschweig regelmäßige Zusammenkünfte der Gemeine.
Gründung der Stobwasserschen Manufaktur in Braunschweig

Kurz nach der Unternehmensgründung wurden zunächst Artikel des täglichen Bedarfs hergestellt, bald jedoch schon gefolgt von kunsthandwerklichen Arbeiten und schließlich – wegen des großen Erfolges und der überragenden Qualität – Luxusgüter. Insbesondere für die Bemalung beschäftigte er bekannte Künstler wie z. B. Pascha Johann Friedrich Weitsch sowie dessen Sohn Friedrich Georg Weitsch, aber auch Christian Tunica, Hans Heinrich Jürgen Brandes, Julius Carl Hermann Schröder, Heinrich Christian Brüning[7] oder den Isländer Thorstein Elias Hjaltelin.[8]
Um das hohe Niveau der Dekore zu gewährleisten und um den Bedarf an qualitätvollen Malereien decken zu können, begründete Johann Heinrich Stobwasser eine eigene Malerschule, in der zeitweise Pascha Johann Friedrich Weitsch unterrichtete und in der zahlreiche, später berühmt gewordene bekannten Braunschweiger Maler des 19. Jahrhunderts in ihrem Handwerk ausgebildet wurden.
Der Ruf der Lackwaren, bald „Stobwasser-Arbeiten“ genannt, verbreitete sich schnell über die Grenzen des Herzogtums in ganz Europa, sodass eine von Stobwasserhs Schwestern, Luise Dorothee oder Louise Dorothea (1745–1820), 1772 zusammen mit ihrem Ehemann Jean Guérin, einem französischen Tischler und ehemaligen Braunschweigischen Musketier und späteren Mitarbeiter im Unternehmen seines Schwagers, in Berlin eine Filiale eröffnen konnte.
Familie
Stobwasser heiratete am 3. November 1774 die aus Hannover stammende Sophie Elisabeth Gersting (1745–1809), Tochter des dortigen Hoftischlers Georg Gottfried Gersting. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor, von denen sechs bereits jung starben.[2] Darunter der älteste Sohn, der nach seinem Großvater benannt wurde, der kurz darauf verstarb.[9]
- Henriette (* 1778/1879; † 1841), die als Erzieherin ausgebildet werden sollte ⚭ Philipp Jacob Roentgen (* 19. Dezember 1777 in Neuwied; † 16. April 1855), Theologe und Lehrer
- Christian Heinrich Eustachius (* 8. Juli 1780 in Braunschweig; † 5. August 1849 in Berlin) Theologe, Lackwarenfabrikant, übernahm 1808 das Braunschweiger Unternehmen.[10] ⚭ Julie Charlotte Louise Natorp (* 14. Februar 1790 in Berlin; † 1865 in Berlin)
- Marie (* 7. Februar 1811; † 1876) ⚭ Carl Gottlieb Reißiger (* 31. Januar 1798 in Belzig; † 7. November 1859 in Dresden), Dirigent, Komponist und Hofkapellmeister
- Cecile (* 1815)
- Gustav Arnold (* 1816 in Braunschweig; † 1898 in Berlin), Künstler (Maler) und Nachfolger seines Vaters
- Ernst Adolph (1818–1871), Pastor
- 4 weitere Kinder
- Johann Ludwig Heinrich (* 1785; † 1832) Missionar in Antigua, Prediger in Berlin
Am 3. Juni 1812 heiratete Stobwasser in Sundhofen (Elsass) in zweiter Ehe Katharina Dorothea (geborenen Scheurer, verwitwete Roentgen; 29. November 1749 – 25. Mai 1825), die Schwiegermutter seiner Tochter Henriette und Witwe des Kunsttischlers David Roentgen (11. August 1743–12. Februar 1807). Diese Ehe blieb kinderlos,[2] doch hatte sie aus der vorherigen Verbindung mehrere Kinder.

Stobwassers Leben wurde 1830 von seinem Sohn Christian Heinrich in der Biografie Die merkwürdigsten Begebenheiten aus der Lebensgeschichte von Johann Heinrich Stobwasser. Seinen Freunden zum Andenken, und zum Besten der Kranken=Casse der Stobwasserschen Fabrik festgehalten.[11] Bestattet wurde er auf dem Michaelisfriedhof in Braunschweig, wo sein Enkel Gustav Stobwasser 1882 eine Bronzebüste für ihn aufstellen ließ. Anlässlich der Hundertjahrfeier des Unternehmens fertigte der Bildhauer Julius Franz 1863 seine Marmorbüste des Firmengründers an, die in Privatbesitz kam.
Literatur
- Luitgard Camerer, Manfred Garzmann, Wolf-Dieter Schuegraf (Hrsg.): Braunschweiger Stadtlexikon. Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 1992, ISBN 3-926701-14-5, S. 222.
- Kerstin Rahn: Stobwasser, Johann Heinrich. In: Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. hrsg. im Auftrag der Braunschweigischen Landschaft e. V. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8, S. 595.
- Detlev Richter: Stobwasser, Johann Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 25. Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-11206-7, S. 363 (deutsche-biographie.de).
- Detlev Richter: Stobwasser – Lackkunst aus Braunschweig und Berlin. Hrsg.: Richard-Borek-Stiftung, Stiftung Nord/LB • Öffentliche (= Braunschweigisches Kunsthandwerk. Band 2.1–2.2). Band 1–2. Prestel, München / Berlin / London / New York 2005, ISBN 3-7913-3439-5 (archive.org – Leseprobe, Band 1).
- Christian Heinrich Stobwasser (Hrsg.): Die merkwürdigsten Begebenheiten aus der Lebensgeschichte von Johann Heinrich Stobwasser. Seinen Freunden zum Andenken, und zum Besten der Kranken=Casse der Stobwasserschen Fabrik. Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1830, doi:10.24355/dbbs.084-200906170200-2 (leopard.tu-braunschweig.de [PDF]).
- Paul Zimmermann: Stobwasser, Johann Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 275 f.
Weblinks
- Johann Heinrich Stobwasser (deutsch, 1740–1829) artnet.de (Werkstatt oder Zuschreibungen)