Gustavmarmorpapier
Buntpapiersorte
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Gustavmarmorpapier, auch Gustav-Marmor genannt, ist eine durch Spritztechnik handwerklich oder maschinell hergestellte Buntpapiersorte.[1] Paul Kersten datierte das erste Auftreten von Gustav-Marmor auf das Jahr 1852.[2] Gustavmarmor wurde laut Richard J. Wolfe nach dem sehr populären schwedischen Prinzen Franz Gustav von Schweden benannt, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Komponist aktiv war und am 24. September 1852 verstarb.[3] Der Schweizer Buchbindermeister Hans Enderli erklärte hingegen 1971 in seinem häufig zitierten Buntpapierbuch, die Herkunft dieser Sortenbezeichnung habe ihn seit seiner Lehre beschäftigt.[4]






Die Varianten „Glatt gepreßt Gustav-Marmor“ bzw. „Feinst gepreßt Gustav-Marmor“ in den Formaten Grand raisin (51 × 61 cm) und Löwen (40 × 48½ cm) lassen sich 1865 in einer Preisliste der Aktien-Gesellschaft für Buntpapier- und Leimfabrikation in Aschaffenburg nachweisen.[5]
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg findet sich diese Beschreibung der Gestaltungsvielfalt:
„Gustavmarmor bezeichnete früher nur gelb grundierten Marmor mit bräunlichen, schwarz umrandeten Tupfen. Heute kommt irgend ein gefärbter Untergrund für solche Papiere vor. Tannin- oder farbstoffhaltige Pflanzenteile mit dem Deckgrund aus China-Clay oder Blancfixe bilden den Vorstrich, darauf kommt etwa schwach sauer reagierende Eisenlösung, oder auch Zusätze von Chromkali, Zinnsalz- und Kupferlösungen, um die Tupfen grau mit schwarzen scharfen Rändern oder bräunlich, gelblich u. dgl. erscheinen zu lassen.“
Basis der Musterbildung sind chemische Reaktionen zwischen einer Grundierung, einem Vorstrich sowie zwei aufgespritzten Mischungen, wie sie im „Weichelt“ anhand eines eingefügten Musters erläutert werden.
„Das Papier wurde mit dünner Farbe aus Chromgelb, Chinaclay, Wasser und Kaseinleim vorgrundiert und mit einem Gemisch aus Leinsamenschleim, Kreuzbeer- und Rotholzbrühe vorgestrichen, worauf folgende zwei Mischungen gespritzt wurden: I. In Wasser gelöstes Zinnchlorür wird mit ein wenig schwefelsaurem Antimon gemischt und verursacht hellgelbe Flecke mit rötlichbraunen Rändern. II. Salpetersaure Eisenlösung wird mit reichlicher Menge Wasser verdünnt und mit etwas in Alkohol gelöstem Brillantgrün gemischt. An den Stellen, wo Tupfen der Mischung II auf Tupfen von I fallen, entstehen nur hellgrüne Schatten, wo sie aber neben I auf den Vorstrich fallen, bilden sich unregelmäßige zackige Tupfen von dunkelgrüner Farbe mit schwärzlichen Rändern, welche das Bezeichnende des Gustavmarmors sind.“
Das grundierte Papier lief in einer abgeänderten Streichmaschine von der Rolle bis zu einer Sprenkelanlage. Das Basispapier war dünn und holzhaltig, es wurde nach der Musterung in Friktionskalandern hochglänzend gepresst und zählte wegen der einfachen Herstellung und der billigen Rohmaterialien zu den preisgünstigsten Einbandmaterialien.[8]
Im Zentralblatt für Bibliothekswesen fand sich 1891 eine günstige Beurteilung: „Nach Anstellung von Versuchen scheint sich auch für vielgebrauchte Bücher Gustavmarmor zu empfehlen“.[9] Paul Kersten weist dem Gustav-Marmor, „der für einfache Halbfranz- und Bibliotheksbände Verwendung findet“, eine größere Haltbarkeit als dem Kleister-Marmor, dem Achat-Marmor, dem Türkisch-Marmor oder dem Griechisch-Marmor zu; „er kostet je nach Qualität im Format 51×61 cm ca. 50 bis 70 M. pro 1000 Bogen.“[10]
Diese Musterung blieb bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts beliebt, nicht zuletzt deshalb, weil sie bei Zeitschrifteneinbänden auch in optischer Hinsicht sehr robust war. Innovative Buntpapiersorten bewirkten jedoch in den 1920er Jahren einen Imageverfall des Gustavmarmorpapiers.
„Gerade die Erzeugung von Handpapieren hat in den letzten Jahren einen außerordentlich großen Aufschwung genommen und es ist heute nicht mehr nötig, sich mit langweiligem »Gustav-Marmor« oder nur mit Marmorpapieren zu begnügen, denn die neuen gespritzten und gewischten Papiere sind in ihrer Abgetöntheit und weichen Linienführung von größerem Reiz.“
Ein reichhaltiger Bestand von 60 verschiedenen Musters aus den Jahren 1852 bis 1895 befindet sich in der Buntpapiersammlung Ernst Seegers im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.
Das Findbuch der Sammlung Hübel des Deutschen Museums bezeichnet als Hersteller der darin enthaltenen Gustavmarrmorpapiere die Actien-Gesellschaft für Buntpapier- und Leimfabrikation, Aschaffenburg, die Akt.-Ges. für Buntpapier, Aschaffenburg, die Buntpapierfabrik A. Nees & Co., Aschaffenburg und die Bunt- und Luxuspapierfabrik Goldbach.[12]
Enderli belegt mit Originalmustern sowohl handgespritzte als auch maschinell gefertigte Formen des Gustav-Marmors.[13]