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Günther Bruckmeyer

deutscher Gebrauchsgrafiker, Maler, Pressezeichner und Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Friedrich Wilhelm Heinrich Günther Bruckmeyer (* 13. Juli 1902 in Bremen; † 25. Juni 1986 in Bremen) war ein deutscher Gebrauchsgrafiker, Maler, Pressezeichner und Bildhauer.[1] Er gestaltete das 1921 ausgegebene Vegesacker Notgeld und entwarf 1924 das erste eigenständige „Werder-W“, aus dem sich das bis heute verwendete Vereinszeichen des SV Werder Bremen entwickelte. Zu seinen späteren Arbeiten gehört die 1978 aufgestellte Bronze-Relieftafel Vegesacker Jung un sine Gesche. Im Jahr 2026 benannte Werder Bremen seine aus der Geometrie des historischen Werder-W entwickelte Hausschrift Bruckmeyer Neue nach ihm.

Leben und Wirken

Günther Bruckmeyer war Sohn eines Arztes. Er lebte im Haus Sielwall 14, das auch sein Elternhaus war.[2] Zu Bruckmeyers frühesten bekannten Arbeiten gehört die Gestaltung des 1921 ausgegebenen Notgelds der damals eigenständigen Stadt Vegesack. Auf den Scheinen befindet sich der erste bekannte bildliche Nachweis des „Vegesacker Jungen“.[3] Der damalige Vegesacker Bürgermeister Werner Wittgenstein hatte den „Vegesacker Jungen“ nach einer Zeichnung Bruckmeyers auf den Geldscheinen darstellen lassen.[2] Der Förderkreis Vegesacker Junge vertritt die Auffassung, Bruckmeyer habe auch die Figur selbst geschaffen. Die taz bezeichnete deren historischen Ursprung jedoch als ungeklärt und verwies auf das Fehlen älterer schriftlicher Quellen.[3] Als belegt gilt somit Bruckmeyers Gestaltung des ersten bekannten Bildträgers, nicht hingegen die Erfindung der Figur.

Bruckmeyer gehörte in den 1920er Jahren dem Deutschen Werkbund an und war zu dieser Zeit als Gebrauchs- und Werbegrafiker tätig.[4] In den 1920er Jahren war er Organisator der in den Bremer Centralhallen veranstalteten Künstlerfeste.[2]

Das erste Wappen vom SV Werder Bremen mit dem Werder-W von 1924

Im Jahr 1924 entwarf Bruckmeyer das erste eigenständige stilisierte weiße „Werder-W“ für den damaligen Fußball-Verein Werder Bremen. Der Verein hatte zuvor unterschiedliche Monogramme und Schriftzeichen verwendet. 1929 wurden das Werder-W und die Werder-Raute zu der Form weiterentwickelt, die das Vereinswappen bis in die Gegenwart prägt.[5] Bruckmeyers Entwurf wurde damit zum gestalterischen Ausgangspunkt eines dauerhaft verwendeten Vereinszeichens und zu einem zentralen Bestandteil der visuellen Identität Werder Bremens. Das Fußballkulturmedium Mediano ordnete das Zeichen später in die von Dynamik, Geschwindigkeit und stromlinienförmigen Formen geprägte Gestaltungssprache der 1920er Jahre ein.[6] Bruckmeyers Werder-W blieb über den ursprünglichen Auftrag hinaus wirksam. Im Juli 2026 führte Werder Bremen im Rahmen eines neuen Corporate Designs die exklusiv für den Verein entwickelte Hausschrift Bruckmeyer Neue ein. Sie wurde nach Günther Bruckmeyer benannt und gemeinsam mit dem Münchner Designstudio Societas entwickelt. Die Formgebung der Serifenschrift orientiert sich an der Geometrie des von ihm entworfenen Werder-W.[7][8] Nach der Vorstellung des neuen Erscheinungsbilds wurden in den Medien und in sozialen Netzwerken Ähnlichkeiten zu dem bereits 2025 eingeführten Corporate Design des VfB Stuttgart diskutiert, das ebenfalls gemeinsam mit dem Designstudio Societas entwickelt worden war.[9][10] Besonders aufgegriffen wurde die Gestaltung des Buchstabens „Ü“, bei der die Umlautpunkte in beiden Hausschriften innerhalb des U-Bogens angeordnet sind.[11][8]

Im Jahr 1926 fertigte Bruckmeyer eine aufwendig ausgeführte Holzschnittarbeit als Weihnachtsgruß für Elisabeth „Liesel“ Koopmann aus Eystrup an. Die mit einer persönlichen Widmung versehene Arbeit wurde 2013 in einer Veröffentlichung reproduziert. Es gibt zudem eine Bruckmeyer zugeschriebene Fotografie aus dem Umfeld der Familie Koopmann.[12]

Im Jahr 1937 heiratete er in Vegesack die 1911 geborene Lieselotte Cordes.[13] Bruckmeyer arbeitete für den Bremer Automobilhersteller Borgward in der Werbeabteilung des Unternehmens und war auch Designer von Postkarten.[5][6][14]

Am 21. Juli 1937 beantragte Bruckmeyer die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.106.728).[15]

Bruckmeyer arbeitete zumindest zeitweise als Pressezeichner. Die Kreiszeitung Wesermarsch veröffentlichte am 27. Oktober 1953 eine großformatige Zeichnung von ihm zum Stapellauf der Schwabenstein auf der Vegesacker Vulkanwerft.[16]

Relief des Vegesacker Jungen an der Signalstation in Vegesack

Im Jahr 1978 gestaltete Bruckmeyer für die Nordseite der Signalstation an der Vegesacker Weserpromenade die Bronze-Relieftafel Vegesacker Jung un sine Gesche.[17][18] Das Relief zeigt den Matrosen Jan-Maat und die Markt-Gesche in einem Kahn auf der Weser. Die dargestellten Figuren beziehen sich auf den Vegesacker Jungen. Die Markt-Gesche wird zum Abschluss des jährlichen Marktgeschehens durch den Stadtteil geführt und anschließend symbolisch der Weser übergeben.[18] Bruckmeyer griff mit dem Relief erneut eine Bildwelt auf, die bereits auf dem Vegesacker Notgeld von 1921 dargestellt worden war.

Bruckmeyer starb 1986 im Alter von 83 Jahren.

Werke und Arbeiten (Auswahl)

  • 1921: Gestaltung des Vegesacker Notgelds mit dem ersten bekannten bildlichen Nachweis des „Vegesacker Jungen“
  • 1924: erstes eigenständiges „Werder-W“ für Werder Bremen
  • 1978: Vegesacker Jung un sine Gesche, Bronze-Relieftafel an der Signalstation in Bremen-Vegesack

Einzelnachweise

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