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Hadley Cantril

US-amerikanischer Psychologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Albert Hadley Cantril (* 16. Juni 1906 in Hyrum; † 28. Mai 1969 in Princeton) war ein US-amerikanischer Psychologe, Meinungsforscher und Professor an der Princeton University.[1]

Leben

Er studierte am Dartmouth College, wo er 1928 einen Bachelor of Science erwarb. Anschließend absolvierte er ein Aufbaustudium in München und Berlin und 1931 promovierte (Ph.D.) er an der Harvard University.

Er wurde als Dozent am Dartmouth College eingestellt. 1936 nahm er eine Stelle am Psychologischen Institut der Princeton University an. 1939 gründete er das Princeton Listening Centre, um deutsche Radiopropaganda zu erforschen. In dieser Zeit erhielt er auch ein Stipendium der Rockefeller-Stiftung zur Einrichtung eines Büros für Meinungsforschung. Dadurch kam er in Kontakt mit George Gallup und Archibald Crossley, den Pionieren der US-amerikanischen Meinungsforschung. Im darauffolgenden Jahr gründete er das Office of Public Opinion Research der Princeton University. Zudem war er während des Zweiten Weltkrieges als Agent für die British Security Coordination tätig. 1948 wurde er Programmdirektor der UNESCO in Paris und untersuchte dort die Rolle internationaler Spannungen bei der Entstehung von Kriegen.

1955 verließ er Princeton, um gemeinsam mit seinem Kollegen Lloyd A. Free, einem Meinungsforscher, das Institute for International Social Research zu gründen. Die Forschung des Instituts konzentrierte sich auf Transaktionspsychologie und umfasste mehrere internationale Studien, die von der US-Regierung für politische Entscheidungen in Auftrag gegeben wurden. Eine dieser Studien wurde 1960 in Kuba für Präsident Eisenhower durchgeführt und ergab eine hohe Zustimmung der kubanischen Bevölkerung zu Fidel Castro. Unglücklicherweise für Eisenhowers Nachfolger, John F. Kennedy, wurde diese Information erst nach der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht weitergegeben. 1965 veröffentlichte er sein erfolgreichstes Werk „The Patterns of Human Concerns“, in dem er Umfrageergebnisse mit Erkenntnissen aus Laborstudien verknüpfte und die „Cantril Leiter“ entwickelte. Bis zum Zeitpunkt seines Todes war er Vorsitzender des Vorstands des Instituts für Internationale Sozialforschung. Er war auch Berater der Regierungen Theodore Roosevelt, Dwight D. Eisenhower und John F. Kennedy.

Werk

Er leistete Beiträge zur Psychologie der Propaganda, der Meinungsforschung, der Anwendung von psychologischer Forschung auf nationale Politik, internationale Verständigung und Kommunikation und zur Psychologie sozialer Bewegungen; ebenso zur humanistischen Psychologie, der Wahrnehmungspsychologie zur Analyse menschlichen Verhaltens aus transaktionaler Perspektive. Er spielte eine bedeutende Rolle bei der Verknüpfung von Umfragemethoden kommerzieller Netzwerke mit den in der Sozialpsychologie gängigen Methoden. Dieses kombinierte Vorgehen, zusammen mit der Segmentierung der Bevölkerung anhand demografischer Merkmale in klar definierte Profile, ermöglichte es Forschern, soziale Trends mit einer deutlich höheren Präzision als je zuvor zu verstehen.

Er ist in der Sozialpsychologie wohl am bekanntesten geworden für die Studie „They Saw a Game“ von 1954, die er gemeinsam mit Albert H. Hastorf, dem ehemaligen Leiter des Psychologischen Instituts an der Stanford University, verfasste. Die Studie dokumentiert, wie unterschiedlich die Anhänger der Universitäten Princeton und Dartmouth das harte Spiel in einem denkwürdigen Footballspiel zwischen den beiden Universitäten wahrnahmen und interpretierten. Die Studie legte den Grundstein für nahezu alle nachfolgenden Arbeiten über den Einfluss motivationaler und kognitiver Verzerrungen auf die Wahrnehmung.[2]

Sein 1940 erstmals erschienenes Buch „Die Invasion vom Mars: Eine Studie zur Psychologie der Panik“ war ein Meilenstein für die Radioforschung. Es basiert auf einer Studie, die unmittelbar nach Orson Welles’ Radiobearbeitung von H. G. Wells’ „Der Krieg der Welten“ von 1898 entstand. Diese Bearbeitung löste in den Vereinigten Staaten angeblich eine Massenpanik aus, als sie am Sonntag, dem 30. Oktober 1938, in der Halloween-Folge der Radioserie ausgestrahlt wurde.[3] Seine Forschungsergebnisse legten nahe, dass die Wirkung der Sendung auf die verängstigten Bürger weniger mit dem Inhalt der Live-Übertragung zu tun hatte als mit den Bewertungsmaßstäben, die die Zuhörer bei der Beurteilung des Gehörten anwandten, auch die Bildung spielte dabei eine Rolle.

Sein Beitrag zur Messung und Skalierung im Bereich der Umfrageforschung ist in der Entwicklung der „Cantril-Skala“, auch als „Cantrils Leiter“ bezeichnet, zu sehen, die er 1966 in seinem Werk „The Pattern of Human Concerns“ veröffentlichte.[4] Die Cantril-Leiter ist ein Messinstrument, das Menschen dazu auffordert, ihre gegenwärtige, vergangene und erwartete zukünftige Lebenszufriedenheit auf einer Skala mit 10 Stufen einzuschätzen, die von 0 (für das schlechtestmögliche Leben) am unteren Ende bis 10 (für das bestmögliche Leben) am oberen Ende nummeriert sind. Die Befragten geben dann an, auf welcher Stufe sie sich persönlich verorten. Die Cantril-Skala wurde und wird in zahlreichen globalen Studien eingesetzt, beispielsweise im jährlich erscheinenden World Happiness Report der UN.

Ehrungen/Positionen

  • Gründungsmitglied der Society for the Psychological Study of Social Issues
  • Präsident der Eastern Psychological Association
  • Preis der American Association of Public Opinion Research für herausragende Leistungen
  • 1937: Gründungsherausgeber des Public Opinion Quarterly

Privates

Er war verheiratet mit Mavis Cantril; aus der Ehe stammt der Sohn Albert H. Cantril.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
  • Mit Hazel Gaudet; Herta Herzog: The Invasion from Mars: A Study in the Psychology of Panic. Routledge, London 2017, ISBN 978-1-138-53638-8 (Originalveröffentlichung Princeton University Press 1940).
  • The Psychology of Radio (Classic Reprint). Forgotten Books, London 2017, ISBN 978-0-331-29580-1.
  • The Psychology of Social Movements. Hassell Street Press, 2021, ISBN 978-1-01-346153-8.
  • The Human Dimension: Experiences in Policy Research. Rutgers University Press, New Brunswick, NJ 1967.
  • The pattern of human concerns. Rutgers University Press, New Brunswick 1966.
  • The politics of despair. Collier Books, New York 1962.
  • Soviet leaders and mastery over man. Rutgers University Press, New Brunswick 1960.
  • Mit William H. Ittelson: Perception: A Transactional Approach. Doubleday Papers in Psychology, Garden City, NY. 1954.
  • Tensions et conflits. Études de psychologie sociale. Librairie de Médicis, Paris 1951.
  • Mit Max Horkheimer: Tensions that cause wars: common statement and individual papers (UNESCO als herausgebendes Organ). Univ. of Illinois Pr., Urbana 1950.
  • The "why" of man's experience. MacMillan, New York 1950.
  • Gauging Public Opinion. Princeton University Press, Princeton 1944, ISBN 978-0-691-09352-9.
Herausgeberschaften
  • Mit A. H. Cantril: Psychology, Humanism and Scientific Inquiry: Selected Essays of Hadley Cantril. Taylor & Francis Inc., Milton Park 1988, ISBN 978-0-88738-176-8 (Originalveröffentlichung: Transaction Publishers, Piscataway 1988).
  • The Morning Notes of Adelbert Ames, Jr. Rutgers University Press, New Brunswick, NJ 1960.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • Sentio, Ergo Sum:“Motivation” Reconsidered. In: The Journal of Psychology, 1967, 65 (1), S. 91–107.
  • Evaluating the Probable Reactions to the Landing in North Africa in 1942: A Case Study. In: Public Opinion Quarterly, 1965, 29 (3), S. 400ff.
  • A Study of Aspirations. In: Scientific American, 1963, 208 (2), S. 41–45.
  • Mit Albert H. Hastorf: They saw a game; a case study. In: The Journal of Abnormal and Social Psychology, 1954, 49 (1), S. 129–134.
  • Toward a Scientific Morality. In: The Journal of Psychology, 1949, 27 (2), S. 363–376.
  • Mit R. F. Winch; Muzafer Sherif: The Psychology of Ego-Involvements. In: Marriage and Family Living, 1948, 10 (1), S. 16ff.
  • The Place of Personality in Social Psychology. In: The Journal of Psychology, 1947, 24 (1), S. 19–56.
  • The Issues-As Seen by the American People. In: Public Opinion Quarterly, 1944, 8 (3), S. 331ff.
  • Causes and Control of Riot and Panic. In: Public Opinion Quarterly, 1943, 7(4).
  • America Faces the War: A Study in Public Opinion. In: Public Opinion Quarterly, 1940, 4 (3), S. 387ff.
  • Propaganda Analysis. In: The English Journal, 1938, 27 (3), S. 217ff.
  • A Comparative Study of Radio and Face-to-Face Stimulus Situations. In: The Journal of Social Psychology, 1937, 8 (4), S. 443–458.

Literatur

Einzelnachweise

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