Albert H. Hastorf
US-amerikanischer emeritierter Professor für Psychologie
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Albert Herman Hastorf (* 26. November 1921 in New York City; † 26. September 2011 in Palo Alto) war ein US-amerikanischer emeritierter Professor für Psychologie, ehemaliger Vizepräsident, Provost und Dekan der Fakultät für Geistes- und Naturwissenschaften an der Stanford University.[1]
Leben
Er wuchs in Westfield auf. 1942 erwarb er einen Bachelor-Abschluss in Geschichte am Amherst College. Von 1942 bis 1946 war er im Luftfahrtpsychologieprogramm des U.S. Army Air Corps tätig, wo er zur Auswahl und Ausbildung von Flugbesatzungsmitgliedern forschte. 1947 erwarb er einen Master-Abschluss in Psychologie an der Princeton University und 1949 promovierte (Ph.D.) dort.
Er begann seine akademische Tätigkeit 1948 am Dartmouth College. 1954 unterbrach er seine akademische Laufbahn als Fellow am Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences in Stanford und nochmals 1958 als Fellow der National Science Foundation in Stanford. In Dartmouth wurde er 1955 Professor und Leiter des Fachbereichs Psychologie; diese Position hatte er vier Jahre lang inne. 1961 trat er der Fakultät für Geistes- und Naturwissenschaften der Stanford University bei. Er leitete von 1961 bis 1970 das Psychologische Institut, 1979 wurde er zum Benjamin Scott Crocker Professor für Humanbiologie ernannt. Er war einer der Gründungsdirektoren des interdisziplinären Programms für Humanbiologie und des Center for the Study of Youth and Development in Stanford. Von 1970 bis 1974 war er Dekan der Fakultät für Geistes- und Naturwissenschaften und von 1980 bis 1984 Prorektor der Universität. 1987 wurde er der dritte Direktor der Terman-Studie über Hochbegabung, einer Langzeitstudie über das Leben intellektuell hochbegabter Menschen, die 1920 an der Stanford University von dem Lewis Terman begonnen wurde. Er verbrachte insgesamt drei Jahrzehnte mit Lehre, Forschung und als leitender Angestellter an der Stanford University. 1990 ging er in den Ruhestand.
Werk
Er gilt als ein Pionier der sozialen Interaktions- und Wahrnehmungsforschung. Seine frühen Arbeiten konzentrierten sich auf die soziale Interaktionen, insbesondere auf die Bereiche Wahrnehmungsverzerrung und auf soziale Einflüsse auf die Wahrnehmung. Seine späteren Forschungen befassten sich mit den Auswirkungen körperlicher Abweichungen und Behinderungen auf die soziale Wahrnehmung.
Er ist in der Sozialpsychologie wohl am bekanntesten für die berühmte Studie „They Saw a Game“ geworden, die er gemeinsam mit Hadley Cantril, dem ehemaligen Leiter des Psychologischen Instituts an der Princeton University, verfasste. Die Studie dokumentierte, wie unterschiedlich die Anhänger der Universitäten Princeton und Dartmouth das harte Spiel in einem denkwürdigen Footballspiel zwischen den beiden Universitäten wahrnahmen und interpretierten. Die Studie legte den Grundstein für nahezu alle nachfolgenden Arbeiten über den Einfluss motivationaler und kognitiver Verzerrungen auf die Wahrnehmung.[2]
Ehrungen/Positionen
- Gründung des Hastorf Family Fund durch Albert und Barbara Hastorf als jährlicher Preis für Doktoranden in allen Bereichen des Instituts für Psychologie
- Gründung des Albert and Barbara Hastorf Teaching Fund durch Albert und Barbara Hastorf als jährlicher Preis für herausragende Leistungen in der Lehre an einen Doktoranden
- 1990: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences[3]
- 1987: Richard W. Lyman Award der Stanford Alumni Association
- 1979: Lloyd W. Dinkelspiel Award for Outstanding Service to Undergraduate Education in Stanford
- 1967: Ehrendoktorwürde (Doctor of Humane Letters) erhielt er von Amherst College
Privates
Er lernte seine spätere Ehefrau Barbara Reck im zweiten Studienjahr kennen; sie studierte damals am nahegelegenen Mount Holyoke College. Die beiden heirateten 1943 und waren 68 Jahre miteinander verheiratet. Das Ehepaar bekam die Töchter Elizabeth und Christine Hastorf.
Publikationen (Auswahl)
- Monografien
- Mit Edward E. Jones; Amerigo Farino; Hazel Markus; Dale T. Miller; Robert A. Scott: Social stigma: the psychology of marked relationships. W. H. Freeman, New York 1984, ISBN 978-0-7167-1592-4 (archive.org).
- Mit David Joe Schneider; Judith Polefka: Person Perception (2nd edition, Topics in Social Psychology). Longman Higher Education, London 1979, ISBN 978-0-201-06768-2.
- Herausgeberwerke
- Mit Alice M. Isen: Cognitive social psychology. Elsevier, New York 1982, ISBN 978-0-444-00617-2.
- Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
- Lewis Terman’s Longitudinal Study of the Intellectually Gifted: Early Research, Recent Investigations and the Future. In: Gifted and Talented International, 1997, 12 (1), S. 3–7.
- Mit Merrill Carlsmith; Sanford M. Dornbusch; Herbert Leiderman; Ruth T. Gross; Philip L. Ritter: Black Control of Adolescent Dating. In: Sociological Perspectives, 1984, 27 (3).
- Mit G. B. Northcraft, S. R. Picciotto: Helping the Handicapped: How Realistic is the Performance Feedback Received by the Physically Handicapped. In: Personality and Social Psychology Bulletin, 1979, 5 (3), S. 373–376.
- Mit Charles E. Osgood, H. Ono: The Semantics of Facial Expressions and the Prediction of the Meanings of Stereotypically Fused Facial Expressions. In: Scandinavian Journal of Psychology. 7, 1966, doi:10.1111/j.1467-9450.1966.tb01351.x S. 179–188.
- Mit Alex Bavelas, Alan E Gross, W. Richard Kite: Experiments on the alteration of group structure. In: Journal of Experimental Social Psychology. 1 (1), 1965, S. 55–70.
- Current Trends: Psychology in the Soviet Union. In: The Journal of Higher Education. 29 (7), 1958, doi:10.1080/00221546.1958.11779569, S. 405.
- Mit H. H. Toch: Homeostasis in Psychology: A Review and Critique. In: Psychiatry. 18 (1), 1955, doi:10.1080/00332747.1955.11022996, S. 81–91.
- Mit Hadley Cantril: They saw a game; a case study. In: The Journal of Abnormal and Social Psychology. 49 (1), 1954, S. 129–134.
- I. E. Bender: A caution respecting the measurement of empathic ability. In: The Journal of Abnormal and Social Psychology. 47, 1952, doi:10.1037/H0063349, S, 574–576.
Literatur
- L. D. Ross: Albert H. Hastorf III (1921–2011). In: American Psychologist., 2012, 67 (6), S. 493 (psycnet.apa.org).
Weblinks
- Ted Heisler: Albert H. Hastorf III ’42 Amherst University, abgerufen am 12. März 2026
- Susan W. Schofield: Albert H. Hastorf: A Series of Oral History Interviews. Stanford’s Oral History Program celebrates its 500th interview, Stanford University 2019.