Haloparvum
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Haloparvum (gängige Abkürzung Hpv.) ist eine Gattung halophiler (salzliebender) Archaeen aus der Familie Haloferacaceae[2][3][4][1] (Reich Methanobacteriati).[2][3]
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
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| Chen et al. 2016[1] |
Haloparvum sedimenti
Entdeckung und Kultivierung
Der Erstbeschreibung der Gattung Haloparvum und ihrer Typusart Hpv. sedimenti liegen zwei extrem halophile Archaeenstämme, DYS4 (Referenzstamm) und Y2 zugrunde, die beide aus den Steinsalzvorkommen der Jiangcheng-Salzmine in der chinesischen Provinz Yunnan isoliert wurden. Die Zellen der beiden Stämme sind gramnegative, unbewegliche, pleomorphe (in der Gestalt variable) Stäbchen. Die Zellen bildeten hellrot pigmentierte Kolonien. Beide Stämme, DYS4 und Y2, benötigten für ein optimales Wachstum Salzkonzentrationen von 2,6–3,4 ᴍ (mol/ℓ) NaCl, einen pH-Wert von 7,5–8,0 und eine Temperatur von 42 °C bei aeroben Bedingungen; auch Magnesiumionen (Mg2+) sind für das Wachstum erforderlich.[1]
Physiologie
Die wichtigsten polaren Lipide der beiden Stämme DYS4 und Y2 der Typusart Hpv. Haloparvum sind Phosphatidylglycerol (PG),[5] Phosphatidylglycerolphosphat-Meethylester (PGP-Me), Phosphatidylglycerolsulfat (PGS) und sulfatiertes Mannosylglucosyl-Diether (S-DGD). Bei den Stämmen DYS4 und Y2 ist ein 2016 nicht weiter identifizierter kleiner Glykolipidfleck (minor glycolipid spot) vorhanden, der die beiden Stämme und damit die Gattung Haloparvum von den eng verwandten Gattungen Halorubrum und Halopenitus unterscheidet. Der Lipidkern des Glykolipids ist sn-2,3-Diphytanylglycerin (C20C20).[6][1]
Genom
Der G+C-Gehalt der Stämme DYS4 und Y2 beträgt 68,2 bzw. 67,0 mol%. Die Sequenzähnlichkeit des 16S-rRNA-Gens zeigte 2016, dass die damals nächsten bekannten Verwandten der Stämme DYS4 und Y2 folgende sind:[1]
- Halorubrum aidingense, Referenzstamm 31-hong (mit 94,1 % bzw. 93,6 % Sequenzähnlichkeit des 16S-rRNA-Gens zu DYS4 respektive Y2);
- Halopenitus salinus Referenzstamm SKJ47 (mit 93,4 % bzw. 93,1 % Sequenzähnlichkeit des 16S-rRNA-Gens zu DYS4 respektive Y2).
Die phylogenetische Analyse des 16S-rRNA-Gens und des rpoB-Gens (kodiert den β-Abschnitt der RNA-Polymerase) ergab, dass die Stämme DYS4 und Y2 eine eigenständige Linie (Klade) bilden, die eng mit den Gattungen Halorubrum und Halopenitus verwandt ist. Der Der Verwandtschaftsgrad zwischen den Stämmen DYS4T und Y2 beträgt 90,0 ± 0,5 %. Daher wurden beide Stämme derselben neuen, Hpv. sedimenti genannten Spezies der neuen, als Haloparvum bezeichneten Gattung zugeordnet.[1] Alle drei Gattungen werden von der LPSN derselben Familie Haloferacaceae zugeordnet.[2]
Haloparvum alkalitolerans
Eine zweite Spezies, Hpv. alkalitolerans, wurde noch im selben Jahr 2016 beschrieben. Der Referenzstamm MK62-1 ist danach ein gramnegatives, pleomorphes, aerobes, halophiles Archaeon. Er wurde aus handelsüblichem Meerwasser-Salz auf den Philippinen isoliert. Der Stamm MK62-1 wäschst bei 2,1–4,7 ᴍ (mol/ℓ) NaCl (Optimum bei 2,1–2,6 ᴍ NaCl), pH 6,5–9,5 (Optimum bei pH 7,0–7,5) und 20–55 °C (Optimum bei 45–50 °C).[7]
Artenliste
Die derzeit akzeptierte Taxonomie basiert auf der List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN)[2] und dem National Center for Biotechnology Information (NCBI),[3] ergänzt um Einträge aus der Genome Taxonomy Database (GTDB),[4] Stand: 3. Januar 2026:
Gattung Haloparvum Chen et al. 2016(L,N)[3][1]
- Spezies Haloparvum alkalitolerans Kondo et al. 2016(L,N) [Halophilic archaeon MK62-1(N)][7]
- Stamm JCM 30442 alias KCTC 4214 oder MK62-1(L,N)
- Spezies Haloparvum sedimenti Chen et al. 2016(L,N,G)[1] [Halorubrum sp. DYS4(N), Halopenitus sp. DYS4(N), Halorubrum sp. Y2(N), Halobacteriaceae archaeon Y2(N)] (Typusart(L))
- Haloparvum sp. PAK95(N)
- Stamm PAK95(N) – Fundort: handelsübliches Speisesalz aus der Provinz Jiangsu, China(N)
- L – List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN), Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ)[2]
- N – Taxonomie des National Center for Biotechnology Information (NCBI)[3]
- G – Genome Taxonomy Database (GTDB)[4][8]
Wo nicht anders angegeben ist der erste Stamm (bzw. das erste MAG) Typusstamm (englisch type strain) für die jeweilige Spezies.
Namensherkunft
Der Gattungsname Haloparvum setzt sich zusammen aus altgriechisch ἅλς hals, deutsch ‚Salz‘ (Genitiv (gen. ἅλως hálōs)) und lateinisch parvum ‚klein‘, ‚winzig‘; der Name bedeutet also ‚Winzling des Salzes‘ oder ‚salzliebender, kleiner Organismus‘.[2]
- Das Art-Epitheton alkalitolerans setzt sich zusammen aus neulateinisch alkali ‚Alkali‘ vom arabischen Artikel ‚al‘ und ‚qali‘ (القلوي al-qaly ‚Asche vom Queller‘, eine Salzpflanze auch ‚Seespargel‘ genannt, englisch ashes of the saltwort); sowie lateinisch tolerans ‚tolerant‘, ‚verträglich‘. Die Bezeichnung nimmt Bezug auf die Fähigkeit des Organismus, alkalische Medien zu tolerieren.[2]
- Das Art-Epitheton sedimenti ist ein lateinischer Genitiv mit der Bedeutung ‚aus dem Sediment‘. Die Bezeichnung nimmt Bezug auf das Habitat des Referenzstamms.[2]
Weiterführende Literatur
- Armando Azua-Bustos, Carlos González-Silva, Daniel Carrizo, Laura Sánchez-García, Maite Fernández-Sampedro, Thanh Quy Dang, Cristian Vargas-Carrera, Victoria Muñoz-Iglesias, María Paz Martin-Redondo, Pedro Mustieles-del-Ser, Olga Prieto-Ballesteros, Jacek Wierzchos: An Atacama subsurface tephra layer reveals how life colonized Kenorland in the Neoarchean. In: Nature:Scientific Reports, Band 15, 9. Dezember 2025, S. 43474; doi:10.1038/s41598-025-24288-x (englisch).