Handala

Zeichentrickfigur, nationales Symbol des palästinensischen Volkes From Wikipedia, the free encyclopedia

Handala (arabisch حنظلة, DMG Ḥanẓala), auch Handhala, Hanzala oder Hanthala genannt, ist eine Cartoonfigur des palästinensischen Zeichners Nadschi al-Ali.[1][2] Die Figur des kleinen Jungen wurde 1969 erstmals gezeichnet und erhielt ihre heutige Gestalt 1973. Handala gilt als Symbol palästinensischer Identität.[3][4]

Handala, das palästinensische Trotzsymbol

Entwicklung der Figur

Obwohl die Figur Handala offiziell erstmals am 13. Juli 1969 in der kuwaitischen Zeitung al-Siyassah abgebildet wurde, lassen sich die Anfänge von Handala bereits in zahlreichen Karikaturen erkennen, die in at-Tali’a veröffentlicht wurden.[5][6] Die Figur Handala entstand als Reaktion auf die Resolution 242 des Sicherheitsrats (22. November 1967), die Nadschi al-Ali als ersten Verrat an den palästinensischen Flüchtlingen betrachtete.[6] Den Oktoberkrieg von 1973 deutete Nadschi al-Ali als einen weiteren Wendepunkt, an dem sich die palästinensische Politik weiter von ihren ursprünglichen Zielen entfernte. Deshalb wendete Handala sich ab und zeigte nur noch seinen Rücken. Er wurde zu demjenigen, der Ungerechtigkeit ablehnt, sie aber beharrlich beobachtet und anprangert.[1][6] Nadschi al-Ali erklärte, dass seine Figur Handala den Armen zugeneigt sei. Da al-Ali selbst die Welt durch eine Klassenanalyse betrachtete, zeichnete er lieber „soziale Verhältnisse und Einstellungen statt Führer und Chefs“. Ursprünglich führte al-Ali Handala als palästinensisches Kind ein, später schrieb er jedoch, dass „mit der Entwicklung seines Bewusstseins zunächst ein nationaler (arabischer) Horizont entstand, dann ein globaler und menschlicher Horizont.“[5]

Symbolismus

Der Name „Handala“ wird auf die giftige Pflanze Koloquinte zurückgeführt (arabisch حنظل, DMG ḥanẓal), eine mehrjährige Pflanze aus der Levante, die bittere Früchte trägt, nach dem Schneiden nachwächst und tiefe Wurzeln hat.[7] Suzan Quitaz zitierte al-Ali mit den Worten: „Ich habe ihn den Armen vorgestellt und ihm den Namen Handala gegeben, als Symbol der Bitterkeit“.[8]

Handalas Alter – zehn Jahre (bzw. elf Jahre gemäß „A Child in Palestine“) – entspricht dem Alter von Nadschi al-Ali im Jahr 1948, als seine Familie gezwungen wurde, Palästina zu verlassen, und er nicht erwachsen werden konnte, bis er in sein Heimatland zurückkehren könnte:[9][10]

Rezeption

Wissenschaftliche Rezeption

Orayb Aref Najjar (Professorin Emerita der Kommunikationswissenschaften, Northern Illinois University) schreibt, das Gesamtwerk al-Alis verdeutliche, wie politische Ereignisse die Palästinenser von Flüchtlingen zu Revolutionären machten. Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser galt nach 1948 als Essenz der palästinensischen Identität. Nadschi al-Alis Karikaturen setzten sich mit dieser Identitätspolitik der palästinensischen Diaspora auseinander und trugen Najjar zufolge maßgeblich dazu bei, das Bild der palästinensischen Flüchtlinge zu verändern: von hilflosen, mittellosen Menschen, die in Zelten und Hütten lebten und zum Überleben auf Lebensmittelrationen der Vereinten Nationen angewiesen waren, zu Revolutionären, die ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen.[5.1]

Während Flüchtlinge in Jordanien jordanische Pässe besaßen, erhielten Flüchtlinge in Syrien und im Libanon von Fall zu Fall vorläufige Ausweispapiere. Das Fehlen eines Passes kommt dabei laut Najjar einer Leugnung der Existenz dieses Flüchtlings gleich. Al-Ali habe in einer Karikatur die Notlage der Flüchtlingsgemeinschaft mit dem Mittel der Parodie auf den Punkt gebracht, um die Bedingungen zu kommentieren, mit denen Palästinenser auf ihren Reisen konfrontiert seien. Im Vertrauen darauf, dass arabische Leser mit dem Text eines tatsächlichen Reisedokuments vertraut sein würden, habe der Künstler die Form des Originals beibehalten, sie jedoch um zusätzliche Textelemente und Zeichnungen ergänzt. Dadurch habe sich das Dokument in einen subversiven und wirkungsvollen Kommentar zu den Praktiken der arabischen Herrscher verwandelt. Der Personalausweis in der Karikatur sei viel größer gezeichnet als die kleine Figur von Handala, um auszudrücken, dass die Passfrage für jeden staatenlosen Flüchtling von großer Bedeutung sei.[5] Anstelle eines Passfotos habe der Palästinenser in seinem Personalausweis ein mit einem schwarzen Balken markiertes Foto erhalten – so, wie das Bild eines Verstorbenen bei einer Beerdigung gezeigt wird, als solle damit angedeutet werden, dass der Inhaber auf eigene Gefahr reise.[5.2] Und während der normale Reisepass den Passus „Die Vertreter der Regierung im In- und Ausland werden angewiesen, dem Inhaber dieses Passes auf seinen Reisen Hilfe zu leisten“ enthalte, zeige die Karikatur den Pass mit den Worten „Die Vertreter der Regierung im In- und Ausland werden angewiesen, dem Inhaber dabei zu helfen, in Gottes Barmherzigkeit überführt zu werden, und mögen wir lange leben“, was Najjar als Anspielung auf den Wunsch arabischer Regime sieht, politische Gegner loszuwerden bzw. sie in den Tod zu schicken.[5.3] Das Aufenthaltsrecht der palästinensischen Flüchtlinge sei von al-Ali mit den Worten zum Ausdruck gebracht worden: „Dem Inhaber dieses Dokuments wird Aufenthalt unter Verwaltungshaft gewährt; es ist ihm weder erlaubt zu arbeiten noch zu atmen“; ein echter Pass enthalte dagegen den Satz: „Alle arabischen Länder: Dem Inhaber dieses Passes wird Aufenthalt gewährt.“[5.2]

Rezeption in Deutschland

Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz beschrieb im Mai 2026 Handala als eines der Symbole und Erkennungszeichen des säkularen propalästinensischen Extremismus. Handala sei eine „erstmals 1969 gezeichnete Cartoonfigur, welche stellvertretend für den palästinensischen Widerstand steht.“[11] In Belltower News schrieb Marc Widemann 2021, dass Abbildungen der Comicfigur „Handala“ meist im Kontext der Boykott-Kampagne BDS verwendet würden. Laut Widemann zeigten Handala-Cartoons auffallend häufig gewaltsames Vorgehen gegen Israel: „So wird die israelische Fahne durch Handala in Brand gesetzt, werden Steine als Wurfgeschosse genutzt und Waffengewalt propagiert. Daneben existieren zahlreiche Handala-Zeichnungen, die eine klassische antisemitische Symbolsprache beinhalten, indem beispielsweise Jüdinnen:Juden mit überdimensionierten Hakennasen dargestellt werden oder ein Rekurs auf die antisemitische Ritualmordlegende erfolgt.“[12] In einem Artikel über die BDS-Bewegung schrieb Sebastian Leber 2017: „In dessen Geschichten werden Israelis grundsätzlich mit Hakennase dargestellt. Sie begehen jüdische Ritualmorde, verführen arabische Frauen, können bloß durch Maschinengewehre gestoppt werden.“[13]

Weitere Verwendung

Zu den aktuellen Verwendungen des Handala-Motivs gehören:

  • In der israelischen Kunst, insbesondere neben der israelischen Figur Srulik.[14]
  • Ein 2022 gegründeter israelfeindlicher Verein in Leipzig nannte sich „Handala e. V.“. Er wurde vom sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) als extremistisch eingestuft.[15] Der Verein zeigte laut Verfassungsschutzbericht kurz nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 auf seinem Instagram-Account in Anspielung auf die Hamas-Terroristen Handala mit einem Fallschirm Nach öffentlicher Kritik an dieser Darstellung wurde der Beitrag gelöscht. Ende 2025 löste sich der Verein auf, die Gruppe besteht aber weiter.[16][17]
  • Ein Schiff der sogenannten Gaza Freedom Flotilla hieß ebenfalls Handala.[18]

Galerie

Literatur

Commons: Handala – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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