Nadschi al-Ali
palästinensischer Cartoonist
From Wikipedia, the free encyclopedia
Nadschi Salim al-Ali (arabisch ناجي سليم حسين العلي Nadschi Salim Husain al-Ali, DMG Nāǧī Salīm Ḥusain al-ʿAlī; * 1938 in al-Schadschara, Völkerbundsmandat für Palästina; † 29. August 1987 in London) war ein palästinensischer Cartoonist, der vor allem Israels Besatzungspolitik, aber auch die Haltung der arabischen Bruderstaaten kritisierte.

Leben
Nadschi al-Ali wurde gemeinsam mit seiner Familie während des ersten Arabisch-Israelischen Krieges aus al-Schadschara, später Teil der israelischen Siedlung Ilaniya (in Galiläa zwischen Tiberias und Berg Tabor gelegen), in den Libanon vertrieben. Dort wuchs er in dem Flüchtlingslager Ain al-Hilweh nahe Sidon auf.[1] Er zeichnete mehr als 40.000 Cartoons für verschiedene arabische Periodika. Seine bekannteste Figur ist der palästinensische Junge „Handala“.
Ermordung
Es ist bis heute nicht geklärt, wer am 22. Juli 1987 das Feuer vor dem Londoner Büro der kuwaitischen Zeitung „Al Qabas“ auf Nadschi al-Ali eröffnete. Nadschi al-Ali verblieb bis zu seinem Tode am 29. August 1987 im Koma. Sein letzter Wille sah vor, neben seinem Vater im Flüchtlingslager Ain al-Hilweh bestattet zu werden. Aus organisatorischen Gründen war dies nicht möglich, so dass er auf dem Brookwood Islamic Cemetery vor London seine letzte Ruhestätte fand.
Scotland Yard verhaftete Ismail Sowan, einen aus Jerusalem stammenden 28-jährigen palästinensischen Wissenschaftler an der University of Hull, und fand ein Waffenlager in seiner Wohnung. Das Waffenlager war laut Scotland Yard angelegt worden, um Terroranschläge in Europa durchzuführen. Er wurde allerdings nur wegen Waffenbesitzes angeklagt. Zunächst stellte Scotland Yard fest, dass er ein Mitglied der PLO ist, die eine Beteiligung aber bestritt.[2][3]
Sowan gestand später, dass er zugleich für die PLO wie auch für den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad gearbeitet habe. Seiner Aussage zufolge habe der Mossad über die Attentatspläne frühzeitig Bescheid gewusst und habe diese Informationen jedoch nicht an den britischen Geheimdienst weitergegeben. Diese Darstellung der Ereignisse führte im Nachhinein zu erheblichen Spannungen zwischen der britischen und der israelischen Regierung, was in der Konsequenz zur Ausweisung von wenigstens einem israelischen Diplomaten aus Großbritannien führte.[4] Die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher ließ daraufhin das Büro des Mossad in Palace Green, Kensington[5] schließen.
Handala
Die Figur des Handala (حنظلة, DMG Ḥanẓala) erschien erstmals 1969.[6] Der palästinensische Junge mit dem großen runden Kopf trat dann meist als stiller Beobachter auf, der nur von hinten zu sehen ist. Er trägt zerschlissene Kleidung und ist barfüßig. Er stellt einen 10 Jahre alten armen Palästinenser dar, der gegen die israelische Besatzung demonstriert. Zehn Jahre, weil sein Schöpfer genau mit diesem Alter seine Heimat verlassen musste.[7][6] In der Regel steht er stumm und unbeweglich mit Blick auf das Geschehen da. Nur wenn Kinder involviert sind oder zu Schaden kommen, zeigt der Handala starke Emotionen. In der Folgezeit wurde er die Signatur von Nadschi al-Ali und kam in jedem Cartoon entweder direkt in der Handlung oder als kleines Logo vor. Heute ist die Figur in den Palästinensischen Autonomiegebieten und der palästinensischen Diaspora häufig abgebildet; sie ist auch Teil des Logos der BDS-Kampagne (Boycott, Divestment and Sanctions).[8] Ein Schiff der Gaza Freedom Flotilla hieß ebenfalls Handala.[9]
Spielfilm
Der 1991 von Atef El Tayeb gedrehte ägyptische Spielfilm „Nagi al-Ali“ mit Nour El-Sherif in der Hauptrolle beginnt mit dem Attentat auf al-Ali in London und zeigt in Rückblenden seine Biographie von der Vertreibung der Familie aus Palästina in den Libanon, seine Arbeit in Kuwait, und seine Rückkehr in den Libanon während des libanesischen Bürgerkriegs. Der Film hatte ein für ägyptische Filme großes Budget von 1 Million US-Dollar und wurde in Beirut, Kuwait, Syrien und London gedreht, mit der vollständigen Unterstützung der syrischen und libanesischen Armee, wobei sich Syrien später von dem Film distanzierte.[10][11][12]
Dokumentarfilm
Der Dokumentarfilm „Naji al-Ali: An Artist with Vision“ von Kasim Abid aus dem Jahr 1999 schildert die Evolution von al-Alis Kunst als Reaktion auf die politischen Entwicklungen der 1980er Jahre.[13] Der Film stellt chronologisch das Leben al-Alis von seiner Kindheit in den Lagern bis hin zu seiner Studienzeit dar und zeigt seine Entwicklung zum Aktivisten, Journalisten und Künstler, durch die verschiedenen Kriege, die sein Werk und sein Schicksal prägten, und schließlich in sein Exil nach London, wo er von einem unbekannten Angreifer erschossen wurde.[14][15]
Literatur
- Nadine Kreitmeyr: Der Nahostkonflikt durch die Augen Hanzalas. Stereotypische Vorstellungen im Schaffen des Karikaturisten Naji al-'Ali. Klaus Schwarz Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-87997-402-3.
Weblinks
- Literatur von und über Nadschi al-Ali im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Arabische Comics: Von Micky Maus bis Handala
- Naji al-Ali: An Artist with Vision. Internet Movie Database, abgerufen am 21. Mai 2026.
- Nagi al-Ali. Internet Movie Database, abgerufen am 21. Mai 2026.