Hanna Stern
deutsche Kunsthandwerkerin und Grafikerin
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Hanna Stern (* 18. September 1885 in Frankfurt am Main als Johanna Elisabeth Stern; † 4. Dezember 1942 ebenda) war eine deutsche Kunsthandwerkerin und Gebrauchsgrafikerin.
Werdegang
Hanna Stern wurde in Frankfurt am Main in eine jüdische Familie geboren und wuchs zusammen mit ihrem Bruder[1] und ihrer Schwester auf.[2]
Hanna Stern war mindestens ab 1912 mit dem nichtjüdischen Künstler Federigo Benito Mateo Cristiani bekannt. Ab etwa 1915 unterhielt sie gemeinsam mit ihm unter dem Namen „Cristiani & Stern“ ein Atelier für Buch- und Kunstgewerbe im Hansahaus[3] in der Frankfurter Stiftstraße 17. Im Jahr 1917 heiratete sie ihn und wohnte mit ihm und Cristianis Eltern in deren Haus in der Neumannstraße 183 (nach Umnummerierung 1930: Neumannstraße 6) in Eschersheim. Während des Ersten Weltkriegs bis zur Rückkehr ihres Mannes aus dem Kriegsdienst 1919 verantwortete und führte Hanna Stern das Geschäft allein.[1][4] Die 1919 geborene Tochter Beate Dorothea starb 1920 mit einem Jahr.[1] Hanna Sterns Mann war ab 1920 Mitglied und von 1931 bis 1933 Erster Vorsitzender der „Frankfurter Künstlergesellschaft“. Zu ihrem großen Freundeskreis gehörten zahlreiche hiesige Künstler, darunter Adolf Stoltze, Georg Mahr, Carl Ernst Fischer und Theo Garvé.[1] Sie waren auch befreundet mit Victor Klemperer.[2]
Während der Zeit des Nationalsozialismus verließ Hanna Stern Frankfurt und hielt sich in der Schweiz auf,[3] wo ihr Bruder in Baden lebte.[1][4] Ihr Mann war im Oktober 1937 mit einem Berufs- und Ausstellungsverbot belegt worden, wermutlich weil er sich weigerte, sich von seiner jüdischen Frau scheiden zu lassen. Auch behördliche Hausdurchsuchungen in der Frankfurter Wohnung fanden statt.[1] Hanna Stern kehrte nach einiger Zeit wieder nach Frankfurt zurück. Sie starb im Dezember in der gemeinsamen Wohnung in Frankfurt vermutlich infolge einer Krebserkrankung,[4] nachdem einige Wochen zuvor ein inoperabler Tumor in ihren Bronchien dignostiziert worden war.[2]
Werk

Hanna Stern gestaltete zahlreiche, kunstvoll illustrierte Exlibris, darunter für Henry und Bertha Rothschild[3] und für Max Meyerhof mit arabischer Schrift.[4] Sie bediente sich dazu verschiedener Verfahren, wie Hochätzung, Farblithografie oder Holzstich.[5] Sie kolorierte auch selbst gestaltete Postkarten in Tusche, Tinte, Buntstift und Aquarell, die sie an ihren Mann oder die Familie schickte. Ein wiederkehrendes Element war die Figur der „Fiametta“, die als ihr Alter Ego ihre Erlebnisse und Gefühle in die Bildsprache übertrug. Ihre „Illustrationen erinnern in der dekorativen Flächigkeit und der Betonung der Linie an die Wiener Werkstätte“.[6]
Im Jahr 2025 zeigte das Jüdische Museum Berlin, das ein Exlibris von Hanna E. Stern in seiner Sammlung hat,[7] die Ausstellung Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne, in der auch Hanna E. Stern vertreten war.[8]
Ein größeres Konvolut künstlerisch aufwendig gestalteter Postkarten aus der Zeit zwischen 1912 und 1919, die sich Hanna Stern von Basel in der Schweiz und von Frankfurt aus mit Mateo Cristiani in München und während seines Kriegsdienstes schrieben, ist im Historischen Museum Frankfurt überliefert.[1] Eine ihrer eigenen Visitenkarten mit Monogramm und einer Zeichnung einer Frau und einigen Rosen befindet sich in der Sammlung des Museums für angewandte Kunst in Frankfurt am Main.[9]
Weblinks
- Stern, Hanna. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).