Hans Meid

deutscher Maler und Grafiker des Impressionismus From Wikipedia, the free encyclopedia

Hans Meid (* 3. Juni 1883 in Pforzheim; † 6. Januar 1957 in Ludwigsburg) war ein deutscher Maler, Buchillustrator und vor allem bedeutender Graphiker (Schwerpunkt Kaltnadelradierung). Hans Meid ist der wichtigste Vertreter des deutschen Impressionismus in der Druckgrafik.

Leben und künstlerischer Werdegang

Hans Meid wuchs in Pforzheim als Sohn eines Schmuckhändlers auf. Nach dem Realschulabschluss besuchte er nach einigen Monaten an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe ab 1899 die dortige Kunstakademie, wo er Schüler des Impressionisten Wilhelm Trübner (1851–1917) und des Realisten Walter Conz (1872–1947) wurde.

1907 verpflichtete ihn die staatliche Meißener Porzellanmanufaktur als Leiter der Malereiabteilung; 1908 gab er diese Tätigkeit wieder auf und siedelte mit Familie in die Reichshauptstadt Berlin über, wo er sich schnell als bildender Künstler etablieren konnte. Die hohe Qualität seiner Kunst lässt sich an der 1911 erfolgten Aufnahme in die Berliner Secession ablesen, besonders aber an der Zuerkennung des Villa-Romana-Preises[1], was mit einem halbjährigen kosten- und sorgenfreien Aufenthalt in Florenz verbunden war.

Mit zwei den Höhepunkt seiner eigenen und auch der gesamten deutschen impressionistischen Radierkunst darstellenden Zyklen erzielte Meid daraufhin einen durchschlagenden großen Erfolg auf dem europäischen Kunstmarkt: 1911 mit der neunteiligen, noch in Florenz geschaffenen Radierfolge zu Shakespeares Othello (Auflage 125 Exemplare) und folgend 1912 mit der bei einem Romaufenthalt begonnenen fünfzehnteiligen Radierfolge Don Juan (Auflage 100 Exemplare) zu Mozarts Don Giovanni!

Zwischen 1910 und 1923 entstand Hans Meids künstlerisches Hauptwerk, das einen Höhepunkt der Kaltnadelradierung im 20. Jahrhundert darstellt; insgesamt schuf er ein umfangreiches Werk in Radierung, Lithografie und anderen Techniken, eine Vielzahl an Illustrationen zu Werken der Weltliteratur wie Cervantes Don Quijote, Goethes Wahlverwandtschaften und vielen anderen. Ab den zwanziger Jahren kamen Federzeichnungen und Aquarelle vor allem als Klischeevorlagen für Buchgestaltung hinzu. Für 44 Verlage (insbesondere Schünemann und S. Fischer) hat er Buchumschläge entworfen. Z.B. schuf er zum Erstdruck von Hugo von Hofmannsthals Einakter Die Lästigen in der Zeitschrift Marsyas sechs Radierungen.

1919 wurde Meid Lehrer für Radierung an der Akademischen Hochschule für bildende Künste (ab 1924: Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst) in Berlin-Charlottenburg. 1927 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Künste gewählt, in der er ab 1934 auch ein Meisteratelier für Grafik leitete. Seine Schüler waren u. a. Willi Schulz, Felix Nussbaum, Rudi Lesser, Gunter Böhmer.

In der Zeit des Nationalsozialismus war Meid obligatorisch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Für diese Zeit ist seine Teilnahme an 16 Ausstellungen sicher belegt[2], darunter 1937 an der Großen Deutschen Kunstausstellung in München.

Im Krieg wurde Meids Haus in Berlin-Steglitz 1943 zerstört. Nach 1945 ließ er sich im fränkischen Gereuth nieder, folgte dann aber 1948 einem Ruf an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, an der er bis 1951 unterrichtete. 1953 ernannte ihn die Hochschule zum Ehrenmitglied. 1956 erhielt Meid den Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg. Die Jahre bis zu seinem Tod lebte er (auf Vermittlung von Theodor Heuss) im Schloss Ludwigsburg.

Hans Meid war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[3]

Werke

Bedeutendste originale Druckgrafik

  • 1910: Am Wasser. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 29)[4]
  • 1910: Frau beim Baden beobachtet. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 32)
  • 1910: Venus und Mars. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 33)
  • 1910: Frau und Zofe. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 40)
  • 1910: Nachtstück. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 41)
  • 1910: Der Verführer. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 42)
  • 1910: Die Ehebrecherin. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 43)
  • 1911: Reiter am Waldhang. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 52)
  • 1911: Othello - Zyklus zur Tragödie von Shakespeare, 9 Radierungen. Aufl. 125 Exemplare in Mappe, Verlag Jacques Casper, Berlin (Jentsch Nr. IV, 55-63)
  • 1911: Springbrunnen. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 66)
  • 1912: Don - Juan - Zyklus zur Oper von Mozart, 15 Radierungen. Aufl. 100 Exemplare in Mappe, Verlag Paul Cassirer, Berlin (Jentsch Nr. VI, 82-96)
  • 1912: Susanna im Bade. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 73)
  • 1912: Akrobatenfamilie. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 99)
  • 1913: Pferdestall. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 100)
  • 1913: Idylle. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 107)
  • 1913: Drei Frauen beim Baden. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 112)
  • 1913: Die Loggia der Vasari in Florenz. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 114)
  • 1913: Straße mit Reiter, Wagen und Paar. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 117)
  • 1914: Reiterschlacht. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 208)
  • 1916–1926: Zwanzig Radierungen zur Bibel in vier Folgen, in vier Mappen. Aufl. je 100, E.A. Seemann Verlag, Leipzig (Jentsch XV, 221-225, 241-245, 275-279, 281, 521-524)
  • 1916: Jungbrunnen. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 227)
  • 1916: Frühlingsabend. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 237)
  • 1917: Pastorale. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 250)
  • 1918: Landschaft mit Burg und badenden Frauen. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 284)
  • 1918: Der Maler in der Landschaft. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 298)
  • 1918: Drei Frauen am Wasserfall (Drei Frauen am Fluß). Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 305)
  • 1918: Das Bad beim Pavillon (Badespiele). Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 307)
  • 1921: Zwei Frauen. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 337)
  • 1921: Mädchen mit Hirschkuh. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 339)
  • 1921: Mann und Mädchen in einer Flußlandschaft. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 340)
  • 1921: Ruinenlandschaft mit Paaren. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 353)
  • 1921: Bad der Diana. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 354)
  • 1923: Spaziergang an der Mauer. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 402)
  • 1923: Die Gasse mit dem Halbmond. Kaltnadelradierung (Jentsch Nr. 405)
  • 1923: Kahnfahrt. Ätzradierung (Jentsch Nr. 407)

Originale Druckgraphik eingebunden in Buchtext

  • 1914: Donna Johanna von Castilien von Jakob Wassermann. 16 Lithographien (gedruckt auf Paul Cassirers Pan-Presse Berlin) zum im Verlag Hans von Weber München erschienenen Buch (Jentsch Nr. XII, 132-147)
  • 1914–1918: Wallenstein. Ein dramatisches Gedicht zum dreiteiligen Drama von Schiller, 60 Lithographien, Jahresgabe der Maximilian-Gesellschaft für ihre Mitglieder. Aufl. 300 Exemplare mit Schillers Text von Julius Sittenfeld im Buchdruck und die hier eingestreuten 60 meist halbseitigen Lithographien auf Paul Cassirers Pan-Presse und von Hermann Birkholz in Berlin gedruckt (Jentsch Nr. XIII, 148-207)
  • 1921: Die Abenteuer des Aimé Leboef von Michael Kusmin. 24 Kaltnadelradierungen in den Text eingestreut. Aufl. 100 Exemplare im Verlag Fritz Gurlitt 1922 in Berlin erschienen (Jentsch Nr. XXXIII, 356-379)
  • 1923: Liebespaar mit Halbmond. Kaltnadelradierung zu Richard Dehmel: Lieder der Bilitis. Freie Nachdichtung nach Pierre Louÿs. Aufl. 120 signierte Exemplare im Euphorion-Verlag Berlin (Jentsch Nr. XXXIV, 403)

Illustrierte Bücher (in kleiner Auswahl)

Ausstellungen

(chronologisch absteigend sortiert)

  • 6. März bis 6. Juni 2022: Hans Meids Othello-Zyklus im Rahmen der Ausstellung Schwarz-Weiß. Liebermanns Druckgrafik in der Liebermann-Villa am Wannsee, Berlin
  • 15. September 2019 bis 5. Januar 2020: Max Liebermann und Hans Meid. Schwarz auf weiß. Museum Behnhaus Drägerhaus, Lübeck.
  • 29. März bis 16. August und 11. September bis 22. November 2015: Traum und Wirklichkeit. Hans Meid und seine Schüler Felix Nussbaum, Rudi Lesser, Gunter Böhmer. Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück und Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz.
  • 20. März bis 15. Juni und 13. Juli bis 12. Okt. 2008: Hans Meid 1883–1957. Welt und Gegenwelt. Stadtmuseum Berlin, Ephraim-Palais und Museum Giersch Frankfurt a. M.
  • 15. Januar bis Mitte Oktober 1996: Mozarts Opern im Werk von Max Slevogt und Hans Meid. Salzburg, Mozarts Geburtshaus.
  • 21. März bis 17. April 1993 und 4. Dez. 1993 bis 30. Jan. 1994: Hans Meid 1883–1957. Arbeiten auf Papier. Galerie Schlichtenmaier Grafenau, Schloss Dätzingen und Galerie Pels-Leusden Berlin, Villa Grisebach.
  • 10. Juli bis 7. Sept. 1983: Hans Meid 1883–1957. Eine Werkübersicht. Reuchlinhaus und „Provisorium“ der Stadt Pforzheim.
  • 9. Februar bis 24. März 1979: Hans Meid 1883–1957. Aquarelle und Druckgraphik. Galerie von Abercron München.
  • 3. März bis 6. Mai 1978: Hans Meid. Zeichnungen - Graphik. Galerie Glöckner Köln.
  • 19. Dezember 1973 bis 8. Februar 1979: Hans Meid. Aquarelle - Zeichnungen - Graphik. Galerie Brinke & Riemenschneider Hamburg.
  • 29. April bis 20. Mai 1973: Hans Meid 1883–1957. Gemälde - Aquarelle - Zeichnung - Graphik. Kunstgalerie Esslingen (Ralph Jentsch).
  • 3. Oktober bis 3. November 1963: Hans Meid. Das graphische Werk (Sammlung Wolfgang Gurlitt, München). Kunstamt Reinickendorf Berlin.

Literatur

(chronologisch absteigend sortiert)

  • Alexander Bastek (Hrsg.): Max Liebermann und Hans Meid - Schwarz auf Weiß. Michael Imhof Verlag Petersberg 2019 (Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung in Lübeck, Museum Behnhaus Drägerhaus).
  • Markus Müller (Hrsg.): Deutsche Malerbücher und Mappenwerke im 20. Jahrhundert. Die Sammlung Classen. Hirmer-Verlag München 2018, S. 196–207
  • Hans-Meid-Stiftung (Hrsg.): Traum und Wirklichkeit. Hans Meid und seine Schüler Felix Nussbaum, Rudi Lesser, Gunter Böhmer. Michael Imhof Verlag Petersberg (Katalogbuch zu den gleichnamigen Ausstellungen in Osnabrück und Konstanz 2015).
  • Dominik Bartmann (Hrsg.): Hans Meid 1883–1957. Welt und Gegenwelt (Katalogbuch zu den gleichnamigen Ausstellungen in Berlin und Frankfurt a. M. 2008).
  • Ursula Bongaerts (Hrsg.): Goethe-Gedichte illustriert: Max Liebermann, Ernst Barlach, Hans Meid und und Karl Walser im Verlag Paul Cassirer. Casa di Goethe Rom 2000, S. 79–93.
  • Lothar Lang: Impressionismus und Buchkunst in Frankreich und Deutschland Edition Leipzig, Leipzig 1998, S. 145–150.
  • Wolfgang Kermer (Hrsg.): Zwischen Buch-Kunst und Buch-Design. Buchgestalter der Akademie und ehemaligen Kunstgewerbeschule Stuttgart; Werkbeispiele und Texte. Edition Cantz, Ostfildern-Ruit 1996, ISBN 3-89322-893-4.
  • Rudolph Angermüller (Hrsg.): Mozarts Opern im Werk von Max Slevogt und Hans Meid. Bock, Bad Honnef 1996, ISBN 3-87066-387-1 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung in Mozarts Geburtshaus).
  • Galerie Pels-Leusden / Galerie Schlichtenmaier (Hrsg.): Hans Meid.1883-1957. Arbeiten auf Papier. Edition Schlichtenmaier Nr. 119, Grafenau 1993, ISBN 3-89298-080-2 (Katalog der gleichnamigen Ausstellungen).
  • Heike Koch: Studien zum frühen graphischen Werk von Hans Meid. Münster-Hamburg 1992 (Diss. Univ. Kiel 1991).
  • Heinz Höfchen: Meid, Hans. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 16. Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 637 (deutsche-biographie.de).
  • Franz Hermann Franken: Hans Meid - Leben und Werk. Edition Cantz Stuttgart / Bad Cannstatt 1987.
  • Käte Neumann: Hans Meid in Meissen. In: Keramos. Zeitschrift der Gesellschaft der Keramikfreunde e. V., Bd. 112 (1986), Heft 4, S. 41–54, ISSN 0453-7580.
  • Käte Neumann: Illustrationen und Buchausstattungen von Hans Meid. In: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Jg. 1984, S. 145–166, ISSN 0419-733X.
  • Ralph Jentsch: Hans Meid - Eine Werkübersicht. Pforzheim 1983 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung im Reuchlinhaus und „Provisorium“ der Stadt Pforzheim).
  • Claire Badorrek-Hoguth: Hans Meid. Ein bibliographischer Versuch. Bad Kissingen 1980
  • Ralph Jentsch: Hans Meid. Das graphische Werk. Kunstgalerie der Stadt, Esslingen 1978 (umfassendes Werkverzeichnis der Radierungen und Lithografien Meids).
  • Käte Neumann: Hans Meid und das Theater. In: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Jg. 1976/1977, S. 113–124, ISSN 0419-733X.
  • Adolf Jannasch: Hans Meid. Das graphische Werk (Sammlung Wolfgang Gurlitt, München), Kunstamt Reinickendorf Berlin 1963 (Katalogheft der gleichnamigen Ausstellung)
  • Heinz Grothe: Hans Meid. Sechzig Bilder. Kanter-Verlag, Königsberg 1944
  • Adolf Jannasch: Hans Meid. Paul Neff Verlag, Berlin-Wien 1943
  • Max J. Friedländer (Vorwort): Hans Meid. 25 Radierungen in Faksimile-Reproduktion. Thyrsos-Verlag Leipzig-Wien 1923
  • Lothar Brieger: Hans Meid. Aus der Reihe Graphiker der Gegenwart Bd. 7, Berlin (Neue Kunsthandlung) 1921
  • Hans Meid - Radierungen. Verlag von E.A.Seemann, Leipzig 1918
  • Ewald Bender: Deutsche Maler Bd.9 - Hans Meid. Verlag der Rheinlande (o. O.) 1912

Einzelnachweise

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