Hantavirusausbruch auf der Hondius
Krankheitsausbruch 2026
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Der Hantavirusausbruch auf der Hondius ist eine Reihe von mehreren Hantavirus-Infektionen auf dem gleichnamigen Polar-Expeditionskreuzfahrtschiff. Im April 2026 war die Hondius in Ushuaia, Argentinien ausgelaufen. Am 11. April 2026 starb ein niederländischer Passagier an Bord und am 26. April 2026 seine Frau in einem Krankenhaus in Johannesburg. Auch eine deutsche Passagierin verstarb am 2. Mai 2026 an Bord. Ein britischer Passagier, der zur Behandlung nach Johannesburg gebracht worden war, überlebte.
| Die Hondius im Hafen von Granadilla am 10. Mai 2026 | |
| Daten | |
|---|---|
| Krankheit | Hantaviruskrankheit einschließlich Lungenform HCPS |
| Krankheitserreger | Andes-Virus |
| Ursprung | Hondius |
| Beginn | 1. April 2026 |
| Bestätigte Infizierte | 9 bestätigte und 2 Verdachtsfälle |
| Todesfälle | 3 |
| Quelle | Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten |
| Letzte Aktualisierung: 12. Mai 2026 | |
Auf Zwischenstopps verließen 30 Passagiere das Schiff, noch bevor die Ursache der Erkrankung bekannt war, darunter US-Amerikaner und Briten. Letztere wurden im Nachhinein von der UK Health Security Agency kontaktiert.
Nach Evakuierungen vor und nach der Ankunft des Schiffes auf Teneriffa befinden sich weitere Passagiere und Kontaktpersonen in Krankenhäusern in Südafrika, den Niederlanden, Deutschland, St. Helena, Spanien sowie der Schweiz. Laut der Weltgesundheitsorganisation gab es am 8. Mai 2026 insgesamt sechs bestätigte Fälle und zwei Verdachtsfälle.[1]
Infektiologie
Hantaviren gehören zur Familie der Hantaviridae, einer Gruppe von Viren, die hauptsächlich von Nagetieren übertragen werden. Die Tiere selbst erkranken normalerweisen nicht, scheiden das Virus jedoch über Urin, Kot und Speichel aus. Obwohl der Infektionsweg des Hantavirus über Ausscheidungen von Nagetieren – Hauptüberträger des Virus sind Nagetiere, spezifisch die Langschwanz-Zwergreisratte (Oligoryzomys longicaudatus) – beschrieben wird, sind beim Andes-Typ auch Infektionen zwischen Menschen möglich.[2] Die Übertragung von Tieren auf Menschen erfolgt meist dann, wenn kontaminierter Urin, Kot oder Nistmaterial infizierter Nagetiere aufgewirbelt wird, etwa beim Ausfegen einer Scheune. Menschen können sich aber auch infizieren, wenn virushaltiger Speichel, Urin oder Kot über kleine Hautverletzungen oder über Augen, Nase oder Mund in den Körper gelangen.[3]
In der Natur sind weltweit mehr als 40 Hantavirus-Arten bekannt, die geografisch und medizinisch in zwei Kategorien, Hantaviren der Alten Welt und der Neuen Welt, unterteilt werden. Hantaviren der Alten Welt sind in Europa und Asien endemisch und verursachen vor allem Blutungsstörungen und Nierenfunktionsstörungen. Hantaviren der Neuen Welt kommen vor allem in Amerika vor und führen häufiger zu schweren Lungenödemen mit Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge. Die Folgen einer Infektion sind gravierend, insbesondere bei den amerikanischen Varianten. In Asien und Europa sind zwischen einem und 15 Prozent der Fälle tödlich und in Amerika endet etwa jede zweite Infektion tödlich.[3] Zudem gibt es keine konkret auf das Virus zugeschnittene Behandlung und 40 % der Erkrankten sterben daran.[4]
Am 6. Mai 2026 bestätigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass es sich bei dem Erreger um das sogenannte Andes-Virus handelt, das in Südamerika, vor allem in den Hauptverbreitungsgebieten Argentinien und Chile, endemisch ist und für den Ausbruch verantwortlich ist.[3]
Passagierschiff
Die Hondius ist ein für Expeditionsreisen ausgelegtes Kreuzfahrtschiff, das vom niederländischen Unternehmen Oceanwide Expeditions betrieben wird. Das Schiff bietet Platz für 170 Passagiere in 80 Kabinen bei 72 Mann Besatzung.[5] Am 1. April legte die Hondius in Ushuaia, Argentinien ab.[6] Die Route führte zur Antarktis und zu mehreren abgelegenen Inseln im Südatlantik.[7] Rund 150 Passagiere und Besatzungsmitglieder aus 23 Nationen befanden sich an Bord.[8]
Verlauf
Am 9. Mai 2026 befand sich das Schiff auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln und traf dort am frühen Morgen des 10. Mai ein.[9]
Am Morgen des 11. Mai 2026 wurde bekannt gegeben, dass eine französische Passagierin auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius positiv auf den Erreger getestet wurde. Die Frau gehöre zu einer Gruppe von fünf Franzosen, die sich an Bord befunden hätten. Die vier weiteren Passagiere seien negativ getestet worden, würden jedoch erneut untersucht. Außerdem wurde ein asymptomatischer US-Amerikaner positiv getestet und ein weiterer wies leichte Symptome auf.[10] Um 19:07 Uhr westeuropäischer Sommerzeit (UTC+1) verließ das Schiff Teneriffa, um seine Fahrt nach Rotterdam fortzusetzen. Die Desinfektion des Schiffes soll in den Niederlanden, unter deren Flagge es fährt, vorgenommen werden.[10]
Am 12. Mai 2026 wurde ein asymptomatischer spanischer Passagier, der sich nach seiner Evakuierung von der Hondius in Teneriffa in Quarantäne in einem Krankenhaus in Madrid befindet, positiv auf das Hantavirus getestet.[11] Zwölf Ärzte und Mitarbeiter eines Krankenhauses in Nijmegen hielten sich nicht an die Hygienevorschriften und wurden ebenfalls isoliert.[12]
Evakuierungen
Die Passagiere, die aus Argentinien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Guatemala, Kanada, Indien, Montenegro, den Niederlanden, den Philippinen, Portugal, Singapur, Südafrika, Spanien, der Schweiz, St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha, St. Kitts und Nevis, der Türkei, der Ukraine, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten stammen, wurden bis zum 10. Mai 2026 in ihre jeweiligen Heimatländern zurückgeführt oder an anderen Orten behandelt.[13]
Eine 65-jährige Deutsche, die als Kontaktperson einer verstorbenen deutschen Passagierin gilt, landete am 6. Mai 2026 mit einem Spezialflugzeug in Amsterdam. Von dort wurde sie mit einem Spezialtransport zum Universitätsklinikum Düsseldorf gebracht.[14] Bisher konnte das Virus bei der symptomfreien Person nicht nachgewiesen werden.[15]
Am 10. Mai 2026 wurden unter anderem die vier übrigen deutschen Passagiere nach Eindhoven geflogen, von wo sie nach Frankfurt am Main gebracht wurden. Dort sollen sie in einer spezialisierten Sonderisolierstation weiter beobachtet und anschließend zur Quarantäne in die jeweiligen Bundesländer gebracht werden.[16]
Ein Schweizer, der zuvor zusammen mit seiner Ehefrau bis Ende April 2026, vor der Quarantäne, Passagier auf der Hondius war, wurde am Hôpitaux universitaires de Genève positiv auf Hantavirus getestet. Die stationäre Weiterbehandlung erfolgt am Universitätsspital Zürich (USZ).[17]
Erklärung der WHO
Nach Medienberichten bezeichnete die Weltgesundheitsorganisation die Infektionen mit Hantavirus auf der Hondius nicht als den Beginn einer neuen Pandemie. Jedoch schließt die Weltgesundheitsorganisation weitere Fälle aufgrund einer Inkubationszeit von sechs Wochen nicht aus. Der Leiter der WHO-Abteilung für Notfallalarm und -reaktion, Abdi Rahman Mahamud, erklärte, dass es sich um einen begrenzten Ausbruch handele, „sofern die Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit umgesetzt werden und alle Länder Solidarität zeigen“.[18]
Weblinks
- HantavirusMap – Weltweite Live-Karte über die Hantavirus-Fälle, Live-Nachrichten und die Route der Hondius (englisch)
- VesselFinder – Aktuelle Position der MV Hondius auf der Karte (englisch)