Harald Mahrer

österreichischer Politiker (ÖVP), Unternehmer und Publizist From Wikipedia, the free encyclopedia

Harald Mahrer (* 27. März 1973 in Wien) ist ein österreichischer Politiker (ÖVP), Funktionär, Unternehmer und Publizist. Er war ab Dezember 2017 Präsident des Wirtschaftsbundes der ÖVP, und von Mai 2018 Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Nach öffentlicher Kritik kündigte er am 13. November 2025 seinen Rücktritt von beiden Ämtern an.[1]

Harald Mahrer (2014)

Seit Juni 2018 ist er Mitglied des Präsidiums der Österreichischen Sporthilfe sowie Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) und war bis Ende 2019 Obmann der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA). Seit 1. September 2018 ist er zudem Präsident der Oesterreichischen Nationalbank,[2] kündigte aber nach Kritik am 10. November 2025 den baldigen Rückzug an.[3]

Daneben ist Mahrer Eigentümer und geschäftsführender Gesellschafter der HM Tauern Holding Beteiligungsgesellschaft.[4][5] Von 2014 bis 2017 war Mahrer in der Bundesregierung Faymann II (SPÖ-ÖVP-Koalition) unter Minister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) Staatssekretär im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. In der darauf folgenden Bundesregierung Kern (SPÖ-ÖVP) stieg er nach dem Rücktritt Mitterlehners von 17. Mai 2017 bis 18. Dezember 2017 selbst zum Minister auf.

Leben

Nach der Matura am Realgymnasium Wien-Krottenbachstraße studierte Harald Mahrer von 1991 bis 1998 Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien). Während des Studiums war er in der Hochschulpolitik tätig, Mitglied der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft und 1995 deren geschäftsführender Bundesobmann. Von 1995 bis 1997 war er ÖH-Vorsitzender an der WU Wien. Anschließend arbeitete er dort als Assistent des Rektors und als Forschungsassistent am Institut für Informationswirtschaft. Im Jahr 2000 promovierte er zum Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.[6]

Unternehmer

Im selben Jahr gründete er die Unternehmensberatungsfirma legend Consulting, die 2005 von der PR-Agentur Pleon Publico übernommen wurde, wo er von 2006 bis Ende 2010 als geschäftsführender Gesellschafter tätig war. In diese Zeit fällt ein Auftrag der Kärntner Bank Hypo Alpe Adria, demgemäß die von Mahrer geführte Agentur Öffentlichkeitsarbeit für deren Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Kulterer und gegen die Finanzmarktaufsicht (FMA) machte, die wegen Bilanzfälschung im Zuge von Spekulationsverlusten im Umfang von etwa 328 Millionen Euro Ermittlungen gegen die Bank aufgenommen hatte.[7]

Von 2011 bis 2013 war er einer der Geschäftsführer der von ihm gegründeten Unternehmensberatung cumclave. Daneben wurde er Alleingesellschafter sowie Geschäftsführer der HM Tauern Holding Beteiligungsgesellschaft m.b.H. mit Sitz in Spittal an der Drau in Kärnten, wo seine Ehefrau Geschäftsführerin im dazugehörigen Privatspital ist.[8]

Politik- und staatsnaher Bereich

Von 1999 bis 2000 war Mahrer Sprecher und Projektmanager bei der vom damaligen Bundeskanzler Viktor Klima (SPÖ, Bundesregierung Klima, eine SPÖ-ÖVP-Koalition) ins Leben gerufenen[9] Initiative Go on – Österreich ans Internet. In der Zeit der Bundesregierung Schüssel II (ÖVP-FPÖ-Koalition) gehörte er von 2003 bis 2005 dem E-Government Board der Regierung an und absolvierte den 6. Strategischen Führungslehrgang an der Landesverteidigungsakademie. Daneben gründete er den Think Tank demokratie.morgen und 2004 das Metis Institut für ökonomische und politische Forschung, das er bis 2013 als einer der Direktoren leitete.[10]

Politik

Ab 2011 war er Präsident der im Umfeld der ÖVP angesiedelten Julius Raab Stiftung. Im Verlag Noir der politischen Akademie der ÖVP publizierte er in dieser Zeit mehrere Bücher. 2014 gründete er den Verband der Gemeinnützigen Stiftungen. Als Sebastian Kurz, damals Außenminister in der Bundesregierung Faymann II (SPÖ-ÖVP), im September 2015 Präsident der politischen Akademie der ÖVP wurde, wechselte Mahrer als einer der stellvertretenden Vorsitzenden dorthin.[10]

Nach dem Rücktritt Michael Spindeleggers im August 2014 wurde Reinhold Mitterlehner ab September dessen Nachfolger als Wirtschaftsminister und Vizekanzler in der Bundesregierung Faymann II sowie in der Funktion des ÖVP-Bundesparteiobmannes. Im Ministerium wurde ein neues Staatssekretariat eingerichtet, das Mahrer übernahm. Dem Unvereinbarkeitsgesetz entsprechend gab er seine Geschäftsführertätigkeit in der HM Tauern Holding auf, übertrug sie auf seine Frau, blieb aber Eigentümer des Unternehmens. Wie im Amtsblatt bekannt gegeben galt für die Firma für den Zeitraum seiner Tätigkeit in der Bundesregierung ein öffentliches Aufragsverbot (keine Aufträge des Bundes bzw. vom Rechnungshof kontrollierter Unternehmen).[4]

Im Februar 2016 wurde er Vizepräsident des Wirtschaftsbundes der ÖVP. Nach Mitterlehners Rücktritt im Mai 2017 trat Mahrer in der Bundesregierung Kern dessen Nachfolge als Minister an, das Staatssekretariat wurde aufgelöst. Im November wurde er vom Präsidium des Wirtschaftsbundes als neuer Präsident designiert und im Dezember 2017 während einer außerordentlichen Generalversammlung mit rund 95 Prozent der Stimmen in diese Position gewählt.[11][12][13]

Der nach der Nationalratswahl 2017 im Dezember gebildeten Bundesregierung Kurz I (ÖVP-FPÖ-Koalition) gehörte Mahrer nicht an. So übernahm er mit 2. Jänner 2018 wieder die Funktion des Geschäftsführers seiner HM Tauern Holding.[5] Nach dem Rücktritt des seit 2000 amtierenden Christoph Leitl wurde Mahrer im Mai 2018 Präsident der Wirtschaftskammer Österreich.[14] Seit Juni 2018 ist er Mitglied im Präsidium der Österreichischen Sporthilfe. Im Juni 2018 folgte er Leitl auch als Obmann der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA)[15] und zuletzt auch als Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) nach.[16] Ende August 2018 wurde er während des ersten Ministerrates der ÖVP-FPÖ-Bundesregierung nach der Sommerpause als designierter Präsident der Oesterreichischen Nationalbank präsentiert, wo er mit 1. September Claus Raidl ablöste.[2][17] Im Juni 2020 wurde Mahrer vom Wirtschaftsparlament für weitere fünf Jahre als Präsident der Wirtschaftskammer eingesetzt.[18] Im September 2023 wurde er als Präsident des ÖVP-Wirtschaftsbundes bestätigt.[19] Sein Mandat als Präsident des Generalrates der Oesterreichischen Nationalbank lief Ende August 2023 aus,[20] im Oktober 2023 wurde er für diese Funktion wiederbestellt.[21]

Im November 2025 trat er von seinen Ämtern als Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), der Oesterreichischen Nationalbank und des Wirtschaftsbundes (WB) zurück (s. unten: Kontroverse um die „Causa Wirtschaftskammer“).

Im Dezember 2025 wurde Johannes Hahn vom Ministerrat der Bundesregierung Stocker zu seinem Nachfolger als Generalratspräsident der Nationalbank ab dem 1. Jänner 2026 bestellt.[22]

Politische Positionen

Koalitionsverhandlungen 2025

Kurz vor dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen der FPÖ mit der ÖVP im Februar 2025 bezeichnete Mahrer die FPÖ als „nicht regierungsfit“ und „im Machtrausch“.[23]

Pensionsantrittsalter

Im Juli 2025 sprach sich Mahrer wie kurz zuvor bereits Georg Knill für eine Anhebung des Pensionsantrittsalters in Österreich auf 70 Jahre aus, dies sei eine Option, das „Problem“ der älter werdenden Bevölkerung „langfristig anzugehen“.[24]

Kritik

Harald Mahrer ist aufgrund seiner Mehrfachfunktionen seit Jahren Kritik ausgesetzt, zeitweise bekleidete er sieben Spitzenfunktionen.[25] Die politische Opposition warf der ÖVP unter Sebastian Kurz im Zuge dessen „Postenschacher“ vor.[26]

Mit seinen Aussagen zu den europäischen Russland-Sanktionen hat Mahrer ebenfalls für Kritik gesorgt, so äußerte sich etwa Bundesminister Johannes Rauch 2022 zu den Aussagen von Mahrer: „Das ist ein Ausmaß an Unverantwortlichkeit, das macht mich fassungslos“.[27]

Die von Mahrer im September 2023 genannten Zahlen bzgl. Senkung der obligatorischen Wirtschaftskammer-Beiträge wurden angezweifelt.[28][29]

Kontroverse um die „Causa Wirtschaftskammer“

In November 2025 wurde bekannt, dass Mahrer neben seinem Gehalt als Präsident der Wirtschaftskammer in Höhe von 15.000 Euro im Monat zusätzlich unter anderem eine Gage in Höhe von 88.000 Euro im Jahr als Präsident der Österreichischen Nationalbank erhielt. In dieser später so genannten „Causa Wirtschaftskammer“[30] hatte Mahrer zudem als Vorsitzender „im eigenen Haus üppige Gehaltszuwächse gewährt […], während die Regierung den Bürgern Enthaltsamkeit predigte“.[31] So sollen einzelne Funktionäre eine Gehaltssteigerung von „bis zu 55 Prozent“ erhalten haben.[32] Die Affäre schlug über die Landesgrenzen hinaus hohe Wellen, weil Mahrer „als einer der wichtigsten Vertreter der österreichischen Wirtschaft zu jenen [gehörte], die sich regelmässig über hohe Lohnkosten beklagten, weil diese der schwächelnden Wirtschaft schaden würden.“[32] Gesamthaft soll Mahrer zu seiner Zeit als Präsident der Wirtschaftskammer auf ein Jahresverdienst von 342.000 Euro gekommen sein (womit er letztlich „besser dastand als der Bundeskanzler mit 333.760 Euro“).[32] Als Reaktion kündigte der Rechnungshof an, die Gebarung der Wirtschaftskammer und die Bezüge von Mahrer prüfen zu wollen.[33] Am 10. November 2025 kündigte Mahrer an, die Funktion bei der Nationalbank „zeitnah“ zu beenden.[34] Aufgrund des öffentlichen Drucks legte Mahrer am 13. November 2025 seine Ämter als Präsident der Wirtschaftskammer und des Wirtschaftsbundes ab. Interimistisch übt derzeit Martha Schultz diese Ämter aus.[35][36]

Privatleben

Harald Mahrer ist mit der Unternehmerin Andrea Elisabeth Samonigg-Mahrer verheiratet. Er lebt in Wien und Spittal an der Drau.

Auszeichnungen (Auswahl)

Publikationen

Commons: Harald Mahrer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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