Harald Serafin
österreichischer Sänger
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Harald Serafin, auch bekannt als „Mister Wunderbar“[1][2] (* 24. Dezember 1931 in Kybartai, Litauen; † 15. September 2025 in Wien), war ein österreichischer Sänger (Bariton), Schauspieler und Entertainer. Von 1992 bis 2012 war er Intendant und künstlerischer Leiter der Seefestspiele Mörbisch.

Leben
Herkunft
Harald Serafin war der Sohn eines Italieners und einer Salzburgerin. Von seinem Vater „komme das Temperament“, wie Serafin „stets launig“ zu wiederholen pflegte. Von seiner Mutter habe er „ihre lustige Art und das Talent, ‚Kundschaft aufzureißen‘“ geerbt.[3]
Infolge der Besetzung Litauens durch die Sowjetunion im Jahr 1939 flüchtete Harald Serafins Familie 1940 nach Memel in Ostpreußen. 1944, nach dessen Einkesselung entkamen sie den Russen erneut, mit einem Flüchtlingstreck kamen sie nach Bamberg in Bayern, wo sie sich niederließen und die Eltern ein Textilgeschäft eröffneten.[3]
Ausbildung und künstlerische Laufbahn
Nach der Matura 1951 begann Harald Serafin auf Wunsch seiner Familie ein Medizinstudium an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo er zeitweilig Fuchs der Burschenschaft Frankonia Gießen war, und später an der Philipps-Universität Marburg, brach das Studium aber ab und studierte stattdessen forthin Gesang. Serafin studierte unter anderem bei Kammersänger Willi Domgraf-Fassbaender in Nürnberg. Danach folgten Engagements in der Schweiz (St. Gallen, Bern, Zürich) und Deutschland (Aachen, Ulm). Bei den Zürcher Juni-Festspielen sang er gemeinsam mit Anneliese Rothenberger in Sutermeisters Madame Bovary.
Otto Schenk entdeckte das komische Talent Serafins und machte ihn zum „singenden Bonvivant der Operette“. Von der New York Times wurde er auch in Bezugnahme auf seine Physiognomie als „Walter Matthau der Wiener Operette“ bezeichnet. Nach einer Stimmbandoperation 1989 gab er das Singen eine Zeit lang auf. 1992 holte ihn Felix Dvorak zu seinen Festspielen Berndorf, wo er mit ihm Ludwig Thomas Moral inszenierte. Dieser erste Ausflug ins Sprechtheater war so erfolgreich, dass ihn das Theater in der Josefstadt alljährlich als Stargast an die Kammerspiele der Josefstadt holte, wo er, immer unter der Regie von Felix Dvorak, triumphale Publikumserfolge feierte. 20 Jahre lang war er Intendant der Seefestspiele Mörbisch.
1996 übernahm er die Rolle eines der Auktions-Sesselinhaber im ORF-Film Mein Opa und die 13 Stühle (1997), eine Fortsetzung von Mein Opa ist der Beste (1996) mit Otto Schenk in der Hauptrolle des Opas.
Dem breiten österreichischen Publikum ist Serafin spätestens seit seinen Auftritten als Juror in der zweiten Staffel der TV-Show Dancing Stars bekannt, die im Frühjahr 2006 im Programm ORF 1 ausgestrahlt wurde. Mit meist unverbindlichen, oft auch nichtssagenden Kommentaren – meist an das jeweilige Tanzpaar gerichtete Schmeicheleien – gab er gekonnt den Part des „freundlichen“ Jurors, der auch schwächere Tanzdarbietungen mit guten Noten bewertete. Mit Fortdauer der mehrmonatigen Show erlangte sein häufig wiederkehrender Kommentar „Es war wunderbar!“ den Status eines Running Gags. Mit dem von ihm schon vorher geliebten Wort[4] wurde er von den Medien zum „Mister Wunderbar“ gekürt.[5][6]
Dieser Spitzname floss später auch in den Titel seiner Autobiografie ein, die 2013 unter dem Titel Es war nicht alles wunderbar im Amalthea Verlag erschienen ist.[3] Die Floskel „Wunderbar“ war kurzfristig im populärkulturellen Zusammenhang dermaßen mit der Person Serafins konnotiert, sodass er zur massenmedialen „Kultfigur“ avancierte und für die Werbung der Möbelhauskette XXXLutz engagiert wurde.[7]
Serafin pflegte als Intendant der Seefestspiele in Mörbisch vor den Vorstellung die anwesenden Prominenten direkt angesprochen, oft mit Handschlag oder Umarmung verbunden, launig zu begrüßen. Einmal begrüßte er den anwesenden Kunststaatssekretär Franz Morak unter anderem mit der doppeldeutigen Bemerkung: „Du weißt, was ich von dir halte“. Morak, halb zum Publikum gewandt, versuchte daraufhin zu beschwichtigen: „Er meint es nicht so“. Harald Serafin konterte daraufhin ungerührt: „Er meint es nicht so? Doch, ich meine es so.“[8]
Im Oktober 2008 spielte Harald Serafin gemeinsam mit Peter Weck im Wiener Volkstheater die Boulevardkomödie Sunshine Boys von Neil Simon unter der Regie von Michael Schottenberg. Zum Jahreswechsel 2014/2015 gastierte er einige Male als Baron Mirko Zeta in Die lustige Witwe an der Oper Köln. Im März 2015 stand er in Schon wieder Sonntag in den Kammerspielen der Josefstadt zusammen mit Otto Schenk und Hilde Dalik auf der Bühne.[9] 2019 spielte er den Obereunuchen in Das Land des Lächelns bei den Seefestspielen in Mörbisch.[10]
Privates
Harald Serafins Sohn Daniel aus seiner Ehe mit Ingeborg und seine Tochter Martina aus der früheren Ehe mit Mirjana Irosch traten beide in die Fußstapfen des Vaters und sind als Opernsänger (Bariton bzw. Sopranistin) tätig.
Bei einem Einbruch in Serafins Wiener Wohnung am Abend des 29. August 2009 wurden außer anderen Wertgegenständen das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien und die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien gestohlen.[11]
Am 15. September 2025 starb Harald Serafin im Alter von 93 Jahren in Wien.[12][13][14]
Auszeichnungen
- Goldener Ehrenring Theaters an der Wien
- 1983: Goldene Ehrenplakette der österreichischen Fremdenverkehrswerbung
- 1985: Kammersänger, ernannt vom Direktor der Wiener Volksoper, Karl Dönch
- 1995: Berufstitel Professor, ernannt von Bundespräsident Thomas Klestil
- 1996: Komturkreuz des Landes Burgenland, überreichte von Landeshauptmann Karl Stix für Serafins Verdienste um die burgenländische Kulturszene
- 1999: Goldenes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, verlieh vom Wiener Kulturstadtrat Peter Marboe
- 2001: Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, überreicht vom Staatssekretär für Kunst und Medien, Franz Morak; die Laudatio hielt der Direktor der Wiener Staatsoper, Ioan Holender
- 2005: Skål Tourism Quality Award
- 2006: Ehrenmitglied der Wiener Volksoper
- 2006: Goldener Rathausmann der Stadt Wien.
- 2006: Ritter des Ordens für Verdienste um Litauen
- 2007: Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold[1]
- 2019: Kulturpreis des Landes Burgenland (Würdigungspreis Darstellende Kunst)[15]
- 2020: Komturkreuz mit Stern des Landes Burgenland[16][17]
- 2022: Bronzebüste „zu Ehren des legendären Mörbisch-Intendanten“, aufgestellt auf dem Gelände der Seefestspiele, gegenüber der Büste des Festspielgründers Herbert Alsen. Ehrung von Harald Serafin „für seine großen Verdienste um das Kulturland Burgenland und die Seefestspiele Mörbisch von Landeshauptmann und Kulturreferent Hans Peter Doskozil“.[2][18]
- 2024: Österreichischer Musiktheaterpreis 2024 für das Lebenswerk[19]
Dokumentation
- Harald Serafin – Wunderbare Jahre. Gestaltung Christian Reichhold, Redaktion Teresa Vogl. ORF, 2021.[8]
Werk
- Es war nicht immer wunderbar. Autobiografie. Aufgezeichnet von Susanne Felicitas Wolf. Amalthea, Wien 2013, ISBN 978-3-85002-857-8.
Weblinks
- Medien von und über Harald Serafin im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag zu Harald Serafin im Austria-Forum (Biographie)
- Eintrag zu Harald Serafin im Austria-Forum (im Österreichischen Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik)
- Harald Serafin im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
- Harald Serafin