Heart Mountain Relocation Center

Internierungslager der Vereinigten Staaten in Wyoming From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Heart Mountain Relocation Center war eines von zehn Internierungslagern für japanischstämmige US-Amerikaner, die während des Zweiten Weltkriegs errichtet wurden. Es lag im US-Bundesstaat Wyoming zwischen den Städten Cody und Powell, unterstand der War Relocation Authority (WRA) und bestand von 1942 bis 1945. In dem Lager wurden über 14.000 Menschen (Männer, Frauen und Kinder) japanischer Abstammung inhaftiert. Sie waren aufgrund der Executive Order 9066 von der US-Regierung zwangsweise von der Westküste in das Landesinnere deportiert worden.[1]

Grundriss des zentralen Bereichs des Lagers
Blick nach Westen zum Heart Mountain. National Archives at College Park

Geschichte

Am 19. Februar 1942 unterzeichnete US-Präsident Franklin D. Roosevelt die Executive Order 9066, die das Militär dazu ermächtigte, sogenannte „militärische Zonen“ festzulegen. Auf Grundlage dieses Dekrets erließ General John L. DeWitt am 2. März 1942 die „Instructions to All Persons of Japanese Ancestry“. Diese Anordnungen, die in japanisch-amerikanischen Gemeinden öffentlich ausgehängt wurden, legten fest, wann und wo sich Personen japanischer Abstammung – sowohl Issei (Einwanderer) als auch Nisei (in den USA geborene Kinder japanischer Einwanderer) – mit ihren Habseligkeiten zu melden hatten. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden viele Bankkonten und Vermögenswerte japanischstämmiger US-Bürger eingefroren. Selbst jene, die aus den militärischen Sperrzonen wegziehen wollten, konnten dies oft aus finanziellen Gründen nicht tun. Die Betroffenen hatten nur wenige Tage bis Wochen Zeit, um ihren Besitz zu verkaufen, ihre Geschäfte zu schließen und ihre Häuser zu verlassen, bevor sie sich an Sammelpunkten einfinden mussten (Forced Removal).[1]

Da die US-Regierung auf die Zwangsumsiedlung von rund 120.000 Menschen nicht vorbereitet war, wurden 17 provisorische Internierungseinrichtungen eingerichtet. Diese bestanden vor allem aus umfunktionierten Pferderennbahnen und Messegeländen. Diese als „Assembly Centers“ bekannten Anlagen boten nur unzureichende Bedingungen. Viele Internierte mussten in ehemaligen Pferdeställen oder notdürftig errichteten Baracken leben. Selbst militärische Gutachter bezeichneten die hygienischen Zustände als „nicht den Standards der Armee entsprechend“. Die Mehrheit der Personen, die später im Internierungslager Heart Mountain (Wyoming) inhaftiert wurden, war zuvor in den Assembly Centers von Santa Anita (Kalifornien), den Los Angeles County Fairgrounds oder dem Livestock Exposition Pavilion in Portland (Oregon) untergebracht gewesen. Bei ihrer Ankunft trafen sie dort auf bewaffnete Soldaten. Der Aufenthalt in diesen provisorischen Lagern dauerte in der Regel drei bis vier Monate, bis die dauerhaften Internierungslager der War Relocation Authority fertiggestellt waren. Das Gelände des ehemaligen „Pomona Assembly Center“ wird heute als Messegelände und Parkplatz genutzt. Auf der Website des Heart Mountain Interpretive Centers kann eine Liste mit Namen eingesehen werden, die Auskunft darüber gibt, in welchem Assembly Center sich einzelne Familien vor ihrer Verlegung nach Wyoming befanden.[1]

Lager und Organisation

Der Lagerbetrieb wurde von neun Wachtürmen aus sowie durch rund 130 Regierungsangestellte beaufsichtigt. Erster Direktor war C. E. Rachford, ein ehemaliger Forstbeamter. Ihm folgte Guy Robertson. Im November 1942 wurde ein Stacheldrahtzaun errichtet, gegen den 3000 Internierte in einer Petition protestierten. Die Verwaltung förderte die Bildung eines Gemeinderats, in dem jeder der 20 Wohnblöcke einen Vorsitzenden wählte, der meist ein Issei (in Japan geborene Person der ersten Einwanderergeneration) war. Die WRA setzte zusätzlich Nisei (in den USA geborene Nachkommen japanischer Einwanderer) als Blockleiter ein, was zu Spannungen führte. Im Mai 1943 wurde schließlich eine Gemeindeverfassung verabschiedet. Die Entscheidungsgewalt blieb jedoch stets bei der WRA.[1]

Die Baracken waren einfach aus Holz gebaut und ihre Außenseiten waren mit Teerpappe verkleidet. Sie verfügten weder über Badezimmer noch über Küchen. Die Bewohner nahmen ihre Mahlzeiten in Gemeinschaftshallen ein. Die Wohnungen variierten in der Größe und konnten Familien mit bis zu sechs Personen beherbergen. Die Wohnbereiche waren in einem Rastermuster aus 30 Bereichen organisiert: 20 Bereiche waren bebaut, zehn Bereiche umfassten offene Flächen, Gemüsegärten und einen Friedhof. Das Lager verfügte über eine eigene Infrastruktur mit Schulen und Geschäften sowie einer eigenen Zeitung.

Von den ursprünglichen Gebäuden sind heute noch einige erhalten, darunter ein Kesselhaus mit Schornstein, ein Lagerhaus des Krankenhauses, eine Baracke, die einst als Speisesaal diente, sowie ein Verwaltungsgebäude. Sie gehören zu einem 123 Hektar großen Areal, das als National Historic Landmark ausgewiesen ist. Auf dem Gelände befinden sich zudem Gedenkstätten wie das „Honor Roll Memorial“, das an die aus dem Lager rekrutierten Soldaten des Zweiten Weltkriegs erinnert.[2] Das am Standort gelegene Museum vermittelt Interpretationen zur Geschichte der Internierung und ist Teil des Heart Mountain Memorial Parks.

Medizinische Versorgung

Am 28. August 1942 nahm ein Lagerkrankenhaus mit 150 Betten den Betrieb auf. In den folgenden drei Jahren wurden 5486 Patienten aufgenommen und 391 größere Operationen durchgeführt. Das Personal bestand aus rund 150 Beschäftigten, darunter ein leitender amerikanischer Oberarzt, eine Oberschwester sowie japanisch-amerikanische Ärzte, Pflegerinnen, Zahnärzte und Apothekenpersonal. Zwei Arbeitsniederlegungen im Jahr 1943 verdeutlichten die Spannungen, die durch schlechte Arbeitsbedingungen und ungleiche Bezahlung verursacht wurden. So erhielten japanisch-amerikanische Ärzte 19 US-Dollar pro Monat, weiße Krankenschwestern hingegen 150 US-Dollar. Insgesamt wurden 550 Kinder im Lager geboren.[1]

Wehrpflicht und Widerstand

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor wurden Nisei-Männer zunächst als „untauglich“ für den Militärdienst eingestuft. Erst ab 1943 begann die Rekrutierung japanisch-amerikanischer Soldaten. Von den Internierten in Heart Mountain meldeten sich zunächst nur 38 freiwillig. Ab Januar 1944 galt wieder die Wehrpflicht und 385 Männer wurden aus dem Lager eingezogen. Heart Mountain wurde zum Zentrum des Widerstands gegen die Wehrpflicht: 85 Männer verweigerten die Meldung, von denen 63 in einem Massenprozess in Cheyenne verurteilt wurden. Präsident Harry S. Truman begnadigte sie im Jahr 1947. Insgesamt dienten über 800 Männer aus Heart Mountain in der US-Armee, viele von ihnen im 442nd Regimental Combat Team, der am höchsten dekorierten Einheit der US-Militärgeschichte. Fünfzehn Soldaten starben im Einsatz, zwei von ihnen wurden posthum mit der Medal of Honor ausgezeichnet.[1]

Landwirtschaft

Die Internierten bauten das Bewässerungssystem des „Shoshone Irrigation Projects“ aus und legten mehrere tausend Hektar Anbaufläche an. Im Jahr 1943 wurden 1065 Tonnen Gemüse geerntet, 1944 waren es bereits rund 2500 Tonnen. Neben Gemüse wurde zur Selbstversorgung auch Obst angebaut sowie Vieh und Geflügel gehalten. Das Lager galt als eines der erfolgreichsten landwirtschaftlichen Projekte der WRA.[1]

Arbeit im Lager und außerhalb

Die Internierten arbeiteten in der Küche, in der Verwaltung, bei der Feuerwehr, bei der Polizei oder in den Werkstätten und erhielten je nach Qualifikation zwischen 12 und 19 US-Dollar pro Monat. Issei hatten oft keine Beschäftigung, was zu Depressionen führte. Mit Sondergenehmigungen konnten einige von ihnen außerhalb des Lagers arbeiten, beispielsweise in der Landwirtschaft oder in Privathaushalten. Diskriminierung blieb jedoch weit verbreitet und Übergriffe durch Einheimische wurden nur milde bestraft.[1]

Bildung und Kinder

Der Unterricht begann am 5. Oktober 1942 in umgebauten Baracken mit geringen Mitteln. Im Jahr 1943 wurde eine Grundschule reorganisiert und eine Highschool mit Werkstätten, Bibliothek und Turnhalle fertiggestellt. Die Sportmannschaften, insbesondere das Footballteam „Heart Mountain Eagles“, waren sehr erfolgreich.[1]

Religion und Kultur

Im Lager gab es eine katholische und eine gemeinschaftlich-christliche Kirche. Der Buddhismus, der zunächst unterdrückt wurde, war später erlaubt. Etwa zwei Drittel der Internierten waren Buddhisten. Es fanden japanische Kulturveranstaltungen wie Kabuki und das Bon-Odori-Fest statt. Erwachsene hatten die Möglichkeit, Kurse in Handwerk, Kalligrafie, Blumenkunst, Bonsai, Dichtung oder Holzschnitzerei zu besuchen. Die Künstlerin Estelle Ishigo leitete das Kunstprogramm. Jugendliche organisierten Tanzveranstaltungen, Musikgruppen und Sportvereine. Pfadfinderorganisationen wurden wiederbelebt, darunter 13 Boy-Scout- und eine Girl-Scout-Gruppe. Während eines Pfadfindertreffens lernten sich Norman Mineta und Alan Simpson kennen, die später beide Kongressabgeordnete wurden.[1]

Verhältnis zur Bevölkerung

Die Ankunft der Internierten stieß in Wyoming zunächst auf Ablehnung. In Powell und Cody erschienen Schilder mit der Aufschrift „No Japs Allowed“. Die Staatsregierung untersagte den Internierten das Wählen sowie den Erwerb von Jagd- und Fischereilizenzen. Hetzartikel in der Denver Post verstärkten die Feindseligkeit. Mit der Zeit kam es jedoch zu wirtschaftlichen Kontakten, da der Lagerbetrieb und Arbeitsgenehmigungen lokale Vorteile brachten.[1]

Fotos aus dem Lager

Im National Archives at College Park, College Park, Maryland.

Auflösung des Lagers

Am 17. Dezember 1944 erklärte die US-Regierung die Masseninternierung für beendet. Die Entlassenen erhielten 25 US-Dollar und ein Zugticket. Bis Juni 1945 hatten rund 2000 Personen das Lager verlassen, der Rest folgte bis November 1945. Wyoming blieb jedoch feindlich eingestellt und verweigerte japanischstämmigen Amerikanern das Recht, Land zu besitzen und zu wählen. Nach Kriegsende wurden die Baracken verkauft und von Veteranen oder Farmern genutzt. Heute erinnern die Überreste der Baracken sowie der von den Internierten errichtete Bewässerungskanal, der entlang des Highways 14A verläuft, an das Heart Mountain Relocation Center – ein bedeutendes Zeugnis der Internierungspolitik der Vereinigten Staaten während des Zweiten Weltkriegs.[1]

Literatur

Es existieren umfangreiche literarische Dokumentationen zur Geschichte des Lagers, darunter das Werk Heart Mountain Chronicles[3], das detailliert über die Planung, den Bau, das soziale Leben und die Infrastruktur des Lagers berichtet. Fotografien und Kunstwerke, wie jene von Joel Sternfeld[4], dokumentieren den Ort aus künstlerischer Perspektive und erinnern an die Zwangsinternierung von Menschen japanischer Abstammung während des Kriegs.

  • Mike Mackey: A Matter of Conscience: Essays on the World War II Draft Resistance Movement. Western History Publications, 2002.
  • Bill Manbo, Eric L. Muller: Colors of Confinement: Rare Kodachrome Photographs of Japanese American Incarceration in World War II. University of North Carolina Press, 2012.
  • Douglas W. Nelson: Heart Mountain: The History of an American Concentration Camp. State Historical Society of Wisconsin for the Department of History, University of Wisconsin, 1976.
  • Estelle Ishigo: Lone Heart Mountain. Los Angeles: Anderson, Ritchie, & Simon, 1972.
  • Allen H. Eaton: Beauty Behind Barbed Wire: The Arts of the Japanese in Our War Relocation Camps. Vorwort von Eleanor Roosevelt. New York, Harper & Brothers Publishers, 1952.

Einzelnachweise

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