Hedwig Anneler

Schweizer Ethnologin und Schriftstellerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Hedwig Anneler (* 5. Februar 1888 in Bern; † 8. Mai 1969 in Givrins, Kanton Waadt) war eine Schweizer Ethnologin und Schriftstellerin. Von 1925 bis 1927 war sie mit dem Juristen, Menschen- und Frauenrechtler Léonard Jenni verheiratet.[1]

Leben

Hedwig Annelers Vater war Franz Ludwig Anneler (* 1847). Dieser war Buchdrucker und Fabrikant von Buchdruckwalzen. Ihre Mutter war Marie Anneler, geborene Beck aus Neuhausen. Hedwig wuchs mit drei Geschwistern in Bern auf. Von 1898 bis 1903 besuchte sie die Mädchensekundarschule in Bern, trat 1904 ins Seminar der Neuen Mädchenschule ein und erwarb 1907 das Primarlehrerinnenpatent. 1909 bestand sie an der Lehramtsschule der Universität Bern die Patentprüfung als Sekundarlehrerin der historisch-sprachlichen Richtung und setzte danach ihr Geschichtsstudium fort. An der Theologischen Fakultät belegte sie bei Karl Marti neben den theologischen Fächern auch Hebräisch, Aramäisch und Syrisch. Hebräisch sowie Jiddisch hatte Anneler bereits in jungen Jahren zu lernen begonnen, als viele Jüdinnen und Juden aus dem Osten aufgrund russischer Pogrome nach Bern geflohen waren und bei ihren Eltern ein offenes Haus gefunden hatten. 1912 promovierte sie über die jüdische Militärkolonie Elephantine im achämenidischen Ägypten. In den folgenden Jahren beschäftigte sie sich mit intensiven volkskundlichen Studien zum Lötschental, die die Grundlage ihres Werkes Lötschen bilden. Daneben veröffentlichte sie belletristische Arbeiten, die teilweise vom Expressionismus beeinflusst sind. Ab 1917 arbeitete sie als freischaffende Journalistin insbesondere für den Berner Bund, die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und Die Garbe. Sie schrieb Kurzgeschichten, berichtete über historische und religiöse Themen, Aktualitäten sowie über frauenspezifische Sachverhalte. Bereits während der 1930er Jahre setzte Anneler sich für eine Lockerung der restriktiven Schweizer Asylpraxis ein. Ihr bedeutendstes literarisches Werk, der Roman Blanche Gamond, schildert die Schicksale von Opfern der Hugenottenverfolgung und -vertreibung im 17. Jahrhundert. Sie engagierte sich u. a. auch für das Frauenstimmrecht in der Schweiz und machte sich für den Weltfrieden und die Durchsetzung der Menschenrechte stark. Bereits zur Zeit ihres Todes war die Autorin weitgehend in Vergessenheit geraten.

Werke

  • Zur Geschichte der Juden von Elephantine, Bern 1912
  • Quatember in Lötschen, Bern 1916
  • Lötschen, Bern 1917 (zusammen mit Karl Anneler)
  • Kleines Lötschenbuch, Bern 1923
  • Aletschduft, Basel 1925
  • Der Glücksbogen, Bern 1925
  • Blanche Gamond, Zürich 1940

Literatur

  • Judith Hélène Stadler: Hedwig Anneler. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 14. April 2026.
  • Bettina Vincenz: Biederfrauen oder Vorkämpferinnen? Der Schweizerische Verband der Akademikerinnen (SVA) in der Zwischenkriegszeit. Hier + Jetzt, Baden 2011, ISBN 978-3-03919-198-7.
  • Stadler, Judith Hélène/Knauf, Ernst Axel: Hedwig Anneler (1888–1969) und ihre Berner Dissertation Zur Geschichte der Juden von Elephantine von 1912. Eine Erinnerung zum hundertjährigen Doktor-Jubiläum einer bemerkenswerten Frau. lectio difficilior 2/2011. www.lectio.unibe.ch (PDF, 2,7 MB)
  • Stadler, Judith Hélène: Marie Anneler Beck und Hedwig Anneler. Vergessenes Engagement zweier Frauen für Jüdinnen und Juden. In: Bloch, René et al. (Hg.): Wie über Wolken. Jüdische Lebens- und Denkwelten in Stadt und Region Bern 1200–2000. Zürich: Chronos 2014:193-200.
  • Stadler, Judith Hélène: Hedwig Anneler (1888–1969): Zur Geschichte der Juden von Elephantine. In: Quelle lebender Bücher. 75 Jahre Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich. Biel: Edition Luks 2014. 

Einzelnachweise

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