Hedwigsbecher
Glasbecher
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Als Hedwigsbecher oder Hedwigsglas bezeichnet man eine kleine Gruppe von dickwandigen Glasbechern mit stilisiertem Reliefdekor, die in der Glaskunst des Mittelalters eine Besonderheit darstellen. Ihr Name geht auf eine Legende über die Hl. Hedwig, der Herzogin und Landespatronin von Schlesien und Polen, zurück. In ihrer Gegenwart habe sich in einem solchen Glas Wasser zu Wein gewandelt. Ihre Herkunft ist nicht gesichert, entweder wurden sie in Syrien oder Ägypten im 11. bis frühen 13. Jahrhundert gefertigt oder im normannischen Sizilien.[1]





Exemplare
- vollständige Exemplare
- ehemals im Besitz der Grafen von Asseburg, Privatbesitz.[2]
- Amsterdam, Rijksmuseum Inventarnummer BK-NM-712.[3]
- ehemals Breslau, Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer Inventarnummer 5613 (Kriegsverlust).[4]
- Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg Inventarnummer A. S. 652.[5] Es ist 10,3 cm hoch und besteht aus farblosem, leicht rauchtopasstichigem Glas, das in der Gravurtechnik des Hochschnitts verziert wurde. Das Glas gehörte nach alter Überlieferung Elisabeth von Thüringen, der Nichte der Hl. Hedwig. Eine Zeichnung von Lucas Cranach dem Älteren von 1507 belegt, dass das Glas zu diesem Zeitpunkt Teil des Wittenberger Heiltumschatzes von Kurfürst Friedrich dem Weisen war, wo es als Andenken an die geheiligte Vorfahrin sicher besondere Verehrung genoss. Nachweislich befand sich das Glas 1541 in Besitz von Martin Luther.[6] Im Jahre 1910 wurde es auf der Veste Coburg wiederentdeckt. Seit 2018 ist es einer der 100 Heimatschätze Bayerns[7]
- Corning, Corning Museum of Glass Inventarnummer 67.1.11.[8]
- Halberstadt, Domschatz Inventarnummer 69.[9]
- Krakau, Schatz der Wawel-Kathedrale.[10]
- London, British Museum Inventarnummer 1959,0414.1.[11]
- Minden, Domschatz.[12]
- 2 Exemplare, Namur, Musée des Arts anciens du Namurois, ehemals im Schatz der Abtei der Soeurs de Notre-Dame de Oignies.[13]
- Nürnberg, Germanischen Nationalmuseum Inventarnummer KG 564.[14]
- Nysa/Neisse, Muzeum Powiatowe w Nysie.[15]
- Fragmente
- Ein Fragment wurde auf der Burg Bommersheim gefunden, heute in Oberursel, Vortaunusmuseum.[16]
- Ein Fragment wurde in Brünn gefunden.[17]
- Ein Fragment wurde im Palast von Buda gefunden.[18]
- Ein Fragment wurde in Göttingen, Ritterplan gefunden, heute Göttingen, Städtisches Museum, Stadtarchäologie Inventarnummer 5932.[19]
- Zwei Fragmente wurden auf der Burg Hilpoltstein gefunden.[20]
- Ein weiteres Fragment wurde in Hilpoltstein gefunden.[21]
- Ein fragmentierter Becher wurde in Krymsk, Region Krasnodar in Russland, gefunden.[22]
- Ein Fragment wurde im Castello di Montarrenti (Toskana) gefunden.[23]
- Zwei Drittel eines Bechers wurden in Nawahrudak/Nowogrudok, Weißrussland, gefunden.[24]
- Drei Fragmente eines Glases wurden im Antico Palazo dei Vescovi in Pistoia gefunden.[25]
- Ein Fragment eines Glases wurde in Poggibonsi (Toskana) gefunden.[26]
- Ein Fragment wurde auf der Wachtenburg in Wachenheim an der Weinstraße gefunden.[27]
- Zwei Fragmente wurden auf der Burg Weibertreu bei Weinsberg gefunden.[28]
Literatur
- Eugen von Czihak: Die Hedwigsgläser. In: Zeitschrift für christliche Kunst. Band 3, 1890, S. 329–354 (Digitalisat)
- Robert Schmidt: Die Hedwigsgläser und die verwandten fatimidischen Glas- und Kristallschnittarbeiten. In: Jahrbuch des schlesischen Museums für Kunstgewerbe und Altertümer. Band 6, 1912, S. 53–78 (Digitalisat)
- Francis N. Allen: The Hedwig Glasses. A Survey. Hyattsville, Maryland 1987 (Digitalisat).
- Erwin Baumgartner, Ingeborg Krueger: Phönix aus Sand und Asche. Glas des Mittelalters. Klinkhardt & Biermann, München 1988, S. 86–105.
- Rosemarie Lierke: Antike Glastöpferei. Ein vergessenes Kapitel der Glasgeschichte. Philipp von Zabern, Mainz 1999, ISBN 3-8053-2442-1, S. 140–145 (Digitalisat mit Ergänzungen [ vom 13. September 2024 im Internet Archive]).
- Rosemarie Lierke: Die Hedwigsbecher. Das normannisch-sizilische Erbe der staufischen Kaiser. Mit einem Beitrag von Rudolf Distelberger. Verlag Franz Philipp Rutzen, Ruhpolding/Mainz 2005, ISBN 3-938646-04-7[29].
- Karl Hans Wedepohl: Die Gruppe der Hedwigsbecher (= Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch-Historische Klasse 2005, 1). Vandenhoeck+Ruprecht, Göttingen 2005.
- Jens Kröger: The Hedwig Beakers: Medieval European glass vessels made in Sicily around 1200. In: Annette Hagedorn (Hrsg.): The Phenomenon of ‘Foreign’ in Oriental Art. Reichert, Wiesbaden 2006, S. 27–46.
- Karl Hans Wedepohl: Überlegungen zur Herkunft der Hedwigsbecher. In: Germania 87, 1, 2009, S. 265–269, doi:10.11588/ger.2009.95481.
Weblinks
Commons: Hedwigsbecher – Sammlung von Bildern
- Hedwigsbecher beim Corning Museum of Glass
- Gloria Ehret: Stilkunde: Syrische Glaskunst des Mittelalters auf weltkunst.de