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Heiliger Antonius der Große (Piermatteo d’Amelia)

Gemälde von Piermatteo d’Amelia From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Heilige Antonius der Große (it. Sant’Antonio abate oder Sant’Antonio abate in cattedra) ist ein in Tempera auf Holz ausgeführtes Gemälde des italienischen Renaissancemalers Piermatteo d’Amelia (* zwischen 1442 und 1448, † 1506?). Entstanden ist das Gemälde um 1475 für die damalige Kirche San Giovanni Battista in Canale etwas außerhalb von Amelia; es befindet sich im Museo Archeologico e Pinacoteca Edilberto Rosa in Amelia.

Schnelle Fakten
Heiliger Antonius der Große (Piermatteo d’Amelia)
Heiliger Antonius der Große
Piermatteo d’Amelia, um 1475
Tempera auf Holz
180 cm × 100 cm
Museo Archeologico e Pinacoteca Edilberto Rosa, Amelia
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Motiv

Der Überlieferung zufolge wurde der hl. Antonius um 251/252 n. Chr. im mittelägyptischen Komé geboren. Nachdem er sein Vermögen verschenkt hatte, zog er sich 20-jährig zunächst in eine Ruine am Nil,[1.1] dann in die Wüste Theben zurück. Auf der Flucht vor einer immer weiter anwachsenden Schar von Jüngern kam er schließlich zum Berg Kolzim am Roten Meer, wo er 356 im Alter von 105 Jahren gestorben sein soll.[2] Sein Leben in Askese wurde zum Vorbild vieler Christen, die sich zu einem Einsiedlerleben in der Wüste entschlossen.[1.1]

Nach Antonius wurde der Orden der Antoniter benannt, der 1095 von dem französischen Adligen Gaston de Valloire nach der Heilung seines Sohnes vom „Antoniusfeuer“ (Ergotismus) gegründet worden war und sich der Krankenpflege widmete.

In Darstellungen seiner Person wird der Heilige häufig mit folgenden Attributen dargestellt:[1.1][2]

  • Eremitentracht oder Ordenstracht der Antoniter: Bestehend aus einem dunklen Talar und einem Mantel; auf der linken Seite der Brust befindet sich ein blaues Antoniuskreuz.[1.2];[2]
  • Antoniuskreuz (Taukreuz): Ein Kreuz in T-Form, Symbol für seine Wanderschaft mit einem Krückstock;[2]
  • Schwein: Ein Hinweis auf das Ordensprivileg der Antoniter, die als Pfleger der Armen ihre Schweine frei in den Städten weiden lassen durften; deren Fett diente zur Behandlung des Antoniusfeuers[1.1][3]
  • Glöckchen: Diente im Volksglauben zur Abwehr von Dämonen. Von den Antonitern wurde es am Pilgerstab oder am Hals der Schweine auch als Warnzeichen für Gesunde vor einer Ansteckung beim Nahen der Mönche genutzt.[1.2]

Bildbeschreibung und Interpretation

Der heilige Antonius der Große wird als lebensgroße Figur im Typus des Sant’Antonio in cattedra in frontaler Ausrichtung auf einem aufwendig gestalteten marmornen Thron sitzend dargestellt. Bekleidet ist er mit einer schwarzen Tunika und einer braunen Kukulle. Auf der linken Brustseite ist das Taukreuz aufgestickt. In der rechten Armbeuge liegt der Wanderstab mit der kleinen Glocke am oberen Ende, der ihn auf seinen Pilgerreisen begleitete. Zu seinen Füßen ist am linken Bildrand ein kleines Schweinchen mit einem grauen Streifen über dem Rücken erkennbar.

Der Heilige wird als älterer Mann „mit strengem und edlem Gesicht“,[4.1] einem grauen Haarkranz um den Schädel und einem langen zweigeteilten Bart derselben Farbe dargestellt. Während seine Rechte in einer Segensgeste erhoben ist, hält seine Linke ein aufgeschlagenes Buch mit rotem Umschlag auf seinem linken Knie. In ihm ist in gotischen Minuskeln[4.2] folgende Inschrift zu lesen:

Quocumque vadis semper deum prae oculis tuis habeas. In hiis que agis testimonium
factas scripturas ad hibeas in quocumque loco sederi.[4.1]
Wohin du auch gehst, mögest du Gott immer vor Augen haben. Bei dem, was du tust, mögest du das Zeugnis
der heiligen Schriften heranziehen, an welchem Ort auch immer du verweilst. 

Die Inschrift verweist auf moralische Ratschläge, die der Heilige der Überlieferung zufolge einem jungen Mann gab, der ihn gefragt hatte, wie man Gott liebt und fürchtet.[4.3]

Um Antonius’ Kopf ist sein Heiligenschein als goldfarbene Scheibe dargestellt, die den oberen Abschluss des Marmorthrones überschneidet. Der Hintergrund hinter dem Thron ist flächig in Gold ausgeführt.

Im Mittelalter und der Neuzeit war der heilige Antonius einer der Heiligen mit der größten Volksfrömmigkeit, insbesondere nach der Überführung seiner Reliquien in das Kloster von Vienne in Frankreich im 11. Jahrhundert. Als Schutzpatron der Tiere und der Landwirtschaft wurde er im ländlichen Bereich sehr verehrt, aber auch im urbanen Umfeld wurde er aufgrund seiner wundertätigen Kraft bei der Heilung des Antoniusfeuers geschätzt. Die Tätigkeit des Ordens der Hospitaliter vom Heiligen Antonius, der Antoniter, hatte große soziale Bedeutung; der Orden verwaltete Krankenhäuser und Hospize für Pilger und verteilte einmal am Tag das „Antoniusbrot“ an die Armen.

Die Franziskaner-Observanten, eine Reformbewegung innerhalb des Franziskanerordens, die das Bildnis in Auftrag gaben, wollten zu den strengen Wurzeln des heiligen Franz von Assisi zurückkehren. Dazu gehörte auch dessen ursprüngliche eremitische Lehre, die eine tiefe innere Übereinstimmung mit der überlieferten Vita des Antonius aufweist.[3]

Die in der Literatur angegebenen Bildmaße weichen erheblich voneinander ab. Lucilla Vignoli gibt in ihrer aktuellen Biographie über den Maler die Maße 180 cm × 100 cm an,[4.1] während Giovanni Bussetti nur 160 cm × 81 cm misst.[5.1] Giovanni Battista Cavalcaselle und Giovanni Morelli schließlich gaben 1896 die Maße 175 cm × 102 cm an.[4.1] Dies deutet darauf hin, dass Vignoli bzw. Cavalcaselle und Morelli das Gemälde einschließlich des historischen Rahmens gemessen haben, Bussetti hingegen nur die bemalte Holzfläche.

Inspirationsquellen für Piermatteo d’Amelia

Das Schweinchen

Der graue Streifen auf dem Rücken des kleinen schwarzen Schweinchens zu Antonius’ Füßen lässt sich als typische Fellzeichnung der italienischen Schweinerasse Cinta Senese (wörtlich „Gürtel[schwein] aus Siena“) identifizieren. Die erste bekannte Darstellung dieser Rasse in einem Gemälde stammt von der Hand Ambrogio Lorenzettis (* 1290; † 1348) in seinem bekannten Freskenzyklus Allegorie der guten und der schlechten Regierung (it. Allegoria ed effetti del Buono e del Cattivo Governo), entstanden in den Jahren 1338 und 1339 im Palazzo Publico in Siena. In dem Wandabschnitt, der den Auswirkungen einer guten Regierung auf den ländlichen Raum gewidmet ist, wird ein solches Schwein in die Stadt getrieben.[5.2] Eine frühe Darstellung des Schweinchens zusammen mit dem hl. Antonius zeigt ein Fresko im Oratorium San Bartolomeo in Prato, das der Florentiner Schule zugeschrieben wird und auf 1380–1390 datiert ist; das Schweinchen ist dort am linken Bildrand zu erkennen.[5.2][6]

Der Heilige

In derselben Kirche in Prato befindet sich ein Freskenzyklus mit vier Szenen aus dem Leben des Heiligen, datiert auf 1400–1410, das ebenfalls der Florentiner Schule zugeschrieben wird.[7] Hier zeigen sich deutliche formale Parallelen zum Gemälde Piermatteos, etwa das mit der linken Hand gehaltene rote Buch, der Haarkranz, der lange weiße Bart sowie die Kombination von Braun und Schwarz in der Gewandung.[5.2]

Sehr enge Bezüge zum Bildnis Piermatteos zeigt eine Holzskulptur des hl. Antonius, die sich in einer Ecke des linken Seitenschiffs der Konkathedrale San Giovenale in Narni befindet. Der Heilige sitzt dort auf einem kleinen Thron; während seine Rechte in einer Segensgeste erhoben ist, ruht die Linke auf einem vergoldeten Buch. Die Skulptur ist am unteren Rand signiert; die Inschrift weist sie als ein Werk des Malers und Bildhauers Il Vecchietta (Lorenzo di Pietro, * 1410; † 1480) aus, ausgeführt 1474. Fabio Marcelli und Francesco Ortenzi zufolge wurde sie für die Konkathedrale ausgeführt,[3] während sie laut Giovanni Bussetti für die heute nicht mehr existierende Kirche Sant’Antonio geschaffen wurde.[5.3]

Piermatteo selber verwendete für die Darstellung Gottvaters in der Lünette des Altarbildes für die Franziskanerkirche in Terni, das er in den Jahren 1483–1485 anfertigte (heute im Museo d'arte moderna e contemporanea Aurelio De Felice), dasselbe Figurenmodell wie für den hl. Antonius.[4.4][4.5]

Historie

  • 1717: Die älteste Erwähnung des Heiligenbildnisses stammt von Antonio da Orvieto in seiner Chronologia della provincia serafica dell’Umbria. Er beschreibt das Werk im Innern der Kirche des Konvents San Giovanni Battista in Canale, der etwas außerhalb von Amelia an der Via Roma gelegen ist.[4.1]
  • 1861: Im Zuge der beginnenden Säkularisationen im Kontext der italienischen Staatsgründung (Risorgimento) besichtigen Cavalcaselle und Morelli das Kloster; ihre dort angefertigten Notizen werden jedoch erst 35 Jahre später veröffentlicht.[4.6]
  • 1866: Mariano Guardabassi, der im Auftrag der Behörden für die Inventarisierung der zu enteignenden Kunstschätze zuständig war, dokumentiert das Gemälde „innerhalb des Klosters oberhalb der Gittertür zur Krankenstation“. Er schreibt es fälschlicherweise der „Schule der Nelli aus Gubbio“ zu (diese Angabe dürfte sich auf Ottaviano Nelli (* um 1375; † um 1444) beziehen) und äußert sich sehr lobend über das Bild: Es sei mit außergewöhnlicher Meisterschaft ausgeführt, zeige schöne Proportionen der Figur sowie ein gutes Kolorit. Die Gewänder seien reich und gut gefaltet, in allem trete die Exzellenz der Zeichnung hervor. Allerdings empfiehlt er aufgrund des Erhaltungszustandes dringend eine sorgfältige Restaurierung.[4.1]
  • 1891: Nach der formellen Auflösung des Konvents einige Jahre zuvor wird der Gebäudekomplex von den letzten dort verbliebenen Franziskanermönchen verlassen.[4.1]
  • 1893: Der Schriftsteller und Kunsthistoriker Giovanni Eroli besucht den Exkonvent und dokumentiert das Gemälde. Zu dem Zeitpunkt befand es sich in der ehemaligen Sakristei des Klosters. Eroli macht darauf aufmerksam, dass es zur Zeit der französischen Besetzung mit vielen anderen Kunstgegenständen des Kirchenstaats nach Frankreich verschleppt worden sei (vermutlich 1797 als Folge des Friedensvertrags von Tolentino), nach der endgültigen Niederlage Napoleons 1815 aber durch den päpstlichen Beauftragten Antonio Canova restituiert wurde. Diese Reise werde durch ein Lacksiegel bestätigt, das unten auf der Tafel eingeprägt sei. Auch Eroli weist auf sichtbare Schäden am Bild hin, darunter einige Risse in der Holztafel sowie stellenweises Abplatzen von Farbe, verursacht durch den ungeschützten Standort im direkten Sonnenlicht.[4.1]
  • 1896; Cavalcaselle und Morelli veröffentlichen ihre 1861 aufgenommenen Notizen. Die beiden Gelehrten hatten das Gemälde damals „im Korridor des Klosters“ gesehen, vermutlich an demselben Standort, den Guardabassi beschrieben hatte. Sie definierten es als Malerei der umbrischen Schule aus dem 15. Jahrhundert und taxierten es auf einen Wert von 1400 Lire (in Zahlen geschrieben), setzten den Protokolltext beim Ausschreiben in Worten aber irrtümlich mit dem Wortlaut „vierhundert“ (quattrocento) fort. In einer Fußnote wird der neue Standort, die von Eroli erwähnte Sakristei, angegeben.[4.6]

In den folgenden Jahren wurde der ehemalige Klosterkomplex San Giovanni privatisiert und in eine Jugendstilresidenz umgebaut; die neuen Eigentümer schenkten das wertvolle Gemälde der Gemeinde Amelia, wonach es in die Sammlung der städtischen Pinakothek gelangte, wo es bis heute aufbewahrt wird.[4.1]

Im Jahr 1907 wurde die Tafel in der Ausstellung Mostra d’Antica Arte Umbra („Ausstellung alter umbrischer Kunst“) erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Im offiziellen Ausstellungskatalog wird sie dort noch allgemein als (anonymes) Werk des 15. Jahrhunderts ausgewiesen. In einer anschließenden Rezension zur Ausstellung schreibt der Kunsthistoriker Frederick Mason Perkins die „eindrucksvolle Figur des Hl. Antonius des Großen“ einem namentlich nicht näher spezifizierten Schüler des perusinischen Malers Fiorenzo di Lorenzo (* 1452; † 1522) zu.[4.6]

1924 datiert Umberto Gnoli das Werk in die „Zeit von Sixtus IV. oder Innozenz VIII.“ (das heißt in den Zeitraum 1471 bis 1492), er bezeichnet es als ein Gemälde, das jenen von Piermatteo d’Amelia sehr nahestehe.[4.6]

Knapp 30 Jahre später nahm der bedeutende Kunsthistoriker Federico Zeri die Tafel in Augenschein und schrieb sie dem „Meister der Gardner-Verkündigung“ zu, der mit Piermatteo identisch ist. Zeri hielt die Tafel für ein Spätwerk, das kompositorisch nicht über das geläufige Niveau einer sorgfältigen und sauberen kalligraphischen Probe hinauskomme.[4.7]

1966 wurde das Gemälde von Giovanni Mancini unter der Leitung von Francesco Santi restauriert. In seinem im folgenden Jahr veröffentlichten Bericht bekräftigt Santi die Zuschreibung an Piermatteo, äußert aber Zweifel an der späten chronologischen Einordnung durch Zeri. In den folgenden Jahrzehnten wurde in der Fachwelt mit wechselnden stilkritischen Argumenten im Wesentlichen über die Datierung des Gemäldes debattiert, die Autorschaft Piermatteos wurde hingegen nicht infrage gestellt.[4.8]

Schließlich veröffentlichten F. Travaglini und C. Virili 1992 die Transkription zweier Archivnotizen, die sie in einem Notariatsprotokoll vom 5. und 13. November 1474 ausfindig gemacht hatten.[4.8] Diese Dokumente beziehen sich auf ein älteres Geldvermächtnis zur Errichtung eines Altars mitsamt einer gemalten Figur des hl. Antonius in der Kirche San Giovanni Battista. Durch Kardinal Angelo Capranica hatte Papst Sixtus IV. mittels eines Breves an den Prokurator der Minderbrüder, Matteo di Cecco Venturelli, die offizielle Anweisung zur Auszahlung und Verwendung dieser Summe erteilt. Travaglini und Virili bezogen diese Dokumente direkt auf das Gemälde Piermatteos und schlugen auf dieser Grundlage eine Frühdatierung auf 1474 oder kurz darauf vor, was auch die relativ geringe Summe von 40 Dukaten erklären würde, die für die Errichtung von Altar und Tafel vorgesehen waren.[4.9] Die Frühdatierung würde auch nahtlos in die Biographie Piermatteos passen, der – urkundlich nachgewiesen – am 25. Oktober 1475, am 29. September 1476 und am 8. Februar 1479 als Zeuge in Amelia weilte.[5.2]

Fabio Marcelli bestätigte 1996 die Hypothese einer Datierung in die Frühphase des Schaffens Piermatteos, er geht von einer Ausführung um 1475 aus, was er mit der großen Nähe des Gemäldes zur oben gezeigten zeitgenössischen Holzskulptur von Il Vecchiatta begründet; diese habe als Modell für Piermatteos Gemälde gedient, welches als „eine malerische Umsetzung des hölzernen Vorbilds“ anzusehen sei.[4.9]

In der Folge wurde das Gemälde auf der Ausstellung Il Quattrocento a Roma. La rinascita delle Arti da Donatello a Perugino vom 29. April bis 7. September 2008 im römischen Museo del Corso präsentiert.[4.9] Nach einem erneuten Restaurierungseingriff wurde die Tafel kurz darauf vom 12. Dezember 2009 bis 2. Mai 2010 in der Ausstellung Piermatteo d’Amelia e il Rinascimento nell’Umbria meridionale in Terni und Amelia ausgestellt.[4.4]

Einzelnachweise

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