Piermatteo d’Amelia

Maler (1445-1508) From Wikipedia, the free encyclopedia

Piermatteo di Manfredi, genannt Piermatteo d’Amelia oder da Amelia (* um 1445 in Amelia; † um 1508), war ein italienischer Maler, der oft mit dem fast gleichnamigen Piermatteo Lauro verwechselt wird.

Madonna mit Kind, Gemäldegalerie (Berlin), 1481, (aus Orvieto)

Leben

Er wurde zwischen 1442 und 1448 als Sohn von Manfredo d’Antonio di Giovanni und Graziosa d’Angelo di Niccolò[1] geboren. Sein Vater wird unter den Grundbesitzern des Viertels Borgo di Amelia aufgeführt und muss wohlhabend gewesen sein.

Als Künstler wird erstmals als Gehilfe von Filippo Lippi erwähnt, als er zwischen 1467 und 1469 an der Ausschmückung der Apsis des Doms von Spoleto (Geschichten der Jungfrau Maria) mitwirkte.[2]

Zwischen 1479 und 1480 hielt er sich in Rom auf, vermutlich dank seiner Beziehungen zur einflussreichen Familie Geraldini aus Amelia. Dieses Geschlecht war so angesehen, dass es Sixtus IV. in einem seiner Paläste in Amelia beherbergen konnte.

In Rom wurde er mit der Bemalung des Gewölbes der Sixtinischen Kapelle beauftragt, das er mit einem Sternenhimmel verzierte. Dieses Fresko wurde später von Michelangelo übermalt, da sich im Dach Risse gebildet hatten. Diese waren auf die Bauarbeiten für das Fundament des neuen Petersdom zurückzuführen und wurden von Bramante umgehend durch den Einsatz von Ketten gesichert. Die erste Ausschmückung der Sixtinischen Kuppel ist durch eine Zeichnung dokumentiert, die Piermatteo zugeschrieben wird und in den Uffizien aufbewahrt wird.[2]

Werk von 1473 (Tafel, Piermatteo d’Amelia zugeschrieben), Das Wunder des totgeborenen Kindes, Perugia, Galleria Nazionale dell’Umbria

Zwischen 1480 und 1482 war er in Orvieto als Statuenverzierer und Vergolder von Sakralmöbeln und Uhrengehäusen tätig. Aus dieser Zeit stammt das heute zerlegte Sant’Agostino-Polyptychon für die Kirche Sant’Agostino, dessen Tafeln sich in verschiedenen Sammlungen befinden, darunter in der Gemäldegalerie in Berlin. Nach seiner Rückkehr nach Rom wurde er 1482 nach Orvieto zurückgerufen. Der Rat der Dombauhütte bot ihm die Ausschmückung der Kapelle San Brizio an. Dieser Auftrag wurde später an Luca Signorelli übertragen. Auf das folgende Jahr datiert das in Narni entstandene Fresko, das die Madonna mit dem Kind und die Heiligen Lucia und Apollonia darstellt.

Ab 1485 hielt er sich in Rom auf, wo er für die Päpste Innozenz VIII. und Alexander VI. arbeitete.

Im Jahr 1497 wurde er zum Konservator der Stadt Fano ernannt und fungierte ab 1503 als Oberaufseher für die päpstlichen Bauwerke in Civita Castellana.

In seinen letzten Werken hat Federico Zeri eine Annäherung an den künstlerischen Stil von Antoniazzo Romano erkannt.[2]

Ort und Datum seines Todes sind unbekannt.

Künstlerisches Schaffen und Werke

Piermatteo d’Amelia, Gardner-Verkündigung, Isabella Stewart Gardner Museum, Boston

Dank der in den 1920er Jahren von Umberto Gnoli, Roberto Longhi und Bernard Berenson durchgeführten Untersuchungen konnte im 20. Jahrhundert die Identität jenes Malers ermittelt werden, dessen Werke unter dem Notnamen „Meister der Gardner-Verkündigung“ zusammengefasst wurden.[2] Die Gardner-Verkündigung wurde für das Kloster SS. Annunziata in Amelia geschaffen, gelangte später in die Porziuncola, wurde 1900 an Isabella Stewart Gardner verkauft und wird heute im gleichnamigen Museum in Boston aufbewahrt.[2][3]

Die Befreiung des Meisters aus der Anonymität im Jahr 1953 und seine Identifizierung als Piermatteo d’Amelia sind den Studien und der glücklichen Intuition des Kunstkritikers Federico Zeri zu verdanken.[4] Dieser zählte seine künstlerische Persönlichkeit zu den großen Malern des 15. Jahrhunderts, die zu den Protagonisten der Renaissance-Malerei zählen.[2] Zeri ordnete zwei Tafeln des Gemäldezyklus „Geschichten des Heiligen Bernhard“ (Perugia, Galleria Nazionale dell’Umbria) Piermatteos Frühphase zu. Diese Identifizierung fand 1985 eine dokumentarische Bestätigung, als der notarielle Vertrag über die Ausführung des Altarbildes der Franziskaner von Terni aufgefunden wurde. Dies war das Verdienst der Archivarin Elisabetta David. Dieses wahre Meisterwerk der umbrischen Renaissance wird in der Pinakothek derselben Stadt aufbewahrt und wurde am 29. September 1483 eigens in Amelia bei Piermatteo in Auftrag gegeben.[3][4]

Seine seltenen Werke befinden sich neben denen aus Amelia, Terni und Perugia in renommierten Museen weltweit, darunter in Berlin, Boston, Frankfurt am Main (eine Madonna mit Kind aus den 1470er Jahren), Philadelphia und Altenburg.

Das Gemälde des Heiligen Antonius des Großen ist das einzige Werk, das in seiner Geburtsstadt Amelia im Museo Civico e Pinacoteca aufbewahrt wird. Deren Sammlungen umfassen auch eine Sacra Conversazione, die seiner Werkstatt zugeschrieben wird. Dem Maler und seiner Werkstatt werden zudem zahlreiche Fresken zugeschrieben, darunter ein bedeutender Zyklus in der Ädikula von Toscolano in Avigliano Umbro (TR), in der Kirche San Simeone in Porchiano del Monte (Amelia), im Dom von Orvieto, in Narni sowie in zahlreichen Orten im oberen Latium (Kirche San Rocco in Castiglione in Teverina).

Piermatteo d’Amelia war eine Ausstellung gewidmet, die am 12. Dezember 2009 in Terni und Amelia unter dem Titel „Piermatteo d’Amelia und die Renaissance in Südumbrien“ eröffnet wurde. Sie umfasste einen Rundgang zu den Wirkungsstätten Piermatteos, der in seinem Geburtsort begann.

Locandina Piermatteo 2025

Vom 28. April bis zum 30. Dezember 2025 realisierte die Unitre di Amelia unter dem Vorsitz von Mara Quadraccia und der künstlerischen Leitung von Giulio Castrica das multidisziplinäre Projekt Piermatteo 2025. Es vereinte die Bereiche bildende Kunst, Musik und Erzählkunst und war dem Meister aus Amelia gewidmet.[5]

Das Projekt wurde dank der Förderung durch die „Fondazione Carit - Richieste generali di contributo 1/2025, settore B / Arte, Attività e beni culturali“ mit einem Zuschuss von 12.632,00 Euro realisiert. Ergänzt wurde dieser durch finanzielle Unterstützung von ARCIFS, Unicoop Etruria, Italia Nostra – Sektion Amelia, Amici del Teatro di Amelia sowie durch Mittel der Unitre di Amelia. Ziel der Initiative war die Schaffung eines kulturellen Netzwerks zwischen den Gemeinden Terni, Narni, Amelia, Lugnano in Teverina und Avigliano Umbro. Diese haben das Projekt gemeinsam mit der Provinz Terni gefördert.

Nachdem im April und Mai die erforderlichen Genehmigungen von den zuständigen Behörden eingeholt worden waren, wurde eine Foto- und Videodokumentation der Werke des Künstlers erstellt. Das gesammelte Material wurde anschließend vom Studio Ackagi (die bildenden Künstler Paul Harden und Grazia Genovese) unter Einsatz neuer Technologien bearbeitet und zu einem Video ergänzt, das zusätzliche Aufnahmen von Orten enthält, die mit dem Leben von Piermatteo in Verbindung stehen.

Im Juni übergab der junge, vielfach ausgezeichnete Komponist Emanuele Stracchi die Partituren der Oper „Piermatteo d’Amelia“, die Giulio Castrica gewidmet ist. Das Werk besteht aus dreizehn Bildern für Gitarre und Streicher, deren Struktur sich am Goldenen Schnitt von Fibonacci orientiert. Der Text der Oper wurde unter kunsthistorischer Beratung von Lucilla Vignoli und Ilaria Sgrigna von Mara Quadraccia verfasst.

Am 30. August wurde das Projekt im Rahmen einer Pressekonferenz im Sala Secci der Provinz Terni offiziell vorgestellt. Die im Video gezeigten Bilder und ikonografischen Details verbanden sich mit der Musik von Maestro Giulio Castrica (Gitarre) und dem Gynaikos-Quartett der Scuola di Fiesole (Emma Zebi, Costanza Gabrielli, Giorgia Bartoccini und Benedetta Matteoli). Ergänzt wurde das Ganze durch Lesungen über das Leben und Werk des Künstlers, vorgetragen von Giancarlo Sgrigna, unter der technischen Leitung und Regie von Simone Gentili.

Zudem wurde im Teatro Spazio Fabbrica di Lugnano in Teverina eine DVD produziert. An dem Projekt waren mehrere Unitre-Büros sowie gemeinnützige Organisationen und Genossenschaften beteiligt, die in den Bereichen Sozialarbeit, Ehrenamt und Inklusion benachteiligter Gruppen tätig sind.

Monitoring-Daten Die Veranstaltung war an allen Terminen ausverkauft: in Terni (Sala dell’Orologio im CAOS-Zentrum), in Avigliano Umbro (Teatro Comunale) und in Amelia (Sala della Pinacoteca della Biblioteca Comunale). Insgesamt wurden bei der letzten Vorstellung in der Sala degli Scolopi in Narni 377 Besucher verzeichnet.

In puncto Kommunikation verzeichnete das Projekt 89.000 Aufrufe auf Facebook, 55.000 auf Instagram (über zwei Kanäle) sowie insgesamt 3.770 Aufrufe auf YouTube und Twitter. Hinzu kommen Online- und Printartikel, die in einer rund 100-seitigen Presseschau zusammengefasst wurden. Dabei haben über 40 regionale und nationale Zeitungen mehrfach Beiträge zum Projekt veröffentlicht.

Literatur

  • Matteo Mazzalupi: PIERMATTEO d’Amelia. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 83: Piacentini–Pio V. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2015.
  • Piermatteo da Amalia. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 27: Piermaria–Ramsdell. E. A. Seemann, Leipzig 1933, S. 24 (biblos.pk.edu.pl).
  • Meister der Gardner-Verkündigung. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 37: Meister mit Notnamen und Monogrammisten. E. A. Seemann, Leipzig 1950, S. 111 (biblos.pk.edu.pl).
  • Federico Zeri: Il Maestro dell'Annunciazione Gardner (= Bollettino d’Arte. II, aprile-giugno 1953, XXXVIII). (italienisch, Dank des von Elisabetta David 1985 im Staatsarchiv von Terni aufgespürten Vertrags für das Gemälde konnte das Werk dem Künstler zugeordnet werden).
  • Piermatteo d'Amelia e il Rinascimento nell'Umbria meridionale. Silvana Editoriale, Cinisello Balsamo 2009 (italienisch, Ausstellungskatalog, Kuratiert von F.F. Mancini e V. Garibaldi (Amelia, Museo Civico e Pinacoteca; Terni, Caos-Centro Arti Opificio Siri, 2009-2010)).
  • Saverio Ricci (Hrsg.): Piermatteo d'Amelia e il Rinascimento. Itinerari in Umbria. Silvana Editoriale, Cinisello Balsamo 2009 (italienisch, academia.edu).
  • Piermatteo d'Amelia: Pittura in Umbria meridionale fra '300 e '500. Edifir, Florenz 1997 (italienisch).
  • Franco Della Rosa: Un ritratto di riconoscenza di Piermatteo Manfredi all'amerino Angelo Geraldini ed una gran beffa per il committente (= NOTIZIARIO. 9 - II SEM 2018). Ch-Cumun da Val Mustair - Grischun, S. 5 (italienisch).
  • Franco Della Rosa: Novità dalla Pala dei Francescani di Piermatteo Manfredi. I Pannello - presentazione di Angelo Geraldini alla Chiesa. II Pannello - virgulto: firma e ritratto sulla predella di tre diverse Opere? - La beffa del Codice Manfrediano (= NOTIZIARIO. 10 - I SEM 2019). Ch-Cumun da Val Mustair - Grischun, S. 7 (italienisch).
  • Franco Della Rosa: La riconoscenza del Manfredi nella Pala dei Geraldini (= NOTIZIARIO. 11 - II SEM 2019, p. 5-6-7. Il ringraziamento aggiunto di Piermatteo Manfredi nell'affresco di sant'Agostino di Narni - NOTIZIARIO, n. 11 - II SEM 2019). Ch-Cumun da Val Mustair - Grischun, S. 8 (italienisch).
Commons: Piermatteo d'Amelia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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